Fairphone B.V. ist ein niederländischer Elektronikhersteller und eine niederländische Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit eingetragenem Sitz in Amsterdam.
Das Unternehmen ging aus einer 2010 gestarteten Kampagne hervor und entwickelte sich 2013 zu einem Hersteller von Smartphones. Fairphone positioniert Smartphones und Audioprodukte als langlebigere, reparierbare und sozial verantwortlicher produzierte Alternative zu herkömmlicher Unterhaltungselektronik. Seit 2023 werden mit den Fairbuds auch kabellose Kopfhörer angeboten. Ziel ist es, die Geräte unter möglichst fairen Bedingungen herzustellen. Sein Ziel besteht außerdem darin, die Smartphonebranche durch eigene Produkte und Marktteilnahme von innen heraus zu verändern.
Weiterhin werden einige der verbauten Metalle oder deren Rohstoffe, zum Beispiel Zinn, Tantal, Wolfram oder Gold, aus Minen bezogen, die nicht in die Finanzierung von Bürgerkriegen verwickelt sind.
Mit dem Fairphone 2 brachte die Gesellschaft zudem das weltweit erste modulare Smartphone auf den Markt. Die Geräte gehören infolgedessen zur Green IT.
Hintergrund und Zielsetzung Die Produktion von Mobiltelefonen und anderen elektronischen Geräten steht wegen der Arbeitsbedingungen in Herstellerbetrieben wie Foxconn in der Kritik. Zudem werden einige der zur Herstellung benötigten Rohstoffe und Metalle, zum Beispiel Coltan, Cobalt und Zinn, in Minen abgebaut, die von Warlords kontrolliert werden, welche damit Armeen und Bürgerkriege finanzieren. Um diese finanzielle Unterstützung der Warlords zu vermeiden, ist eine transparente Lieferkette dieser Konfliktrohstoffe notwendig, die meist nur eingeschränkt gegeben ist.Konfliktmineralien: Was steckt in Ihrem Smartphone?, Europäisches Parlament.
Fairphone B.V., auf der Webseite auch einfach als Fairphone bezeichnet, möchte auf die oben angesprochenen Probleme bei der Herstellung von Mobiltelefonen aufmerksam machen. Durch die Herstellung des Smartphones, das ebenfalls den Namen Fairphone trägt, will das Unternehmen der Industrie Denkanstöße geben, um Missstände zu umgehen und somit die Ausbeutung der Minen zumindest zu verringern.
Dem Unternehmen ist bewusst, dass es kein Telefon rein aus fair gehandelten Rohstoffen herstellen kann. Ziel des Unternehmens ist die Entwicklung eines Mobiltelefons, das möglichst viele gute Beispiele (best practices) für faire Produktion in sich vereint.
Eva Gouwens sprach bei der Vorstellung vom Fairphone 3 davon, dass das Unternehmen nicht behaupte, „dass wir einhundert Prozent faire Smartphones herstellen. Wir nennen das Fairphone 3 ein faireres Handy.“enorm-magazin.de abgerufen am 2. Februar 2020 „Konsumenten können dann durch ihre Kaufwahl die Entwicklung mitlenken. Und die Regierung sollte gute Ausgangsbedingungen und Chancengerechtigkeit schaffen. Aber die Produzenten von Marken tragen auf jeden Fall eine sehr große Verantwortung.“
Geschichte Das Projekt Fairphone entstand 2010 im Fablab15 years of Fablab: where you can make (almost) anything, auf waag.org des Forschungsinstituts Waag Society in Amsterdam.Fairphone, auf waag.org Nachdem es zweieinhalb Jahre erfolgreich verlaufen war, wurde im Januar 2013 das Unternehmen Fairphone B.V. mit anfänglich sieben Mitarbeitern gegründet. Das erste Fairphone erschien 2013; bis 2015 waren von der ersten Generation insgesamt 60.000 Stück verkauft worden. Das Fairphone 2 erreichte 2015 sein Crowdfunding-Ziel von 15.000 Vorbestellungen und kam auf 15.832 Bestellungen. Die zweite Gerätegeneration führte einen stärker modularen Aufbau ein, bei dem Nutzer unter anderem Bildschirm, Kamera und Lautsprecher selbst ersetzen konnten.
Im Jahr 2017 erhielt Fairphone eine Investition von 6,5 Millionen Euro von Stichting Doen und PYMWYMIC, um Produktion und internationale Distribution auszuweiten. Im Jahr 2018 sammelte das Unternehmen über Crowdfunding zusätzlich mehr als eine Million Euro ein, um in weitere europäische Märkte zu expandieren und die Produktion nachhaltiger zu gestalten. Im August 2018 schloss Fairphone eine erfolgreiche Crowdfunding-Finanzierung in Höhe von 2,5 Millionen Euro ab. Das Geld sollte zur Finanzierung des laufenden Geschäftsbetriebs sowie dessen Ausweitung verwendet werden.
