mini|hochkant|Friedrich Herman Semmig vor 1870

Friedrich HermanDie Angabe in der Allgemeinen Deutschen Biographie, dass er „Hermann“ hieß oder sich so nannte, ist unrichtig. Hermann Wunder, der sich auf die Tochter Jeanne Berta Semmig berufen konnte, schreibt auf S. 34 „Herman, mit 1 n, schrieb er sich selbst“. Auch die meisten seiner Bücher sind mit dieser Namensform „Herman Semmig“ erschienen. Wenn in den Quellen eine andere Namensform vorkommt, wird aber sie beibehalten, da Zitat. Alle seine Briefe im Stadtarchiv Döbeln sind mit „Herman“ unterschrieben. Semmig (* 23. Juni 1820 in Döbeln; † 22. Juni 1897 in Leipzig) war ein deutscher Schriftsteller und Lehrer und Teilnehmer der Deutsche Revolution 1848/1849. Seine Pseudonyme waren Friedrich Schmidt und Ernst Naumann.

Leben

Jugend und Studium Friedrich Herman Semmig war Sohn des Sattlermeisters und Ackerbürgers Johann Gottfried Semmig.Über Johann Gottfried Semmig (Der Bote des evangelischen Vereins der Gustav-Adolf-Stiftung), 3. März 1844, Nr. 5, S. 77 f.; . Sein Vater betrieb neben einem bürgerlichen Gewerbe etwas Landwirtschaft. Am 29. März 1833 wurde er in die Oberquarta der Königlichen Landesschule zu Grimma eingeschult.Siehe dazu auch: Jeanne Berta Semmig: Die Wege eines Deutschen das dritte Kapitel In der Fürstenschule. S. 11–22.Lectionum Venesinarum – Jonathan August Weichert 1833; .Commentationis de civitate Nemausensi Unterprima 1837; books.google.de Als „primus omnium“ (aller bester) erhielt er am 9. März 1839 sein Abitur.Grimmenser-Album. Verzeichniss sämtlicher Schüler der Königlichen Landesschule zu Grimma von ihrer Eröffnung bis zur dritten Jubelfeier zusammengestellt von M. Chr. G. Lorenz. Buchdruckerei des Verlags-Comtoirs, Grimma 1850, S. 458; . An der Universität Leipzig studierte er Theologie bei Georg Benedikt WinerJeanne Bertha Semmig: Die Wege eines Deutschen. S. 25. und Philologie,Die Matrikel der Universität Leipzig. Teilband 2: Die Jahre 1832 bis 1863. Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 2006, S. 165. aber auch Geschichte und Philosophie bei Gustav Hartenstein. Als 1841 Hermann Kriege ihn mit Hegel bekannt machte,„Vorm Jahr stiegst du mir das erstemal vor, durch dich hauptsächlich angeregt kam ich auf die Kneipe du führtest mich ein in die Hegelei der einzig wahren Lebensathem der Geschichte“. Herman Semmig an Hermann Kriege (September 1842) (Heinrich Schlüter, Alfred Wesselmann (Hrsg.). Band 1. S. 114). führte es dazu, dass er die Laufbahn eines Geistlichen aufgab. Dann studierte Semmig am historischen Seminar bei Wachsmuth. 1841 trat er in die Burschenschaft „Kochei“ ein.Mitgliederliste der „Kochei“ ist abgedruckt in: Heinrich Schlüter, Alfred Wesselmann. Hermann Kriege. Band II. Osnabrück 2002, ISBN 3-936231-13-3, S. 844–853 für Semmig S. 850. Er veröffentlichte Gedichte in Herloßsohns „Komet“Der Komet. Beilage für Literatur, Kunst, Mode, Residenzleben und journalistische Controle. Redaktion Carl Herloßsohn. Leipzig 1831-1836 und Robert Hellers „Rosen“Rosen. Eine Zeitschrift für die gebildete Welt. Hrsg. von Robert Heller. Leo, Leipzig 1838-1843. sowie in den Hamburger „Jahreszeiten“.Jahreszeiten. Zeitschrift für Literatur, Kunst und gesellige Unterhaltung. Herold, Hamburg (Februar 1843–1874).

Nach der Veröffentlichung der „Gedichte eines Lebendigen“ (1841) von Georg Herwegh, kam es zu einer großen Begeisterung für diesen Dichter und Herwegh reiste durch ganz Deutschland, um sich feiern zu lassen. Vom 22. bis zum 25. Oktober 1842 hielt er sich in Leipzig auf. Die „Kochei“ veranstaltete ein großes Bankett, Herwegh erhielt einen Lorbeerkranz und Herman Semmig hielt eine Rede auf dieser Feier.Alfred Weselmann: Burschenschafter, Revolutionär, Demokrat. Hermann Kriege und die Freiheitsbewegung 1840–1859. Der Andere Verlag, Osnabrück 2002, S. 36.

