Oskar Wilhelm Pietsch (* 10. Januar 1918 in Berlin; † 28. November 2012 ebenda) war ein deutscher Filmarchitekt und Maler. Als Szenenbildner arbeitete er für die UFA, die DEFA und den SFB. Ein Forschungsprojekt des Instituts für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin zählt Oskar Pietsch mit Willy Schiller, Alfred Hirschmeier, Harry Leupold, Paul Lehmann und Hans Popp zu den wichtigen Filmszenographen der DEFA und ihres Vorgängers, der UFA.Annette Dorgerloh: Scenographic Turn. Vom Plot zum Raumbild. Ein Forschungsprojekt zur Geschichte der Filmszenographie der DEFA und ihrer Vorläufer. S. 1, S. 4
Leben und Wirken Oskar Pietsch durchlief eine Lehre zum Dekorationsmaler und besuchte sowohl die Kunstgewerbeschule als auch die Hochschule für bildende Künste in Berlin. Beim Film seit 1937, war seine erste erwähnenswerte Tätigkeit die eines Hilfsarchitekten bei Gasparone mit Marika Rökk. Anschließend arbeitete er auch als Dekorationsmaler bei mehreren Filmen von Carl Froelich bzw. mit Zarah Leander und Hans Albers.
1945 machte sich Pietsch selbstständig, ehe er 1949 zur DEFA stieß. Dort wurde er zunächst als Trickspezialist, insbesondere für perspektivische Bauten und mehrfach wiederholbare Gebäudebrände eingesetzt, so beispielsweise bei Der Rat der Götter. Später hat der in West-Berlin wohnende Pietsch in Babelsberg Filmbauten entworfen, zum Beispiel für die Regisseure Kurt Maetzig, Slatan Dudow und Martin Hellberg.
1961 durch den Mauerbau von seinem Arbeitsplatz abgeschnitten, setzte Pietsch seine szenenbildnerische Tätigkeit beim bundesrepublikanischen Film und Fernsehen fort. 1966 beendete Oskar Pietsch seine gestalterische Arbeit und wurde Abteilungsleiter und bzw. erster Architekt beim SFB. Dort blieb er bis zu seiner Pensionierung 1983.
Seinen künstlerischen Nachlasshttps://www.filmmuseum-potsdam.de/search.php?search_archiv=1&collection=1&search=oskar+pietsch überließ er dem Filmmuseum Potsdam. Dazu gehören seine Szenenbild-Entwürfe für den Film Mutter Courage und ihre Kinder von 1955 unter der Regie von Wolfgang Staudte, der wegen des Vetos von Bertolt Brecht und Helene Weigel nie fertig gedreht wurde.
Oskar Pietsch war der Großvater von Boris Pietsch.
Filmografie (Auswahl) 1951: Karriere in Paris 1953: Jacke wie Hose 1954: Kein Hüsung 1954: Stärker als die Nacht 1955: Der Ochse von Kulm 1955: Mutter Courage und ihre Kinder (unvollendet) 1956: Der Hauptmann von Köln 1957: Berlin – Ecke Schönhauser… 1957: Rivalen am Steuer 1958: Meine Frau macht Musik 1958: Der Prozeß wird vertagt 1959: Eine alte Liebe 1959: Verwirrung der Liebe 1959: Ein Sommertag macht keine Liebe 1960: Alwin der Letzte 1960: Eine Handvoll Noten 1961: Der Fremde 1961: Auf Wiedersehen 1962: Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse 1962: Nachts ging das Telefon 1963: Die Nacht am See 1965: Geld Geld Geld – Zwei Milliarden gegen die Bank von England 1965: Im Schatten einer Großstadt 1966: Schornstein Nr. 4 1972: Tatort: RattennestFolgeninfo von tatort-fans.deFolgeninfo von tatort-fundus.de
Literatur Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 6: N – R. Mary Nolan – Meg Ryan. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 241.
Weblinks
Abbildung eines Szenenbildentwurfes zu Mutter Courage und ihre Kinder (1955) Abbildung eines Szenenbildentwurfes zu Meine Frau macht Musik (1958)
Einzelnachweise
Kategorie:Szenenbildner Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1918 Kategorie:Gestorben 2012 Kategorie:Mann