Mülheim (Kölsch Müllem) ist ein ursprünglich bergischer Stadtteil von Köln, der dem Stadtbezirk Mülheim seinen Namen gegeben hat. Mit 43.055 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2019) ist Mülheim der bevölkerungsreichste Stadtteil Kölns.
Lage mini|Mülheimer Brücke und ein „Müllemer Böötche“ mini|„Müllemer Böötche“ an ihrem Anlegeplatz um 1900, durch das Karnevalslied Heidewitzka, Herr Kapitän überregional bekannt geworden mini|Köln und Mülheim, um 1790 mini|Lithographierte Postkarte 1914, Mülheim mit der Mülheimer GottestrachtMülheim grenzt im Osten an Höhenhaus und Buchheim, im Süden an Buchforst und Deutz, im Westen an den Rhein und im Norden an Stammheim.
Geschichte Der Name des heutigen Kölner Stadtteils entstammt den einst am Strunderbach existierenden Mühlen. Die Anfänge des Ortes gehen bis ins 9. Jahrhundert zurück. Politisch gehörte Mülheim seit dem Mittelalter zum Herzogtum Berg.
Schreibweisen des Ortes zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert sind Mulinheim oder Molenheym. Mülheim war damals unbedeutender als das benachbarte Buchheim, von dessen Pfarrei es bis zum Ende des 16. Jahrhunderts abhängig blieb. Vielfach wird auch heute noch das Jahr 1098 als Jahr der Ersterwähnung der 1914 nach Köln eingemeindeten Stadt Mülheim angenommen. Diese inzwischen widerlegte Annahme reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück.Das Folgende nach: Historisches Archiv der Stadt Köln: Wann wurde Mülheim am Rhein erstmals urkundlich erwähnt? In: . Dort zitiert: Th. J. Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, Bd. 1, Düsseldorf 1840. V. von Zuccalmaglio: Geschichte und Beschreibung der Stadt und des Kreises Mülheim, Mülheim 1846, Nachdruck Köln 1981. J. Bendel: Die Stadt Mülheim am Rhein, Mülheim 1913, Nachdruck Köln 1972 und 1981, S. 11–15. Der vermeintliche Erstbeleg „Mulenheim“ von 1098 für Mülheim am Rhein existiert jedoch als solcher gar nicht, sondern bezieht sich nur auf Ereignisse, die erst in Urkunden des Klosters St. Pantaleon von [1112/15] und 1139 berührt werden und nur grob mit der Regierungszeit des Erzbischofs Hermann III. (1089–1099) datiert werden können. Der Bezug auf das Kloster St. Pantaleon verweist zugleich aber auf das westlich von Köln gelegene Hermülheim, in dem das Kloster St. Pantaleon in späterer Zeit immer Besitzungen hatte, während sich in Mülheim am Rhein zu keiner Zeit Besitzungen des Klosters nachweisen lassen.Belege für Hermülheim finden sich bei Th.J. Lacomblet: Urkundenbuch…, Bd. 1, Nr. 281 und 338. F.W. Oediger: Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, Bd. 1, Bonn 1957, Nr. 1227. R. Knipping: Die Regesten der Erzbischöfe…, Bd. 2, Bonn 1901, Nr. 119, 192 und 373. B. Hilliger: Urbare von St. Pantaleon, Bonn 1902, S. 78, 110 und Register. Die verlorene Urkunde von 1089/99 ist jetzt maßgeblich ediert bei E. Wisplinghoff.Rheinisches Urkundenbuch. Ältere Urkunden bis 1100, Bd. 2, Düsseldorf 1994, Nr. 308, S. 315f. Die ersten ganz sicher auf Mülheim am Rhein zu beziehenden Belege ergeben sich aus Urkunden vom 1. Oktober 1151 (Mulnehim), 11. August 1157 (Mulenheim) und aus dem Jahre 1166 (Mulenheim)H. Mosler: Urkundenbuch der Abtei Altenberg, Bd. 1, Bonn 1912, Nr. 6, 5 und 8. sowie aus einer im 15. Jh. angefertigten Kopie einer Urkunde des Jahres (Molenheym).R. Knipping: Die Regesten der Erzbischöfe…, Bd. 2, Nr. 28, S. 44.
