300px|mini|Verlauf der dakischen Limites Kastell Buciumi war ein römisches Hilfstruppenlager auf dem Gemeindegebiet von Buciumi, Kreis Sălaj in der rumänischen Region Siebenbürgen. Der Name Buciumi kann leicht zu einer Verwechslung mit dem ähnlich klingenden Kastell Bucium führen. Gemeinsam mit insgesamt 277 Stätten des Dakischen Limes wurde das Kastell Buciumi 2024 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben.

Lage Im heutigen Siedlungsbild befindet sich das Bodendenkmal und teilrekonstruierte und -konservierte Kastell in der nicht bebauten Flur „Cetate“ oder „Gradiste“ am nördlichen Rand des Dorfes Buciumi. Topographisch liegt es auf einer nach Südosten hin abfallenden Hochterrasse zwischen dem Zusammenfluss der Bäche Lupului und Mihăiasa, die nach ihrer Vereinigung in den Fluss Agrij einmünden. In antiker Zeit oblag der Kastellbesatzung die Kontrolle des nordwestlichen Limesabschnittes sowie der Schutz des Verkehrs auf dem nach Westnordwest ins Barbaricum führenden Gebirgspass Ragului und auf dem nach Südwesten führenden Pass Poicului, der das Kastell mit der Garnison in Resculum verband. Darüber hinaus bestanden gute Verbindungen zum Tal Agrijului, in oder bei dem sich die Kastelle Românași, Romita, Porolissum und Tihău befanden.Nicolae Gudea: Der Dakische Limes. Materialien zu seiner Geschichte. In: Jahrbuch des Römisch Germanischen Zentralmuseums Mainz. 44, 2, 1997, S. 42, (Digitalisat).Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 36.

Archäologische Befunde Archäologische Ausgrabungen im Kastell Buciumi fanden zwischen den Jahren 1963 und 1976 unter der Leitung von Eugen Chirilă, der sie initiierte, sowie neben anderen unter Mihail Macrea, Nicolae Gudea und Vasile Lucăcel statt. Dabei konnten eine Holz-Erde-Bauphase und zwei Steinbauphasen (davon eine Reparaturphase) differenziert werden.

Holz-Erde-Lager Das Holz-Erde-Lager wurde in der frühen Zeit der Okkupation Dakiens (106–110) errichtet. Es hatte einen rechteckigen Grundriss und nahm mit seinen Abmessungen von 125 m mal 160 m eine Fläche von zwei Hektar ein. Mit seinen Ecken war das Kastell in die vier Himmelsrichtungen ausgerichtet. Bewehrt wurde es mit einer 10,00 m breiten und 1,75 m hohen Holz-Erde-Mauer, vor der als Annäherungshindernis ein neun bis zehn Meter breiter und 1,50 m bis 2,00 m tiefer Spitzgraben verlief. Die Porta Praetoria (Haupttor, Ausfalltor) befand sich vermutlich an der südöstlichen Seite. In der Praetentura (vorderer Lagerteil) konnten einige Mannschaftsbaracken identifiziert werden.

Steinkastell Das hatte einen rechteckigen Grundriss mit abgerundeten Ecken und dieselbe Ausrichtung wie das vorherige Holz-Erde-Lage. Mit seinen Abmessungen von 134 m mal 167 m nahm es eine Fläche von 2,24 Hektar ein und war dadurch um gute 10 % größer als der Vorgängerbau. Umwehrt war es von einer 1,20 m mächtigen Mauer, die in der Technik des Opus incertum konstruiert war. Vor der Mauer diente ein neun bis zehn Meter breiter und 1,50 m bis 2,00 m tiefer Graben als Annäherungshindernis. Die Kastellecken waren mit Ecktürmen besetzt, die einen trapezförmigen Grundriss (5,40 m / 5,50 m / 5,50 m / 7,00 m) hatten. Auf der Praetorialseite (Vorderfront) befand sich zu jeder Seite zwischen Porta Praetoria und den Kastellecken ein Zwischenturm mit rechteckigem Grundriss. Die Porta Praetoria und die Portae principales (Seitentore) besaßen eine doppelte Durchfahrt, die Porta decumana (rückwärtiges Tor) nur eine einfache.Hier widersprechen die Beschreibungen dem von Gudea 1997 publizierten und 2009 von Marcu nachgezeichneten Kastellplan, auf dem auch das Südwesttor mit nur einer einfachen Durchfahrt dargestellt ist. Siehe hierzu Gudea 1997, S. 43 sowie Marcu 2009, S. 36f. und Tafel 4. Alle Tore waren von nach außen vorspringenden Tortürmen flankiert. Die Tortürme der Porta praetoria besaßen einen rechteckigen Grundriss, die der anderen Tore waren nach außen hin halbrund gestaltet (7,00 × 4,50 m).Nicolae Gudea: Der Dakische Limes. Materialien zu seiner Geschichte. In: Jahrbuch des Römisch Germanischen Zentralmuseums Mainz. 44, 2, 1997, S. 42f., (Digitalisat).

Gliederung und Kastellstraßen Das Verhältnis der Flächen von Praetentura (vorderer Lagerteil) zu Retentura (rückwärtiger Lagerteil) betrug etwa eins zu zwei. Eine Besonderheit ist eine längs der Viae principales verlaufende, die beiden Kastellteile voneinander abtrennende Mauer (sie auch weiter unten). Die Via praetoria besaß eine Breite von 6,30 m, die Viae principales waren 7,20 m breit. Eine Via quintana (rückwärtige Lagerquerstraße) konnte nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden, wie auch generell die Retentura der weniger gründlich erforschte Teil des Lagers ist. Die Via sagularis (Lagerringstraße), die in der ersten Steinbauphase noch das gesamte Innere des Kastells umrundete, wurde in einer späteren, nicht näher datierbaren Reparaturphase, durch Annexe des Praetoriums (Kommandantenwohnhaus) eingeengt, sowie durch zwei neu errichtete Gebäude zwischen den vorderen Mannschaftsbaracken und der Praetorialfront vollständig überbaut (siehe auch weiter unten).Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 36–38 sowie Tafeln 3 und 4.

