mini|hochkant=0.7|Wappen der Herzoge von Württemberg-Mömpelgard ab 1504
Leopold Eberhard von Württemberg-Mömpelgard (* 21. Mai 1670 in Mömpelgard (Montbéliard); † 25. Februar 1723 ebenda) entstammte der Nebenlinie des Hauses Württemberg, die in Mömpelgard residierte. Er regierte von 1699 bis 1723 als gefürsteter Graf von Mömpelgard und folgte 1680 auf seine Mutter als 8. Graf von Coligny. Die erste Hälfte seines Lebens war er aus der Heimat vertrieben, stand in militärischen Diensten des Hauses Österreich, lebte längere Zeit in Schlesien und konnte erst 1697 nach Mömpelgard heimkehren, wo er 1699 – als letzter seiner Stammlinie – die Herrschaft übernahm. Zweifelhafte Berühmtheit erlangte er vor allem durch seine willkürliche und absolutistische Herrschaft sowie durch sein extravagantes Familienleben, weshalb er als „Schwarzes Schaf“ des Hauses Württemberg gilt.
Herkunft miniatur|links|Landtafel von Mömpelgard, 1616 von Heinrich Schickhardt Herzog Leopold Eberhard stammte aus dem Haus der Reichsgrafen und (seit 1495) Herzöge von Württemberg, und zwar aus der Nebenlinie, die seit 1617 in der Grafschaft Mömpelgard regierte.Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press (Hrsg.): Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Kohlhammer, Stuttgart 1997, ISBN 3-17-013605-4, S. 178–180
Sein Vater war Georg II. Herzog von Württemberg-Mömpelgard (* 5. Oktober 1626 in Mömpelgard, † 1. Juni 1699 ebenda) der 1662 auf seinen älteren Bruder Leopold Friedrich als Herzog von Württemberg – Mömpelgard gefolgt war. Er wurde jedoch 1676 von den Truppen des Königs Ludwig XIV. von Frankreich (1643–1715) aus seiner Grafschaft vertrieben und konnte nach seiner Rückkehr im Jahre 1697 nur noch kurz regieren, da er zwei Jahre später verstarb.Paul Friedrich von Stälin: Georg, Herzog von Württemberg-Mömpelgard. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 8, Duncker & Humblot, Leipzig 1878, S. 709 f. Seine Mutter war Anne de Coligny, comtesse (Gräfin) de Coligny (* 4. September 1624 in Châtillon-sur-Loing, † 13. Januar 1680 in Riquewihr), die seit 1657 gemeinsam mit ihrer Schwester Henriette de Coligny und ab 1673 alleinige Besitzerin der 1559 vom Herzog von Savoyen geschaffenen Grafschaft Coligny-le Neuf war (heute im Département de l’Ain et du Jura in der Region Bresse in Frankreich). Dies allerdings erfolgte durch ein Dekret des Königs von Frankreich, der die Grafschaft Coligny neu errichtete, nachdem das Herzogtum Coligny mit dem Tod von Annes Neffen Henry-Gaspard de Coligny, dem 3. Herzog von Coligny (* 1649, † 1657) erloschen war. miniatur|hochkant|Gaspard de Coligny
Anne de Coligny stammte aus einem der ältesten Fürstenhäuser Europas, da diese Grafschaft auf die große ursprünglich zum Königreich Burgund gehörige, später dem Haus Savoyen unterstehende souveräne mittelalterliche Herrschaft des Hauses Coligny, das sogenannte „Fürstentum Coligny“ zurückgeht, das den Revermont und Teile der Bresse umfasste und zum Heiligen Römischen Reich gehörte. Der Titel Fürst von Coligny wurde schon um 1190/1200 vom Chef des Hauses Coligny geführt. Das Fürstentum wurde im Erbweg später in zwei Teile geteilt: In die Herrschaft Coligny-le-Vieux die 1617 durch Erzherzog Albrecht VII. von Österreich (* 1559, † 1621) Regent der Spanischen Niederlande für Charles de Coligny (* 1654 † 1632)(Sohn von Gaspard II. de Coligny) in das Marquisat (etwa: Markgrafschaft) Coligny erhoben wurde. Der andere Teil, Coligny-le-Neuf, wurde 1559 vom Herzog von Savoyen für Gaspard II. de Coligny (* 1519, † 1572) Admiral von Frankreich in die Grafschaft Coligny erhoben. Das Gebiet fiel mit der ganzen Bresse 1601 durch den Vertrag von Lyon an Frankreich und wurde 1648 vom König von Frankreich für den Vater von Anne de Coligny, Gaspard III. de Coligny, in das Herzogtum Coligny erhoben.
