mini|hochkant=1|Henry Carey, 1. Baron Hunsdon von Steven van Harwijck

Henry Carey, 1. Baron Hunsdon KG (* 4. März 1526; † 23. Juli 1596) war ein englischer Adliger und ein Cousin der englischen Königin Elisabeth I. Seine Mutter Mary Boleyn, Schwester der Königin Anne Boleyn, war für einige Jahre die Geliebte König Heinrichs VIII. Daher wurde oft spekuliert, dass nicht Marys Ehemann Sir William Carey, sondern der König selbst Henrys Vater war.

Unter König Eduard VI. erhielt er als Member of Parliament einen Sitz im House of Commons, den er auch unter Königin Maria I. innehatte. Unter der Herrschaft seiner Cousine Elisabeth wurden Henry der Titel des Baron Hunsdon und der Hosenbandorden verliehen. Er übte das Amt des Gouverneurs von Berwick-upon-Tweed aus und schlug die nördliche Rebellion der Anhänger Maria Stuarts nieder. Seine letzten Jahre verbrachte er als Mitglied des Kronrates und als Vermittler zwischen England und Schottland. Als Lord Chamberlain wurde er der erste Patron der Lord Chamberlain’s Men, der Theatergruppe William Shakespeares.

Leben

Jugend Henry Carey wurde am 4. März 1526 als zweites Kind von William Carey und Mary Boleyn geboren. William war ein Favorit des Königs Heinrich VIII. und diente dem König als Gentleman der Privy Chamber, eine angesehene Vertrauensposition. Mary Boleyn diente zunächst der Königin Katharina von Aragón und später ihrer eigenen Schwester Anne Boleyn als Hofdame. Zu einem unbekannten Zeitpunkt zwischen 1520 und 1525, als sie bereits mit William Carey verheiratet war, wurde sie Heinrichs Mätresse, was zu Spekulationen über die Vaterschaft ihrer Kinder Catherine und Henry führte. Es lässt sich nicht mehr eindeutig feststellen, wann genau die Affäre zwischen Heinrich und Mary begann und endete. Henry Careys Zeugung könnte durchaus stattgefunden haben, als seine Mutter noch die königliche Mätresse war.

links|mini|hochkant=1|Henry Careys Mutter Mary Boleyn Spekulationen über seine möglicherweise königliche Abstammung gab es bereits früh. Im Jahr 1535, als Heinrich bereits mit Marys Schwester Anne Boleyn verheiratet war, schrieb John Hale, Vikar von Isleworth, an den Rat: „Mr. Skydmore zeigte mir den jungen Master Carey und sagte, er wäre der Sohn unseres Herrn Königs von der Schwester der Königin, die die Königin nicht bei Hofe dulden will.“ Heinrichs Vaterschaft kann jedoch nicht bewiesen werden, zumal der König Mary Boleyns Kinder im Gegensatz zu seinem unehelichen Sohn Henry Fitzroy niemals offiziell anerkannte.

Henrys Vater William Carey starb 1528 am Englischen Schweiß. Er hinterließ seinem Sohn Ländereien in Essex, Wiltshire, Hampshire und Buckinghamshire, was Henry zu einem reichen, aber minderjährigen Erben machte. Damit fiel seine Vormundschaft, wie damals üblich, an die Krone. Heinrich übertrug die Vormundschaft Anne Boleyn, die ihren Neffen zusammen mit den Söhnen des Henry Norris und des John Dudley von dem geflohenen Evangelisten Nicholas Bourbon unterrichten ließ.

1534 heiratete Henrys Mutter Mary heimlich William Stafford und wurde aufgrund dieser unstandesgemäßen Ehe vom Hof verbannt und von ihrer Familie verstoßen. Nach der Hinrichtung Anne und George Boleyns war Henry Carey jedoch der einzige männliche Erbe der Boleyns, was möglicherweise Grund für die letztendliche Versöhnung zwischen Mary und ihrem Vater Thomas Boleyn war. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1543 durfte Mary das Haus Rochford Hall in Essex für sich und ihre Familie nutzen. Henrys Vormundschaft fiel nach Anne Boleyns Tod an die Krone zurück, woraufhin sein entfernter Verwandter Francis Bryan ihn im Auftrag des Königs mit anderen Mündeln zur Ausbildung nach Woburn Abbey schickte.

