mini|Mutěnín Mutěnín (deutsch Muttersdorf) ist eine Gemeinde in der Region Plzeňský kraj im Südwesten Böhmens in Tschechien. Auf einer Fläche von 15,48 km² leben 259 Einwohner (2012).

Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden (im Uhrzeigersinn) sind: Bělá nad Radbuzou, Hostouň, Drahotín, Hora Svatého Václava und Rybník nad Radbuzou.

mini|Mutěnín, Bahnhof

Geographie Die Ortschaft Mutěnín liegt 3 km südwestlich von Hostouň (Hostau) auf dem Nordwestufer des Starý potok (Altbach, auch: Goldbach). Östlich von Mutěnín verläuft in Nord-Süd-Richtung die Bahnlinie Domažlice-Tachov. Der Bahnhof Mutěnín liegt 2 km östlich der Ortschaft.

Mutěnín liegt in einer sanften Hügellandschaft, den östlichen Ausläufern des Oberpfälzer Waldes. Von Norden nach Südwesten ist es in einem weiten Bogen umgeben von den Bergen Lískovecká hůrka (570 m), Lískovec (670 m), Bezvěrovský vrch (666 m), Kamenec (671 m) und Mošna (Muschna Berg, 717 m). Im Ortsgebiet liegen nordöstlich des Marktes die Vinice (Weinberg, 506 m), westlich des Marktes der Ptačinec (541 m) und südlich des Marktes der Šibeniční vrch (Galgenberg, 552 m).

Ortsname Der Ortsname Mutěnín stammt vom Gründer des Ortes Mutina von Bukovec (deutsch: Mogolzen) her. In den Jahren 1174 bis 1185 waren die Brüder Dobrohost und Mutina von Bukovec Burggrafen von Prag. Deren Nachkommen siedelten in der Gegend von Mutěnín. Aus Mutěnín wurde bei den deutschen Siedlern zunächst Mutinsdorf, später lautmalerisch Muttersdorf. In einer Verkaufsurkunde aus dem Jahr 1333 schreibt sich der Ortsname Muttestorff. Die tschechische Variante Mutěnín setzte sich nach der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei in den Jahren 1945 und 1946 weitgehend wieder durch.

Geschichte Vorgeschichte Die erste Besiedelung erfolgte vielleicht durch Markomannen, die vordringenden Tschechen in Richtung Gebirge auswichen. Im Osten des Ortes sind Reste eines Wasserschlosses erhalten, das wahrscheinlich aus der Zeit um das Jahr 1000 stammte.

Um das Jahr 1000 wurde der Starý potok mit einem langen Damm aus Großen Felsblöcken aufgestaut, so dass ein Weiher mit einer Insel (= Ostrov, Wasserau) entstand. Auf dieser Insel wurde ein hölzernes Wasserschloss errichtet. Die Siedler, die durch den Weiher ihren Grund verloren, wurden westlich von Mutěnín auf einem Hügel angesiedelt. Diese Siedlung erhielt den Namen Ostrov (= Insel, gemeint war eigentlich von der Insel, deutsch: Wasserau).

Mutěnín liegt auf der Grenze zwischen den Gebieten der Pfraumberger Choden im Norden und der Tauser Choden im Süden. Diese saßen seit ungefähr 1040 in dieser Gegend.

In den Jahren 1174 bis 1185 wurde den Brüdern Dobrohost und Mutina von Bukovec vom böhmischen König hier Land geschenkt. Mutina gründete Mutěnín und Dobrohost gründete Hostouň. Beide Brüder bauten je ein steinernes Wasserschloss. Dobrohost baute es im Westen von Hostouň. Mutina ersetzte im Osten von Mutěnín das hölzerne Wasserschloss durch ein Gebäude aus Stein.

Von diesem Schloss aus entwickelte sich die Ortschaft in Richtung Westen. Es wurden deutsche und fränkische Siedler in den Ort geholt. Mutěnín ist als typisch deutsches Reihendorf angelegt, nicht als Rundling, wie es für slawische Siedlungen typisch war.

Schon vor 1170 gab es einen Weg von Mutěnín nach Bayern. Aus diesem entwickelte sich eine viel begangene alte Zollstraße. Diese Straße führte von Schönsee in Bayern vorbei am Reichenstein über Malý Horšín (Klein Gorschin), Ostrov (Wasserau), Mutěnín (Muttersdorf) nach Hostouň (Hostau).

13. bis 15. Jahrhundert Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes erfolgte im Jahre 1253.

Im 14. Jahrhundert gehörte Mutěnín dem Protiwetz von Muttersdorf und Doberhos dem jungen von Hostau. Sie waren Nachkommen des ursprünglichen Geschlechtes Mutina und Dobrohost. Ihnen gehörten auch die Burg Reichenstein, das Städtchen Schönsee und Dietersdorf (heute, 2020, zu Bayern gehörig). Diesen Besitz verkauften sie 1333 an Ulrich I., Landgraf von Leuchtenberg.

