Peter Fitzek (* 12. August 1965 in Halle (Saale)) ist ein deutscher Rechtsextremist und eine der bedeutendsten Schlüsselfiguren der Reichsbürgerbewegung.Esoterik und „Reichsideologie“ am Beispiel „Neudeutschland“ In: Verfassungsschutzbericht des Landes Brandenburg 2012, S. 107 f. Er ist das selbsternannte Oberhaupt eines von ihm in Lutherstadt Wittenberg gegründeten Fantasiestaates, den er „Königreich Deutschland“ nennt. Fitzek betrieb zudem ohne Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) über mehrere Jahre hinweg eine eigene Bank und mehrere Versicherungen.BaFin untersagt Herrn Peter Fitzek („Königliche Reichsbank“) das Einlagengeschäft und ordnet die Abwicklung an. Verbrauchermitteilung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht vom 8. August 2013 (abgerufen am 2. Dezember 2013).BaFin untersagt Herrn Peter Fitzek als „oberstem Souverän“ des nicht eingetragenen Vereins „Königreich Deutschland“ das Versicherungsgeschäft und ordnet die Abwicklung an. Verbrauchermitteilung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht vom 10. Oktober 2013 (abgerufen am 2. Dezember 2013). Im Mai 2025 wurde gegen das „Königreich Deutschland“ ein Vereinsverbot erlassen und Fitzek unter anderem als mutmaßlicher Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung festgenommen.
Wegen seiner Aktivitäten wird Fitzek vom Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt beobachtet. Ab dem 8. Juni 2016 befand sich Fitzek, insbesondere wegen des Vorwurfs schwerer Untreue, in Untersuchungshaft, aus der er im April 2018 entlassen wurde, nachdem der Bundesgerichtshof eine Verurteilung durch das Landgericht Halle zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten aufgehoben und zur erneuten Verhandlung zurückverwiesen hatte. Das Verfahren wurde daraufhin durch das Landgericht Halle am 29. November 2018 nach einem Antrag der Staatsanwaltschaft Halle eingestellt. Seit September 2018 ist eine anderweitige Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten unter anderem wegen unzulässiger Versicherungsgeschäfte rechtskräftig; die Strafe wurde seit Ende Oktober 2018 vollstreckt. Im Februar 2019 wurde Fitzek vorzeitig aus der Haft entlassen, da die Untersuchungshaft während des Verfahrens vor dem Landgericht Halle auf die Haftzeit angerechnet wurde.MDR: Peter Fitzek ist wieder frei, Artikel vom 11. Februar 2019.
Leben Peter Fitzek nannte sich in seiner Reichsbürgerzeit unter anderem „Peter Menschensohn des Horst und der Erika aus dem Hause Fitzek“, womit er zum einen seine Eltern Horst und Erika Fitzek benannte und sich zum anderen durch die Bezeichnung „Menschensohn“ mit Jesus Christus verglich und eine göttliche Herkunft suggerierte. Als Heranwachsender absolvierte er eine Ausbildung zum Koch, später arbeitete er als Küchenleiter, Karatelehrer und Videothekar. Er kandidierte 2008 bei der Wahl zum Oberbürgermeister der Lutherstadt Wittenberg und erhielt 0,7 % der Stimmen. Bei der Bundestagswahl 2009 kandidierte Fitzek als unabhängiger Direktkandidat im Wahlkreis Dessau – Wittenberg für den Deutschen Bundestag. Dabei erhielt er ebenfalls 0,7 % der Stimmen. Fitzek war Anfang der 1990er Jahre verheiratet. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor.
„Verein NeuDeutschland“ und „Königreich Deutschland“ mini|Flagge des „Königreichs Deutschland“: Umgekehrte Reihenfolge der Farben Schwarz, Rot und Gold mit 21 Strahlen, die von unten nach oben deuten.
Fitzek behauptet, derzeit „nicht als natürliche Person ausgewiesen“ zu sein. Auf dieser Grundlage erhob er den Anspruch, einen eigenen Staat innerhalb der Bundesrepublik Deutschland errichten zu können, wozu er am 13. Juli 2009 in Wittenberg den Verein „NeuDeutschland“ gründete. Fitzek selbst bestreitet, Teil der Reichsbürgerbewegung zu sein.
