mini|hochkant|Emmerich Menyhay (1985)

Emmerich Menyhay, auch Imre Menyhay (* 12. Mai 1931 in Budafok; † 23. Oktober 2018 in Leoben) war ein österreichisch-ungarischer Wirtschaftswissenschaftler, Pädagoge und Soziologe.

Mit seinem Buch Wirtschaften, Unternehmen, Ethik. Grundlegung und Anwendung einer gesellschaftstheoretischen WirtschaftssoziologieMenyhay Imre: Gazdálkodás, vállalkozás, etika - A társadalomelméleti gazdaságszociológia alapvetése és alkalmazása, Akadémiai Kiado, Budapest 2002, ISBN 978-963-05-7868-4. (ungarisch) war er Gründer der gesellschaftstheoretischen Wirtschaftssoziologie, und mit seinem Buch mit dem Titel Homo oeconomicus und die unvollendete Schöpfung. Grundlegung und Anwendung der analytischen WirtschaftspsychologieMenyhay Imre: Homo oeconomicus és a befejezetlen teremtés, Akadémiai Kiadó, Budapest 2003, ISBN 978-963-05-8075-5. Gründer der psychoanalytischen Betrachtungsweise der Wirtschaftspsychologie.

Familie Er war verheiratet mit Ilona Murányi, mit der er zwei Kinder hatte.

Studien und akademische Grade Er absolvierte die Bürgerschule in Budafok in Ungarn mit sehr gutem, und die Lajos Kossuth Wirtschaftsmittelschule in Budapest mit ausgezeichnetem Erfolg. In der Wirtschaftsmittelschule war er Schüler des Kossuth-Preisträgers Miklós Szentkuthy. Der Schriftsteller zeichnete den Schüler mit seiner Freundschaft aus. Diese dauerte bis zum Tod Szentkuthys.Mária Tompa: Miklós Szentkuthy (Biografie), Hamvas Béla Kulturforschungsinstitut (Hrsg.), Budapest 2001, ISBN 963-00-8564-X, S. 153–159. () Die geistige Größe des Schriftstellers hatte großen Einfluss auf seine wissenschaftliche Kreativität, nachdem er von Szentkuthy für ihn in Aussicht gestellte ungarische schriftstellerische Laufbahn in Folge seiner Flucht aus Ungarn im Jahre 1956 verloren ging.

Das Studium an der Wirtschaftspädagogischen Fakultät der Corvinus-Universität Budapest (damals Karl Marx Wirtschaftsuniversität) schloss er zunächst mit Absolutorium ab und später promovierte er hier in Pädagogik mit summa cum laude. Wegen journalistischer Tätigkeit flüchtete er am 6. November 1956 nach Österreich. An der mit Universitätsrang ausgestatteten Hochschule für Welthandel in Wien (jetzt Wirtschaftsuniversität Wien) lernte er Deutsch und erwarb jene Vorkenntnisse, die für die Ablegung der Lehramtsprüfung für mittlere und höhere kaufmännische Schulen vorgeschrieben war.

Die Prüfung legte er vor der Österreichischen Lehramtsprüfungskommission ab, und damit erwarb auch den Titel eines Magisters. Anschließend inskribierte er an der Fakultät der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften der Universität Graz, und schloss sein Studium in betriebswirtschaftlicher Studienrichtung mit Magistergrad ab. Darauf folgend studierte er dort Soziologie und promovierte aus diesem Fach. Den Titel Doktor Habilitatus hat er mit der Qualifikation hundert Prozent erreicht.Daten zum Lebenslauf: Westungarische Universität, Ödenburg. Daten zum Lebenslauf. Westungarische Universität, Ödenburg. Daten zum Lebenslauf: Lexikon, Pädagogie. Pedagógiai ki-kicsoda, Verlag Kerban, Budapest 1997, ISBN 963-8146-48-6, S. 171–172Daten zum Lebenslauf: Lexikon-Wirtschaft. Ki kicsoda a magyar gazdasági életben?, Humexim, Budapest 2001, ISBN 963-00-8960-2, S. 218–219Daten zum Lebenslauf: Encyclopedia „Who’s Who in the World“ USA, Marquis Who’s Who, 27th Edition, 2010, S. 1806

Seine frühen Jahre In der Mittelschule und während seiner Studentenzeit war er auf Stipendien und auf die Unterstützung seiner Lehrer angewiesen. Er arbeitete in der Ziegelfabrik Hutera in Törökbálint als Hilfsarbeiter, in der Budapester Werkzeug- und Maschinenfabrik in der Lohnverrechnung, und auf der Pferderennbahn als gewinnauszahlender Kassierer. Er hielt auf Antrag der TIT (Tudományos Ismeretterjesztő Társulat) Vorträge in Betrieben in Budapest und Umgebung. Nach fast einem halben Jahrhundert kehrte er zurück zu dieser hoch angesehenen Vereinigung als Autor zahlreicher Studien, die in ihrer wissenschaftlichen Zeitschrift „Valóság“ (Die Wirklichkeit) erschienen.Übersicht der Studien, in: valosagonline.hu, abgerufen am 17. Januar 2017