Im 15. Jahrhundert wurde Mutěnín während der Hussitenkriege völlig zerstört, geplündert und seine Einwohner ermordet. Nur eine Witwe mit ihren zwei Kindern überlebte.

1424 war Mutěnín im Besitz des Pawlik von Bělowic. 1464 herrschte Benesch von Mutina über Mutěnín.

Ende des 15. Jahrhunderts gelangte Mutěnín in den Besitz von Nikolaus von Seeberg. Georg von Wiedersperg heiratete die Tochter Margarete des Nikolaus von Seeberg. Für 625 Schock böhmische Groschen wurde Mutěnín an die Wiedersperger verkauft. Bis 1857 verblieb Mutěnín unter der Herrschaft der Wiedersperger.

16. Jahrhundert Im Jahr 1508 wurde Mutěnín als Markt erwähnt. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde ungefähr 2 km östlich von Mutěnín Kupfer gefunden. König Ferdinand I. verlieh 1534 dem Prior des Klosters Schönthal die Bergbaubewilligung auf den Gründen des Hans Wiedersperg in Mutěnín. Das Kupferbergwerk wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts in mehreren Betriebsperioden ausgebeutet.

Die Herrschaft über Mutěnín wurde zunächst von den Brüdern Johann und Sebastian von Wiedersperg gemeinsam ausgeübt. Ab 1585 war Johann von Wiedersperg alleiniger Herr von Mutěnín. Er kaufte von Sidonie Holicka von Guttenstein das Gut Zahořan (Sahorschan).

1577 erhielt Mutěnín von Johannes II. von Wiedersperg sein Wappen. Es ist ein quergeteilter Schild. Im oberen Teil auf goldenem Grund ein bärtiger Bergmann mit Hammer und Fäustel. Darunter auf silbernem Grund ein nach rechts springender roter Wolf.

Heinrich von Wiedersperg kaufte zur Herrschaft Mutěnín die Orte Mostek (Schwanenbrückl) und Korytani (Rindl) und den böhmischen Grenzwald Richtung Bayern hinzu. Er schloss einen Vertrag mit seinen Mutěníner Untertanen, die ihm den Stengelmühlweiher abtraten, wofür er ihnen das kleine Weiherl und ein Stück der goldenen Seuchen (Seuchen=Tal) gab.

17. Jahrhundert 1600 bis 1618 Anfang des 17. Jahrhunderts war die Gesellschaft in Böhmen gespalten. Auf der einen Seite stand eine mehr Böhmisch gesinnte Partei (Hussiten, Böhmische Brüder, Confessio Bohemica, Böhmische Stände). Dieser Partei ging es um die freie Ausübung der protestantischen Religion in ihrer böhmischen Form, um die Anerkennung der tschechischen Sprache als Landessprache in Böhmen, was als Zeichen böhmischer Eigenstaatlichkeit angesehen wurde, und letzten Endes um die Unabhängigkeit von den Habsburgern. Auf der anderen Seite standen die katholischen, deutschsprachigen Habsburger. Dieser Konflikt führte nach einzelnen Erfolgen der böhmischen Seite zum Prager Fenstersturz und damit zum Dreißigjährigen Krieg.

Von diesen historischen Gegebenheiten wurden auch die Verhältnisse in Mutěnín berührt. Die Bevölkerung von Mutěnín war mehrheitlich deutsch und deutschsprachig. 1615 wurde vom böhmischen Generallandtag eine Sprachenverordnung erlassen, die das Tschechische zur alleinigen Amtssprache erklärte (Sprachenerlass von 1615). Nun war die Kenntnis des Tschechischen Voraussetzung zum Erhalt des böhmischen Inkolats und zum Erhalt politischer Rechte. Diese Verordnungen irritierten die deutschsprachigen Bewohner Mutěníns.

Johann von Wiedersperg, der Besitzer von Muttersdorf, war in dieser konfliktreichen Zeit um Ausgleich und Kompromiss bemüht. Er beschäftigte auf seinen Besitzungen immer gleichzeitig deutsche und tschechische Schreiber. So konnte jeder seiner Untertanen in seiner eigenen Muttersprache Rechtsprechung und Beratung erhalten.

Dreißigjähriger Krieg 1618–1648 1620 kämpfte Jacob von Wiedersperg, Sohn Johanns, im kaiserlichen Heer auf Seiten der Katholiken gegen die Protestanten. Er ging mit rücksichtsloser Strenge gegen die evangelischen Geistlichen vor.

Der Dreißigjährige Krieg plagte Mutěnín mit Plünderungen und Besetzung durch die pfälzischen Truppen (1621). Es kam zu Missernten, Hungersnöten und Seuchen.

1627 wurde unter Kaiser Ferdinand II. der Katholizismus als Staatsreligion wieder durchgesetzt. Er ordnete in Böhmen wieder die deutsche Sprache als zum Tschechischen gleichberechtigte Amtssprache an (Verneuerte Landesordnung). Das Deutsche setzte sich dann im Laufe des 17. Jahrhunderts de facto durch. Amtliche Landesurkunden wurden jedoch in beiden Sprachen ausgefertigt.

