Voices of Transition (aka Cultures en Transition) ist ein Dokumentarfilm des Regisseurs und Produzenten Nils Aguilar aus dem Jahr 2012. Der Film wurde in Frankreich und Deutschland produziert und beschäftigt sich mit der Gefährdung der landwirtschaftlichen Produktion durch Energie- und Ressourcenverknappung und zeigt als Alternativen Agrarökologie in Frankreich, die Transition-Town-Bewegung sowie urbane Landwirtschaft in Kuba als Vorreiter einer Transformation der Nahrungsmittelproduktion weg von industrieller Landwirtschaft zu kleinteiliger, dezentraler Erzeugung. Der Kinostart in Deutschland fand am 2. Mai 2013 statt,Voices of Transition auf filmstarts.de, abgerufen am 2. Mai 2013 im Kontext einer Deutschlandtournee des Films,Kinotour 2013 auf voicesoftransition.org der Kinostart in Österreich am 2. April 2014,Österreich Kinostart nebst weiteren Kinostarts im Ausland.

Handlung

Im Film wird mittels Interviews und Einblendungen von Grafiken und Texten dargestellt, welche Probleme die derzeitige industrielle Landwirtschaft hervorruft und warum sie mittelfristig nicht geeignet ist, die Ernährung der Weltbevölkerung sicherzustellen: Für die Produktion eines Lebensmittels mit einem Brennwert von 4,2 kJ (= 1 kcal) betrage der Einsatz von Erdöl derzeit 42 - 84 kJ (= 10 - 20 kcal) in Düngerproduktion und Transport, was für eine starke Abhängigkeit der Agrarpreise vom Ölpreis sorge. Wegen des Erdölfördermaximums und dem erwarteten Ölpreisanstieg würden die Lebensmittelkosten immer weiter ansteigen. Diese Abhängigkeit stelle inzwischen eine große Verwundbarkeit der Lebensmittelversorgung dar. Außerdem sei die Landwirtschaft inzwischen für 40 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich, was den Klimawandel beschleunige. Zudem sorge der massive Einsatz von Mineraldünger für einen Verlust an Bodenfruchtbarkeit, einen drohenden Totalverlust an nutzbarem Boden innerhalb von Jahrzehnten durch Erosion sowie sinkende Flächenerträge, die nur begrenzt durch einen immer weiter gesteigerten Einsatz von Dünger kompensiert werden könnten. Als Nebenwirkungen der Industrialisierung der Landwirtschaft seit den 1920er Jahren wird der Verlust von Arbeitsplätzen, die Landkonzentration in den Händen weniger (in Frankreich schließe alle 23 Minuten ein Bauernhof), sowie die starke Abhängigkeit von Unternehmen wie Monsanto oder Bayer genannt, die vom Saatgut über Dünger bis zu den notwendigen „Chemiecocktails“ für Hybridzüchtungen die komplette Produktionskette kontrollierten. Diese Entwicklung würde durch die Subventionen der Weltbank unterstützt. Zur Erläuterung der Problematik kommen Vandana Shiva, der Initiator der Transition-Town-Bewegung Rob Hopkins sowie Agrarexperten zu Wort, die Bodenuntersuchungen auf Feldern vornehmen. Die Erdölabhängigkeit wird anhand des Lebensmittelgroßmarkts in Rungis veranschaulicht.

mini|Agroforstwirtschaft in der Normandie Zur Veranschaulichung von Alternativen werden Orte in Frankreich und England aufgesucht: Der Experte für Agroforstwirtschaft Martin CrawfordMartin Crawford, Direktor des Agroforestry Research Trust, vgl. Autorenbeschreibung bei greenbooks.co.uk. führt durch seinen Waldgarten, wobei er erläutert, wie die Zusammenstellung verschiedener Pflanzen auf unterschiedlichen Ebenen dazu führe, dass diese sich gegenseitig mit Nährstoffen versorgen. Er betont die hohe Flächenproduktivität und Effizienz dieses nach Prinzipien der Permakultur aufgebauten Gartens, der mit einem sehr geringen Energieeinsatz auskomme. Eine andere Anwendung wird für Äcker gezeigt, auf denen Baumreihen gepflanzt sind, zwischen denen Getreide wächst. Letzteres kann so weiterhin maschinell geerntet werden, die Bäume würden aber für ein besseres Mikroklima, durch die Schaffung von Lebensräumen für Tiere eine Erhöhung der Biodiversität hervorrufen und ihre regelmäßig abfallenden Wurzeln für eine Erhöhung der Bodenqualität sorgen. Durch die Bäume könne das Holzdefizit der europäischen Länder ausgeglichen und Kohlendioxid gebunden werden, der Holzbestand würde zudem das Land aufwerten. Als Experten treten der beim französischen Institut national de la recherche agronomique arbeitende Christian DuprazPrivate Webseite von Christian Dupraz, Mitautor des Buches Agroforesterie. ISBN 978-2-85557-150-8. sowie der französische Bodenkundler Claude Bourguignon auf.

mini|Rob Hopkins Ein zweiter Strang zeigt britische Transition-Town-Initiativen, deren lokale Akteure angeben, sich für eine lebenswertere Zukunft zu engagieren, indem sie Strukturen aufbauen, die resilient gegenüber Peak Oil, Klimawandel oder Wirtschaftskrisen sind, deren Auswirkungen als Bedrohung wahrgenommenen werden. Der Film zeigt den Permakultur-Gärtner Mike Feingold,Mike Feingolds Permaculture Allotment auf embody.co.uk, abgerufen am 17. Januar 2013. wie er in seinem Gemeinschaftsgarten arbeitet sowie selbstgeerntete Äpfel zu Saft verarbeitet. Außerdem werden Tauschmärkte, die Regionalwährung Totnes Poundtotnespound.org; Rob Sharp: They don't just shop local in Totnes - they have their very own currency. In: The Independent, 1. Mai 2008 sowie Veranstaltungen gezeigt, in denen gemeinsam Pflanzaktionen durchgeführt werden mit dem Ziel einer „essbaren Stadt“. Sally Jenkins vom Projekt Grofun (Growing Real Organic Food in Urban NeighbourhoodsLia Leendertz: Could Grofun get you gardening?. In: The Guardian Gardening Blog, 7. April 2009, abgerufen am 17. Januar 2013.) zeigt, wie sie Lebensmittel im Vorgarten anpflanzt, um Nachbarn zu Nachahmung zu inspirieren. Erläutert werden die Projekte vom Mitgründer der Bewegung Rob Hopkins, der die Notwendigkeit einer Vision betont, die Menschen in den nächsten Jahrzehnten tragen könnte. So könne man sich auf die drohenden Krisen gemeinschaftlich vorbereiten und zugleich wieder lernen, das Leben zu genießen.

mini|Cooperative Alamar, Kuba Das letzte Drittel des Films widmet sich Kuba, dessen Landwirtschaft Anfang der 1990er Jahre durch den Zusammenbruch der Sowjetunion vom Erdöl und globalen Lebensmittelmärkten abgeschnitten wurde. Dadurch entwickelten sich Gemeinschaftsgärten und urbane Landwirtschaft, in denen biologisch erzeugte Lebensmittel hergestellt werden. Dadurch deckt die kubanische Hauptstadt Havanna 70 Prozent ihres Bedarfs an frischem Gemüse aus der Stadt oder ihrer unmittelbaren Umgebung,Zur Situation in Havanna, vgl. The Avery Diet: The Hudson Institute’s Misinformation Campaign Against Cuban Agriculture (PDF; 339 kB). Online publication: Funes, Altieri & Rosset, abgerufen am 4. Januar 2013. wobei bis zu 20 kg pro Quadratmeter erzielt würden. Als wichtigster Interviewpartner tritt Fernando Funes-Monzote auf, Mitbegründer der Grupo de Agricultura Organica, die 1999 den Right Livelihood Award verliehen bekam.Jack Fairweather, Christina Asquith: In: The Solutions Journal. Volume 1, Issue 2, S. 56–58. Er erläutert, dass Kuba wohl das einzige Land sei, das auf dem Weg zu einer nachhaltigen Lebensmittelversorgung sei, was im Film durch eine Studie des WWF ergänzt wird, nach der Kuba als einziges Land die beiden Minimalkriterien für nachhaltige Entwicklung erfülle.WWF, Global Footprint Network: , Seite 19. Die staatliche Förderung urbaner Landwirtschaft habe zu einer gesteigerten Ernährungssouveränität geführt und die Abhängigkeit von Weltmarkt und Ölpreis reduziert. Daher könne Kubas unfreiwillige Entwicklung als Vorbild für andere Länder dienen, denen Versorgungsengpässe noch bevorstünden.