Anne de Coligny war eine Urenkelin des großen Feldherren Gaspard II. de Coligny (1519, † 1572), 1. Comte de Coligny, Admiral von Frankreich – dem prominentesten Opfer der Bartholomäusnacht (24. August 1572) – und war über dessen Mutter eine Großnichte des großen Connétable von Frankreich, Anne de Montmorency (* 1493, † 1567).
miniatur|Gaspard III. de Coligny, 1. Herzog von Coligny, Vater von Anne de Coligny; Porträt aus der Werkstatt Jan Anthoniszoon van Ravesteyns
Ihr Vater war Gaspard III. de Coligny (* 26. Juli 1584 in Montpellier, † 4. Januar 1646 in Châtillon-sur-Loing), 4. comte de Coligny, 1622 Marschall von Frankreich, ab 1643 1. Herzog von Coligny und Pair von Frankreich. Ihre Mutter war Anne de Polignac (* 1598, † 1651). Ihr Bruder war Gaspard IV. de Coligny (* 9. Juni 1620 in Schloss Châtillon, † 19. Dezember 1649 Château de Vincennes), 5. Comte de Coligny, 1648 2. Herzog von Coligny und 1646 1. Herzog von Châtillon, Pair von Frankreich und Marschall von Frankreich.Europäische Stammtafeln, Band XIV, Tafel 62 A Von den Schwestern des Herzogs Leopold Eberhard sind erwähnenswert: Eleonore Charlotte (* 30. November 1656, † 13. April 1743) ⚭ 1673 Sylvius Friedrich Herzog von Württemberg in Öls (in Schlesien) (* 21. Februar 1651 in Öls, † 3. Juni 1697 in Öls (keine Kinder)), Elisabeth (* 17. März 1665, † 5. Juli 1726) ⚭ 19. September 1689 in Öls mit Friedrich Ferdinand Herzog von Württemberg in Weitlingen (* 6. Oktober 1654, † 8. August 1705), (Kinder, aber keine dauernde Nachkommenschaft)
Leben Jugend im Exil mini|Mömpelgard um 1600
Herzog Leopold Eberhard wurde als 8. Kind und jüngster Sohn des regierenden Herzogs Georg II. von Württemberg-Mömpelgard am * 21. Mai 1670 im Stadtschloss von Mömpelgard, der Hauptstadt der gleichnamigen gefürsteten Grafschaft geboren.
Seine Jugend war dadurch traumatisiert, dass seine Familie aus der angestammten Herrschaft vertrieben wurde, als er gerade sechs Jahre alt war, zweiundzwanzig Jahre im Exil leben musste und erst mit 28 Jahren in seine Heimat zurückkehren konnte. Dies, da Württemberg Ende des 17. Jahrhunderts in die kriegerischen Auseinandersetzungen des Deutschen Reiches mit Frankreich, den Pfälzer Erbfolgekrieg, den fünften Österreichischen Türkenkrieg und den Spanischen Erbfolgekrieg hineingezogen wurde, wobei es gerade Im Westen des Landes zu größeren Verwüstungen kam. Besonders schwer war die Grafschaft Württemberg betroffen, da Königs Ludwig XIV. von Frankreich erfolgreich bemüht war, im Rahmen seiner Eroberungspolitik württembergische linksrheinische Besitzungen unter seine Kontrolle zu bringen, wodurch die Grafschaft Mömpelgard von 1676 bis 1679 und 1680 bis 1697 von französischen Truppen besetzt war.
Der junge Prinz musste daher 1676 mit seinem Vater Herzog Georg II. aus der Heimat fliehen. Nach dem Tod seiner Mutter folgte er im Jahre 1680 auf diese als 8. Graf von Coligny. Einige Jahre später wurde der Familie 1684 die Möglichkeit zur Rückkehr angeboten. Da dies jedoch an die Bedingung geknüpft war, die französische Oberlehensherrschaft anzuerkennen und damit aus dem Verband des Heiligen Römischen Reiches auszuscheiden, lehnte dies sein Vater ab. Die Grafschaft wurde daher bis 1698 vom Onkel Leopold Eberhards, Herzog Friedrich Carl von Württemberg-Winnental als Regent verwaltet. Dieser, der zugleich Regent für seinen minderjährigen Neffen Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg war, musste jedoch selbst durch den Ausbruch des Pfälzischen Erbfolgekrieges (1688–1697) mit seinem Mündel 1688 nach Nürnberg flüchten und wurde 1692 von französischen Truppen vorübergehend gefangen genommen. Erst nach der Beendigung des Pfälzischen Erbfolgekrieges durch den Frieden von Rijswijk (1697) konnte Herzog Georg II. – und damit auch sein Erbe Herzog Leopold Eberhard – mit seiner Familie nach Mömpelgard zurückkehren.
