Egeria ist eine taxonomisch umstrittene, aus drei Arten bestehende Pflanzengattung innerhalb der Familie der Froschbissgewächse (Hydrocharitaceae). Da molekulare Untersuchungen die Monophylie der Gattung zweifelhaft erscheinen lassen, werden ihre Arten nun oft in eine weiter gefasste Gattung Elodea mit einbezogen. Dies wird aber, insbesondere im angewandten Bereich, auch bestritten. Viele Autoren halten bisher am Gattungsstatus von Egeria fest.
Beschreibung und Ökologie mini|Männliche Blüte von Egeria densa Vegetative Merkmale Egeria-Arten sind im Süßwasser lebende ausdauernde krautige Pflanzen. Rhizome und Ausläufer fehlen. Der Stängel ist untergetaucht (submers) aufrecht, verlängert – er erreicht manchmal mehr als 3 Meter Länge –, verzweigt oder unverzweigt und wurzelt im Substrat, die Pflanzenexemplare können auf der Wasseroberfläche flutende Matten ausbilden. Die Blätter sind Tauchblätter und sitzen in Quirlen zu viert, fünft, selten auch mehr bis zu acht, angeordnet direkt am Stängel. Die Blattquirle sitzen gedrängt, die Internodien sind kurz, niemals länger als etwa 2,4 Zentimeter. Die Blattspreiten sind alle von gleicher Farbe und sind bei einer Länge von maximal 40 Millimetern linealisch. Die Blattbasis steht schräg zum Stängel. Der Blattrand ist mehr oder weniger fein gesägt. Die Spreitenspitze kurz bestachelt. Die dem Stängel abgewandte Blattseite weist weder Stacheln noch ein Aerenchym auf. Die Mittelrippe besitzt an ihren Seiten keine Reihe von Vertiefungen.
Generative Merkmale Die Blütenstände sind einblütig (weibliche Blüten) oder zwei- bis fünfblütig (männliche Blüten) und sitzend, sie sind in ein Hüllblatt (Spatha) eingeschlossen, dieses ist nicht geflügelt. Zur Blütezeit werden die Blüten durch sich verlängernde Stiele bis zur Wasseroberfläche emporgehoben, auf der sie aufschwimmen, diese können 8 Zentimeter Länge erreichen. Die Egeria-Arten besitzen keine definierte Blütezeit, sie blühen, solange die Wassertemperatur etwa 15 bis 25 °C erreicht. Männliche Pflanzenexemplare sind in der Regel bei allen Arten weitaus häufiger als weibliche.
Die Blüten sind eingeschlechtig, die Egeria-Arten sind zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Die drei bis etwas über 10 Millimeter langen Kronblätter sind weiß. Die drei bis knapp 5 Millimeter langen Kelchblätter grün gefärbt. Männliche Blüten enthalten neun Staubblätter, deren Staubfäden sitzen einzeln, sie sind keulig verdickt, unter dem Staubbeuteln wieder verengt und papillös, die Staubbeutel sind linealisch. Die weiblichen Blüten besitzen neben den weißen Kronblättern drei rote bis orangefarbene, papillöse Staminodien, außerdem können Nektarien vorhanden sein. Der unterständige Fruchtknoten ist einkammerig, jeder der drei Griffel mit zwei bis vier Narben. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten. Viele eingeschleppte Vorkommen außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets bestehen allerdings ausschließlich aus männlichen Pflanzenexemplaren und vermehren sich rein vegetativ durch Sprossbruchstücke.
Die Kapselfrüchte sind bei einer Länge von knapp 15 Millimetern eiförmig, glatt und platzen unregelmäßig auf. Die Samen sind geschnäbelt, spindelförmig und klebrig.
Vorkommen Das natürliche Verbreitungsgebiet von Egeria umfasst Südamerika mit Bolivien, Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay. Die Art Egeria densa wurde nach Afrika, Europa, Asien, Australien, Neuseeland und Nordamerika eingeführt, meist als ins Freiland verwilderte Aquarienpflanze, und wird dort vielfach als invasiver Neophyt bewertet.
Systematik Die Gattung Egeria wurde 1849 durch Jules Émile Planchon in Annales des Sciences Naturelles; Botanique, Serie 3, Band 11, Seite 79 aufgestellt, um zwei von ihm ebenfalls erstbeschriebene Arten, Egeria densa und Egeria najas, aufzunehmen. Die Egeria-Arten unterscheiden sich von Elodea-Arten (in traditioneller Umschreibung) vor allem an den viel auffälligeren, insektenbestäubten Blüten. Dies lässt die Möglichkeit offen, dass sich die Elodea-Arten aus Egeria-artigen Stammformen durch teilweise Reduktion entwickelt haben, dies wurde schon 1961 durch Harold St. John so vermutet, der gleichwohl, wegen der morphologischen Unterschiede, an zwei Gattungen festhielt. Gegen eine Zusammenführung in eine Gattung sprach aber die Beobachtung, dass Egeria-Arten und Elodea-Arten nicht fruchtbar miteinander hybridisieren können. Dennoch hatte der argentinische Botaniker Luciano Haumann-Merck (1880–1965) schon 1912 Egeria (wie auch Apalanthe) mit Elodea synonymisiert, worin ihm aber zunächst nur wenige Botaniker gefolgt sind.
