mini|250px|Deutscher Waffenknecht von 1498 (Albrecht Dürer). Waffenknecht (auch Helm, Spiess oder Gleve; engl. man-at-arms, armsman oder coistrel, franz. Homme d’armes) war eine Bezeichnung, die vom Hochmittelalter bis zur Renaissance genutzt wurde, um einen Soldaten, fast immer einen gut im Gebrauch von Waffen trainierten Krieger, der als voll gepanzerter schwerer Reiter diente, zu zeichnen. Der Begriff könnte sich auf Ritter oder Edelmänner und ihr Gefolge oder Söldner unter ihren Hauptmännern beziehen. Solche Männer konnten gegen Sold oder durch eine feudale Pflicht dienen.

Entwicklung des Waffenknechts Im Frühmittelalter konnte jeder gut ausgestattete Panzerreiter sich als „Ritter“, oder miles auf Lateinisch bezeichnen.Church, Harvey: Medieval knighthood V …. S. 51. Im Verlauf des zwölften Jahrhunderts wurde das Rittertum zu einem sozialen Rang, wobei ein Unterschied zwischen milites gregarii (nichtadlige Reiter) und milites nobiles (adlige Ritter) gemacht wurde.Church, Harvey: Medieval knighthood V …. S. 48–49. Da ein voll gepanzerter Reiter von geringerem sozialen Status auch kein Ritter sein konnte, wurde eine neue Bezeichnung für diese Soldaten erfunden. Die Bezeichnung ist also folglich eine militärische Funktion und kein sozialer Status. Diese Entwicklung unterschied sich im Detail und zeitlichem Verlauf in ganz Europa, aber von 1300 an gab es eine klare Unterscheidung zwischen der militärischen Funktion des Waffenknechts und des sozialen Rangs des Rittertums.Nicholson: Medieval warfare: theory and practice of war in Europe, 300–1500. 2004, S. 55.

Terminologie Das Deutsche Wörterbuch definiert den Waffenknecht als: „bewaffneter, der nicht ritter ist, söldner, dienstmann“.

Im Mittelalter wurden einige Begriffe für den Waffenknecht gebraucht: Im Deutschen Spiess, Helm oder Gleve, im Französischen homme d’armes, lance oder glaive, in mehreren anderen Ländern bacinet.Contamine: War in the Middle Ages. 1984, S. 126. In Italien wurde die Bezeichnung barbuta genanntMallett: Mercenaries and their Masters. 1974, S. 31–32. und im England des 15. Jahrhunderts waren die Waffenknechte als man-of-arms (ab dem 16. Jahrhundert als man-at-arms)OED etymology of Man-of-arms und spears bekannt.

Das Wort Gendarmerie entstammt dem französischen gens d’armes und bedeutet „die Bewaffneten“, wörtlich „Leute der Waffen“.

Der englische Begriff Knight für Ritter leitete sich vom althochdeutschen und mittelhochdeutschen Wort kneht (Knecht) ab, da die Ritter in England unter viel schärferer Kontrolle durch die Monarchie standen als die in Frankreich oder dem Heiligen Römischen Reich. Die Bezeichnungen „knight“ und „man-at-arms“ werden im Englischen häufig synonym verwendet, aber während sicherlich alle englischen Ritter men-at-arms waren, waren nicht alle men-at-arms Ritter.

Zum Ende des Spätmittelalters und dem Beginn der Frühen Neuzeit wandelte sich der Begriff Waffenknecht zu Landsknecht oder auch Kriegsknecht.

Militärische Funktion Die militärische Funktion des Waffenknechts war die eines voll gepanzerten schweren Reiters, obwohl er im 14. und 15. Jahrhundert oftmals auch zu Fuß kämpfte. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts dienten Waffenknechte zunehmend anderen militärischen Funktionen, als Halb-Lanzierer und Kürassiere.

Waffen und Rüstung Während des Mittelalters und bis in die Renaissance wurden die Rüstungen der Waffenknechte teurer und effektiver. Während des 14. Jahrhunderts war die Rüstung eines Waffenknechts eine Zusammensetzung aus verschiedenen Materialien. Ein gesteppter Wams unter einem Kettenpanzer bedeckte Körper, Gliedmaßen und Kopf. Im Verlauf der Jahrhunderte wurde der Kettenpanzer von Plattenrüstung an Körper und Gliedmaßen ergänzt.Edge, Paddock: Arms and Armour of the Medieval Knight. 1988, S. 68–83. Im 15. Jahrhundert wurde die volle Plattenrüstung entwickelt, der die Kettenpanzerbestandteile auf einige flexible Verstärkungen an Gelenken und Nähten reduzierte.Edge, Paddock: Arms and Armour of the Medieval Knight. 1988, S. 99–118.