Am Ende der vierziger und am Anfang der fünfziger Jahre war er Pfadfinder-Jugendscharleiter in der Seligen Asztrikt-Abt Pfadfindervereinigung und Schriftführer der katholischen Jugendorganisation in IV. Bezirk in Budafok. Er nahm an den Demonstrationen pro Kardinal Mindszenti teil und stand unter Beobachtung der kommunistischen Staatspolizei.

Im Schuljahr 1955/56 unterrichtete er in der Wirtschaftsmittelschule in Sopron, und mit der Unterstützung des Stadtrats organisierte das Wiedererscheinen der damals eingestellten Soproner Zeitung „Soproni Napló“. Damals stand der Journalismus unter strenger Kontrolle der Kommunistischen Partei. Das Komitee dieser Partei in Raab (Győr) schloss ihn aus der Redaktion aus. Erst nach dem Ausbruch des ungarischen Volksaufstands kam er zum Zug. Seine journalistische Tätigkeit war der Grund seiner Flucht nach Österreich. Er flüchtete gemeinsam mit den Professoren und Studenten der damaligen Universität. Nach Sopron kehrte er vierzig Jahre später als Universitätsprofessor von der Corvinus-Universität Budapest zurück, wo er seit 1991 unterrichtete.

In der Emigration 1956–1991 Im November 1956 liefen die ungarischen Flüchtlingskinder ziellos im vernachlässigten Hof der ausgebombten ehemaligen Kaserne ohne Fenster in Traiskirchen in Niederösterreich herum. Er ging zum Lagerleiter und eröffnete ihm, dass diese Kinder verloren sind, wenn sie nicht regelmäßig beschäftigt werden. Er bat ihn, er solle in dieser Angelegenheit nach einem zuständigen Ansprechpartner Ausschau halten. Bald daraufDie Bewegungsgründe des außerordentlich schnellen Reagierens sind in den Akten des Österreichischen Staatsarchives zu suchen. Auf der 11. Seite der einschlägigen Zusammenfassung unter anderen das folgende zu lesen: ”Allerdings erliegen bei weitem nicht alle und oft die wichtigsten Akten des Bundesministeriums für Unterricht zur Frage der ungarischen (Mittel)schulen nicht unter der genannten Signatur „13B1-M.Sch.“. Dazu zählt ein Akt betreffend die Anschaffung von Unterrichts- und Kanzleimaterial für die ungarische Flüchtlingsmittelschule Obertraun 69. Der Akt verrät, dass die Einrichtung derselben bei einer bereits am 6. November 1956 unter Vorsitz des Bundesministers stattgefundenen Besprechung beschlossen wurde.” Daraus geht also hervor, dass sich die Österreichische Bundesregierung schon vor der Initiative von Emmerich Menyhay mit dem Problem der pädagogischen Versorgung der ungarischen Flüchtlingskinder beschäftigte und dass die Initiative von Emmerich Menyhay gerade zu Recht gekommen. () meldete sich der österreichische Unterrichtsminister, Heinrich Drimmel und ließ ihn mit einem Dienstauto in sein Büro nach Wien bringen. Der Minister beauftragte ihn mit der Organisation einer Schule für ungarische Flüchtlingskinder. In dem Sinn besorgte er die Einverständniserklärungen der Eltern darüber, dass sie bereit sind ihre Kinder in Obhut der geplanten Schule zu geben, erstellte den Organisationsplan samt Stundenplan und mit der Namensliste der Schüler und Lehrer. Zunächst stand kein Religionslehrer zur Verfügung. Einen Seelsorger konnte er im letzten Augenblick finden, bevor die mit Kindern beladenen Autobusse aus dem Kasernenhof in Richtung Obertraun in Oberösterreich – in Richtung des geplanten Ortes der Schule – fuhren. Dort angekommen, teilte der Beauftragte des Ministers den versammelten Schülern und Lehrern mit, dass er weiter mit der Leitung der Schule betraut wurde. Seine Amtszeit dauerte nicht lange.