Bei einer 2006 durchgeführten phylogenomischen Untersuchung (Untersuchung der Verwandtschaftsverhältnisse anhand homologer DNA-Abschnitte) war die Gattung Egeria nicht monophyletisch, demnach wäre Egeria densa näher mit den Arten der Gattung Elodea (in traditioneller Umschreibung) verwandt als mit Egeria najas, gemeinsame Schwestergruppe wäre die Gattung Apalanthe (mit der Art Apalanthe granatensis). Obwohl das Ergebnis statistisch schlecht abgesichert ist und die Autoren der Arbeit diesen Schluss darin nicht selbst gezogen haben, sind daraufhin viele Botaniker dazu übergegangen, Egeria (und auch Apalanthe) mit Elodea (erneut) zu synonymisieren. Folgt man dieser Auffassung, gehören die hier behandelten drei Arten zur Gattung Elodea. Die Zusammengehörigkeit der drei Gattungen Elodea, Egeria und Apalanthe war bereits vorher vielfach, sowohl nach genetischen wie nach morphologischen Merkmalen, vielfach und regelmäßig bestätigt worden.
Die Einbeziehung der Egeria-Arten wurde etwa übernommen in die Datenbank Kew Plants of the World online, die World Flora Online, oder die Schweizer InfoFlora, während die deutsche FloraWeb (Stand März 2026) bisher an Egeria festhält. Auch viele andere nach 2006 erschienene botanische Werke, insbesondere zur neophytischen Art Elodea densa, verwenden den Gattungsnamen Egeria weiter, darunter etwa der auf amerikanische Wasserpflanzen spezialisierte Pflanzensystematiker Donald H. Les von der University of Connecticut.
Arten und ihre Verbreitung Die drei Arten der Gattung Egeria sind: Dichtblättrige Wasserpest (Egeria densa oder Elodea densa ): Ihre Heimat ist Brasilien, Uruguay und Argentinien, doch ist sie weltweit ein Neophyt. Egeria heterostemon oder Elodea heterostemon : Die Heimat ist das westlich-zentrale Brasilien (Mato Grosso und Goiás). Egeria najas oder Elodea najas : Die Heimat ist Brasilien, Paraguay, Uruguay und Argentinien.
Literatur Christel Kasselmann: Aquarienpflanzen. Ulmer Verlag, Stuttgart 1995; 2., überarbeitete und erweiterte Auflage 1999, ISBN 3-8001-7454-5, S. 276 f.
Einzelnachweise „This name is a synonym of Elodea“. Ling-Yun Chen, Jin-Ming Chen, Robert Wahiti Gituru, Qing-Feng Wang: Generic phylogeny, historical biogeography and character evolution of the cosmopolitan aquatic plant family Hydrocharitaceae. In: BMC Evolutionary Biology 2012, 2, 2006, S. 30. doi:10.1186/1471-2148-12-30 „Egeria densa Planch. (Dichte Wasserpest)“. FloraWeb, herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz (BfN). Stand 2023. InfoFlora (2024): „Elodea canadensis Michx., E. nuttallii (Planch.) H. St. John & E. densa (Planch.) Casp. (Hydrocharitaceae). Factsheet.“ PDF Samantha Koehler, Claudia Petean Bove: Hydrocharitaceae from Central Brazil: A New Species of Egeria and a Note on Apalanthe granatensis. In: Novon, Volume 11, Issue 1, 2001, S. 63–66. Donald H. Les: Aquatic Monocotyledons of North America. Ecology, Life History, and Systematics. CRC Press (Taylor & Francis), 2020, ISBN 978-1-1380-5493-6. Egeria auf S. 42–44. Donald H. Les, Michael L. Moody, Connie L. Soros: A Reappraisal of Phylogentic Relationships in the Monocotyledon Family Hydrocharitaceae (Alismatidae). In: Aliso: A Journal of Systematic and Floristic Botany, Volume 22, Issue 1, 2006, S. 18. doi:10.5642/aliso.20062201.18. PDF download Anja Rimac, Igor Stanković, Antun Alegro, Sanja Gottstein, Nikola Koletić, Nina Vuković, Vedran Šegota, Antonija Žižić-Nakić (2018): The Brazilian elodea (Egeria densa Planch.) invasion reaches Southeast Europe. In: BioInvasions Records, Volume 7, Issue 4, S. 381–389. doi:10.3391/bir.2018.7.4.05 Harold St. John: Monograph of the genus Egeria Planchon. In: Darwiniana, Volume 12, Issue 2, 1961, S. 293-307. Qingfeng Wang, Youhao Guo, Robert R. Haynes, C. Barre Hellquist: Hydrocharitaceae. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 23: Acoraceae-Cyperaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2010, ISBN 978-1-93072399-3. Egeria Planchon. S. 102 - textgleich online gedrucktes Werk.
Weblinks
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