Vom 14. bis zum 16. Jahrhundert war die Hauptwaffe des Waffenknechts auf dem Pferderücken die Lanze. Die Lanze des 14. Jahrhunderts war im Wesentlichen ein einfacher, zwölf Fuß langer Speer aus Esche.Edge, Paddock: Arms and Armour of the Medieval Knight. 1988, S. 88. Als Reaktion auf die Entwicklung von verbesserten Rüstungen wurden schwere Lanzen von bis zu 18 Kilogramm und eine neue Methode der Befestigung der Lanze an der Brustplatte entwickelt – der Rüsthaken (Arrête). Diese Kombination der Schweren Lanze mit dem Rüsthaken ermöglichten es dem berittenen Waffenknecht, eine neue Wirksamkeit auf den Schlachtfeldern des späten 15. und 16. Jahrhundert zu erzielen.Vale: War and Chivalry. 1981, S. 114–119. Nicht alle Waffenknechte des 15. Jahrhunderts trugen eine schwere Lanze.

Beim Kampf zu Fuß übernahmen Waffenknechte zunächst ihre Reiterwaffen. Von englischen men-at-arms im Italien der 1360er Jahre ist bekannt, dass sie zwei Männer neben sich führten, die die Lanze des Reiters hielten.Mallett: Mercenaries and their Masters. 1974, S. 37. Bei anderen Gelegenheiten, wie in der Schlacht von Azincourt, verkürzten Waffenknechte ihre Lanzen auf die handhabbarere Länge von fünf Fuß.Rogers: The Battle of Agincourt. 2008, S. 90–91. Im 15. Jahrhundert führte der verstärkte Schutz des Plattenpanzers zur Entwicklung der speziell für Bodenkämpfe geeigneten Mordaxt.

Pferde Das Pferd war ein wesentlicher Teil der Ausrüstung des Waffenknechts. Der Typus des Pferdes variierte, abhängig von Reichtum und Status des Besitzers. Andrew Ayton zeigte in einer vertieften Studie zu englischen Schlachtrössern des 13. und 14. Jahrhunderts, dass drei Gattungen vorherrschten; der Destrier, der Renner und das gemeine Pferd (lat. equus, fr. chival). Destriers waren rar und teuer und machten etwa 5 % der Rösser der Waffenknechte aus.Ayton: Knights and Warhorses. 1994, S. 62–63. Ayton kalkulierte auch den Preis des durchschnittlichen Pferdes eines Waffenknechts in vierzehn Feldzügen zwischen 1282 und 1364; er zeigte, dass dieser zwischen £7,6 und £16,4 variierte.Ayton: Knights and Warhorses. 1994, Table 6.1, S. 195. In nur zwei Feldzügen des mittleren vierzehnten Jahrhunderts kostete der Großteil der Pferde mehr als £10.Ayton: Knights and Warhorses. 1994, Table 6.2, S. 196. Das Pferd war dennoch ein großer Ausgabenpunkt der Ausstattung der Waffenknechte; die Pferde der französischen Gendarmen in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts kosteten etwa den sechsfachen Monatssold ihrer Besitzer.Vale: War and Chivalry. 1981, S. 126. Die Kosten der Pferde bedeuten, dass der Berufssoldat nicht riskieren wollte, sein kostbares Ross im Kampf zu verlieren. Ein im 13. Jahrhundert entwickeltes System entschädigte die Söldner für ihre toten Pferde. In England wurde es nach dem lateinischen Namen restauro equorumAyton: Knights and Warhorses. 1994, S. 85. benannt, ähnliche Systeme waren in Frankreich und Italien in Gebrauch.Contamine: War in the Middle Ages. 1984, S. 130–131. Um dieses Versicherungssystem zu sichern, musste der Waffenknecht den Wert seines Pferdes beurteilen und Details seines Aussehens erfassen. Das Beurteilungssystem erlaubte es Söldnern, auf einem Mindestwert und einer damit verbundenen Qualität zu bestehen. Im England des 14. Jahrhunderts betrug der Mindestwert in den meisten Fällen 100 Schilling.Ayton: Knights and Warhorses. 1994, S. 197–198.

Die Rüstung des Pferdes Bereits Ende des 13. Jahrhunderts, ordnete Eduard I. per Dekret an, dass all seine Waffenknechte auf dem equus coopertus, also einem gepanzerten oder bardierten Pferd, reiten sollten.Church, Harvey: Medieval knighthood V …. S. 39. Die Panzerung des Pferdes war zu dieser Zeit nicht immer aus Metall, sondern oftmals aus Leder oder gestepptem Stoff.Edge, Paddock: Arms and Armour of the Medieval Knight. 1988, S. 61–62. Metallische Pferderüstungen bestanden aus Kettenpanzer oder Brigantine, mit dem Schädel vorbehaltenen Plattenpanzer in Form eines Chamfron. Im 15. Jahrhundert wurde der Plattenpanzer für Pferde eingeführt und war häufiger Bestandteil der Ausrüstung des Waffenknechts bis ins 16. Jahrhundert.Martin: Armour and Weapons. 1968, S. 140–141.

In England mini|Rüstung eines Waffenknechts aus dem frühen 16. Jahrhundert Sozialer Status Die soziale Struktur der anglonormannischen Gesellschaft Englands war relativ rigide, jedoch war der einfachste Weg für einen Mann seinen sozialen Status zu verbessern der Dienst im Heer oder der Dienst im Klerus. In den normannischen Staaten, im Gegensatz zu vielen anderen damaligen Gesellschaften, war der Ritterschlag von Männern geringer Geburt, die Tapferkeit und Können bewiesen hatten, auf dem Schlachtfeld möglich. Obwohl selten, kamen einige nichtadlige Waffenknechte zum Status eines Adligen. Der Ritterschlag von Knappen und Waffenknechten wurde manchmal in unedler Weise getan, wie es im Hundertjährigen Krieg üblich war, einfach um die Anzahl der Ritter im Heer zu erhöhen. In der ritterlichen Theorie konnte jedem Reiter der Ritterschlag erteilt werden, jedoch wurde dieser meistens nur von Fürsten und dem Hochadel erteilt. Es ist historisch verbrieft, dass der große Söldnerkapitän Sir John Hawkwood eine große Zahl seiner Anhänger in den Ritterstand erhob, bis zu zwanzig pro Gelegenheit.Cooper: Sir John Hawkwood. S. 119–120. Versuche, die Macht der Kommandeure zu beschränken, um die Ritter zu stärken, verstärkten sich während des 16. Jahrhunderts, aber zum Ende der Herrschaft Elisabeth I. hatte sich diese Praxis überholt.Gravett: Tudor Knight. 2006, S. 14.

Obwohl ritterliche Junggesellen, Bannerträger und Adlige jedes Standes generell als Waffenknechte im Krieg waren, bestand die Masse an Waffenknechten des 13. Jahrhunderts aus einer sich entwickelnden sozialen Schicht, der Gentry. Der Waffenknecht konnte ein reicher Kaufmann jedes sozialen Ursprungs sein, aber in den meisten Fällen basierte sein Reichtum auf Land. Einige entstammten der Schicht der Serjeants, aber während des 14. Jahrhunderts wurden sie verstärkt durch Schildknappen ersetzt. Schildknappen entstammten häufig ritterlichen Familien, die reich genug waren, sie zu Rittern auszurüsten, aber nicht die Kosten und die Verantwortung dieses Rangs tragen wollten. Ebenfalls dienten die Angehörigen der niedrigsten sozialen Schicht der Gentry, die seit dem 15. Jahrhundert als Gentlemen bekannt waren.Coss: The Knight in Medieval England 1000–1400. 1993, S. 127–133.

Der Anteil von Rittern unter den Waffenknechten variierte von Zeit zu Zeit. Zwischen den 1280er Jahren und den 1360er Jahren waren 20–30 % geläufig. 1380 gab es einen rapiden Abschwung auf 6,5 %. Ein leichter Anstieg auf 8 % ist bei der Schlacht von Azincourt verzeichnet, vielleicht weil eine königliche Armee kämpfte, aber nachdem die Anzahl 1443 weiter sank, sah sich der Herzog von Somerset nur 1,3 % Rittern unter seinen Waffenknechten gegenüber.Prestwich: Armies and Warfare in the Middle Ages: The English Experience. 1996, S. 51–52.

Bedingungen des Dienstes Die soziale Schichtung der Männer, die als Waffenknechte dienten, zeichnet sich an der Höhe ihres Soldes ab: In der Mitte der 1340er Jahre wurde ein Ritter mit zwei Schilling am Tag bezahlt, ein gewöhnlicher Waffenknecht verdiente die Hälfte; zum Vergleich: Ein Bogenschütze zu Fuß erhielt zwei oder drei Pence, wobei zwölf Pennies auf einen Schilling kamen. Ein Waffenknecht wurde auch je nach der Qualität seines Erstpferdes bezahlt, wenn das Pferd starb oder in der Schlacht fiel. Ein gewöhnlicher Knappe besaß vielleicht ein Schlachtross mit einem Wert von fünf Pfund, während ein großer Adliger ein Pferd bis zu 100 Pfund besaß.Curry: Arms, armies and fortifications in the Hundred Years War. S. 24.