1268 stieg Mülheims Bedeutung, weil es wegen seiner Hochuferlage Fährplatz des Klosters Altenberg wurde, was es bis 1700 blieb. Seit dieser Zeit bis zur französischen Besetzung 1795–1801 wurde Mülheim durch den Grafen von Berg als Vorposten gegen Köln genutzt. 1275 wurde der Ort mit Mauern befestigt. Adolf von Berg errichtete in Mülheim auch eine Münzstätte. 1308 schwerer Eisgang Am 7. März 1322 wurden Mülheim durch Adolf von Berg die Rechte einer Freiheit verliehen (heute noch unter dem Namen Mülheimer Freiheit als Straßenzug vorhanden). Die beabsichtigte Konkurrenz der Grafen von Berg zur Stadt Köln wurde von den Kölnern argwöhnisch betrachtet. Die gegen Köln gerichteten Befestigungen, Wall und Graben wurden auf Kölner Veranlassung immer wieder geschleift, zuletzt 1641. Köln hat immer wieder versucht, den Ausbau Mülheims zur Stadt einzuschränken (Befestigungen Mülheims: 1255–1286, 1288–?, 1414–1417, 1588–1615,Illustration von Frans Hogenberg von 1613: Eigentliche Abbildung der neuwen angefangenen Statt Mullheim … () 1637–1641). Die Konkurrenz zur Stadt Köln zeigt sich auch in der Hoffnung, dass der Rhein oberhalb der Stadt Köln bei Poll nach Mülheim durchbricht, dauerhaft sein Bett ändert und Köln von dieser Verkehrsader abschneidet. In diesem Sinne wehrten sich die Grafen von Berg lange Zeit gegen eine Befestigung des Poller Rheinufers mittels der Poller Köpfe.Peter Simons: Illustrierte Geschichte von Deutz, Kalk, Vingst und Poll. Nagelschmidt, Cöln–Deutz 1913, S. 102ff Poller Köpfe und Weiden mini|Plan Entfestigung Köln-Mülheim 1614: Gantz Eigentliche Abbildung der newen vor dreyen Jahren angefangenen Statt Mülheim, darin nicht nur deroselben nunmehr abgeworffene Wall strassen, sondern auch all und iegliche neuwe heuser auffs fleissigst abgerissen.Geschichts- und Heimatverein Rechtsrheinisches Köln (Hrsg.): Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde, Band 19, Eigenverlag, Köln 1992. 1656 macht Mülheim Köln Konkurrenz als Marktort. Es erhält das Recht, dreimal im Jahr Markt abzuhalten. 1688 und 1715 werden diese Sonderrechte nochmals bestätigt. Im Jahr 1785 erhielt Mülheim das Stadtrecht. Im 18. Jahrhundert gab es einen wirtschaftlichen Aufschwung. Das kleinere Mülheim nutzte dagegen Schwächen der größeren Konkurrentin. Seit 1609 gab es im Bergischen Land die freie Religionsausübung. 1610 errichteten Protestanten in Mülheim die erste evangelische Kirche. Mülheim lockte durch diese religiöse Toleranz wohlhabende protestantische Kaufleute an, die sich im streng katholischen Köln nicht ansiedeln durften (seit den religiösen Wirren von 1714). Zuerst kam die Seidenfabrik des Christoph Andreae (sen.) nach Mülheim. Auch half man rheinaufwärts fahrenden Händlern, das Kölner Stapelrecht zu umgehen, indem deren Schiffe ausgeladen wurden, um die Waren auf dem Landweg um Köln herum zu transportieren: Man vermied somit die Verpflichtung, alle Waren in Köln auszuladen und sie dort drei Tage zum Verkauf anzubieten. 1784 Das große Rheinhochwasser mit Eisgang im Februar zerstörte Mülheim fast völlig. Das katastrophale Hochwasser zerstörte 1784 auch die erste Synagoge der bis ins 19. Jahrhundert kleinen Mülheimer Judengemeinde. Seit 1864 umfasste diese dann auch die Orte Merheim, Bergisch Gladbach, Bensberg, Odenthal und Overath, 1929 traten die Mülheimer Juden der Kölner Gemeinde bei. Ein Neubau des jüdischen Gotteshauses entstand um 1788/89 und wurde 1938 im Zuge der nationalsozialistischen Novemberpogrome 1938 zerstört. Am Anfang des 19. Jahrhunderts wurde im napoleonischen Satellitenstaat Großherzogtum Berg aus Mülheim eine Mairie (Bürgermeisterei) nach französischem Vorbild gebildet. Die Mairie Mülheim gehörte während dieser Zeit zum Kanton Mülheim im Arrondissement Mülheim im Département Rhein. Nachdem das gesamte Bergische Land 1815 an das Königreich Preußen gefallen war, wurde aus der Mairie Mülheim die preußische Bürgermeisterei Mülheim. 1816 wird Mülheim Sitz des neu gebildeten Kreises Mülheim am Rhein in der Rheinprovinz und entwickelt sich in der Folge zur Industriestadt. Zur Bürgermeisterei Mülheim gehörte im Wesentlichen das Gebiet der heutigen Kölner Stadtteile Mülheim, Buchheim und Buchforst.Karte des Kreises Mülheim mit Bürgermeistereigrenzen, S. 57 Während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert ließen sich einige Unternehmen auf Mülheimer Gebiet nieder die überregionale Bekanntheit erreichen sollten, so 1851 die Bleiweißfabrik „Lindgens & Söhne“, 1872 die Schamottefabrik „Martin & Pagenstecher“, 1872 das Walzwerk „Böcking & Cie“ und 1874 die Drahtseilerei „Felten & Guilleaume“. 1843 passiert Heinrich Heine auf seiner Fahrt von Köln nach Hagen Mülheim, wie in Deutschland. Ein Wintermärchen, Caput VIII, beschrieben. 1845 Einweihung der Köln-Mindener Eisenbahn. Mülheim wird allmählich Eisenbahnknotenpunkt (1868 Bergisch-Märkische Eisenbahn, 1879 Rheinische Eisenbahn). 1856 erhielt Mülheim die Rheinische Städteordnung und wurde damit offiziell als „Stadt“ anerkannt.Amtsblatt der Regierung zu Köln 1856, S. 257Archive in Nordrhein-Westfalen: Bibliotheksgut Die Verleihung der Rhein. Städteordnung an Mülheim am Rhein .... 1856 1888 ersetzte eine Schiffsbrücke den Fährbetrieb. 1901 bildete Mülheim einen eigenen Stadtkreis und schied aus dem Landkreis aus. 1914 Die Eingemeindung der Stadt Mülheim am Rhein nach Köln erfolgte gegen den Widerstand der Bevölkerung am 1. April (→ Geschichte der Stadt Köln#Eingemeindungen). 1929 ersetzte die erste feste Mülheimer Hängebrücke die alte Schiffsbrücke. 1951 wurde die heutige Mülheimer Brücke eröffnet.
