150px|mini|Wilhelm II. von Neuenahr als Kurkölner Erbhofmeister, Holzschnitt von Anton Woensam (Ausschnitt), 1538 Wilhelm II. Graf von Neuenahr (Nuenar, a Nvenar, de Nova Aquila,Lateinisch aquila ist der „Aar“ (Adler). van Nieuwenar) und Moers (Mörß, Murs), Herr von Bedburg (Bedbur) und (ab 1519) Rodemachern (Rudenach),Anschlag des Türkenzugs 1532. In: Melchior Goldast: Reichshandlung und andere dess H. Römischen Reichs Acta… Johann Halbey, Hanau 1609, S. 129–135, bes. S. 134 (Google-Books)- sowie (ab 1542) Krefeld und Cracau (* zwischen 1485 und 1487; † zwischen 16. März und 24. August 1552) war ein deutscher Diplomat und Förderer der Reformation.

Leben Wilhelm II. von Neuenahr war ein Sohn von Graf Wilhelm I. von Neuenahr (* um 1447; † 1497),Hermann von dem Busche: De illustris et Generosi nouaquilae Comitis Guilhelmi obitu, ad Hermannum et Guilhelmum filios … hendecasyllabi, Nikolaus Caesar, Köln o. J. . Herr zu Bedburg, und (⚭ 1484) Gräfin Walburga von Manderscheid (* 1468; † 1530/35), Herrin zu Schleiden. Seine Mutter heiratete 1502 in zweiter Ehe Frederik van Egmond (um 1440–1521), Graf zu Büren und Leerdam, Sohn von Graf Wilhelm van Egmond (1412–1483), Herr von IJsselstein und Statthalter von Geldern, und dessen Frau Walburga von Moers (um 1415–um 1459). Floris van Egmond (1469–1539), habsburgischer Statthalter der Herrschaft Friesland, war Wilhelms II. Stiefbruder. Aus einer außerehelichen Beziehung seines Vaters stammte die Halbschwester Agnes, verheiratet mit Wilhelm Deutz genannt van der Kulen. Johann IX. von Hoorn († 1506), seit 1482 Bischof von Lüttich, war Wilhelms II. Großonkel, Konrad IV. von Rietberg († 1508), Bischof von Osnabrück und Münster, sein Cousin.

→ Zu weiteren Vorfahren siehe den Artikel zu seinem Bruder Hermann von Neuenahr der Ältere (1492–1530).

Als sein Vater 1497 starb, war Wilhelm II. noch minderjährig. Goedart Deutz (Duytsche) van der KulenHof zur Kaulen bei Neurath im Amt Liedberg; vgl. Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Kurköln Lehen, Specialia, 115). Das Geschlecht von der Kuhlen führte wie die Grafen von Neuenahr (von Are) einen rechtssehenden Adler im Wappen. († nach 1512)1489 zusammen mit Wilhelm I. von Neuenahr erwähnt; Johann Schultze: Die Walpoden von der Neuerburg und Herren von Reichenstein. In: Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung 38 (1908), S. 104–197, bes. S. 167f (Digitalisat bei OpenLibrary). von AußemIn Oberaußem befand sich der adelige Sitz Deutzer (Deutscher) Hof, ein Lehen des Abts von Kornelimünster. und Conrad Roß von Laach († 1508) wurden als seine Vormünder bestellt.Vgl. Erbteilungsvertrag der Walburg von Manderscheid und ihrer Verwandten vom 24. Juli 1499; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (110.28.00 Reichsgrafschaft Schleiden, Urkunden Nr. 86); Urkunde vom 17. Juni 1505; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Grafschaft Tecklenburg – Rheinische Urkunden, Nr. 91).

Erbhofmeister des Kurfürstentums Köln „Graiff Wilhelm tzo Nuwenar“ nahm 1505 im Gefolge des Kölner Erzbischofs Hermann von Hessen (1450–1508) am Reichstag des späteren Kaisers Maximilian I. in Köln teil.Vgl. Jörg Rixner alias Rugen alias Jerusalem, Herold von Brandenburg, in: Heinrich Christian von Senckenberg: Sammlung von Ungedruckt- und raren Schriften, Zu Erläuterung Des Staats- des gemeinen bürgerlichen und Kirchen-Rechts, Bd. I. Johann Friedrich Fleischer, Frankfurt am Main 1745, S. 164 (Google-Books).Vgl. Friedrich Everhard von Mering, Ludwig Reischert: Zur Geschichte der Stadt Köln am Rhein. Band II. Johann Wilhelm Dietz, Köln 1838, S. 314. Bereits 1508 – noch unter Erzbischof Hermann von Hessen – wird „Wilhem graue zu Nuwenar, herre zu Bedbur“ als „erffhoifmeister des stifts Coellen“ bezeichnet.Urkunde vom 20. April 1508. In Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, Band IV. Gustav Hermann Voß, Düsseldorf 1858, S. 613.

