mini|Russische Briefmarke mit der Albatros Über die russische und sowjetische Luftschifffahrt sind nur wenige, teils widersprüchliche und kaum nachprüfbare Fakten vorhanden. Dies ist zum einen auf die speziell von der Sowjetunion betriebene Geheimhaltung, die praktisch keinerlei Informationen offenbarte, und zum anderen auf die Propaganda zurückzuführen, die zwar oft große Projekte bewarb, deren Realisierung jedoch im Dunkeln blieb.

Das Russische Reich und später die Sowjetunion kauften und bauten einige kleinere und mittelgroße Luftschiffe. Eine der prägenden Personen war der Italiener Umberto Nobile, der in den 1930er Jahren einige Zeit in der Sowjetunion verbrachte, um dort den Luftschiffbau voranzutreiben. Der Bau von Starrluftschiffen wurde von der Sowjetunion zwar propagiert, jedoch kam es nicht zur Umsetzung.

Die Anfänge Bereits 1812 wurde von dem Deutschen Leppig in Woronowo für Russland ein Luftschiff gebaut. Es hatte die Form eines Fisches mit einem Traggerüst ab etwa der Höhe der Längsachse. Der untere Kiel dieses Gerüsts war gleichzeitig die Gondel. Zwei Luftschrauben waren an den Seiten angebracht und am Heck sollte eine Art Ruder für Steuerbarkeit sorgen. Das Gerüst wurde während der Befüllung mit Gas beschädigt und machte damit einen Aufstieg unmöglich.George Whale: British Airships: Past, Present and Future. Europäischer Hochschulverlag, Bremen 2011, ISBN 978-3-8457-1073-0, Kapitel 2; Abschnitt „GERMANY“. (englisch)

1885 begann der Raumfahrtpionier Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski sein Augenmerk Ganzmetall-Luftschiffen zuzuwenden. Schon ein Jahr später veröffentlichte er seine Studie Theoria Aerostatika, der 1892 die Aerostat Metallitscheski (Theorie eines Ganzmetall-Luftschiffes) folgte. Bis zu seinem Tod 1935 hatte er 35 Bücher, Artikel und Schriften zu dieser Thematik veröffentlicht. Als einziges je gebautes Ganzmetallluftschiff ist neben dem Prototyp von David Schwarz aus dem Jahr 1897 jedoch nur das US-amerikanische ZMC-2 (1929–1941) bekannt.

1906/07 wurde das russische Luftschiff „Kretschet“ () nicht zuletzt aufgrund der Bemühungen des Generalleutnants N. Kirpitschew geplant. Die Arbeiten zum Bau verliefen jedoch langsam. Das Schiff wurde etwa 1909/10 fertiggestellt. Es wurde von zwei 100-PS-Panhard-Motoren mit je einer Luftschraube angetrieben, hatte eine Länge von 70 m, ein Volumen von 6900 m³ und einen Durchmesser von 11 Metern.

1908 wurde ein kleines Luftschiff „Utschebny“ (dt. „Für die Ausbildung“) gebaut, um die Zeit bis zur Fertigstellung der „Kretschet“ für die Ausbildung der Besatzung zu nutzen. Es hatte ein Volumen von 1500 m³ und war ebenfalls von einem Armeeoffizier, Hauptmann Schabski, gebaut worden.

Praktische russische Erfahrungen brachte 1910 der Kauf zweier Luftschiffe aus Frankreich. Es handelte sich um Zodiac-Luftschiffe. Die Baunummer Zodiac VIII trug in Russland den Namen „Korschun“ (dt. „Geier“), die Baunummer Zodiac IX wurde später die russische „Tschaika“ (dt. „Möwe“). Als Antrieb diente je ein 60-PS-Motor, der eine Geschwindigkeit von 40 km/h ermöglichte. „Korschun“ und „Tschaika“ waren 48 m lang, hatten einen Durchmesser von 48 m und ein Volumen von 2140 m².

Das Parseval-Luftschiff PL 7, Jungfernfahrt am 30. Oktober 1910, wurde für die Armee gebaut. Es fuhr unter dem Namen „Grif“ (dt. „Greif“). Sein Volumen betrug 7300 m³ bei einer Länge von 70 m und 14 m Durchmesser. Angetrieben von zwei 110-PS-Motoren erreichte es eine Höchstgeschwindigkeit von 59 km/h und eine Steighöhe von 2000 m. Die Nutzlast soll bis zu 2100 kg betragen haben. mini|Ukrainische Briefmarke von 2011: „100 Jahre des ersten Fluges des Luftschiffes Kiew“ Ebenfalls 1910 wurde das halbstarre Luftschiff „Forssmann“ (je nach Quelle verschiedene Schreibweisen, wie z. B. auch Forssman oder Forszmann) gebaut, das nach seinem Konstrukteur Villehad Forssman, einem Armeeoffizier, benannt wurde. Es hatte ein Volumen von nur 800 m³, eine Länge von 37 m, Durchmesser 6 m und wog 450 kg. 1911 wurde ein zweites Luftschiff mit 600 m² Inhalt gebaut.

