mini|hochkant=1.5|Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Berlin-Mitte mini|hochkant=1.5|Blick vom Grünzug an der Südpanke
Die Zentrale des Bundesnachrichtendienstes ist ein Gebäudekomplex im Berliner Ortsteil Mitte in der Chausseestraße 96–99a und der Hauptsitz des Bundesnachrichtendienstes (BND). Die Zentrale war das größte Bauprojekt der Bundesrepublik Deutschland seit deren Bestehen, nach dem Flughafen Tempelhof das zweitgrößte Gebäude Berlins und löste das George Bush Center for Intelligence der Central Intelligence Agency (CIA) in Langley als größten Hauptsitz eines Nachrichtendienstes der Welt ab. Es besteht aus drei Bauteilen, die jeweils von unterschiedlichen Architekten entworfen wurden. { "type": "Feature", "properties": { "marker-symbol": "town-hall", "marker-color": "f00", "marker-size": "medium", }, "geometry": { "type": "Point", "coordinates": [13.376327, 52.533663]
Geschichte Das Gelände der heutigen Zentrale lag ursprünglich am Rande des sogenannten Feuerlandes. Auf dem Areal wurde 1820 ein Exerzierplatz angelegt. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand die Kaserne des Garde-Füsilier-Regiments, genannt Maikäferkaserne. Hans Leip, der 1915 dort stationiert war, dichtete in der Wachstube den Text des bekannten Soldatenliedes Lili Marleen. Nach dem Ersten Weltkrieg nutzte die Berliner Polizei die Kaserne sowie den Exerzierplatz und errichtete hier 1929 das Polizeistadion. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude der Kaserne weitgehend zerstört. Aus Anlass der III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten ließ die Deutsche Demokratische Republik auf dem Areal aus Trümmerschutt das Walter-Ulbricht-Stadion errichten, das 1973 in Stadion der Weltjugend umbenannt wurde.Angela M. Arnold, Gabriele von Griesheim: Trümmer, Bahnen und Bezirke. Berlin 1945–1955. Selbstverlag 2002, ISBN 3-00-009839-9, S. 135 ff. Nach seinem Abriss ab 1992 sollten dort Bauten für die Olympischen Spiele 2000 entstehen, für die sich Berlin beworben hatte. Nach dem Scheitern der Olympiabewerbung diente das freie Gelände bis 2006 verschiedenen breitensportlichen Zwischennutzungen.; abgerufen am 8. Juni 2014.
Am 10. April 2003 beschloss das Sicherheitskabinett, den nicht durch Gesetz geregelten Sitz des BND von der BND-Liegenschaft in Pullach nach Berlin an den Sitz des Bundestages und der Bundesregierung zu verlagern., S. 2 2004/2005 wurde das Vergabeverfahren mit integriertem Architekturwettbewerb durchgeführt. Im Dezember 2004 wählte ein Preisgericht den Entwurf des Architekturbüros Kleihues + Kleihues für den Masterplan und das Hauptgebäude aus. Auf Platz 2 kamen Henn Architekten, München/Berlin, auf Platz 3 Hilmer Sattler Architekten Ahlers Albrecht, Berlin/München, und auf Platz 4 ASP Schweger Assoziierte, Gesamtplanung, Hamburg. Ohne Platzierung am Wettbewerb teilnahmen KSP Jürgen Engel Architekten, Frankfurt am Main, und Gerkan, Marg und Partner, Hamburg.
Im August 2005 kaufte der Bund das Grundstück vom Land Berlin zum Preis von 66,67 Millionen Euro. Bauherr des Vorhabens war die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), Planung und Baudurchführung oblagen dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).
Mit der schrittweisen Übernahme der zentralen Lagebearbeitung für das Bundesministerium der Verteidigung und die Bundeswehr wurden beim BND 270 Dienstposten neu eingerichtet. Weitere Mitarbeiter für das Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr, in Grafschaft-Gelsdorf bei Bonn im bisherigen Dienst, sollten deshalb in die Zentrale nach Berlin wechseln.
Im Mai 2008 wurde der Grundstein für das Hauptgebäude gelegt, im November 2008 für die Nordbebauung. Das Richtfest des Hauptgebäudes war im März 2010. Der Baubeginn der Südbebauung erfolgte 2012. Im November 2013 wurde die Nordbebauung übergeben, die Gesamtliegenschaft im November 2016.
Am 29. November 2016 wurde die gesamte Liegenschaft an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, zur Vermietung an den BND, übergeben.
