Das Johann-Michael-Sailer-Gymnasium Dillingen (kurz das „Sailer“) ist ein koedukatives Gymnasium mit humanistischem, neusprachlichem und naturwissenschaftlich-technologischem Zweig in Dillingen an der Donau.

Lage und Gebäude Das Johann-Michael-Sailer-Gymnasium liegt in der Ziegelstraße 8 in Dillingen. Es hat seit 2018 einen Neubau, der 18 Mio. Euro gekostet hat.

Geschichte und Entwicklung der Schülerzahl Die vorjesuitische Zeit (1550–1563) Mit Genehmigung durch Papst Paul III. am 5. April 1549 gründete der Augsburger Fürstbischof Kardinal Otto Truchsess von Waldburg als Folge der Reformen des Konzils von Trient in Dillingen das Collegium St. Hieronymi als Hochschule mit Gymnasium. Papst Julius III. bestätigte dies in einer Bulle am 22. Februar 1550 und erhob am 1. März 1551 das Collegium zur Universität. Die Erhebung und die damit verbundenen Privilegien wurden wiederum von Kaiser Karl V. am 30. Juni 1553 bestätigt. Schon zuvor, nämlich am 30. September 1549, war der Studienbetrieb in diesem Collegium litterarum aufgenommen worden. Dieses diente als bischöfliche Akademie vor allem der Ausbildung von Klerikern. Zu dem Collegium gehörten neben der Hochschule ein Priesterseminar und ein Konvikt. Ziel war es, in Zeiten des Umbruchs und der Reformation der Geistlichkeit eine solide katholische Erziehung und Bildung zu gewährleisten.

In die Hochschule war auch ein Gymnasium integriert, das vor allem die Aufgabe hatte, als Lateinschule lateinische Syntax und Grammatik zu lehren und den Schülern die Werke der römischen Klassiker zu vermitteln. Zunächst unterrichteten drei, später sechs Lehrer die Jugendlichen. Die Gesamtschülerzahl von Gymnasium und Hochschule betrug ca. 250. In diesen Gründerjahren mit sechs Lehrstühlen betrieben zunächst die Dominikaner unter Führung des bedeutenden Konzilstheologen von Trient Pedro de Soto, dem Beichtvater Kaiser Karls V., die Universität und das Gymnasium. Neben dem aus Spanien gekommenen Pedro de Soto lehrte außerdem der kaiserliche Hofkaplan und ehemalige Professor in Paris, der Spanier Martinus de Olave. Erster Rektor war der aus den spanischen Niederlanden stammende Petrus Endavianus. Neben den drei Spaniern lehrten auch drei Gelehrte von der Universität Löwen. Keiner der ersten Professoren stammte aus dem Reich. Nachdem de Soto im März 1555 von Reginald Pole nach Oxford geholt worden war, zielte Kardinal Otto, wohl beeinflusst durch seinen Berater, den Jesuiten Petrus Canisius, auf eine Übergabe der Universität an die Jesuiten.

Das Gymnasium unter den Jesuiten (1563–1773) Da es an tüchtigen Lehrkräften mangelte, übergab Otto Truchsess von Waldburg die Hochschule und das Gymnasium 1563 an die Gesellschaft Jesu, unter deren Leitung das Gymnasium einen Aufschwung erlebte. Gelehrt wurde weiterhin Grammatik, Syntax, Lateinische Literatur und Rhetorik. Eine Abschlussprüfung gab es nicht, da Hochschule und Gymnasium dieselbe Institution waren. Am Ende ihrer Gymnasialzeit traten die Schüler – sie waren dann etwa 18–20 Jahre alt – in die Hochschule über. Bis auf die unterste Gymnasialklasse und die Vorbereitungsklasse waren sämtliche Lehrer Jesuiten. Die Anzahl der Schüler in Gymnasium und Hochschule wuchs von 300 im Jahre 1563 auf 760 im Jahre 1605. Die Schülerschaft bestand aus Söhnen von Adelsgeschlechtern aus Süddeutschland und auch aus dem benachbarten Ausland. Für das Jahr 1607 ist bekannt, dass das Gymnasium von 463 Schülern besucht wurde. Diese Zahl sank während des Dreißigjährigen Krieges auf 304 (1631/32) und 63 im Jahre 1634/35. Nach dem Abzug der Schweden und dem Ende des Krieges stieg die Schülerzahl allmählich wieder. Das Gymnasium selbst war zunächst im alten Akademiegebäude untergebracht. Nach dessen Abbruch 1628 zog es ins Konviktgebäude (heute befindet sich in diesem Gebäudeteil die Aula der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung), wo es bis 1724 verblieb. Dann wurde ein neues Gebäude errichtet, das am 22. Oktober 1725 bezogen werden konnte. Dieses (Kardinal-von-Waldburg-Straße 51) beherbergt heute die Studienbibliothek. Die Unterrichtsfächer hatten sich seit der vorjesuitischen Zeit kaum geändert: Der Schwerpunkt lag weiter auf Latein, daneben wurden auch Griechisch und Religion unterrichtet. Unterrichts- und Umgangssprache war Latein. Neben der Beherrschung der lateinischen Sprache waren Vermittlung antiken Gedankenguts und dessen Bedeutung für die christliche Weltanschauung die Unterrichtsziele. Erst im 18. Jahrhundert wurden in geringem Maße auch Naturwissenschaften unterrichtet.