Der Religionslehrer meinte, ein Lehrer, der sein Wissen an der Karl-Marx-Universität in Budapest erworben hatte, kann nur ein Kommunist sein und ist als Pädagoge ungeeignet. Der Priester übernahm die Leitung der Schule, gab ihm fünfhundert Schilling und setzte ihn in einen Zug nach Wien.Über die Geschichte der Schule in Obertraun auf der 18. Seite der einschlägigen Zusammenfassung unter Punkt 69. das folgende zu lesen: „Weitere Akten zur Geschichte der Flüchtlingsmittelschule Obertraun finden sich unter der Signatur 10D2 (vgl. ÖStA, AdR, BMU 10D2 30.812-21/57 und 32.512-21/57) 70 ÖStA, AdR, BMU 10D2 28.237-21/57 71 ÖStA, AdR, BMU 10D2 35.783-21/57 72 ÖStA, AdR, BMU 10D2 65.074-21/57.“ ()

Nach schwerer, ruheloser Zeit kam er in das für die ungarischen intellektuellen Flüchtlinge adaptierte Flüchtlingslager Schwechat Schloss Altkettenhof. Hier hielt er sich fünf Jahre auf. Ein Jahr lang studierte er mit Rockefeller und dann mit Anna Kéthly Stipendium. Inzwischen war er zeitweise selbständiger Unternehmer, und trachtete danach, für die Wirtschaftspädagogen damals in Österreich vorgeschriebene mindestens zweijährige Praxis im Wirtschaftsleben zu erwerben.

Im Uferbereich der Alten Donau in Wien (Elidagesse 10) mietete er ein heruntergekommenes Haus und sanierte es eigenhändig. Im Jahr 1962 war das Haus fertig. Hier wohnte er nicht lange. Nach Ablegung der Lehramtsprüfung bewarb er sich um die ausgeschriebene Subventions-Lehrerstelle der Republik Österreich an der Städtischen Handelsschule in der Universitätsstadt Leoben und übersiedelte dorthin. In der Schule wählte ihn der Lehrerschaft zum ersten Lehrervertreter, und im Jahr 1976 wurde er zum Direktor der Schule ernannt. Dieses Amt bekleidete er bis zum Jahr 1991.

Am Ende der achtziger Jahre ging allmählich das kommunistische System zu Ende. Ungarn brauchte Unterstützung von Westen her. Da die Erfahrungen der Gesellschaftsgestaltung westlicher Art fehlten, nahmen die Ungarn jede Hilfe gerne an. Er organisierte ungarische Studienreisen nach Österreich. Das Zentralorgan der ungarischen Gemeinden „Komunitas“ in Budapest, unter der Führung des Direktors Zoltán Pálfalvy, übernahm die Organisation von Seiten der Ungarn. Die Führungskräfte der Stadt Leoben standen den Gästen zur Seite. Sie ließen gerne Einblicke in das System der Stadtverwaltung zu, u. a. in das Straßenbau-, Energie- und Wasserversorgungs- und in das Bestattungswesen der Stadt. Menyhay bemühte sich diese Kontakte auf das Hochschulwesen auszudehnen. Diese sind im Jahre 1991 unter der Mitwirkung vom Sektionschef des Ungarischen Ministeriums für Bildung und Unterricht, Stefan Bakos, zustande gekommen. In deren Folge hat ihn das Professorenkollegium der Hochschule für Handel, Gastgewerbe und Fremdenverkehr zum Gastprofessor gewählt. Dem folgten weitere Einladungen. Die leitenden Professoren der Hochschule für Handel, Gastgewerbe und Fremdenverkehr, unter der Leitung von Rektor Miklos Horn, später unter der Leitung seines Nachfolgers, Rektor László Csizmadia, waren einige Mal auf Studien- und Kontaktreisen in Österreich, in Leoben und in Wien bei dem fachlich zuständigen Minister.

Im Jahr 1992 hielt die ungarische Rektorenkonferenz der wirtschaftsbildenden Universitäten und Hochschulen ihre nach Österreich verlegte Sitzung in Leoben ab, als sein Gast, und der Gast der Stadt Leoben und der Montanuniversität. Es fand auch eine gemeinsame Sitzung mit dem Führungsstab der Montanuniversität Leoben statt. Der Rektor der Budapester Wirtschaftsuniversität, Rudolf Andorka, hielt einen Vortrag darüber, in welcher Art und Weise die politischen Umwälzungen das ungarische Hochschulwesen berühren.

Während seiner Zeit als Direktor unterrichtete er auch an der Montanuniversität in Leoben (1983–1991) und studierte an der Grazer Universität weiter. Gleichzeitig war er als allgemein beeidigter gerichtlicher Sachverständiger und Journalist tätig. Bei der Grazer Wochenpost hatte er eine eigene Kolumne (Reflexionen) und schrieb etwa 600 wirtschafts-, kultur- und gesellschaftskritische Artikel.Emmerich Menyhay: Kaputte Typen, In: Steirische Wochenpost, 13. September 2001 In dieser Periode erschienen von ihm drei wissenschaftliche Bücher.

Nach 1991 In Ungarn unterrichtete er in den folgenden akademischen Lehranstalten: