Die Kalender in Tolkiens Mythologie sind sehr präzise Berechnungen des englischen Philologen und Schriftstellers J. R. R. Tolkien, die sich mit den Kalendern der realen Welt vergleichen lassen. Tokiens Mythologie („Legendarium“) spielt in einer fiktiven Vergangenheit der Erde (siehe Tolkiens Welt), die nach antiker und christlicher Tradition in Zeitalter eingeteilt wird.

Entstehung der Zeiteinteilung Die Zeit in Tolkiens Mythologie beginnt mit der Erschaffung der Welt, die er in der Ainulindale folgendermaßen beschreibt:

In der Zeit nach der Erschaffung der Welt gab es zunächst noch keine Zeiteinteilung, erst mit dem „Zeitalter der Zwei Bäume“ ergab sich durch deren Eigenart, abwechselnd in hellem Lichterglanz zu erstrahlen, eine Aufteilung der Tageszeiten und somit den ersten Tagesrhythmus. Die zwei Bäume Telperion (der Silberne) und Laurelin (der Goldene) erstrahlten aus eigener Kraft abwechselnd jeweils für etwa 12 Stunden und erhellten das Gebiet Valinor, in dem die Valar sich niedergelassen hatten. Innerhalb von sieben Stunden erblühte jeder Baum zu vollem Glanze und verblasste wieder, während der andere zu erstrahlen begann. So gab es zweimal am Tag eine Zeitspanne des milden Zwielichts, zu der beide Bäume nur schwach leuchteten, und in der sich ihre goldenen und silbernen Strahlen vermischten.J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion. Klett-Cotta, Stuttgart 2007, S. 46. Ein Tag in Valinor teilte sich also bereits in 12 Valische Stunden, fünf getaucht in Goldlicht, fünf in Silberlicht und jeweils zweimal eine Stunde im Zwielicht (minyúcale, minuial „erstes Zwielicht/Morgendämmerung“ und atyúcale, aduial „zweites Zwielicht/Abenddämmerung“).

Melkor zerstörte diese Bäume, so wie er zuvor schon die Leuchten Ormal und Iluin zerstört hatte. Dadurch gab es kein Licht mehr in Mittelerde. Den Valar gelang es jedoch, von jedem der Bäume eine letzte Frucht zu erhalten, aus denen sie die Sonne und den Mond erschufen.J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion. Klett-Cotta, Stuttgart 2007, S. 95. Der Mond zog seine Bahnen zunächst von Westen nach Osten und wieder zurück, dies vollführte er siebenmal, ehe auch die Sonne an den Himmel gesetzt wurde.Robert Foster: Das Große Mittelerde Lexikon. S. 477, 630–631.

Eine der Folgen dieser Taten Melkors war die Rückkehr der Noldor nach Mittelerde und die Verhüllung Valinors (siehe Quenta Silmarillion). In der Frühfassung seiner Mythologie (Das Buch der Verschollenen Geschichten), berichtet Tolkien darüber, dass in dieser Zeit in Valinor plötzlich drei Männer bei den Valar erschienen. Sie erschufen in drei Zeiteinheiten lange, unsichtbare Seile, mit deren Hilfe die Bahnen des Mondes und der Sonne gelenkt werden konnten. Diese Seile gaben sie in Manwes Obhut und sie wurden an einem Stein (dem Gonlath, also Seilstein) befestigt. Seit dieser Zeit sind die Welt und all ihre Geschöpfe, selbst die Valar, mit den Banden der Zeit verflochten und unterliegen ihren Gesetzen.

In der späteren Entwicklung des Legendariums rückte Tolkien von dieser mythologischen Herkunft der Zeiteinheiten ab. Nach der Veröffentlichung von Der Herr der Ringe kam Tolkien zur Überzeugung, dass auch für die Valar (in den frühen Werken Götter genannt) von Anfang an das Sonnenjahr die grundlegende Zeiteinheit war, da es das Wachstum bestimmt (vgl. Die valinorische Zeiteinteilung).J. R. R. Tolkien, Carl F. Hostetter: Natur und Wesen von Mittelerde. Erster Teil: Zeit und Altern. Kapitel 2: Valinorische Zeiteinteilungen.

