Die Entführung ist die 37. Folge der Fernsehfilmreihe Wilsberg. Die Erstausstrahlung erfolgte am 26. Januar 2013 beim ZDF. Regie führte Dominic Müller, das Drehbuch wurde von Eckehard Ziedrich geschrieben.

Handlung Alex Holtkamp trifft sich mit ihrem Mandanten Horst Fahrenbrink, einem einschlägig bekannten Vergewaltiger, der sie in seinem Wagen körperlich bedrängt. Die beiden Kleinkriminellen Ochs und Russ kommen Alex unbeabsichtigt zur Hilfe, erschießen Fahrenbrink in der Tiefgarage und nötigen Alex zu einer Spritztour durch Münster. Fahrenbrink wird später von Wilsberg tot in seinem Wagen aufgefunden. Alex hingegen ist spurlos verschwunden, lediglich ihre Handtasche wird am Tatort gefunden. Wilsberg und Ekki befürchten, dass Alex einer Entführung zum Opfer gefallen sein könnte. Die beiden orientieren sich bei ihrer Suche zunächst an der einzigen vorliegenden Spur, einer Indianerfigur, die Alex von ihrem Mandanten erhielt, an Wilsberg verschenkte und von diesem für 20 Euro an einen Trödler verkauft wurde.

Aus dem Fenster eines Mehrfamilienhauses, in dessen Erdgeschoss sich Diana’s Bar befindet, fällt Ekki die Leiche von Russ vor die Füße. In der Wohnung des Verstorbenen findet Overbeck einen Damenschuh von Alex vor. Damit sieht er seine Theorie der mordenden Anwältin bestätigt. So einfach ihm die Lösung des Falls bis hierhin erscheint, so schwierig gestaltet sich die Suche nach der Dienstlimousine des verdeckt ermittelnden LKA-Beamten Peter Krupp. Dieses Fahrzeug hatte er sich für den Maskenball der Münsteraner Polizei geliehen, allerdings wurde es ihm bei dem Ball von Russ, der sich als Mitarbeiter des Parkserviceteams ausgab, gestohlen. Somit muss sich Kommissarin Anna Springer um die Klärung der beiden Morde kümmern, während Wilsberg und Ekki weiter dem mutmaßlichen Entführer auf der Spur sind.

Wilsbergs Nichte Alex Holtkamp liegt derweil nach einem gescheiterten Fluchtversuch seit Stunden gefesselt und geknebelt im Kofferraum der verschwundenen Limousine, die von Russ in einer verlassenen Garage abgestellt wurde. Bei der Durchsuchung der Wohnung von Diana Markowitz, die sich über ihrer Bar befindet, wird auch Ochs, der Komplize von Russ tot aufgefunden. Ermordet wurden beide aus Rache von Diana, die in Horst Fahrenbrink verliebt war. In dessen Zimmer in ihrer Wohnung finden sich vier weitere Indianerfiguren, in denen Fahrenbrink eine größere Menge Kokain versteckt hat. Peter Krupp, der verdeckt ermittelnde LKA-Beamte, will sich mit dem Stoff und dem Schlüssel zu Dianas Garage, in der er noch mehr Drogen vermutet, aus dem Staub machen. Dies scheitert jedoch an der heftigen Gegenwehr von Alex, als Krupp den Kofferraum seines Wagens öffnet.

Hintergrund Der Film wurde in Münster und Köln gedreht.Münstersche Zeitung: , Münster, dpa, 17. April 2012 Die Dreharbeiten begannen am 17. April 2012 zusammen mit denen zur Folge Treuetest.Westfälische Nachrichten: , Münster, 20. Januar 2012Westfälische Nachrichten: Leonard Lansink ist noch lange nicht „Wilsberg“-müde: 2012 werden gleich vier Folgen gedreht / Premiere im Cineplex, Münster, Martin Kalitschke, 20. Januar 2012 Das Ende der Dreharbeiten war für den 22. Juni 2012 geplant.presseportal.de: „Sex and Crime“ im Münsterland: ZDF dreht zwei neue „Wilsberg“-Folgen, Mainz, ots

Im April 2012 wurde an drei Tagen in Höhenberg an der Ecke zwischen Weimarer Straße und Geraer Straße gedreht.Kölner Stadt-Anzeiger: Filmarbeiten: Münster in der Germania-Siedlung, Höhenberg, 26. April 2012Kölner Stadt-Anzeiger: Hintergrund: Filmstadt Köln, kaz, 26. April 2012 Weite Teile der Außenaufnahmen entstanden in Köln, darunter in der Rembrandstraße, wo das Rembrandt Eck als Drehort für Dianas Bar genutzt wurde. Gegenüber diesem Gasthaus entstanden die Szenen vor und im Trödelladen. Zudem gastierte das Filmteam für die Dreharbeiten 14 Tage in Münster und der näheren Umgebung.Westfälische Nachrichten: , Greven, Peter Sauer, 11. Mai 2012 Am 21. Mai 2012 wurde das Treffen zwischen Krupp und Wilsberg am Aasee aufgezeichnet. Die Aufnahmen, die das Polizeipräsidium zeigen, wurden wie in den vorherigen Folgen im Bispinghof in Münster gefilmt. Ebenso entstanden die Szenen, die das Finanzamt zeigen, erneut im Stadthaus 1, von wo dem Zuschauer der Blick auf den Platz des Westfälischen Friedens sowie die Rückseite des Rathauses gewährt wird. Zudem wurden mehrere Szenen mit Blick über die Dächer Münsters aufgenommen. An der Frauenstraße wurde am sowie im Antiquariat Solder gedreht, in dem das Antiquariat Wilsberg im Film zu finden ist.