Militärdienst Als landloser Prinz mit geringer Aussicht, jemals die Herrschaft in Mömpelgard antreten zu können, trat Leopold Eberhard in den österreichischen Militärdienst ein. Er wurde, nachdem er sich bewährt hatte, von Kaiser Leopold I. zum Oberst ernannt und nahm in Ungarn an verschiedenen Gefechten gegen die Osmanen teil. Er zeichnete sich als Kommandant der Festung Tokaj aus, indem es ihm gelang, die osmanischen Truppen aus der ganzen Gegend zu vertreiben.
Er lebte dann einige Jahre im Exil bei seinen Vettern aus dem Haus Württemberg, die im Herzogtum Oels regierten, das 1649 durch Heirat an das Haus Württemberg gelangt war. Residenzstadt war die gleichnamige Stadt Oels (heute Oleśnica in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen). Leopold Eberhard lebte daher mehrere Jahre in Schlesien. Dort lernte er Anne Sabine Hedwiger kennen, die dort im Dienst seiner Vettern stand, verliebte sich in sie und heiratete sie am 1. Juni 1695, da sie schwanger geworden war. Da diese Ehe nach den Gesetzen des Hauses Württemberg morganatisch (unebenbürtig) war, erfolgte sie heimlich, ohne dass sein Vater davon verständigt wurde, da dieser bereits eine standesgemäße Frau aus fürstlichem Hause für ihn gefunden hatte und eine derartige Eheschließung völlig abgelehnt hätte.
Leopold Eberhard blieb jedoch trotz dieser Liebesheirat seiner Frau nicht lange treu, da er sich nebenbei zu intensiv mit zwei Schwestern – Henriette Hedwige und Elisabeth Charlotte Curie – beschäftigte.
Herzog von Württemberg-Mömpelgard 300px|mini|rechts|Schloss Mömpelgard, auch bekannt als das Schloss der Herzoge von Württemberg, Kern aus dem 13. Jahrhundert Nach der Beendigung des Pfälzer Erbfolgekrieges durch den Frieden von Rijswijk (1697) konnte sein Vater in die Grafschaft Mömpelgard zurückkehren, die jedoch durch die Friedensbedingungen Gebietsverluste erlitten hatte. Als sein Vater im Jahre 1699 starb, folgte Leopold Eberhard als Herzog von Württemberg-Mömpelgard, da seine älteren Brüder vorzeitig verstorben waren. Sein Herrschaftsbereich erstreckte sich primär auf die historische Grafschaft Mömpelgard, die zu Beginn des 15. Jahrhunderts durch die Ehe von Henriette von Mömpelgard, der letzten Gräfin von Mömpelgard aus dem Haus Montfaucon mit dem Grafen Eberhard IV. von Württemberg an das Haus Württemberg gekommen war. Die heute Montbéliard genannte Hauptstadt der Grafschaft liegt im Département Doubs in der Franche-Comté im Osten Frankreichs.
Zum Herrschaftsbereich der gefürsteten Grafschaft Mömpelgard gehörte neben der Grafschaft selbst noch die Grafschaft Horburg (heute Horbourg-Wihr), eine elsässische Gemeinde im französischen Département Haut-Rhin. Sowie eine Reihe von Herrschaften, wie Blamont, Châtelot, Clémont, Héricourt, Franquemont und Reichenweier (heute Riquewihr), ebenfalls eine französische Gemeinde im elsässischen Département Haut-Rhin.
Als Erbe seiner Mutter war er ab 1680 auch der 8. Graf von Coligny
Autokratische Herrschaft Der Regierungsstil, den Herzog Leopold Eberhard nach seiner Thronfolge entwickelte, trug nicht gerade zu seiner Beliebtheit bei. Die von den jahrzehntelangen Kriegswirren, von marodierenden Truppen und von fremder Besatzung gezeichnete Grafschaft hätte eines für die Bedürfnisse der Bevölkerung aufgeschlossenen Landesvaters bedurft, erhielt jedoch einen absolutistischen Herrscher, der – vielleicht bedingt durch die Jahrzehnte im Exil – seinen Interessen zum Nachteil der Bevölkerung den Vorzug gab. Dieser autokratische Regierungsstil führte im Jahre 1704 zu erheblichen Unruhen und Demonstrationen der Bevölkerung von Mömpelgard gegen den Landesherren. Herzog Leopold Eberhard, der sich dadurch in seinen souveränen Rechten in Frage gestellt sah, verfügte zur Strafe die Aufhebung der städtischen Privilegien und Immunitäten. Die Stadtverwaltung wollte dies jedoch nicht hinnehmen, wandte sich daher an den obersten Lehensherren, den Kaiser, um dagegen zu protestieren und um Abhilfe zu schaffen. Der Herzog sah dies als Ansatz zu einer offenen Revolution und beschloss durch militärische Gewalt die Ordnung wiederherzustellen. Da er dabei nicht auf die Unterstützung seiner deutschen Vettern und Nachbarn rechnen konnte, wandte er sich an König Ludwig XIV. und ersuchte diesen um die Entsendung französischer Truppen, um den Aufstand niederzuschlagen.