Seit 1841 weilte auch der damalige Apotheker Theodor Fontane in Leipzig. In seinen Erinnerungen Von Zwanzig bis Dreißig schildert er im „Viertes Kapitel. Der Herwegh-Klub.“: Christa Schultze: Fontanes ‚Herwegh-Klub‘ in Leipzig. In: Fontane-Blätter, 1971, Band 2, Heft 5, S. 327–339.

Am 6. Dezember 1843 wurde Herman Semmig vom Leipziger Universitätsgericht mit dem consilium abeundi und vier Wochen erschwertem Karzer wegen seiner burschenschaftlichen Aktivitäten verurteilt.Heinrich Schlüter, Alfred Wesselmann (Hrsg.). Band 1, S. 115.

Der „Privatgelehrte“ Herman Semmig promovierte in Leipzig am 2. April 1845 an der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig zum Dr. phil.Leipziger Repertorium der deutschen und ausländischen Literatur – Universität Leipzig. Leipzig 1845, S. 360; .

Vormärz und Revolution 1848/49 Sein erstes Buch zeigt,Gegenschrift zu Adolf Wuttke: Fragen an die allgemein-christliche Kirche vom Standpunkte der evangelischen Kirche. Max, Breslau 1845. dass er mit der deutsch-katholischen Bewegung von Johannes Ronge sympathisierte.Die Katholische Kirchenreform. Monatsschrift Hrsg. von Anton Mauritius Müller, Johannes Ronge, Czerski. Wilhelm Hermes, Berlin 1845, S. 269; . Er verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Redakteur in Döbeln, Leipzig und Rochlitz.

Semmig schreibt Artikel für die damals erste sozialistische Zeitung in Deutschland, die von Karl Grün als Redakteur betreute Triersche Zeitung, die er gesammelt als Buch herausgab.Sächsische Zustände nebst Randglossen und Leuchtkugeln. Jeanne Berta Semmig: Die Wege eines Deutschen. S. 37. Im Oktober 1845 schrieb Semmig: „Vor kurzem ist ein Werk erschienen, das ihre Zustände mit umfassender Kenntniß schildert: Die Lage der arbeitenden Classe in England […] Wir aber wollen zeigen, wie kümmerlich es in England mit dem Rechte beschaffen ist, wo Tausende ungerächt verhungern, zu welchem fürchterlichen Elend es die unbegrenzte Ausdehnung der Industrie gebracht hat, Vielleicht zerstören wir dadurch die Illusionen von dem gepriesenen Rechtsstaate und halten das Vorwärtsschreiten Derer auf, die durch die Einführung von Schutzzöllen Deutschland an denselben Abgrund bringen wollen, dem es schon nahe genug steht“.England, seine Gegenwart und Zukunft […]. S. 513. zitiert nach: Wolfgang Mönke, S. 56–57.

In einem Artikel der Zeitschrift Der Leuchtthurm schildert er die Not der kleinen Leute.„Das wilde Viertel in Leipzig“. Ein Gedicht namens „Kauft Veilchen!“ veröffentlichte er im März 1845 im Berliner Figaro,Er schickte das Gedicht das Jahre später auch an die Deutsche-Brüsseler-Zeitung in Brüssel, die es am 18. Februar 1847 nochmals veröffentlichte. der Zeitung, in der Fontane debütiert hatte.

Semmig wurde, wie alle verdächtigen Demokraten, ein Opfer des metternichschen Überwachungssystems. Jacob Eduard Singer war der bekannte Geheimagent der Mainzer Zentraluntersuchungskommission des Fürsten Metternich, der ihn überwachte.Hans Adler (Hrsg.): Literarische Geheimberichte. Protokolle der Metternich-Agenten. Bd. 2 1844–1848. Mit einem Beitrag von Dieter Langewiesche. Informationspresse C. W. Leske, Köln 1981, ISBN 3-434-00354-1, S. 115 und 165.

In einem Aufsatz in den Rheinischen Jahrbüchern von Hermann Püttmann entwickelte Semmig 1847 seine politischen Positionen zu Sozialismus, Kommunismus und dem feuerbachschem Humanismus, die Friedrich Engels in der „Deutschen Ideologie“ dem „wahren Sozialismus“ zuordnete.Dieser Abschnitt ist von Engels allein verfasst worden. Marx-Engels-Gesamtausgabe. Abteilung I. Bd. 5 im Druck.

