Werberg ist eine Wüstung im Bereich des Truppenübungsplatzes Wildflecken. Es war das älteste Dorf auf dem Gebiet des Truppenübungsplatzes. Die Anfänge gehen auf eine fuldische Burg aus dem 13. Jahrhundert zurück.

mini|Die noch vorhandene Antoniuskapelle von Werberg

Lage Werberg liegt auf im Tal des Lachsgrundes und der angrenzenden Hügel nördlich um den Burgfelsen der Ruine Werberg in einer Talweitung am Zusammenfluss zweier Quellbäche. Die Dorfstelle befindet sich 6 km nördlich von Bad Brückenau.

Verkehr Während der Gründung Über das Dammersfeld führten während des karolingischen Landesausbaus und während des Hochmittelalters Altstraßen, die abseits der damals sumpfigen Flusstäler lagen. Der Karolingische Königsweg verband hier das Gebiet um Mainz mit der Pfalz Salz und führte hier, von Brückenau kommend, an Werberg westlich vorbei zur Dammersfeldkuppe. An der Dammersfeldkuppe mündete ein von Fulda kommender Weg in den Karolingischen Königsweg, in Brückenau ein von Hammelburg und Würzburg kommender.

Ortsverbindung Das Dorf war durch einen Weg im Lachsbachtal mit Volkers verbunden. Dieser nimmt südlich des Dorfes den Weg von Brückenau auf, um gen Norden nach Kothen und in das Tal der Kleinen Sinn zu führen. Nach Osten führte ein Weg nach Rothenrain.

Eisenbahn Im Jahre 1891 wurde die Bahnstrecke Jossa–Brückenau eröffnet. Brückenau war dadurch der nächstgelegene Bahnhof für Werberg. 1908 wurde die Strecke bis Wildflecken erweitert.

Geschichte Werberg geht auf die Burg Werberg zurück, die erstmals 1260 indirekt mit der Nennung eines Fridericus de Werberg historisch fassbar wird.

1799 wurde eine Schule erbaut. Im Jahr 1850 wurde die dem Heiligen Kilian geweihte Kirche errichtet. Ein Friedhof befand sich nahe dem Burgfelsen. Die Bewohner lebten von Landwirtschaft und Obstanbau.

Wie die Dörfer Rothenrain, Neu- und Altglashütten sowie ReußendorfUte Felbor: Rassenbiologie und Vererbungswissenschaft in der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg 1937–1945. Königshausen & Neumann, Würzburg 1995, ISBN 3-88479-932-0 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Beiheft 3.) – Zugleich: Dissertation Würzburg 1995), S. 79. musste Werberg, damals 264 Einwohner zählend, am 15. April 1938 aufgrund des Baus des Truppenübungsplatzes, auf dessen Gebiet das Dorf lag, geräumt werden. Einer Abhandlung des Medizinstudenten und SS-Angehörigen Heinrich Josef GlotzbachHeinrich Josef Glotzbach: Bevölkerungsbewegung und Erbgefüge des Rhöndorfes Werberg. (= Schriftenreihe aus dem Rassenpolitischen Amt der NSDAP bei der Gauleitung Mainfranken zum Dr.-Hellmuth-Plan. Band 17). Medizinische Dissertation Würzburg 1938. folgend wurden Einwohner nach „nationalsozialistischen Grundsätzen“ umgesiedelt. Die „Bauernfähigen“ wurden „als Erbhofbauern in der näheren und weiteren Umgebung angesiedelt“. Sie kamen nach Bad Brückenau, in den Raum OffenbachUte Felbor: Rassenbiologie und Vererbungswissenschaft in der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg 1937–1945. 1995, S. 79. oder ließen sich in Niederbayern nieder.

Die ehemalige Landgemeinde Werberg bestand aus dem Kirchdorf Werberg und dem Weiler Auersberg und umfasste 566,35 Hektar. Sie wurde 1942 aufgelöst und dem Heeresgutsbezirk Wildflecken zugeteilt. Die Absiedlung der Gemeinde war zum Zeitpunkt der Volkszählung 1939 bereits erfolgt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Dorf mit 356 Leuten wiederbesiedelt, um 1966 letztendlich doch abgesiedelt zu werden. In der Folgezeit wurde die Ortschaft dem Erdboden gleichgemacht, zuletzt die Kirche 1973 gesprengt.

Infrastruktur mini|300px|Der ehemalige Friedhof mit dem Friedhofskreuz Das Dorf Werberg besaß vor der letzten Auflösung eine dem Heiligen Kilian geweihte Kirche mit dazugehörigem Friedhof, eine Schule, ein Schwesternheim, einen Kindergarten, ein Schwimmbad, die Freiwillige Feuerwehr Werberg, zwei Gaststätten, einen Lebensmittelladen und einen Friseur. Die Straßen waren entweder gepflastert oder geteert. Zudem besaß das Dorf als erstes im Altlandkreis Brückenau eine elektrische Straßenbeleuchtung.

Museum In Kothen, einem Ortsteil der westlich des Truppenübungsplatzes liegenden Gemeinde Motten, wurde 1987 die Werberger Stube auf Initiative des Werbergers Ernst Zimmermann eingerichtet. In einem der drei Räume ist eine rhöntypische „Gute Stube“ eines Bauernhauses eingerichtet. In den anderen Räumen befinden sich u. a. der Grundstein der Kirche, das Taufbecken, eine Glocke, das Turmkreuz und mehrere Messgewänder. Außerdem zeigen mehrere Fotografien, landwirtschaftliche Geräte und Werkzeuge der Heimarbeit das Leben des Dorfes. In Wildflecken widmet sich das militärhistorische Museum der Geschichte des Truppenübungsplatzes.

Veranstaltungen Jedes letzte Juniwochenende im Jahr treffen sich die Werberger sowie ihre Nachkommen in Kothen, um das Museum sowie den Friedhof zu besuchen. Die Interessengemeinschaft ehemaliger Werberger pflanzte 2013 anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens eine Rotbuche auf dem historischen Dorfplatz von Werberg.

Weil sich die Dorfstelle im Truppenübungsplatz Wildflecken befindet, ist sie normalerweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Eine Tradition jedoch, welche die Bundeswehr nach dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus Wildflecken (1994) fortsetzt, sind die alljährlich am letzten Juliwochenende stattfindenden Wandertage durch das militärische Sperrgebiet. Dabei besteht die Möglichkeit, das sonst unzugängliche Gelände auf vorgeschriebenen Wegen zu erwandern. Bei jährlich wechselnden Routen kann dabei gelegentlich auch Werberg besucht werden, zuletzt im Jahr 2022.

Literatur

Weblinks

Werberg. In: Rhoenline.de Stephanie Elm: Was von dem Dorf Werberg übrig blieb. In: inFranken.de, 25. August 2015 Stephanie Elm: Werberg: 50 Jahre nach der Absiedlung. In: inFranken.de, 12. Juni 2016 Stephanie Elm: Viel Spaß an Werbergs Chronik. In: inFranken.de, 7. Juni 2017 . In: Rhönlexikon

Einzelnachweise

Sollten die Quellen aus einem der vorgenannten Bücher stammen, wurden in den Einzelnachweisen nur der Autor bzw. der Herausgeber und die Seite genannt.

Gemeinde Wildflecken, S. 201 Gemeinde Wildflecken, S. 205 Bayerische Verwaltungsstelle Biosphärenreservat Rhön, S. 35 Bayerische Verwaltungsstelle Biosphärenreservat Rhön, S. 35f

Bayerische Verwaltungsstelle Biosphärenreservat Rhön, S. 115f

Kategorie:Wüstung im Truppenübungsplatz Wildflecken Kategorie:Wüstung im Landkreis Bad Kissingen Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Bad Kissingen) Kategorie:Gemeindeauflösung 1942 Kategorie:Geographie (Wildflecken)