1512 trat er einem Bündnis des Wetterauer Grafenvereins mit mehreren Eifelgrafen unter Führung der Grafen Johann V. von Nassau-Dillenburg (1455–1516) und Philipp II. von Virneburg-Saffenberg und Neuenahr († 1522/25)Verheiratet mit Wilhelms II. Großtante Johanna von Horn († 1467/69). bei, das 1515 und 1520Urkunde vom 10. Januar 1520, Diez; Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (Bestand B 9 Grafschaft Solms-Rödelheim, Urkunden). erneuert wurde.Liste und Statuten der Mitglieder bei Johann Jacob Moser: Teutsches Staats-Recht, Buch III, 38. Teil, 183. Kapitel. Bernhard Ehrenfried Vollrath, Leipzig / Ebersdorf 1744, S. 369–380 (Google-Books). Wilhelm von Neuenahr wurde dabei der Gruppe der „niederländischen“, nicht den „wetterauischen Grafen“ zugerechnet.Urkunde vom 10. Januar 1520, Diez; Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 150 Fürstentum Nassau-Weilburg, Nr. U 231). Im selben Jahr 1512 wurde Wilhelm, Graf von Neuenahr, Herr zu Bedburg (Bedtbornn), in Schleiden auf Wunsch von Graf Diedrich IV. von Manderscheid-Schleiden (1481–1551), der dem Bündnis ebenfalls angehörte, „Kurator, Tutor, Administrator, Anwalt und Vormund“ seines Sohnes DiedrichUrkunde vom 24. August 1512; Staatsarchiv Wertheim (Bestand F-US 6 Grafschaft Virneburg – Urkunden, Nr. 488). – gemeint ist der natürliche Sohn Dietrich (Diethard; Dietz) BastardAuch „Lediger“ (= Bastard) von Manderscheid; Jules Mersch (Hrsg.): Biographie nationale du pays de Luxembourg, Fasc. 14, Bd. VII. Victor Buck, Luxemburg 1966, S. 423 (PDF der Bibliothèque nationale de Luxembourg). Zum Ausdruck vgl. Otto Titan von Hefner: Adelicher Antiquarius, Bd. I. Heraldisches Institut, München 1866, S. 344 (Google-Books). von Manderscheid-Grevenmacher (* 1500/05; † 1584) –,⚭ I. mit NN. von Otein, ⚭ II. Margaretha von der Ecken verwitwete von Cicignon aus Trier.Peter Neu: Geschichte und Struktur der Eifelterritorien des Hauses Manderscheid. (Rheinisches Archiv 80). Röhrscheid, Bonn 1972, S. 321. war also selbst zu diesem Zeitpunkt bereits volljährig (älter als 25 Jahre). Mitvormund Dietrichs blieb Thomas Print von Horchheim genannt von der Broel d. Ä. († 1543), der Amtmann zu Kronenburg. Dietrich Bastard von Manderscheid war 1529 als Hauptmann von 4 Fähnlein Landsknechten in französischen Kriegsdiensten,Hans Virck (Bearb.): Politische Correspondenz der Stadt Strassburg, Bd. I. (Urkunden und Akten der Stadt Strassburg II/1). Heitz, Straßburg 1882, Nr. 631, S. 380 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). 1547 Amtmann der Herrschaft Neuerburg und erhielt Renten aus dem lothringischen Dorf MallingStaatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103 Grafschaft Virneburg - Akten und Rechnungen, Nr. 270) u. a. und verschiedenen Höfen in der Eifel.Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 29G Herrschaft Kronenburg, Urkunde 161; Bestand 54M,06 Familie von Manderscheid zu Detzem, Urkunde 37) u. a.

1514 stellt Graf Wilhelms II. entfernter Cousin Graf Jakob III. von Horn († 1531) Wilhelm II. von Neuenahr eine Obligation über 5750 Gulden aus.Lettre d’obligation du seigneur Jacque, comte de Hornes de la somme de cincq mil sept cent quinze florins au proffit du comte de Moeurs de l’an 1514; Archives nationales Paris (Fonds publics de l'ancien régime, Papiers du comte d’Egmont-Pignatelli, série T* 1595); Kopien in der Bibliothek des Nationalarchivs Den Haag (Depot 9 J 5) und im Gemeindearchiv Weert (Aanwinsten niet-gemeentelijke archiefbescheiden en documentatie, D-281). Die Belehnung der Grafen von Neuenahr im Erzstift Köln mit Bedburg, Garsdorf, Hof Morken, Rösberg und dem Erbhofmeisteramt des Kurfürstentums wurde 1515 von Erzbischof Philipp II. von Daun für Wilhelm II. von Neuenahr bestätigt.Vgl. Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 143, S. 50.