Die Zeitalter Die Zeit, in der Elben und Menschen leben, wurde von ihnen in mehrere Zeitalter der Kinder Ilúvatars eingeteilt. Die erste Periode nannten sie „Die Zeitalter vor den Tagen“. Diese setzten sich aus 35 Zeitaltern, also 3500 Valischen Jahren zusammen. Sie reichen von der Ankunft der Valar in Mittelerde über den ersten Krieg gegen Melkor und Zerstörung der beiden Leuchten bis hin zur Erschaffung der „Zwei Bäume“. Tolkien vertrat später die Ansicht, dass die hier genannten Ereignisse großteils númenórische Mythen wären, aber auf realen Geschehnissen basierten. So hätte es die Leuchten nie gegeben, stattdessen sei die Sonne das Zentrum Ardas (Arda ist der Name des Sonnensystems) und der Mond sei nach dem Ersten Krieg geschaffen worden (siehe auch Flache Erde). Nach dieser Ansicht entspricht der Erste Krieg der Zeit, in dem die Erde unbewohnbar war (etwa dem Hadaikum).Myths transformed. In: J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien: Morgoth’s Ring (= The History of Middle-earth. Band 10). Harper Collins Publishers, London 1994, ISBN 0-261-10300-8, S. 369–431, hier S. 382–383 (). Die folgende Ära wird die „Jahre der Bäume“ genannt, eine Zeitspanne von 1500 Valischen Jahren. Sie wird auch die Zeit des Segens in Valinor genannt. Mit dem Erwachen der Elben im Jahr 1050 beginnt das „Erste Zeitalter der Kinder Ilúvatars“. Die Jahre der Bäume enden an dem Tage, als Fingolfin Beleriand erreichte und das erste Mal der Mond aufging, kurz nach dem Diebstahl der Silmaril durch Melkor, dem Brudermord von Alqualonde und der Verbannung oder dem Auszug der Noldor zurück nach Mittelerde. Damit beginnen die „Jahre der Sonne“ (später Jahre von Beleriand genannt), deren erste 590 Sonnenjahre noch zum Ersten Zeitalter zählen. Dies ist die Zeit, über die besonders im Silmarillion, den Nachrichten aus Mittelerde und in der Geschichte der Kinder Húrins berichtet wird. Es endet mit dem Krieg des Zorns, dem Bündnis zwischen Menschen und Elben, dem Fall von Gondolin, der Verbannung Melkors von Arda und dem Versinken von Beleriand im Meer. Das „Zweite Zeitalter“ zählte 3441 Sonnenjahre, begann mit der Gründung des Königreiches der Menschen in Númenor und den Grauen Anfurten in Lindon. Diese Geschichte wird ausführlich in den Nachrichten aus Mittelerde erzählt. Es umfasst den Untergang Númenors und endet mit der Schlacht des „Letzten Bündnisses aus Elben und Menschen“ in der Isildur in den Besitz des Einen Ringes gelangte. Das „Dritte Zeitalter“ beginnt mit der Rückkehr Isildurs nach Gondor und endet nach 3021 Sonnenjahren mit der Zerstörung des Ringes, der Vernichtung Saurons und dem Weggang der Elben aus Mittelerde. Das „Vierte Zeitalter“ beginnt nach der Krönung Aragorns (1. Mai 3019) zum König des wiedervereinigten Arnor und Gondor. Über diese Zeit gibt es nur noch wenige Aufzeichnungen, beispielsweise im Anhang zum Herrn der Ringe und in der History of Middle-earth. Es wird „Das Zeitalter der Herrschaft der Menschen“, „Das Neue Zeitalter“ oder „Die Tage der Jüngeren“ genannt.Robert Foster: Das Große Mittelerde Lexikon. S. 755–768. Aktuell leben die Menschen im „Siebten Zeitalter“, vermutlich seit dem Jahr 1 nach Christus.J. R. R. Tolkien, Carl F. Hostetter: Natur und Wesen von Mittelerde. Erster Teil: Zeit und Altern. Kapitel 6: Das Erwachen der Quendi.

Die valinorische Zeiteinteilung Für die Zeitrechnung von Valinor gibt es zwei einander widersprechende Angaben.

In den Annalen von Aman entspricht ein Valisches Jahr etwas weniger als 10 Sonnenjahren. So dauerte beispielsweise die Flucht der Noldor nach dieser Rechnung etwa 48 Sonnenjahre. Dies ist die ältere Version, die zu Lebzeiten J. R. R. Tolkiens nicht veröffentlicht wurde.Annals of Aman. In: J. R. R. Tolkien, Christopher Tolkien: Morgoth’s Ring (= The History of Middle-earth. Band 10). Die exakte Umrechnung Valisches Jahr zu Sonnenjahr lautet wie folgt: 1 Baum-Stunde entspricht 7 Stunden unserer Zeit. 1 Valischer Tag hat 12 Baum-Stunden. 1 Valisches Jahr hat 1.000 Valische Tage. Somit dauert 1 Valisches Jahr 7 × 12 × 1.000, also 84.000 Stunden unserer Zeit, was etwa 9,582 Sonnenjahren entspricht. Es gab eine Fünftagewoche, die Lemnar genannt wurde, was Fünftage nach der Anzahl der Finger (leper) bedeutet, oder Aldalemmar (Baumwoche). Die Tage hießen Ar Manweo (Tag Manwes), Ar Ulmo (Tag Ulmos), Ar Fanturion (Tag der Geistbrüder, Irmo/Námo), Ar Veruo (Tag der Vermählten, Manwe/Varda und Aule/Yavanna) und Ar Neldion (Tag der Drei, Osse/Orome/Tulkas). Im Valischen Jahr gab es im Sommer eine Extrawoche die Endiën (die Mittleren) genannt wurde, der Saiwesana (Mittsommertag) bildete den mittleren dieser.Robert Foster: Das Große Mittelerde Lexikon. S. 754.