Die für 4000 Beschäftigte ausgelegte Zentrale des BND wurde zwischen 2014 und 2018 bezogen und zunächst mit rund 3200 Mitarbeitern belegt. Am 8. Februar 2019 wurde der Gebäudekomplex dann offiziell durch den BND eröffnet.
Die Kosten für den Bau der BND-Zentrale beliefen sich auf über eine Milliarde Euro, womit sie zum Zeitpunkt ihrer Errichtung das größte Bauprojekt der Bundesrepublik Deutschland seit deren Bestehen war.
Gesamtensemble Das Gesamtensemble der Zentrale im Berliner Bezirk Mitte wurde nach einem Masterplan der Architekten Kleihues + Kleihues gestaltet. Es hat eine Brutto-Grundfläche von 260.000 m² und einen Brutto-Rauminhalt von 850.000 m³. In der Gesamtliegenschaft wurden 20.000 Tonnen Stahl und 135.000 m³ Beton verbaut. Sie hat 5.200 Räume, 8.000 Innentüren, 14.000 Fenster und 20.000 Leuchten. Insgesamt sind 80.000 km Kabel verlegt worden und 20.000 km Glasfaserkabel.
Hauptgebäude Das von den Architekten Kleihues + Kleihues entworfene Hauptgebäude mit den Hausnummern Chausseestraße 97 und 98 ist nach dem Flughafen Tempelhof das größte Gebäude Berlins. Es ist insgesamt 270 m lang, 160 m breit und 30 m hoch. Lange Flure ziehen sich hindurch, von denen kleine funktionale Büros für je zwei Mitarbeiter abgehen. Darin stehen höhenregulierbare Schreibtische. Jeder Mitarbeiter hat zwei PCs. Einer dient der normalen Kommunikation, der zweite ist mit dem internen Netz verbunden.
Die Ikonographie des Gebäudes veranlasste Niklas Maak, Feuilletonist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, zu folgendem Vergleich:
Nordbebauung mini|Einfahrt zur Parkgarage in der Nordbebauung
In der Nordbebauung mit der Adresse Chausseestraße 96 befindet sich die Technik- und Logistikzentrale mit Blockheizkraftwerk. Sie wurde im November 2013 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben an den BND übergeben und im März 2014 von den ersten Mitarbeitern bezogen. Das Gebäude, dessen Baubeginn 2008 war, hat eine Brutto-Grundfläche von 60.000 m², eine Nutzfläche von 19.000 m² und wurde von den Architekten Henn unter Mitwirkung des Büros Hilmer & Sattler und Albrecht errichtet. Über die Sicherheitsschleuse in der Nordbebebauung erfolgt die zentrale Ver- und Entsorgung. Imtech übernahm mit einem Gesamtvolumen von 140 Millionen Euro für einen Zeitraum von 15 Jahren die Wärme-, Kälte- und Stromversorgung der Liegenschaft.
Südbebauung Die Südbebauung an der Habersaathstraße wurde 2011 begonnen und 2016 fertiggestellt. Die Brutto-Grundfläche beträgt 19.000 m² und die Nutzfläche 9.500 m².
Am 12. Juli 2005 wurde nach einem offenen Bewerberauswahlverfahren in einem begrenzt-offenen, anonymen Realisierungswettbewerb 30 Architekturbüros eingeladen, einen Entwurf für die Südbebauung einzureichen, der sich in den bestehenden Masterplan von Kleihues + Kleihues einfügt. Am 10. Februar 2006 fiel das Preisgericht seine Entscheidung zugunsten des Architekturbüros Lehmann aus Offenburg. Auf den zweiten Platz kamen Mahler Günster Fuchs aus Stuttgart, auf den dritten Platz Claus Neumann Architekten aus Berlin und auf den vierten Platz Anderhalten Architekten, ebenfalls aus Berlin. Weitere Entwürfe wurden eingereicht von Farwick + Grote, Ahaus, LAI Lanz Architekten und Generalplaner, Berlin/München sowie Glück + Partner, Stuttgart.
Ausbildungszentrum mini|Zentrum für nachrichtendienstliche Aus- und Fortbildung
In der Südbebauung befindet sich das Zentrum für Nachrichtendienstliche Aus- und Fortbildung (ZNAF), einem Gemeinschaftsprojekt von BND und Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV). Neben Werkstätten und Chemielaboren stehen 110 Internat-Apartments zur Verfügung.