Hintergrund

Der Regisseur Nils Aguilar gab in einem InterviewNils Aguilar – Globale Transition-Initiativen (PDF; 300 kB). In: Boris Woynowski u. a. (Hrsg.): Wirtschaft ohne Wachstum?! Notwendigkeit und Ansätze einer Wachstumswende. In: Reihe Arbeitsberichte des Instituts für Forstökonomie 59-2012, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Freiburg im Breisgau. S. 378–388. an, ihn habe die Erfahrung „tief getroffen“Nils Aguilar – Globale Transition-Initiativen. In: Boris Woynowski u. a. (Hrsg.), S. 378. wie große Agrarkonzerne in Argentinien indigene Bewohner, die gegen ihre Vertreibung protestierten, mit Schlägertrupps zum Verstummen brachten. Die Beschäftigung mit Konzepten der Permakultur seit 2003 und die Lektüre des Buchs Le sol, la terre et les champs des französischen Bodenkundlers Claude BourguignonClaude Bourguignon (französisch-sprachige Wikipedia), Gründer des Laboratoire d’Analyse Microbiologique des Sols (LAMS), vgl. Le sol, la terre et les champs. 2010, ISBN 978-2-86985-188-7. habe ihn dann inspiriert, einen Film zu drehen,Itw de Nils Aguilar, réalisateur de "Culture en transition", Interview auf YouTube, hochgeladen am 11. November 2011 der „über das Aufzeigen von positiven Lösungswegen zum Handeln inspirieren solle.“Nils Aguilar – Globale Transition-Initiativen. In: Boris Woynowski u. a. (Hrsg.), S. 379.

Als Ziel des Projekts wird angegeben, der Transition-Town-Bewegung ein pädagogisches Werkzeug in die Hand zu geben und die Agrarökologie zu fördern. auf voicesoftransition.org, abgerufen am 4. Januar 2013. Aguilar, 1980 in Tübingen geboren,Fred Keicher: Dann stellt sich die Diätfrage: Der Tübinger Nils Aguilar und sein Film „Voices of Transition“. In: Schwäbisches Tagblatt, 14. Dezember 2012, abgerufen am 4. Januar 2013. startete das Projekt zunächst mit einem Co-Regisseur, der allerdings frühzeitig ausschied, weil er „nicht wirklich daran geglaubt hat.“Nils Aguilar – Globale Transition-Initiativen. In: Boris Woynowski u. a. (Hrsg.), S. 383. So versuchte Aguilar, nach seinem Ausscheiden das Filmprojekt als „fachfremder Autodidakt“ selbst zu meistern, was etwa vier Jahre in Anspruch nahm.

Der Low-Budget-Film wurde vom Autor selbst produziert, weswegen der Film in hohem Maße von ehrenamtlichem Engagement abhing. Gefördert wurde er dabei vom EU-Programm Jugend in Aktion und dem Programm Envie d'agir des französischen Jugendministeriums.Unterstützer und Partner auf voicesoftransition.org, abgerufen am 14. Dezember 2013. Außerdem wurden zwei Crowdfunding-Kampagnen durchgeführt, bei denen insgesamt 13.000 Euro gesammelt wurden. bei sponsume.com, abgerufen am 4. Januar 2013.Voices of Transition bei startnext.de, abgerufen am 4. Januar 2013.Jan Petersmann: Gespräch mit Nils Aguilar in: fluter – Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung, 29. März 2014. Der Film wird in Deutschland im Eigenverleih vertrieben.Film zeigen! auf voicesoftransition.org, abgerufen am 14. Dezember 2013.

Vorführungen

Der offizielle Kinostart des Films fand im Mai 2013 statt.Kino-Zeit abgerufen am 16. September 2014. Als öffentlichkeitswirksame Vorpremiere des Films diente die Vorführung im Beiseins des Protagonisten Rob Hopkins auf der Tagung „Agriculture in Transition“ der Heinrich-Böll-Stiftung 2013.Christine Chemnitz: Strategien für ökologische und faire Investitionen in der Landwirtschaft. In: boell.de, 16. Januar 2013 Diese Vorführung war der Start für eine Deutschland-Tournee mit 16 Stationen.Kino-Tour 2013 abgerufen am 16. September 2014

Inzwischen hat der Film zusehends internationale Beachtung erhaltenVorführungen auf voicesoftransition.org, abgerufen am 4. Januar 2013. und wurde auf mindestens 22 internationalen Festivals gezeigt. Allein im Rahmen des Festival Alimenterre 2013 lief der Film auf 192 öffentlichen Vorführungen in afrikanischen und französischsprachigen Ländern und erreichte laut Veranstalter 12.520 Zuschauer., voicesoftransition.org, abgerufen am 16. September 2014. Im Rahmen des Cinema-Politica-Festivals wurde er in sechs kanadischen Universitäten gezeigt., cinemapolitica.org, abgerufen am 10. September 2013.

Neben den Kinostarts im deutschsprachigen Raum erfolgten weitere Starts und Tourneen in Italien, USA, Portugal, Wallonien und Flandern (Belgien), Großbritannien, Argentinien und Chile.

Seit dem Sommer 2014 ist eine DVD mit Untertiteln in 17 Sprachen verfügbar.international DVD, voicesoftransition.org, abgerufen am 16. September 2014.

Auszeichnungen Main prize: Ecological Success Stories Ekotopfilm-Festival, 2012