Nachjesuitische Zeit (1773–1804) 1773 wurde der Jesuitenorden durch Papst Clemens XIV. aufgehoben, die Universität und das Gymnasium Dillingen fielen an den bischöflichen Landesherrn, den Augsburger Fürstbischof Clemens Wenzeslaus von Sachsen, zurück. Trotzdem unterrichteten weiterhin Geistliche am Gymnasium. Allerdings hielt nun in Dillingen die Aufklärung Einzug. Dies ist vor allem zwei Professoren zu verdanken: Johann Michael Feneberg, der einen äußerst modernen Lehrplan entwickelte, welcher auch Deutsch, Naturgeschichte, Geschichte, Erdkunde, Algebra und Geometrie enthielt, und Johann Michael Sailer. Sailer war von dem neuen Konzept so begeistert, dass er schrieb: Das Ideal einer Lehranstalt war damals an dem Gymnasium (und der Universität Dillingen) bis auf wenige Ausnahme eingeführt.A.M. Seitz: Kurze Geschichte des Dillinger Gymnasiums in fürstbischöflicher Zeit (1549/50–1804). In: Geschichte der Stadt Dillingen a.d. Donau und ihres Gymnasiums 1550–1950. Festschrift zur Feier des vierhundertjährigen Bestehens des Gymnasiums Dillingen a. d. D. Dillingen a. d. D. 1950, S. 68; Zitiert nach: Hermann Muzell: Das Johann-Michael-Sailer-Gymnasium in seiner 450-jährigen Geschichte. In: 450 Jahre Johann-Michael-Sailer-Gymnasium Dillingen a. d. Donau. 1549/50–2000. Gundelfingen 2000 Allerdings ging trotz dieses guten „Zeugnisses“, das Sailer seiner Schule, die einmal seinen Namen tragen sollte, ausstellte, die Schülerzahl in diesen Jahren immer weiter zurück, so dass von 1799 bis 1803 nur jeweils ca. 60–80 Schüler das Gymnasium besuchten. Grund hierfür waren die napoleonischen Kriege und mangelnde finanzielle Mittel des Hochstifts Augsburg. Letzteres verlor schließlich 1802 durch die Säkularisation die Herrschaft über Dillingen an den kurbayrischen Freiherrn von Lerchenfeld. Die Hochschule wurde am 3. November 1803 aufgehoben. Der neue Landesherr, Kurfürst Maximilian IV. Joseph, der spätere Bayerische König Maximilian I., schuf als Nachfolgeinstitut ein Lyzeum mit akademischem Rang, das Gymnasium wurde 1806 als „königlich bayerisches Gymnasium“ vom Staat übernommen.Friedrich Zoepfl: Die Studienbibliothek in Dillingen – Ihre Geschichte von 1549 bis 1945. In: Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen an der Donau Bd. 70, Dillingen an der Donau 1968