Verein „NeuDeutschland“ Ziel des Vereins sind die Herstellung Deutschlands in den Grenzen vom 31. Dezember 1937 und die Schaffung einer neuen Verfassung. Das Grundgesetz wird als „besatzungsrechtliches Instrument“ abgelehnt, die staatliche Souveränität der Bundesrepublik Deutschland nicht anerkannt. Zunächst sollten dafür so viele Mitglieder gewonnen werden, dass der Verein als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt wird. In der Vorstellung Fitzeks wäre es daraufhin möglich, eigene Gesetze zu beschließen, Ämter zu vergeben und eigene Steuern zu erheben. Der Verfassungsentwurf sah für „NeuDeutschland“ eine neue Staatsform vor, die eine „direkte aufsteigende Demokratie in der Organisationsform einer Räterepublik mit einer konstitutionellen Monarchie“ verbinden sollte. Nachdem der Plan zur Gründung einer eigenen Körperschaft des öffentlichen Rechts aufgrund des geringen Zuspruchs aufgegeben worden war, wurde die angestrebte Staatsform in eine „lupenreine Monarchie“ umgewandelt.
Lichtzentrum Wittenberg Wie ein solcher Staat aufgebaut werden soll und wie er angeblich funktionieren kann, wurde in entsprechenden Seminaren im von Fitzek dafür gegründeten Lichtzentrum Wittenberg behandelt und in Form eines Verfassungsentwurfs, einer Grundsatzerklärung und weiterer Texte festgehalten. Im Lichtzentrum wurden esoterische und braunesoterische Themen in Tages- und Wochenendseminaren angeboten. Themen von Seminaren waren beispielsweise „Wie schafft man einen neuen Staat?“ und „Ausbildung zum Neudeutschen Staatsbeamten und zum internationalen Amtsträger“ sowie gesundheitliche Themen. Teil des Zentrums war ein kleiner Verlag, der unter anderem Eigenpublikationen von Fitzek verlegt. Des Weiteren war dem Lichtzentrum der Laden „Engelswelten“ angegliedert, der esoterische Produkte vertreibt.
Engelgeld Der Verein NeuDeutschland gab das „Engelgeld“ heraus, eine Art vereinsinterner Währung, in Anlehnung an existierende Regionalwährungen.
Die Bezeichnung „Engel“ ist ein Backronym, das unter anderem für „Ein Neues Geld Erweckt Liebe“, „Ein Neues Geld Erzeugt Leistungsbereitschaft“ und „Ein Neues Geld Erschafft Leihmöglichkeiten“ steht. Jede Banknote hat einen anderen Schriftzug.
Dieser Verein war zudem Anbieter von privaten Schildern, die als Autokennzeichen verwendet werden sollen. Der suggerierte Nutzen, keine Kfz-Steuer mehr zahlen zu müssen, steht im Gegensatz zur geltenden Rechtsordnung. Der Aufbau der „Neuen Deutschen Garde“, in der sich ehemalige Kampfsportler organisierten, sollte perspektivisch die Polizei ersetzen. Peter Fitzek ist zudem Vorsitzender des „Ganzheitliche Wege e. V.“
Krankenkasse Fitzeks Versuch, eine eigene Krankenkasse, die NeuDeutsche Gesundheitskasse (NDGK, vormals Der Gesundheitsfonds) zu etablieren, wurde von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am 1. Dezember 2010 unterbunden. Die Abwicklung der betriebenen Geschäfte und die Auflösung der bestehenden Verträge wurde angeordnet. Seitdem wurde die NDGK, deren Vorsitzender Fitzek war, nicht als eine der Versicherungsaufsicht unterliegende Krankenversicherung, sondern lediglich als Unterstützerkasse betrieben. Diese wurde im März 2012 ebenfalls durch die BaFin untersagt. Die Mitgliedschaft in dieser kurzzeitig existierenden Krankenkasse wurde nach gesundheitlichen Ausschlusskriterien vorgenommen. Im Leistungsumfang waren der Besuch ausgewählter Heilpraktiker und Gesundheitsschulungen vorgesehen. Außerdem war geplant, die freie Auswahl eines Arztes oder Heilpraktikers einzuschränken, indem eine Liste von Ärzten und Heilpraktikern erstellt werden sollte, die im Sinne der NDGK und damit Fitzeks Vorstellungen von Gesundheit arbeiten.