Frühe Karriere mini|hochkant=0.7|Henrys Ehefrau Anne Morgan, Kopie von Henry Bone nach einem zeitgenössischen Porträt Am 21. Mai 1545 erhielt Carey, der bereits Mitglied des königlichen Haushalts war, die Erlaubnis, Anne Morgan zu heiraten, Tochter des Sir Thomas Morgan von Arkstone. Im selben Jahr diente Carey unter John Dudley als Hauptmann in Portsmouth, als die Franzosen die Engländer in Seegefechte verwickelten. 1546 und 1551 reiste er im Gefolge englischer Botschafter nach Frankreich und erhielt 1547 unter König Eduard VI. einen Parlamentssitz für das Borough Buckingham. Im Jahr 1549 übertrug ihm der junge König zudem die beiden Herrenhäuser Little Brickhill und Burton in Buckinghamshire. Möglicherweise diente Carey von 1551 bis 1552 seiner Cousine Prinzessin Elisabeth in deren Haushalt als Gentleman.

Im Jahr 1553, als Lady Jane Grey und Prinzessin Maria beide Anspruch auf den Thron erhoben, nahm Carey nicht an Parlamentssitzungen teil. Als die katholische Maria letztendlich siegte und den Thron bestieg, flohen Careys Schwester Catherine und sein Stiefvater William Stafford mit ihren jeweiligen Familien auf den Kontinent. Carey hingegen blieb in England und übte von 1553 bis 1558 das Amt des Vorschneiders in Marias Privy Chamber aus.

Trotz dieser ehrenvollen Aufgabe scheint es zwischen Carey und der Regierung Spannungen gegeben zu haben. Er verließ 1554 eine Parlamentssitzung ohne Erlaubnis, weswegen beim königlichen Gericht King’s Bench eine Beschwerde gegen ihn eingereicht wurde, die jedoch folgenlos blieb. Zusätzlich stimmte Carey 1555 gegen einen Gesetzesentwurf der Regierung. Innerhalb dieses Zeitraums, von 1554 bis 1555, diente er erneut in Prinzessin Elisabeths Haushalt. 1557 wurde er im Fleetgefängnis inhaftiert, da er 1551 Schulden in Höhe von 507 Pfund gemacht hatte. Am 19. Mai wurde die Strafe jedoch mittels einer Bürgschaft aufgehoben.

Cousin der Königin links|mini|hochkant=1|Henry Careys Cousine Königin Elisabeth I. in Krönungsroben Sobald Elisabeth ihrer Halbschwester Maria auf den Thron folgte, ging es mit Careys Karriere steil bergauf. Die neue Königin erkannte ihn offen als ihren Verwandten an und schlug ihn zum Ritter. Am 13. Januar 1559, kaum zwei Monate nach ihrer Thronbesteigung und zwei Tage vor ihrer Krönung, ernannte Elisabeth Carey zum ersten Baron Hunsdon. Im selben Jahr übertrug sie ihm zudem Ländereien in Essex, Kent und Hertfordshire sowie das Herrenhaus von Hunsdon. Alles in allem sicherte Elisabeths Großzügigkeit Carey ein Jahreseinkommen von 4000 Pfund.

Am 13. Oktober 1560 bekam er zusätzlich das Amt des königlichen Falkners übertragen, was ihm weitere 40 Pfund Jahreseinkommen bescherte. Zusätzlich nahm er zwischen 1559 und 1560 an mehreren Tjosten teil und wurde am 18. Mai 1561 in den prestigeträchtigen Hosenbandorden aufgenommen. Während Königin Elisabeths Besuch in Cambridge im Jahr 1564 erhielt er den Titel eines MA und wurde im gleichen Jahr zum Hauptmann der Gentleman Pensioners ernannt, eine frühere Bezeichnung für das Honourable Corps of Gentlemen at Arms. Damit stieg er in den Rang eines königlichen Leibwächters auf. Anders als andere Höflinge zeichnete Carey sich schnell durch seine unverblümte Ehrlichkeit aus und hielt sich von den diversen Interessengruppen bei Hofe fern. Im Gegensatz zu Elisabeth waren ihm drastische Maßnahmen lieber als Hinhaltetaktik und Abwarten. Die Höflinge beobachteten ihn daher streckenweise mit Argwohn, während Soldaten ihn schätzten und respektierten.

