Kooperation ( ‚Zusammenwirkung‘, ‚Mitwirkung‘) ist das zweckgerichtete Zusammenwirken bzw. Zusammenarbeiten zweier oder mehrerer Lebewesen, Personen oder Systeme mit gemeinsamen Zielen oder Perspektiven. Ist die wechselseitige Einwirkung der Akteure nicht intentional oder zweckgerichtet, spricht man hingegen von Interaktion. Kooperation und Interaktion sind wesentliche Merkmale menschlicher Arbeit in sozialen Systemen.

Kooperation führt häufig zum Nutzen für alle Beteiligten. Es gibt aber auch erzwungene Kooperation oder unter Täuschung zustande gekommene Kooperation, bei der eine Seite mehr oder alle Vorteile aus dieser Kooperation zieht und die andere nur Kosten hat (vgl. Trittbrettfahrerproblem). Da Kooperation neben Variation und Selektion eine zentrale Rolle in der Evolution des Lebens spielt, kann man die Entstehung und Entwicklung höherer Lebensformen nur unter Einbeziehung ihrer Kooperationsformen beschreiben. Dazu werden die Mechanismen der Kooperation auch mathematisch modelliert.

Kooperation ist zumindest für deren Dauer ein Zusammenschluss im Sinne von Systembildung. Es bildet sich auf einer höheren organisatorischen Ebene (zeitweise) ein neues System – als bedeutsamer Wesenszug der Phylogenese. Dessen Teilnehmer – die Kooperationspartner – erwarten ein der Kooperation entsprechendes Verhalten (Quid pro quo – einen Ausgleich von Nutzen und Kosten). Diese Erwartungen können als Rechte und Pflichten verhandelt und vereinbart werden. Für Kooperation sind weder Freundschaft noch Voraussicht oder Kognition notwendig.Joachim Bauer: Prinzip Menschlichkeit – Warum wir von Natur aus kooperieren. Hoffmann und Campe, Hamburg 2006, ISBN 3-455-50017-X. Die Erklärung des Zustandekommens von Kooperation ist ein wichtiges Forschungsgebiet der Spieltheorie.

Kooperation in der Natur Kooperation ist nicht auf den Menschen beschränkt. In der Natur kommt Kooperation z. B. auch bei Primaten vor, ist allerdings bei niedrigeren Lebensformen nicht intentional. So hat beim Zusammenspiel der koloniebildenden Insekten – etwa in einem Ameisenhaufen – jedes Tier bestimmte Aufgaben zu erfüllen, um das System Insektenstaat in seiner Gesamtheit am Leben zu erhalten (vgl. Hymenopterenstaat). Auch die Symbiose ist eine Form der zweckmäßigen Kooperation zweier Organismen.

In der theoretischen Biologie wird Kooperation auch als komplexes adaptives System beschrieben.

Kooperation bei den Menschen Vorstufen der Kooperation Konflikt ist nicht „Ausnahme“, „irrationales“ oder „emotionales“ abweichendes Verhalten und eben auch nicht notwendig destruktiv. Konflikt ist vielmehr Grundmerkmal jedes menschlichen Zusammenseins (Georg Elwert).

Kleinkinder Eine bemerkenswerte menschliche Fähigkeit ist die gemeinschaftliche Arbeit an Problemen oder Aufgaben, die allein nicht zu bewältigen wären. Schon Kleinkinder können Ziele und Aufmerksamkeit gemeinsam mit anderen entwickeln und zeigen die Motivation, anderen zu helfen und mit ihnen zu teilen. Zwischen neun und zwölf Monaten interagieren Säuglinge nicht mehr nur entweder mit einer Person oder einem Gegenstand, sondern verbinden diese in einer dreiseitigen (triadischen) Interaktion. Diese frühen Triaden bilden den Ausgangspunkt für tatsächliche Kooperation. Diese wird von Wissenschaftlern der Abteilung für Vergleichende und Entwicklungspsychologie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie so definiert: Neben dem gegenseitigen Eingehen aufeinander sind die Beteiligten durch ein gemeinsames Ziel verbunden, und die Akteure stimmen ihre Rollen miteinander ab, wozu auch die Unterstützung des Anderen in seiner Rolle gehört.Michael Tomasello, Katharina Hamann: Kooperation bei Kleinkindern. Forschungsbericht 2012 – Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Abgerufen am 28. November 2014. In neurophysiologischer Hinsicht spielen die Spiegelneuronen eine wichtige Rolle in diesem Prozess.