Königreich Deutschland Die Gruppierung um Fitzek mietete zudem am Stadtrand von Wittenberg ein neun Hektar großes Gelände an, auf dem sich ein ehemaliges Krankenhaus befindet. Am 16. September 2012 rief er die Gründung des „Königreiches Deutschland“ aus und ließ sich vor rund 600 Anhängern als „Oberster Souverän“ einsetzen. Neben dem Betrieb des Krankenhauses waren dort auch der Bau eines Kindergartens, einer Privatschule sowie einer Universität geplant. Das Krankenhausgelände wurde am 15. Mai 2017 durch Polizeikräfte zwangsgeräumt. In Ulm (an der Donau) eröffnete die Gruppierung im September 2020 eine Bankfiliale namens „Gemeinwohlkasse“ (GK). Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat der GK am 22. März 2021 das Einlagengeschäft untersagt.https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Verbrauchermitteilung/unerlaubte/2021/meldung_210322_Peter_Fitzek.html Bafin abgerufen am 26. März 2021.
Am 13. Mai 2025 wurde gegen die Gruppierung ein Vereinsverbot von Bundesinnenministerium bekanntgemacht. = . Am selben Tag ließ die Bundesanwaltschaft vier Personen – darunter Fitzek – insbesondere als mutmaßliche Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung festnehmen.
Kooperation mit „Querdenken 711“ Im November 2020 lud Michael Ballweg, der Gründer und Hauptaktivist der pandemieschutzkritischen Gruppe Querdenken 711 rund 100 Aktivisten zu einem gemeinsamen Strategietreffen mit Fitzek in dem vom Thüringer Verfassungsschutz beobachteten Restaurant „Hacienda Mexicana“ in Saalfeld-Wöhlsdorf ein. Das Restaurant wird einem Mitglied des KRD zugeordnet; es sei „kein öffentlicher Gastronomiebetrieb, Zutritt nur für Staatsangehörige und Zugehörige des Königreichs Deutschland“. Im September 2019 führte die Partei Alternative für Deutschland (AfD) dort eine Veranstaltung mit Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel durch.
Ballweg wies die Eingeladenen zuvor ausdrücklich auf den konspirativen Charakter des Treffens hin. In der Einladung kündigte er an, man wolle sich „nach neuen Möglichkeiten und anderen Strategien umsehen“, und man habe nun „einen Lichtblick gefunden“. Mit diesem Lichtblick war Peter Fitzek gemeint. Das Treffen wurde bekannt, weil die Polizei einen Hinweis bekommen hatte, dort würde eine Veranstaltung stattfinden und die Corona-Auflagen missachtet. Die Beamten notierten daraufhin die Personalien von etwa 80 Teilnehmern und lösten die Veranstaltung auf.
Auseinandersetzungen mit Verwaltungsbehörden und Strafverfahren
Wegen Nutzung eines amtlich nicht zugelassenen Kennzeichens wurde Fitzek im April 2011 vom Landgericht Dessau zu 150 Tagessätzen à zwölf Euro verurteilt. Das Nummernschild sei dazu geeignet, den Anschein eines amtlichen Kennzeichens zu erwecken, hieß es in der Urteilsbegründung. In zweiter Instanz wurde er vom Vorwurf der Urkundenfälschung freigesprochen: Das Kennzeichen sei nicht verwechselbar mit einem amtlichen Kennzeichen.
Fitzek hatte im Wittenberger Rathaus Hausverbot. Er hatte versucht, eine der dortigen Mitarbeiterinnen „festzunehmen“, und sie dabei am Arm verletzt. Fitzek wurde daraufhin vom Amtsgericht Wittenberg der vorsätzlichen Körperverletzung für schuldig befunden. Während der Urteilsverkündung kam es zur Eskalation, als Unterstützer Fitzeks aus dem Publikum versuchten, den Richter „festzunehmen“.Sendung „Exakt“ im MDR vom 10. Juli 2013 (PDF, Manuskript; 75 kB).
Auch in der Friedrich-Engels-Grundschule in Wittenberg hat Fitzek Hausverbot. Er hatte sich eine Rangelei mit zwei anwesenden Lehrerinnen geleistet. Grund dafür war ein nach Ansicht Fitzeks unangemessener Sexualkundeunterricht. Infolge dieser Auseinandersetzung wurde die Polizei hinzugezogen.
Wegen vermeintlicher oder tatsächlicher Versicherungs- sowie Bankgeschäfte gibt es Untersagungen durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.