Obwohl es zwischen der Königin und ihrem Cousin aufgrund ihres unterschiedlichen Temperaments hin und wieder zu Spannungen kam, war ihr Verhältnis zueinander sehr herzlich. Als Elisabeth 1562 an den Pocken erkrankte und glaubte, im Sterben zu liegen, bat sie den Rat, für Carey zu sorgen. Auch vertraute sie ihm diverse Missionen an. Bereits 1560 war Carey das erste Mal in Schottland, wo er gemeinsam mit Thomas Howard, 4. Duke of Norfolk gegen die französischen Streitkräfte der Regentin Marie de Guise kämpfte. Als mit den Franzosen Frieden geschlossen wurde, führte Carey 1564 eine diplomatische Gesandtschaft nach Frankreich an und überbrachte dem jungen König Karl IX. den Hosenbandorden. Drei Jahre später wurde er erneut nach Frankreich geschickt, allerdings ist der Grund dieser Mission nicht mehr bekannt.

Diplomatische und militärische Missionen

Rebellion im Norden

Am 25. August 1568 erhielt Henry Carey das Amt des Gouverneurs von Berwick-upon-Tweed, was ihn an die Grenze zwischen England und Schottland schickte. Elisabeths enger Berater William Cecil unterstützte Carey in seiner Ernennung, da es Gegenstimmen gab. Von der Grenze aus bedankte Carey sich bei ihm und belieferte ihn zeitgleich mit wichtigen Informationen. Um diese Zeit befand sich die Grenzregion in Aufruhr, da die schottische Königin Maria Stuart wenige Monate zuvor aus Schottland geflohen war und in England um Asyl ersucht hatte. Für die Katholiken Englands war die gleichfalls katholische Maria Stuart die große Hoffnung, da sie durch ihre Abstammung von Elisabeths Tante Margaret Tudor einen Anspruch auf den englischen Thron hatte und Elisabeth unter den Katholiken als nicht erbberechtigter Bastard galt. Dennoch achtete Elisabeth Maria als ihre Verwandte und gleichberechtigte Königin, was Carey im September 1568 kritisierte. Auch kamen ihm Gerüchte zu Ohren, dass u. a. sein Schwager Francis Knollys über eine mögliche Eheschließung zwischen Maria Stuart und Careys ältestem Sohn George spekulierte, was Carey entschieden von sich wies.

mini|hochkant=1|Maria Stuart in englischer Gefangenschaft, ca. 1575 Nach ca. neun Monaten bat Carey um Erlaubnis, seinen Posten verlassen zu dürfen. Im September reiste er im Auftrag Elisabeths nach Schottland, um herauszufinden, ob die Möglichkeit bestand, Maria Stuart zurück in ihre Heimat zu schicken und sie gleichzeitig von der Thronfolge auszuschließen. Kurze Zeit später brach im Norden Englands jedoch eine Rebellion zugunsten Maria Stuarts aus. Ziel der Rebellen war es, Maria Stuart zu befreien und zur Königin von England auszurufen. Zu den rebellischen Adligen gehörten u. a. Leonard Dacre, Bruder des 4. Baron Dacre, Thomas Percy, Earl of Northumberland und Charles Neville, 6. Earl of Westmorland. Carey kehrte daher hastig auf dem Seeweg zu seinem Posten zurück, um Thomas Radclyffe zu unterstützen, den dritten Earl of Sussex und Lord President of the Council im Norden. Am 26. November legte sein Schiff in Kingston upon Hull an und nachdem Carey Elisabeth von Sussex’ Loyalität überzeugt hatte, arbeitete er mit ihm zusammen. Tage nach seiner Ankunft flohen Thomas Percy und Charles Neville über die Grenze nach Schottland. Carey nutzte die Gelegenheit, um sich Percys verwirkte Ämter als Verwalter von Middlesbrough und Richmond zu sichern.

Von den rebellischen Lords war es Leonard Dacre gelungen in England zu bleiben und sich in der Festung Naworth in Cumberland zu verschanzen. Von hier aus rekrutierte er mehrere tausend Soldaten. Carey sandte regelmäßig Berichte an den Hof und bezeichnete den Aufstand im Norden als größte Verschwörung der letzten hundert Jahre. Hier kam es zu Spannungen mit Elisabeth, die die Auflösung der Armee anordnete und seiner Meinung nach die Gefahr im Norden unterschätzte, weshalb er Cecil um Unterstützung bat. Elisabeth wiederum war ungehalten, dass es Carey nicht gelungen war, Percy aufzuspüren, was ihn zu der verbitterten Aussage bewegte, dass die Königin unter einem Zauber stehen musste und dringend guten Rat und verlässliche Freunde brauchte, „denn beides kümmert sie wenig“. Erst die Versicherung seiner Ehefrau, dass er nach wie vor hoch in Elisabeths Gunst stand, besänftigte ihn.