19. Jahrhundert: das Gymnasium als staatliche Schule Man unterrichtet nun im Sinne des Neuhumanismus, d. h. der Fokus lag auf Latein und Griechisch. Als Nebenfächer gab es jedoch auch Geschichte, Naturbeschreibung, Geographie, Mathematik und Philosophie. Die Schülerzahl stieg bis 1823/24 auf 561, schrumpfte dann aber wieder und blieb nach starken Schwankungen ab 1848 ungefähr bei 300. 1849 endete die Zeit der geistlichen Rektoren, die bis dahin Gymnasium und Lyzeum in Personalunion geleitet hatten. Als neue Unterrichtsfächer wurden Französisch, Stenografie, Physik und Naturkunde, Zeichnen sowie Turn- und Schwimmübungen eingeführt. Gleichzeitig erfolgte ein starker Rückgang der Schülerzahl. Während 1852 noch 330 Schüler verzeichnet wurden, besuchten 1859 nur noch 96 Schüler das Gymnasium. Dem wirkte die Diözese Augsburg durch die Einrichtung eines bischöflichen Knabenseminars im ehemaligen Seminarium St. Josephi 1862/63 entgegen, so dass gegen Ende der 1870er Jahre wieder über 300 Schüler das Gymnasium besuchten. Dies und gesteigerte Ansprüche führten zu einem Platzmangel, weshalb 1871 für Sonderräume (Zeichensaal, Musik- und Konferenzzimmer, Lehrerbibliothek, Schülerbibliothek) das direkt angrenzende Nebenhaus gekauft wurde. Durch die 1874 erfolgte Erweiterung der Lateinschule um ein Jahr dauerte für Schüler der Besuch von Lateinschule und Gymnasium neun Jahre; am Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ehemalige dreiklassige Lateinschule und das sechsklassige Gymnasium zu einem neunklassigen Humanistischen Gymnasium zusammengeführt. Pflichtfächer waren Deutsch, Latein, Mathematik, Geschichte und Turnen. Zeichnen und Schönschreiben hatte man bis zur 3. Klasse (heute 7. Klasse), Geografie und Naturkunde bis zur 5. (heute 9. Klasse) und Griechisch ab der 4. (heute 8.) sowie Französisch ab der 6. (heute 10.) Klasse. Als Wahlfächer konnten die Schüler Hebräisch, Englisch, Italienisch, Stenografie, Zeichnen, Musik und Schwimmen wählen. Wegen der steigenden Schülerzahl (bis zu 550 um die Jahrhundertwende) mussten in den 1890er Jahren zahlreiche Umbauarbeiten am Gebäude durchgeführt werden, denen auch die alte Aula aus der Jesuitenzeit zum Opfer fiel. Außerdem erhielt das Gymnasium im Schuljahr 1900/1901 eine Turnhalle und einen Sportplatz.

1900–1945 Weltkriege und Nationalsozialismus Während des Ersten Weltkriegs mussten aufgrund Lehrermangels mehrere Parallelkurse zusammengelegt werden. Die Schülerzahl bewegte sich in den ersten beiden Jahrzehnten des neuen Jahrhunderts zwischen 400 und 500, stieg aber dann in der zweiten Hälfte der 20er Jahre stark an, um 1931/32 mit 650 Schülern einen Höchststand zu erreichen. Seit 1919 waren auch Mädchen in der Schülerschaft, jedoch nur sehr wenige (z. B. 25 im Schuljahr 1932/33). Trotz der hohen Schülerzahl erhielt die Schule jedoch nicht den von ihr geforderten und auch dringend benötigten Neubau. Während der NS-Herrschaft sank die Schülerzahl wieder auf 376 (1937/38). 1938 wurde das Gymnasium in eine achtklassige Oberschule umgewandelt, in der man nach neuem, NS-konformen Lehrplan unterrichtete. Die Schülerzahl schwankte in den Kriegsjahren stark, da viele Schüler zum Kriegsdienst einberufen wurden oder (bereits ab der 5. (heute 9.) Klasse als Flakhelfer Dienst tun mussten: Im Schuljahr 1944/45 besuchten nur noch acht Schüler die 7. (heute 11.) Klasse, darunter fünf Mädchen, die 8. (heute 12.) nur noch drei Schüler und eine Schülerin, wobei ab Oktober die Schülerin alleine war. Große Teile des Gebäudes konnten aus kriegsbedingten Gründen nicht mehr für den Unterricht verwendet werden. So belegte die I.G. Farben die Hälfte der Klassenzimmer im Hauptgebäude, im Nebengebäude waren eine ungarische Sanitätskompanie, Truppen der Waslow-Armee und italienische Soldaten untergebracht. Nach dem Einmarsch der Amerikaner am 22. April 1945 wurde der Unterricht eingestellt.

1945–1946: Neuanfang Von den amerikanischen Besatzern wurden Soldaten im Schulhaus einquartiert, die die Einrichtung alles andere als pfleglich behandelten. Auf dem Bürgersteig vor dem Schulgebäude lagen täglich Akten, Schulbücher und Hefte, die einfach aus dem Fenster geworfen wurden. Auch das Innere des Gebäudes wurde verwüstet. Nach Abzug der Amerikaner aus dem Schulgebäude stand dieses einige Zeit leer, bis am 7. August 1945 das Bayerische Staatsministerium verfügte, dass am 18. August alle Lehrer an ihre Schulen zurückkehren sollten. Doch nur sieben Lehrer durften dann tatsächlich unterrichten, alle anderen wurden von der amerikanischen Militärregierung beanstandet. Es meldeten sich 460 Schüler an, von denen 444 am 11./12. Januar 1946 tatsächlich erschienen. Neben dem Lehrermangel und überfüllten Klassen waren weitere Probleme, dass das Inventar des Zeichensaals verlorengegangen und dass die Turnhalle beschlagnahmt worden war; auf dem Sportplatz (Gelände des heutigen Gymnasiums) befand sich ein Holzlagerplatz, außerdem durften die Schulbücher nicht mehr verwendet werden, da in ihnen nationalsozialistisches Gedankengut enthalten war. Daneben mangelte es an Heizmaterial.

1946–1963/64: Aufbauphase