Besucherzentrum mini|Eingang zum Besucherzentrum
Das BND-Besucherzentrum mit der Hausnummer Chausseestraße 99a liegt an der Habersaath- /Ecke Chausseestraße. Es wurde im April 2019 für angemeldete Besuchergruppen eröffnet. Seit Anfang November 2019 ist eine multimediale und interaktive Ausstellung hinzugekommen. Seit 2024 ist keine Anmeldung mehr erforderlich und individuelle Besucher können das Zentrum besuchen. Auf 400 m², verteilt über zwei Etagen, können jährlich 15.000 Besucher empfangen werden. Der BND informiert dort über seinen Auftrag, seine Arbeit und seine Kontrolle. Mit mehr Offenheit möchte er Ressentiments gegenüber seiner Arbeit abbauen und neue Mitarbeiter werben. Zu den mehr als 120 ausgestellten Exponaten zählen eine Sprengstoffweste, eine schultergestützte Boden-Luft-Rakete, eine Gaszentrifuge, Verbringungsmittel wie die Handtasche von Gabriele Gast, die BND-Akte von Erich Honecker und eine Maschinenpistole von Reinhard Gehlen. Als Methoden der Nachrichtenbeschaffung werden die Führung von Quellen und die Auswertung von mit Aufklärungssatelliten gewonnenen Bildern am Beispiel Nordkoreas erläutert. Als Aufklärungsziele werden der internationale Terrorismus, Cyberattacken, illegale Migration und Waffenhandel genannt.
Kunst am Bau mini|hochkant|Eine der beiden Stahlpalmen (mit Schatten), 2013
Auf dem Gelände der neuen Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Berlin-Mitte wurde an insgesamt sieben Orten Kunst am Bau realisiert.
Im Bereich der repräsentativen Vorfahrt des Hauptgebäudes befindet sich ein 9,6 m × 19,8 m × 4,2 m messender monolithischer Körper, das durch die geringe Auflagefläche optisch fast in die Schwebe geraten scheint. Die Skulptur ohne Titel aus Cortenstahl von 2013 ist eine Arbeit des Künstlers Stefan Sous, der erklärte: „Als autarkes, fremdes, unergründliches Ding gibt die Skulptur einen subtilen Hinweis auf die Funktion des BND: das Unbekannte Aufklären und die eigenen Geheimnisse wahren.“
Auf der Rückseite des Hauptgebäudes Richtung Pankepark stehen zwei 22 m hohe Palmen aus Stahl mit grünem Stamm und grüner Blattkrone. Das Kunstwerk mit dem Titel 0° Breite ist von Ulrich Brüschke und löste Spekulationen aus, ob dort Abhörtechnik installiert sei, weil es an als Bäume verkleidete Funkmasten erinnert.
Im Atrium 3 des Hauptgebäudes ist ein großer Schriftzug „Der letzte Weizen stand noch“ angebracht, im Atrium 1 „Es ist Nacht und der Budapester Bahnhof steht still und schön“. In den Übergängen zu den Torhäusern sind abstrakte, monochrome Farbfelder, die Decknamen ehemaliger Mitarbeiter (beispielsweise: schneewittchen) oder Orten (avus) zugeordnet sind.
Im Foyer der Wache Nord befindet sich eine Lichtinstallation aus weißen Leuchtstoffröhren der Künstlerin Barbara Trautmann.
Im Hof des Schul- und Internatstraktes befindet sich Baumgartens Geländer mit einem auf der Seite ruhenden Tisch von Monika Brandmeier.
Ein Entwurf von Rainer Splitt sowie von Thomas Eller erreichte jeweils Platz 2 im Kunstwettbewerb.
In den Eingangsbereichen von Ausbildungsstätte und Dienstunterkünften der Südbebauung werden jeweils 100 Hinterköpfe gezeigt. Die Personen haben ein persönliches Geheimnis für 100 Jahre verwahren lassen. Eine Jahresanzeigentafel stellt dar, für wie viele weitere Jahre die Geheimnisse noch gewahrt sind. Das Kunstwerk stammt von Ulrike Böhme. Der Entwurf von Peter Zimmermann erreichte Platz 2 im Kunstwettbewerb.
Bau mini|Baustelle der BND-Zentrale, Februar 2010 mini|Luftaufnahme der BND-Zentrale im Bau, 2012
Zeitraum Die Bauzeit für den Gebäudekomplex begann am 19. Oktober 2006 mit dem ersten Spatenstich.