Vergleich internationaler Gesellschaften Eine 2010 publizierte Studie untersuchte über Daten aus mehreren Ländern, warum auch in großen Gesellschaften, wo sich die Leute nur wenig kennen, also zwischen Fremden, Kooperation stattfindet. Nach der Erklärung von Autoren basiert die moderne Gesellschaft nicht allein auf Basis einer immanenten menschlichen Psyche, auch soziale Normen – so die Ausbildung von Moral – und formelle wie auch informelle Institutionen haben die Menschen wesentlich geprägt. Größere und komplexere Gesellschaften konnten demnach erst dann entstehen und in dem Ausmaß zu Wohlstand kommen, in dem solche Normen und Institutionen die faire Kooperation von untereinander Fremden ermöglichten.

Wirtschaftskooperation Betriebswirtschaftslehre In der Betriebswirtschaftslehre ist eine Kooperation die freiwillige Zusammenarbeit von Unternehmen, die rechtlich selbstständig bleiben. Die beteiligten Unternehmen geben somit aber einen Teil ihrer wirtschaftlichen Souveränität ab. Werden Partner außerhalb der Akteursgruppe der Unternehmen in die Kooperation eingebunden, spricht man von „intersektoralen Kooperationen“. Diese Form der Zusammenarbeit spielt vor allem im Bereich der nachhaltigen Entwicklung eine zunehmend wichtige Rolle. Beispiele sind die Sustainability-Netzwerke, die auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung 2002 in Johannesburg gegründet bzw. international registriert wurden.

Kooperation von Unternehmen ist aus ordnungspolitischer Sicht grundsätzlich zu begrüßen. Insbesondere führen Kooperationen im Handel – in vielfältigen Formen horizontaler, vertikaler und vielfältiger Art – dazu, dass Tausende von kleinen und mittleren Unternehmen in ihrer Existenz gesichert sind und wettbewerbsfähig bleiben. Konkrete Kooperationsformen im Handel können sich auf einzelne oder auf mehrere betriebliche Funktionalbereiche beziehen, auf Information, Einkauf, betriebliche Leistungserstellung, Verkauf (horizontal oder vertikal), Verwaltung, Finanzierung, Marktordnung und/oder baulich-technische Gestaltung.Hans-Otto Schenk: Marktwirtschaftslehre des Handels. Wiesbaden 1991, ISBN 3-409-13379-8, S. 363 ff. Namentlich durch die gemeinschaftliche Nutzung des Instrumentariums des modernen Handelsmarketings werden Handelsunternehmen Chancen eröffnet, die ihnen als isoliert handelnden Unternehmen verwehrt bleiben müssten (z. B. Einkaufspreisvorteile, Gemeinschaftswerbung, gemeinschaftliche Schulung oder eigene Handelsmarken). Die zwischenbetriebliche Zusammenarbeit mit ihren Besonderheiten stellt auch für die traditionelle Wirtschaftstheorie eine Herausforderung dar; denn weder die Makroökonomie noch die Mikroökonomie erfassen die Arteigenheiten der Kooperationen angemessen. Als adäquate Verbundlehre kommt daher eine Mesoökonomie als dritter Zweig der Wirtschaftstheorie in Betracht.Hans-Otto Schenk: Verbundlehre – Neuer Wissenschaftsansatz für die Kooperation. In: Der Verbund. 6. Jg., Heft 1/1993, S. 4–7. Soweit Kooperationen wettbewerbspolitisch negative Wirkungen haben, werden sie eingeschränkt durch das Kartellrecht, namentlich Unternehmenszusammenschlüsse zum Zwecke der Schädigung Dritter oder zum Zwecke der Wettbewerbsbeschränkung (Kartelle).

In diesen Zusammenhang gehören auch die sogenannten Gemeinschaftsunternehmen (Joint Venture), Einkaufsgemeinschaften, Gelegenheitsgesellschaften, Genossenschaften, Interessengemeinschaften sowie Marketingkooperationen. Man spricht dabei auch von Symbiose, gegenseitiger Hilfe, Mutualismus bzw. kollektivem Handeln.

Im administrativen Bereich spricht man von Verwaltungskooperationen.

Für die Neue Institutionenökonomik ist Kooperation eine Mischform von Markt und Hierarchie, durch die die Parteien sich beidseitig freiwillig vertraglichen Regeln des Austauschs unterstellen. Diese begrenzen die Handlungsmöglichkeiten beider Seiten, führen aber zu einem größeren gegenseitigen Vorteil als durch Hierarchie oder Markt alleine.