Seit Oktober 2018 wurde das Unternehmen von Eva Gouwens geleitet, die Fairphone-Gründer Bas van Abel ablöste. Nach mehreren verlustreichen Jahren machte Fairphone 2020 Gewinn.Fairphone-Chefin: „Profit macht dich unabhängig“, auf Heise online Bis Ende 2021 hatte Fairphone seit 2013 mehr als 300.000 Geräte verkauft und im Jahr 2020 einen Gewinn von 2 Millionen Euro erzielt. 2021 wurde Fairphone Mitglied der Right-to-Repair-Kampagne.The Fairphone experiment is changing the tech industry, Kyle Wiens, iFixit, 19. Dezember 2023
2023 wurde der erste kabellose Kopfhörer mit Bügel Fairbuds XL angeboten. Weiter erschienen die In-Ear-Kopfhörer Fairbuds. Alle können vom Benutzer repariert werden. Am 1. September 2023 löste Noud Tillemans Eva Gouwens, die aus privaten Gründen zurückgetreten ist, als CEO ab.Eva steps down, Noud to be interim CEO, Fairphone, 28. Juni 2023 Er war vorher CFO des Unternehmens. Er wollte den CEO-Posten nach Möglichkeit nicht dauerhaft bekleiden und suchte nach einem Nachfolger, den er gerne 2024 präsentieren wollte. Gleichzeitig strebte er ein starkes Wachstum von Fairphone an.Neuer Fairphone-CEO peilt starkes Wachstum an, Robin Brand, Heise Online, 1. September 2023
Nach einem schwierigen Jahr 2023 stellte Fairphone seine Kommunikation 2025 stärker darauf um, nicht nur Nachhaltigkeit, sondern auch Produktqualität hervorzuheben. Im November 2025 begann Fairphone mit reparierbaren Kopfhörern den Markteintritt in den Vereinigten Staaten und bereitete damit einen späteren Smartphone-Start vor.
Lieferkette und Produktionsbedingungen mini|Mitarbeiter der Fairphone B.V. besichtigen eine Mine
Fairphone verfolgt in seiner Lieferkette den Anspruch, möglichst konfliktfreie Rohstoffe zu verwenden und Arbeitsbedingungen in Fabriken zu verbessern. Das Fairphone soll möglichst ohne Ausbeutung von Personen und mit möglichst geringem Schaden für die Umwelt produziert werden (Green IT). Dabei werden mehrere Aspekte berücksichtigt: Müllvermeidung durch Haltbarkeit, lange Wartung, günstige Reparaturmöglichkeit, Dual-SIM-Fähigkeit und Recycling-Programm Verwendung konfliktfreier Rohstoffe, darunter Tantal, Zinn, Gold und Wolfram, aus geprüften Minen in armen Gebieten, anstatt auf Minen in Industrieländern auszuweichen Faire Produktionsbedingungen in den Fabriken durch Zusammenarbeit mit chinesischen Auftragsfertigern
Um diese Ziele zu erreichen, arbeiten die Entwickler mit verschiedenen gemeinnützigen Organisationen zusammen und haben eine Zinnmine im Kongo besucht, um sich selbst ein Bild von den Arbeitsbedingungen zu machen.
Plan des Unternehmens war, in mittlerer Zukunft seine Zulieferer anzuhalten, ebenfalls für faire Arbeitsbedingungen zu sorgen. Fairphone unterstützt die „Conflict-Free Tin Initiative“, welche ein Entwicklungshilfeprojekt für den Kongo ist, an dem sich aber auch andere Unternehmen wie Blackberry, HP, Motorola oder Nokia beteiligen. Ähnliches gilt für Tantal, wo Fairphone das von Motorola gegründete Projekt „Solutions for Hope“ unterstützt, an dem sich wiederum viele andere Elektronik-Hersteller beteiligen. 2016 wurden Metallerze für Zinn, Tantal und Wolfram konfliktfrei gefördert, Gold auf Fairtrade-Niveau.