Beschreibung der ‚Freiheit Mülheim‘ von 1729 Johann Wülfing: Beschreibung der vornehmen Handelsstädte und Flecken des Bergischen Landes (1729)
Mülheim
Die Freiheit oder der Mark-Flecken Mülheim lieget in einer schönen, luftigen Ebene am Rhein vor der Reichsstadt Cöllen, ist in der Lage weitwendig mit prächtigen Häuseren erbauet und ist einer sehr feinen Stadt ähnlich. Allhier gibt es sehr viele vornehme Kauf- und Handelsleute, so mit Seiden in frembde Länder eine starke Handlung treiben, wie auch Frucht- und Weinhändler. Bürgermeister und Rat seind römisch-katholischer Religion, auch die mehreste Bürger jedoch haben die Evangelisch-Lutherische und Reformierte allhier ihre Kirchen und freies Exercitium Religionis [Religionsausübung]. Die Evangelisch-Lutherische und Reformierte in der Stadt Cöllen müssen Sonn- und Feiertage über den Rhein fahren und halten allhier ihren Gottesdienst; sonsten haben die Römisch-Katholischen allhier eine schöne Kirche.
Einzelheiten zum Prozess der Eingemeindung nach Köln Das enorme Raumbedürfnis der wachsenden Großstadt Köln im 19. Jahrhundert sorgte dafür, dass die Stadt zunehmend mit umliegenden Ortschaften Verhandlungen über eine Eingemeindung aufnahm. Aber ausgerechnet die Kontakte zu Mülheim scheiterten immer wieder, was auf andere rechtsrheinische Orte abfärbte. Deshalb überlegte sich der Kölner Stadtrat, wie er auf Mülheim erhöhten Druck ausüben konnte.
Eine erste Maßnahme war, Mülheim „einzukesseln“ mit ehemals selbständigen, jetzt nach Köln eingemeindeten Stadtteilen. Der damalige Kölner Oberbürgermeister Wallraf verstärkte beispielsweise die Kontakte zum Merheimer Bürgermeister Bensberg. Anfangs hatte man in Mülheim gehofft, dass man sich mit Merheim gegen Köln zusammentun könnte. Aber Kölns Vorgehen war erfolgreicher. Am 29. Oktober 1912 kam zwischen Köln und Merheim ein Eingemeindungsvertrag zustande. Ein entscheidendes Lockmittel war dabei das Angebot, für die Bürger Merheims Steuergleichheit zu Köln zu gewährleisten. Es gab aber auch mehr „private“ Angebote: so erhielt der Merheimer Bürgermeister Bensberg auf Lebenszeit 10.000 Mark als jährliche Zahlung garantiert – persönlich.
Damit war Mülheim weitgehend eingekreist. Neben dem Rhein im Westen lagen nun Merheim im Norden und Osten sowie Deutz und Kalk im Süden in Kölner Hand. Der damalige Mülheimer Oberbürgermeister Clostermann sah sich jetzt auch noch einem leichten Druck der Preußischen Staatsregierung gegenüber, die auch mitzureden hatte. Man empfahl ihm in Berlin, sich erneuten Verhandlungen mit Köln nicht entgegenzustellen. Der Regierungspräsident griff im März 1913 vermittelnd ein. Und so fand dann im Jahr 1913 in den politischen Kreisen Mülheims ein Stimmungsumschwung statt. Man spürte, dass man sich den kommenden Entwicklungen nicht entziehen konnte, und nutzte die Gunst der Stunde. Am 18. März 1913 kam es zu einem Eingemeindungsvertrag, dem die beiden Stadtverordnetenversammlungen am 27. März ohne Gegenstimme zustimmten.