Grundprinzipien der Kooperation Es kann grundsätzlich zwischen zwei Grundprinzipien der Kooperation unterschieden werden: Die synergetische Kooperation, in der Neues durch die Kooperation geschaffen wird, was durch die Einzelteile nicht möglich ist (z. B. Spezialentwicklungen, oft auch F&E-Vorhaben) und die additive Kooperation, in der Prozesse oder Abläufe durch die Kooperationspartner zusammengefasst werden, um einen optimierenden Effekt zu erzielen (zum Beispiel Beschaffungs-Gemeinschaften, im Handel insbesondere Einkaufsgenossenschaften und Einkaufsverbände nicht-genossenschaftlicher Rechtsform).

Kooperation als Produktivkraft Für die klassische englische Nationalökonomie seit Adam Smith stellte Kooperation in Verbindung mit Arbeitsteilung eine wichtige Produktivkraft dar. Karl Marx spricht im 11. Kapitel des ersten Bandes von Das Kapital von der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit durch die Kooperation, dass die mechanische Kraftsumme vereinzelter Arbeiter weit entfernt sei von der „gesellschaftlichen Kraftpotenz, die sich entwickelt, wenn viele Hände gleichzeitig in derselben ungeteilten Operation zusammenwirken, z. B. wenn es gilt, eine Last zu heben, eine Kurbel zu drehn oder einen Widerstand aus dem Weg zu räumen.“ Es handele sich dabei „nicht nur um Erhöhung der individuellen Produktivkraft durch die Kooperation, sondern um die Schöpfung einer Produktivkraft, die an und für sich Massenkraft sein muss“Karl Marx: Das Kapital. 11. Kap. MEW Band 23 S. 341–355 und als solche höher als die Summe der Individualkräfte ist.

Für Arbeitnehmer werden kooperative Aufgaben in einem Unternehmen nicht notwendigerweise ohne Konkurrenz gelöst, worauf auch schon Marx hingewiesen hat. Da die Bewertung der Arbeitsleistung der Leitung des Unternehmens unterliegt, kann paradoxerweise sogar die Demonstration von Teamfähigkeit, sog. Soft Skills oder anderer sozialer Kompetenzen ein (brauchbares und manchmal auch notwendiges) Mittel werden, um Konkurrenz auszutragen.

Internationale Kooperation Adam Smith und David Ricardo übertrugen das Kooperationsmodell auf zwischenstaatliche Beziehungen, indem sie den Nutzen des Austauschs zwischen spezialisierten Staaten hervorhoben. In seinem gegen den merkantilistischen Handelsprotektionismus gerichteten AußenhandelsmodellDavid Ricardo: On the Principles of Political Economy and Taxation. London 1817, 7. Kap. beschreibt Ricardo den Nutzen des kooperativen Austauschs auch für Staaten, die in allen Branchen eine höhere Arbeitsproduktivität verfügen.

Auf politischer Ebene wird versucht, durch Kooperation den Nutzen der beteiligten Partner zu steigern. Beispiele dafür sind z. B. die Europäische Union, die Welthandelsorganisation (WTO) oder die verschiedenen Freihandelszonen.

Internationale Kooperationsverbünde oder -vorhaben entstehen im Zuge der Globalisierung in immer mehr Bereichen, z. B. in der Hochschul- und Forschungskooperation oder in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit.

Philosophie John Rawls bestimmte mit der Theorie der Gerechtigkeit 1971 die Gesellschaft als ein Kooperationssystem, um Gerechtigkeit herzustellen, und zog darin Methoden der Entscheidungs- und Spieltheorie ein. Er definierte Grundsätze für die Zuweisung von Rechten und Pflichten und die richtige Verteilung gesellschaftlicher Güter. Gerechtigkeit ist „die erste Tugend sozialer Institutionen“.John Rawls: A Theory of Justice. 1971, überarbeitete Fassung 1975. (deutsch: Eine Theorie der Gerechtigkeit. Suhrkamp, Frankfurt 1975, ISBN 3-518-27871-1, S. 19.) Solche seien Verfassung, Gedanken- und Gewissensfreiheit, Märkte mit Konkurrenz und Privateigentum an Produktionsmitteln u. a. Siehe dazu auch Gerechtigkeitstheorien. Im Sinne einer philosophischen Kategorie umfasst der Begriff Arbeit im Wesentlichen die Kooperation der Menschen in gemeinschaftlichen Arbeits- und Handlungssystemen.

Mathematische Ansätze

Kooperation in der Spieltheorie (Axelrod) → Siehe auch: Kooperative Spieltheorie