Am 9. Oktober 1911 unternahm Fedir Anders in Kiew den ersten öffentlichen Flug eines zivilen Luftschiffes im russischen Reich auf dem von ihm selbst entworfenen und gebauten Luftschiff „Kiew“. von Tetjana Nikitjuk; Seite 4, rechte Spalte; abgerufen am 29. April 2017 (russisch)

Golub, Sokol und Jastreb Etwa 1910–11 wurden drei Luftschiffe fertiggestellt und an die Armee übergeben. Sie hießen Golub, Sokol und Jastreb (manchmal in der englischen Schreibweise: „Yastreb“) und entsprachen dem damaligen internationalen Stand der Luftschifftechnik.

Mit der Seriennummer 1 des Ischora-Werks (Ижорский завод) aus Kolpino nahe St. Petersburg wurde 1910 die „Golub“ ausgeliefert. Als Antrieb diente ein 75-PS-Körting-Motor mit zwei Luftschrauben, Volumen: 2270 m³, Länge 46 m, Durchmesser 9,5 m, Höchstgeschwindigkeit: 50 km/h Das Luftschiff „Golub“ (dt. „Taube“) wurde im Sommer 1916 nach Sewastopol verlegt. Wie auch die britischen, deutschen und französischen Luftschiffe wurde es der Marine übergeben. Es hatte keinen militärischen Wert und sollte zur Ausbildung der Marineluftschiffer dienen. Aber schon nach kurzer Zeit, am , zerriss seine Hülle beim Befüllen mit Traggas. Seriennummer 2 des Ischora-Werks Kolpino trug 1911 die „Sokol“ (dt. „Falke“). Das Volumen betrug 2500 m³, Länge 50 m, Durchmesser 10 m. Der Antrieb bestand aus einem 100-PS-de-Dion-Bouton-Motor ebenfalls mit zwei Luftschrauben. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 54 km/h. Das dritte Luftschiff war in den Duks-Werken (Завод Дукс) bei Moskau gebaut worden und hieß „Jastreb“ (dt. „Habicht“). Es besaß einen 75-PS-Dansette-Gillet-Motor mit DruckpropellerD'Orcy's airship manual; an international register of airships with a compendium of the airship's elementary mechanics; Oktober 1917; The Century co. New York; S. 169; online unter archive.org; zuletzt abgerufen am 7. Oktober 2016 mit zwei Luftschrauben. Das Volumen betrug 2500 m², die Länge 50 m, der Durchmesser 9 m. Gerüchten zufolge wurde es im März 1913 zerstört.

Luftschiffe im Ersten Weltkrieg Zum Beginn des Ersten Weltkrieges besaß Russland die größte Luftschiffflotte neben Deutschland. In der englischen Zeitschrift Flight International wurden 1913 11 Luftschiffe genannt (in englischer TranskriptionNavy League And Aviation in Flight International vom 29. März 1913 Seite 370; online im Flight-Archiv: PDF S. 369 und PDF S. 370): Parseval, Lebaudy, Astra I, Astra II, Lebed, Outcheburg I, Outcheburg II, Zodiac I, Zodiac II, Forzman I und Forzman II.

Albatros Das in Russland gebaute Luftschiff „Albatros“ (Seriennummer 3 des Ischora-Werks Kolpino) konnte mit acht bis 12 Personen eine Geschwindigkeit von bis zu 75 km/h erreichen. Es hatte ein Volumen von etwa 8000 bis 10 000 m³, jedoch nur eine Dienstgipfelhöhe von 2000 Metern. Angeblich ist es einmal 1912 beim Befüllen mit Gas aufgeplatzt. Der Antrieb erfolgte über zwei Körting-Motoren mit insgesamt 110 kW (150 PS) und Zweiblattpropellern. Als Baujahr wird 1914 angegeben.

1914 bekam dieses Luftschiff den Befehl, von St. Petersburg nach Wladiwostok an der Pazifikküste zu fahren. Für das Prallluftschiff war dies unmöglich, jedoch wurden alle Vorbereitungen für diese Fahrt getroffen. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges wurden die Vorbereitungen zu dieser Reise aber sofort abgebrochen.

Am wurde das Schiff an eine neue Mannschaft übergeben. Sie bestand aus dem Kommandanten Oberstleutnant B. W. Golubow, den Offizieren I. M. Lossowski, A. P. Aturin, L. A. Lipping und den Mechanikern A. G. Kirotar und P. I. Tschimala.

Die neue Besatzung fuhr das Schiff von St. Petersburg über Lida nach Białystok. Beginn der Überführung war am . Um 17.30 Uhr wurde die „Albatros“ ausgehallt und stieg um 18.00 Uhr auf. Die Flughöhe war 200 m bei einem Seitenwind von 5 m/s. Die Eisenbahnlinie nach Warschau diente der Navigation. Nach einem Motorschaden verlor die Besatzung unweit von Pskow die Orientierung, jedoch gelang es ihr, nach der Reparatur neue Orientierungspunkte zu finden.