Im Anhang von Der Herr der Ringe wird ein elbisches Jahr, dort yen genannt, mit 144 Sonnenjahren umgerechnet.J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Anhang D: Kalender. Diese Version wird in Tolkiens jüngeren Manuskripten verwendet. Für diese Version lautet die Umrechnung: 1 Valisches Jahr besteht aus 12 Valischen Monaten und entspricht 144 Sonnenjahren. 1 Valischer Monat besteht aus 12 Valischen Tagen und entspricht 12 Sonnenjahren. 1 Valischer Tag besteht aus 12 Valischen Stunden und entspricht exakt einem Sonnenjahr.

Die Valische Stunde (etwa 30 ½ Tage) kann weiter in 12 Primen à 12 Sekunden à 12 Terzen etc. aufgeteilt werden, bis hinunter zur Minime (= 12−7 Valische Stunden oder etwa 1/14 einer Sekunde unserer Zeit). Da sich die Valischen Tage, Stunden etc. nach der Länge eines Sonnenjahres richten, variiert ihre Länge durch die unterschiedliche Anzahl der Tage eines Sonnenjahres und durch die natürliche Verlängerung des Sonnenjahres. Die genaue Länge während der Zeit der Bäume, als diese Einheiten exakt waren, lässt sich nicht ermitteln.

Tolkien versuchte später, den Widerspruch folgendermaßen aufzulösen: Ein Valisches Jahr entspricht 144 Sonnenjahren. In dieser Zeitspanne altern Elben in Aman etwa wie die Menschen in einem Sonnenjahr. In Mittelerde altern die Elben in 10 Sonnenjahren etwa wie die Menschen in einem Sonnenjahr.

Kalender Mittelerdes Für die Kalender in Mittelerde gibt es eine einheitliche Einteilung: Zeitraum Quenya Sindarin Tag sana, sanaluin, ré, áre dana, danuin, or Woche lemnar, enquië, ostola lefnar, ochlad Monat rana, ranaliun, ráne ran, ranuin, ranoth Jahreszeit ya, yasse iaur, ior Jahr fana, fanaluin, loa fann, fanuin, ŷr Unterschiede bestehen jedoch in der Anzahl der Wochen- und Monatstage, die ein Sonnenjahr (Loa) ergeben, was einem Erdenjahr entspricht.

Der Kalender von Imladris Die als Kalender von Imladris bekannte Zeitrechnung kann als repräsentativ für alle Elben in Mittelerde (nicht für Valinor) angesehen werden. Er ist wie folgt eingeteilt: Das Jahr beginnt mit dem Yestare, dem Neujahrstag, der in etwa dem 29. März des gregorianischen Kalenders entspricht. Eine elbische Woche (Enquië) in Bruchtal (Imladris) zählte sechs Wochentage. 1. Elenya (Sternentag), 2. Anarya (Sonnentag), 3. Isilya (Mondtag), 4. Aldúya (Tag der Bäume), 5. Menelya (Himmelstag), 6. Tárion (Hochtag), auch Valarya (Tag der Valar).Robert Foster: Das Große Mittelerde Lexikon. S. 386. Die Namen sind in Quenya, obwohl in Mittelerde Sindarin gesprochen wurde.

Eine Eigenheit des Kalenders von Imladris ist, dass er sechs Jahreszeiten aufweist. Die erste Jahreszeit ist Tuile (Austreiben, Aufbrechen, Frühling) sie hat 54 Tage, was neun Wochen entspricht. Darauf folgen Laire (Grüne, Gesang, Sommer) mit 72 Tagen und Yávië (Ernte, Fruchtgebung, Frühherbst) mit 54 Tagen. Die drei kalten oder dunklen Jahreszeiten sind Quelle (Schwund, Vergehen) oder Lasse Lanta (Blattfall), 54 Tage, Hríve (Frost, Winter), 72 Tage und Coire (Erwachen), 54 Tage. Zudem gab es bei den Elben ein sogenanntes Yén (Langjahr) was 144 Sonnenjahre (loa „Wachstum“ oder coranar „Sonnenrunde“), 8.766 Wochen (enquier) oder 52.596 Tage (ré oder are) umfasste.J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe. 1 Band, Klett Cotta, Stuttgart 2008, S. 1228–1229. Um die Ungenauigkeit des Kalenders an den tatsächlichen Umlauf der Erde um die Sonne anzupassen, wurden die enderi in jedem zwölften Sonnenjahr verdoppelt, was unserem Schaltjahr gleichkommt.Robert Foster: Das Große Mittelerde Lexikon. S. 386.

Die Zeitrechnung der Menschen