Chr. Abt schreibt im Kapitel „Die sociale Frage. Ein offenes Sendschreiben an die Herausgeber der ‚Rheinischen Jahrbücher zur gesellschaftlichen Reform‘, von einem Anhänger der vernünftig organisirten Gesellschaft“: „Gesetzt aber Hr. Semmig hätte dem Sozialismus den Sieg errungen, so werde ich durch die Bemerkung des Herausgebers wieder in die vorige Ungewißheit zurückgeschleudert, denn er stürzt geradezu Alles wieder um, was Hr. Semmig aufgebaut hat, wenn er ihm, der den Sozialismus als ‚Schiboleth‘ empfiehlt, den Communismus wieder anräth, da ja in Wahrheit zwischen Communismus (dogmatisch-diktatorisch, despotisch, nach Semmig) und Sozialismus nur der Unterschied stattfinde, der Theorie und Praxis von einander trenne.“Chr. Abt: Deutsche Zeitung ohne Censur. Hoff, Mannheim 1846, hier S. 205; books.google.de Auch Arnold Ruge äußert sich kritisch zu den in den „Jahrbüchern“ vertretenen Thesen.Arnold Ruge’s sämmtliche Werke. Band 9: Polemische Briefe. Mannheim 1848, S. 279; .

Der Wächter an der Ostsee berichtete, dass Semmig in Leipzig den General-Anzeigervermutlich gemeint dhm.de mit Artikeln versorgt und dass er das Muldejournal in Döbeln redigiert.'Der Wächter an der Ostsee. 1848, S. 138.

Im März 1848 gründete Semmig in Leipzig den „sozialistischen Verein“. Er wurde erster Vorsitzender und Redakteur der Zeitung Der Volksfreund. Emil Weller wurde zum Kassierer des Vereins gewählt.Karl Obermann: Die deutschen Arbeiter in der ersten bürgerlichen Revolution. Dietz Verlag, Berlin 1950, S. 150. Ein zweiter Verein, der sich „Demokratischer Verein“ nannte, wurde auch von Semmig angeführt. Dieser Verein stand im Gegensatz zum „Vaterländischen Verein“ Robert Blums. Darüber schrieb Blum an seine Frau Eugenie am 9. Mai 1848: „Der Vaterländische Verein ist zugrunde gerichtet, ist eine Beute Semmigs geworden, weil man sich mit leerem Formenkram herumschlägt, selten sich bespricht, dann um halb 10 Uhr anfängt und sich nach Mitternacht um nichts streitet. […] Und hätte man nun noch den Verein aufgelöst oder gesprengt, so war’s doch ein ehrenvoller Tod; aber nein, man läßt ihn elendiglich an Auswüchsen und an der Schwindsucht sterben zum Hohn und Spott der Gegner.“Robert Blum. Briefe und Dokumente. Hrsg. von Siegfried Schmidt. Philipp Reclam jun., Leipzig 1981, S. 68 (RUB 865)Oeffentliche Charaktere Robert Blum I. In: Die Grenzboten. Zeitschrift für Politik und Literatur, redigirt von Gustav Freytag und Julian Schmidt, Leipzig, 1848 7. Jg., Nr. 35, S. 377 und 378; .

In seinem Buch Was thut Noth und was thut Blum spricht sich Semmig für die Notwendigkeit sozialer Reformen aus und stellt sich damit in Konkurrenz zu Blums Verein.

In der Sitzung des außerordentlichen sächsischen Landtages am 20. Juni 1848 sorgt der Abgeordnete Samuel Erdmann Tzschirner dafür, dass eine von Semmig im Namen von 448 Mitgliedern des demokratischen Vereins verfasste PetitionActen des außerordentlichen Landtags vom Jahre 1848. Dritte Abtheilung die Protokolle der Zweiten Kammer enthaltend. Dresden o. J., S. 101; . verlesen wird.„Das Recht der freien Meinungsäußerung durch Presse und Versammlungen, dem deutschen Volk zustehend von Natur und Rechtswegen, hat sich das deutsche Volk doch erst wieder errungen durch die glorreiche Märzrevolution dieses Jahres. Das ist eine geschichtliche Thatsache und die Geschichte läßt sich nicht wegläugnen. […] Wir meinen ferner: die Freiheit der Meinungsäußerung müsse unbeschränkt sein und einzig und allein der Verleumder sei wegen seiner verleumderischen Meinungsäußerung straffällig. […] und die constitutionelle Monarchie dürfe keine andere Garantie für sich haben, als sich selbst und ihren Werth.“Mittheilungen über die Verhandlungen des außerordentlichen Landtags im Königreiche während des Jahres 1848. Zweite Kammer. Dresden o. J., S. 171; books.google.de Außerdem reichte Semmig diese Petition zur freien Meinungsäußerung auch an die Frankfurter Nationalversammlung durch den Abgeordneten Arnold Ruge ein.Verhandlungen der Deutschen Verfassunggebenden Reichsversammlung zu Frankfurt am Main. Band 1. Frankfurt am Main 1848/1849, S. 12; .