Am 23. Mai 2012 wurde das Filmteam von Ursula Nelles, der Rektorin der Westfälischen Wilhelms-Universität, in den botanischen Garten in Münster eingeladen, in dessen unmittelbarer Nähe an der Rückseite des Schlosses fünf Tage zuvor noch Szenen für die Folge aufgezeichnet worden waren, die den Maskenball der Polizei mit dem Schloss, das im Film ein Hotel darstellt, sowie dem botanischen Garten als Kulisse zeigen.Westfälische Wilhelms-Universität: Pressemitteilung upm: Dank für kostenloses Uni-Marketing – Rektorat empfängt Wilsberg-Team im Botanischen Garten, Münster, upm, 24. Mai 2012Westfälische Nachrichten: , Reckenfeld, Roland Böckmann, 24. Januar 2013

mini|Premiere im Cineplex in Münster

Der Film feierte am 17. Januar 2013 seine Premiere im Cineplex Münster mit drei Vorstellungen vor insgesamt mehr als 1.500 Zuschauern, wobei die Vorführungen vom Filmservice Münster-Land des städtischen Presseamtes, dem ZDF, den Münsterschen Filmtheater-Betrieben sowie der Produktionsfirma Eyeworks Fiction & Film in Anwesenheit der Schauspieler Leonard Lansink, Oliver Korittke, Roland Jankowsky, Vittorio Alfieri und Alexander Schubert sowie Filmemacher der Produktion, darunter Regisseur Dominic Müller, Kameramann Stephan Schuh, Martin R. Neumann vom ZDF, Produzent Anton Moho von Eyeworks, gezeigt wurden.Westfälische Nachrichten: , Münster, 22. Dezember 2012Münstersche Zeitung: Neuer Wilsberg: Premiere im Cineplex – Erste Vorstellung am 17. Januar, Münster/Stadtleben, Münster, 22. Dezember 2012Münstersche Zeitung: , Münster, 10. Januar 2013Westfälische Nachrichten: , Münster, Martin Kalitschke, 17. Januar 2013Münstersche Zeitung: Wilsberg-Premiere im Cineplex, Münster/Nachrichten, 18. Januar 2013Cineplex: Kinopremiere Wilsberg – Die Entführung, abgerufen am 29. Januar 2013Cineplex: Extras Rückblick: Kino-Premiere: Wilsberg: Die Entführung im Cineplex, In: KINO aktuell, Filminfo Nr. 4, 24. – 30. Januar 2013, S. 58 Zu den Gästen der Premiere zählten Zuschauer der Münsteraner Prominenz, wie etwa Wilsberg-Erfinder Jürgen Kehrer mit seiner Ehefrau Sandra Lüpkes, Illustrator des Wilsberg-Comics Jörg Hartmann, Götz Alsmann, Oberbürgermeister Markus Lewe, Münster-Marketing-Leiterin Bernadette Spinnen und Lansinks Ehefrau Maren Muntenbeck.Münstersche Zeitung: , Münster, Kirstin Oelgemöller, 18. Januar 2013Münstersche Zeitung: Nicht Hollywood, aber trotzdem eine schöne Premiere: Neuer Wilsberg-Fall vorab im Cineplex, Münster/Stadtleben, Münster, Kirstin Oelgemöller, 19. Januar 2013GIG-online.de: Wilsberg-Premiere, in: GIG, Nr. 321, Februar 2013, S. 58 Anschließend folgte eine Premierenfeier.

Arved Birnbaum war bereits 2004 in der Folge Tödliche Freundschaft zu sehen.

Die Szene, in der Roland Jankowsky in der Rolle des Overbeck beim Maskenball der Polizei eine Polizeiuniform des NYPD trägt und weitere Personen verkleidet als Cowboy, Indianer und Matrose zu sehen sind, ist eine Hommage an den Musiktitel Y.M.C.A. der Village People aus dem Jahr 1978, der in der Folge im Abspann zu hören ist.Reihe „Wilsberg – Die Entführung“ bei tittelbach.tv, 12. Januar 2013 Sie spielt bei einer 1970er-Jahre-Party in der fiktiven Discothek Village, die im Film nach den Village People benannt wurde. Die in dieser Szene auftretenden Schauspieler sind zuvor in ihren charakteristischen Outfits bei einer Gegenüberstellung zu sehen, als ein V-Mann von der Zeugin Diana Markowitz identifiziert werden soll.

Die Namen der beiden Entführer von Alex sind Ochs und Russ. Patrick Ochs und Marco Russ sind zwei Fußballprofis, die 2011 – im Jahr vor der Produktion der Folge – von Eintracht Frankfurt zum VfL Wolfsburg wechselten.

Der Running Gag „Bielefeld“ verweist in dieser Folge auf einen Zeitungsartikel der Lokalpresse, der den Titel Geraubter Inkaschatz in Bielefeld entdeckt – Bielefelder Steuerfahnder finden gestohlenen Inkaschatz • Noch immer keine Spur von den Hintermännern des Kunstraubs trägt, auf den Ekki von seinem Vorgesetzten Grabowski hingewiesen wird (ab 08:02).

Im Abspann ist der Musiktitel Y.M.C.A. aus dem Jahr 1978 der amerikanischen Gruppe Village People zu hören.

Rezeption Einschaltquoten 7,01 Millionen Zuschauer sahen die Folge Die Entführung bei ihrer Erstausstrahlung im ZDF, was einem Marktanteil von 21,5 Prozent entsprach.quotenmeter.de: Primetime-Check: Samstag, 26. Februar 2012, Manuel Nunez Sanchez, 27. Januar 2013 Bei den Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren erreichte die Ausstrahlung mit 1,17 Millionen Zuschauern einen Marktanteil von 9,9 Prozent. Hinsichtlich der Reichweite wurde die Folge zum Tagessieger im deutschen Fernsehen, obwohl zeitgleich von Sat.1 die Free-TV-Premiere von Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte und Deutschland sucht den Superstar von RTL ausgestrahlt wurde.

Kritik Die Entführung ist ein „abwechslungsreicher (Fernsehserien-)Krimi aus Münster, der die liebevoll unernste Handlung mit überraschenden Wendungen ausstattet“, urteilt die Redaktion des Lexikons des internationalen Films. Die Redaktion von TV Spielfilm stellt fest, „töffelige Figuren, unerwartete Wendungen – aber wie so oft ermittelt Kommissar Zufall“. Ihr Resümee lautet: „Angenehme Selbstironie Marke Wilsberg“.

Die Redaktion der Westfälischen Nachrichten mutmaßt, das ZDF wolle mit der Wilsberg-Folge „wieder gut machen, was die ARD mit dem letzten Münster-»Tatort: Das Wunder von Wolbeck« verbockt hat“, in der nur verhältnismäßig wenige Aufnahmen in Münster und Münster-Wolbeck gedreht wurden.Westfälische Nachrichten: Was ist mit Alex? – Im neuen „Wilsberg“ gerät sie in die Gewalt eines Entführers, Medien, 26. Januar 2013 Sie freut sich, dass die Folge „viele Münster-Impressionen – und sogar Luftbilder von Münster“ zeige. Diese Meinung teilt Johannes Loy aus der Redaktion der Westfälischen Nachrichten, der „Münster-Bilder satt“ sah, insbesondere die Luftaufnahmen begrüßte und ebenfalls den direkten Vergleich mit der Tatort-Folge »Das Wunder von Wolbeck« zog.Westfälische Nachrichten: Wilsberg: Die Entführung – Alex im Kofferraum, Medien/Gesehen, Johannes Loy, 28. Januar 2013 Die Geschichte der Entführung wirke „härter als sonst“ und so sei es „für den Zuschauer nicht leicht erträglich, Alex im Kofferraum leiden zu sehen“. Der Maskenball und Overbecks abendfüllender Einsatz in US-amerikanischer Polizeiuniform seien gelungene Ideen, die für „Abwechslung“ sorgen. Allerdings sei ein „etwas undurchsichtiger und schlecht zu memorierender Fall“ entstanden. Diese Meinung teilt die Redaktion der Münsterschen Zeitung, die konstatiert, dass Die Entführung ein „verworrener Fall“ sei.

Die Folge sei eine „Krimiposse um unfähige Kleinkriminelle, um Polizisten, die ihnen in nichts nachstehen, und eine Indianerfigur aus einem Inka-Raubzug“, urteilt Rainer Tittelbach. Der Zuschauer erhalte einen Wissensvorsprung, den „er lustvoll nutzen kann, ohne dabei den vollen Durchblick zu haben“. „Trockene, depressiv-lakonische Dialoge“ sowie „eine starke Sabine Orleans“, deren „lebensmüder Schwermut […] ein gelungener Kontrast zur durchgedrehten, dicht konstruierten Handlung“ darstelle, sorgen dafür, dass die Unterhaltung „kurzweilig“ bleibt. Damit sei die Folge zwar „kein Brüller, aber solides Komödien(struktur)-Handwerk und als Krimi so, wie die Filme der Reihe häufig sind: nicht wirklich spannend, aber recht kurzweilig“. Tittelbach vergab dreieinhalb von sechs möglichen Punkten.