Wilhelm II. von Neuenahr trat 1516 in der Nachfolge von Philipp II. von Daun in dieser Funktion als Vormund seiner Neffen 2. Grades Gumprecht II. (* um 1503; † 1555) und Friedrich von Neuenahr-Alpen (1504–1528) aufVgl. Urkunde vom 6. August 1516; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 1 Haupturkundenarchiv, U 2/15901)., der Söhne seines Vetters Gumprecht I. von Neuenahr-Alpen (1465–1504). Wilhelm II. fungierte auch als Vogt (Beistand) für dessen Witwe Gräfin Amalie von Wertheim (1460–1532).Vgl. Urkunde vom 25. März 1532; Staatsarchiv Wertheim (Bestand F-US 7 Grafschaft Wertheim mit Herrschaft Breuberg; Urkunde Nr. 53; R-US Rosenbergisches Archiv, US 1532 März 25 und 1532 Juni 20).

Von Karl V. (1500–1558) erhielt Wilhelm II. von Neuenahr 1518/19 ein Geschenk von 2000 Goldgulden für seine Unterstützung als Kurkölner Erbhofmeister bei dessen Wahl zum römisch-deutschen König.Vgl. André-Joseph-Ghislain Le Gay (Hrsg.): Négociations diplomatiques entre la France et l'Autriche. Band I. Imprimerie Royale, Paris 1845, S. cxlv (Google-Books).

Erwerb der Grafschaft Moers 1518 heiratete er Anna (Anastasia?) Gräfin zu Wied und Moers (um 1500–1528), Herrin zu Rodemachern (Rodemack), Tochter von Wilhelm III. Graf zu Wied (* um 1455/60; † 1526), Herr zu Ysenburg und Runkel, und (⚭ 1481) Margareta Gräfin von Moers (um 1470–1515).Vgl. Prozessakten 1606–1619, darin: Auszug aus dem Ehevertrag, 1518; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Reichskammergericht 291, Az.: B 635/2644); Kopie im Staatsarchiv Mons (BE-A0524.440 – 1809). Seine Frau Anna von Wied, die Erbtochter der Grafschaft Moers, war eine Nichte des Kölner Erzbischofs Hermann V. von Wied (1477–1552; reg. 1515–1547).

Sein Schwiegervater überließ Wilhelm am 20. März 1519 die Grafschaft Moers sowie die Herrschaften Rodemachern und Bolchen (Boulay). Der Besitz von Rodemachern war jedoch zwischen den Grafen von Wied/Neuenahr und den Markgrafen von Baden-Baden umstritten. Tatsächlich war die Herrschaft 1492 von Baden-Rodemachern in Besitz genommen worden. 1525 schrieb Erzherzog Ferdinand I. von Österreich (1503–1564) deswegen an Markgraf Philipp I. von Baden (1479–1533).Brief vom 12. Dezember 1525 aus Augsburg; Universitätsbibliothek Leipzig (Sammlung Kestner/II/A/I/848/Nr. 7). Das Reichskammergericht hatte für die Markgrafen entschieden, Kaiser Karl V. erklärte es aber für unzuständig, da Luxemburg exempt sei.Vgl. Instruktion der Königin Maria von Ungarn für Reichsvizekanzler Johann von Naves von 1531; Karl Lanz (Bearb.): Staatspapiere zur Geschichte des Kaisers Karl V.: aus dem Königlichen Archiv und der Bibliothèque de Bourgogne zu Brüssel. (Bibliothek des Literarischen Vereins 11). Literarischer Verein, Stuttgart 1845, Nr. XIV, S. 70–73 (Google-Books). Er beauftragte Graf Wilhelm von Nassau-Dillenburg (1487–1559) mit der Schlichtung des Konflikts.Vgl. Akten 1530–1543; Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 171 Fürstentum Nassau-Oranien: Akten (Altes Dillenburger Archiv), B 489). Der Große Rat von Mecheln hatte 1537 und 1542 zugunsten von Baden entschieden,Vgl. auch Prozeß des Grafen Wilhelm von Novae Aquilae (Kläger) gegen die Pfalzgrafen bei Rhein als Tutoren der Markgrafen des oberen Baden vor dem Gericht zu Mecheln 1542 betr. das dominium an Rhodenmarch (Rodemach) (mit Unseldingen, Hesperingen und Reichersburg); Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main (Holzhausen-Archiv, Akten 55). ein weiterer Prozess war aber 1552 beim Tode Wilhelms II. von Neuenahr noch anhängig.