Am um 2.00 Uhr wurde das Luftschiff in einer Höhe von 200 bis 300 m von der Festung Dwinsk aus beschossen. Wieder verlor die Besatzung die Orientierung, fand jedoch trotzdem den Weg nach Lida, wo sie um 6:30 ankam.

Einige Tage später begann die Tannenbergschlacht. Die „Albatros“ wurde nach Białystok geflogen. Von dieser Stadt aus sollte sie Aufklärungsflüge in Richtung Allenstein unternehmen. Starke Westwinde verhinderten jedoch die Durchführung der Aufgabe. Am wurde dem Schiff befohlen, einen Bombenangriff unweit der Festung Osowiec zu unternehmen. Die „Albatros“ wurde jedoch von eigenen (russischen) Truppen beschossen und musste mit 12 Löchern in der Hülle umkehren.

Am fuhr das Schiff nach Brest-Litowsk, Mitte September kehrte es nach Białystok zurück. Oberstleutnant B. W. Golubow wurde durch Stabskapitän A. I. Schabski ersetzt.

Am 2., 3. und 6. (15., 16. und 19.) Oktober 1914 führte das Luftschiff insgesamt sechs erfolglose Fahrten nach Lötzen (heute: Giżycko) zur Feste Boyen durch. Vier wurden wegen zu starkem Wind abgebrochen, einmal verlor die Besatzung die Orientierung und einmal wurde es von russischen Truppen beschossen. Am verlor der Kommandant A. I. Schabski im Nebel die Orientierung und musste notlanden. Das Luftschiff wurde dabei schwer beschädigt und später abgewrackt.

Berkut Das Luftschiff „Berkut“ (dt. „Steinadler“), ehemals Clément-Bayard No. 1, mit dem Baujahr 1910 galt bereits bei Kriegsausbruch als veraltet. Im Sommer 1916 wurde es als Ersatzteilspender zerlegt und seine Hülle für den Bau von 9 Gasbehältern verwendet. Es besaß bei 56 m Länge und 10,5 m Durchmesser ein Volumen von 3500 m³. Mit einem Clément-Bayard-Antrieb von 105 PS erreichte es 54 km/h.

Burewestnik (PL-14) Beim Luftschiff „Burewestnik“ (dt. „Sturmvogel“) handelt es sich um das ehemalige Parseval-Luftschiff „PL 14“, das seine erste Fahrt am 27. Februar 1913 durchführte. Es wurde im Herbst 1914 in Białystok für den Kampfeinsatz vorbereitet. Sein Kommandant war A. P. Tschetschulin. Am stieg das Schiff auf eine Höhe von 1100 Metern. Von dieser Höhe aus wurden Bombenversuche durchgeführt. Diese Höhe reichte jedoch nicht aus, um das Luftschiff vor Flak-Feuer zu bewahren. Zum Ende des Winters 1915 wurde die „Burewestnik“ beim Aushallen beschädigt und deswegen abgewrackt. Das Luftschiff hat letztendlich keinen Kampfeinsatz durchgeführt.

Länge: 90 maximaler Durchmesser: 15,5 m Volumen: 9600 m³ max. Geschwindigkeit: 67 km/h Motorisierung: zweimal 180 PS Maybach

Tschernomor 1–4 Am wurde anlässlich der Ausrüstung der Schwarzmeerflotte mit Luftfahrzeugen der Luftschiffverband in Sewastopol gegründet. Die Hauptaufgabe der Luftschiffe des Verbandes war der Kampf gegen deutsche U-Boote. Es wurden vier Prallluftschiffe in England bestellt. Es waren die üblichen Patrouillenluftschiffe der „Sea-Scout“-Klasse. Die Schiffe wurden Tschernomor 1 bis 4 genannt. „Tschernomor“ (dt. „Schwarzmeer“) ist der Name einer fiktiven Gestalt, des Befehlshabers der 33 Recken, aus dem Gedicht Das Märchen vom Zaren Saltan von Alexander Puschkin.

Diese Luftschiffe verfügten über unzuverlässige Motoren: „Tschernomor 1“ bzw. „Tschernomor 2“ wurden wegen allzu häufiger Ausfälle der Motoren während der Einsatzfahrten abgerüstet. „Tschernomor 3“ verbrannte am in der Halle. Daraufhin wurde „Tschernomor 4“ erst gar nicht ausgepackt und verblieb in seiner originalen Lieferverpackung aus England.

Zwischen den Weltkriegen mini|„Krasnaja Swesda“ mini|CCCP-B4 (UdSSR-W4) Im Herbst 1920 wurde in Petrograd (heute St. Petersburg) das ehemals in Frankreich gebaute Luftschiff Astra rekonstruiert. Es hatte ein Volumen von 12 000 m³ und wurde danach in „Krasnaja Swesda“ (Roter Stern) umbenannt. Es führte fünf erfolgreiche Fahrten durch, bevor es im Frühjahr 1921 zu einem Unfall kam.