1636 wurde Mutěnín von der Pest heimgesucht.

Als 1640 die evangelische Seite die Oberhand gewann, drangen Sachsen und Schweden in das Gebiet von Mutěnín vor. Nun musste Jacob von Wiederspergs Ehefrau Maria Justina geborene Holdingen in die Wälder fliehen. Dort gebar sie am 19. Juni 1644 seinen Sohn Friedrich Franz von Wiedersperg.

Nach dem Tod Johann von Wiederspergs 1644 wurde der Herrschaftsbesitz in drei Teile aufgeteilt. Jacob von Wiedersperg, Sohn Johanns, bekam Mutěnín. Das Gut bestand nun aus Mutěnín mit altem Schloss, Brauhaus, Meierhof, Obstgarten, Herrenmühle und kleine Mühle, Závist (Neid), Švarcava (Böhmisch Schwarzach) und der Lohe von Gorschin.

Ostrov (Wasserau) ging an Leopold Konstantin von Wiedersperg. Georg erhielt Mostek (Schwanenbrückl).

1648 bis 1700 1654 hatte Mutěnín 22 Bauern, 10 Chalupner, 22 Gärtner (Häusler), 1 Neusiedler, 1 abgebranntes Anwesen.

1654–1680 waren in Mutěnín kaiserliche Soldaten einquartiert (Winterquartier). 1684–1687 gab es wieder Einquartierungen wegen der Türkenkriege.

18. Jahrhundert 1722 kam es zu einem Aufstand der Mutěníner Leibeigenen mit Teilerfolgen.

1742 waren französische Soldaten in Mutěnín einquartiert infolge des Österreichischen Erbfolgekrieges. In Mutěnín gab es in dieser Zeit einen Soldatenwerbeplatz.

1751 verstarb der Gutsherr Christoph Wenzel von Wiedersperg Er wurde im alten Schloss (beim Meierhof) aufgebahrt. Eine brennende Kerze verursachte einen Großbrand und das alte Schloss brannte vollständig ab. Es wurde nicht wieder aufgebaut. Die herrschaftliche Familie zog in das Herrenhaus am Marktplatz. Dieses wurde nun Schloss genannt. Beim Meierhof entstand auf dem Platz des alten Schlosses ein einstöckiges Wohnhaus für die Meierhofleute.

1771 herrschte in Mutěnín eine Dürre, die eine Hungersnot nach sich zog.

1781 wurde in Mutěnín die Leibeigenschaft abgeschafft.

19. und 20. Jahrhundert Während der Koalitionskriege hatte Mutěnín wieder unter Einquartierungen (1801 und 1813) zu leiden und die Bewohner wurden zu Kriegshilfsdiensten herangezogen.

Bis 1850 gab es ein Patrimonialgericht in Mutěnín. Danach ging die Gerichtsbarkeit an das Bezirksgericht Hostouň. Die Gemeinde Mutěnín wurde selbständige Körperschaft.

1857 verkauften die Wiedersperger das Gut Mutěnín an Karl Freiherr von Beck auf Ronsperg. Von 1869 bis 1926 war das Gut Mutěnín im Besitz der Grafen Coudenhove-Kalergi.

1902 bekam Mutěnín ein eigenes Postamt und 1910 einen Anschluss an die Eisenbahnstrecke Domažlice-Tachov. Außerdem hatte Mutěnín ein Zollamt.

Im Rahmen der Bodenreform in den Jahren ab 1920 wurden 1926 die Grafen Coudenhove-Kalergi enteignet. Den Meierhof von Mutěnín bekam der Tscheche J. Muzik. Er verwaltete ihn bis 1938. Von 1938 bis 1945 stand der Meierhof unter deutscher Verwaltung. 1945 übernahm der Sohn J. Muziks den Meierhof wieder.

Nach dem Münchner Abkommen wurde Mutěnín dem Deutschen Reich zugeschlagen und gehörte bis 1945 zum Landkreis Bischofteinitz. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges gehörte Mutěnín wieder zur Tschechoslowakei, ab 1992 zu Tschechien.

Mutěnín wurde im Mai 1945 zunächst von amerikanischen Truppen besetzt, dann an die Tschechen übergeben. Im Oktober 1945 wurde der gesamte deutsche Besitz an die Tschechen übergeben. Die allgemeine Aussiedelung der deutschen Bevölkerung begann im Mai 1946.

mini|Mutěnín, Lageskizze Herrschaften und Besitzer von Mutěnín 12.–13. Jahrhundert: Dobrohost und Mutina von Bukovec 14. Jahrhundert: Protiwetz von Muttersdorf und Doberhos dem jungen von Hostau 1333–1424: Landgrafen von Leuchtenberg 1424–1464: Pawlik von Bělowic 1464-Ende 15. Jahrhundert: Benesch von Mutina Ende 15. Jahrhundert: Nikolaus von Seeberg. Georg von Wiedersperg heiratet Margarethe geborene Henniger von Seeberg, Tochter von Nikolaus von Seeberg, und kauft Mutěnín