Kobalt wurde ab 2018 als Schwerpunkt benannt, weil der Rohstoff für Smartphoneakkus wichtig ist und bessere Sicherheits- und Gesundheitsstandards in der Kobaltgewinnung viele Beschäftigte erreichen könnten. Das Unternehmen versuchte dabei, nicht nur Endmontage und direkte Zulieferer, sondern auch vorgelagerte Stufen der Elektronikproduktion sichtbar zu machen. Für das Fairphone 2 wurde 2018 die Produktionskette offengelegt.Die Reise deines Telefons, auf fairphone.comFairphone Suppliers, Smelters and Refiners August 2018, Fairphone, August 2018
Die Rückverfolgung bleibt schwierig, weil direkte Vertragspartner ihrerseits weitere Lieferanten haben und selbst kleine Metallmengen in einem Smartphone über viele Unternehmen laufen können. Für Kobalt, Gold und Silber nutzt Fairphone teilweise ein Kreditsystem, bei dem Verbesserungen in Minen finanziert werden, auch wenn das jeweilige Metall nicht physisch in genau diesem Gerät landet. Produzieren lässt Fairphone B.V. in China.
Wie viele Elektronikmarken lässt Fairphone Geräte in China fertigen, verbindet dies aber mit besonderem Aufwand für Rückverfolgbarkeit von Rohstoffen, Bauteilen und Chips. Die Lieferkette blieb dennoch in zentralen Punkten unvollständig rückverfolgbar, etwa beim Kobalt für Akkus. Weil für das Fairphone 4 teilweise Rohstoffe aus der DR Kongo bezogen werden, findet sich am Hauptprozessor ein Abbild des Landes in Weiß.TechnikFreundYT: Fairphone 4: Wie gut ist das nachhaltige Smartphone? (deutsch) youtube.com, 12. Juni 2022, abgerufen am 19. Januar 2023 (1:25/8:18).
Stiftung Warentest bewertete die Unternehmensverantwortung im September 2021 mit Gut und bezeichnete das Unternehmen genauso wie Shiftphone als Vorreiter in Sachen Sozial- und Umweltengagement. Fairphone überzeuge mit einer sehr guten Unternehmenspolitik und belege deren Umsetzung im Test sehr transparent.CSR-Test der Stiftung Warentest: Wie nachhaltig werden Handys produziert? test 10/2021 S. 24–29 und test.de vom 22. September 2021.
Kreislaufwirtschaft und Reparierbarkeit Fairphones Kreislaufansatz beruht vor allem auf langer Nutzungsdauer, Reparierbarkeit, Ersatzteilen und längerem Software-Support. Für das Recycling stand zunächst ein Rücknahmesystem in den Niederlanden zur Verfügung; außerdem wird das Projekt Closing the Loop unterstützt, das Elektronikschrott aus Afrika zurück nach Europa holt und ordnungsgemäß wiederverwertet.
Beim Fairphone Gen 6 lassen sich zwölf Komponenten mit einem Schraubendreher austauschen; dazu gehören unter anderem Akku, Display und Hauptkamera. Das Gerät erhielt von iFixit eine Bewertung von 10 von 10 Punkten für Reparierbarkeit. Fairphone versprach für das Fairphone Gen 6 acht Jahre Unterstützung, fünf Jahre Garantie und Ersatzteile bis 2033. Das Fairphone Gen 6 besteht nach der Berichterstattung zu 50 Prozent aus recycelten oder fair beschafften Materialien, und Fairphone veröffentlicht Lebenszyklusberichte zu seinen Geräten.
Auch die Fairbuds XL folgen diesem Prinzip: Der Kopfhörer besteht aus elf modularen Teilen, verwendet kaum Klebstoff und besitzt unter anderem austauschbare Ohrpolster, Scharniere und einen ersetzbaren Akku.
Produkte Fairphone brachte lange meist im Abstand von etwa zwei Jahren ein neues Smartphone heraus und stellte 2025 mit dem Fairphone Gen 6 die sechste Generation vor. Neben Smartphones entwickelte Fairphone auch Audioprodukte wie Ohrhörer und Kopfhörer.
Smartphones
Die Gesellschaft brachte bisher folgende Smartphones unter dem Namen Fairphone auf den Markt: Fairphone First Edition, Modell FP1, auch Fairphone 1 (2013–2014; unterstützt bis 2017) Fairphone First Edition Second Batch, Modell FP1U (2014–2015; unterstützt bis 2017) Fairphone 2, Modell FP2 (2016–2019; unterstützt bis 2023) Fairphone 3 (2019–2021; unterstützt bis 2026) Fairphone 3+ (2020–2022; unterstützt bis 2026) Fairphone 4 (vorgestellt am 30. September 2021) Fairphone 5 (vorgestellt am 30. August 2023) Fairphone 6 (vorgestellt am 25. Juni 2025)
Bis zum Fairphone 4 wurden etwa 350.000 Fairphone-Geräte verkauft. 2021 wurden knapp 88.000 Fairphones verkauft, davon knapp 35.000 des erst im Herbst des Jahres vorgestellten Fairphone 4. Im Jahr 2025 wurden 145 Tausend Fairphones 5 und 6 verkauft.
Fairphone First Edition mini|Das erste Fairphone