Principia 300px|mini|Principia des Kastells Buciumi (2012) mini|300px|Principia. Durchgang vom Atrium in die Basilika Die Principia (Stabsgebäude) befanden sich auf der Längsachse des Kastells und waren in ihrer Lage zu den Kastellseiten nahezu symmetrisch errichtet. Nur der Eingang ist um rund einen halben Meter aus der Symmetrie heraus nach Westen versetzt. Das Mauerwerk bestand aus einem Mix aus natürlichem Gestein und Backsteinen, die Breite der Fundamente belief sich auf 1,00 m bis 1,05 m, die Mächtigkeit des Aufgehenden auf 0,80 m. Es war noch bis zu einer Höhe von 0,40 m über dem rezenten Laufniveau erhalten. Vor den Principia verlief eine das gesamte Lager durchquerende, nur vor dem Eingang der Principia und vor den Portae principales in den Durchgangsbereichen der Via sagularis unterbrochene Mauer, die die Retentura von der Praetentura abtrennte. In ihrem Inneren gliederten sich die Principia in einen Atriumhof, der von zweiräumigen Raumfluchten flankiert war, an den sich die Basilika anschloss, die an ihrer Rückseite von einer Raumflucht mit insgesamt fünf Räumen abgeschlossen wurde.Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 38–40.

Praetorium Das Praetorium, das Wohnhaus des Kommandanten, befand sich zwischen den Principia und der Porta principalis dextra und war im Stil einer mediterranen Villa gestaltet. Mit seinen Abmessungen von 31,00 m mal 28,00 m (= 868 m²) nahm es 3,89 % der gesamten Kastellfläche in Anspruch. Zahlreiche kleinere und größere Räume umgaben ein Atrium im hinteren Teil des Gebäudekomplexes. Der Eingang befand sich offenbar an der Via principalis, wo eine Portikus das Gebäude von der Straße abtrennte.Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 40–42.

Horrea Zwei rechteckige Gebäude mit mächtigen Steinmauern im Latus sinistrum (linke Kastellhälfte) zwischen den Principia und der Porta principalis sinistra wurden aufgrund ihrer Architekturmerkmale und ihrer Positionierung als Horrea angesprochen. Das erste, näher an den Principia gelegene Gebäude, war 25,30 m mal 12,80 m groß, was einer Grundfläche von 324 m² entspricht, das zweite, nahe dem Seitentor gelegene hatte die Abmessungen von 26,00 m mal 13,00 m, entsprechend 338 m². Aufgrund von Pfostenlöchern vermutete Nicolae Gudea hölzerne Vorgängerbauten in demselben Bereich.Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 42–44.

Mannschaftsbaracken und sonstige Gebäude In der Praetentura wurden auf jeder Seite der Via praetoria zwei einfache und eine doppelte Mannschaftsbaracke identifiziert, also Unterkünfte für insgesamt acht Zenturien, womit die Praetentura alleine zur Unterbringung einer Cohors quingenaria (480 Mann starke Infanterieeinheit) ausgereicht hätte. Die Länge der Baracken belief sich durchschnittlich auf jeweils 50 Meter, wovon rund 40 Meter auf die Contuberniae (Mannschaftsstuben) und knapp zehn Meter auf die zur Via sagularis orientierten Kopfbauten der Zenturionen entfielen. Die Breite der einfachen Mannschaftsbaracken in der vorderen und hinteren Reihe belief sich auf neun Meter, während die mittleren Doppelbaracken 19 m breit waren. Die Funktion all dieser Gebäude als Mannschaftsbaracken ist jedoch nicht gänzlich gesichert. Eines der schmaleren Gebäude (B4) wurde auch als mögliche Stallung angesprochen, die beiden breiteren Gebäude (B2 und B5) wurden als potentielle Fabrica (Werkstätten) und Valetudinarium (Lazarett) in Betracht gezogen.Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 44–51.

Anfang des dritten Jahrhunderts wurden einige Änderungen an den Innenbauten des Kastells vorgenommen. Neben der Erweiterung des Praetoriums (siehe dort) wurden insbesondere zwei Neubauten (C1 und C2) über der Via sagularis, rechts und links der Porta praetoria errichtet. Die Größe der Gebäude belief sich auf 15 m mal 8 m (= 120 m²) beziehungsweise 28 m mal 7,50 m (= 210 m). Die Funktion der beiden Bauten ist unklar. Ausweislich von Münzfunden lassen sie sich auf die Zeit um das Jahr 220 datieren.Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 52.

Truppen

Epigraphisch sind eine ganze Reihe von Truppen in Buciumi belegt, dennoch ist die tatsächliche Stationierung und ihre Reihenfolge nicht gänzlich geklärt. Im Einzelnen konnten folgende Einheiten durch Ziegelstempel, Militärdiplome und sonstige Inschriften belegt werden: Cohors I Ulpia Brittonum oder Britannorum oder Britannica, die 1. Kohorte der Briten, mit dem Beinamen die Ulpische. Cohors I Augusta Ituraeorum, die 1. augusteische Kohorte (der Bogenschützen) aus Ituräa. Cohors II Augusta Nervia Pacensis milliaria Brittonum, die 2. augusteische Kohorte der Briten aus der Civitas Pacensis mit doppelter Stärke und dem Ehrennamen die Nervische. Cohors I Hispanorum, die 1. Kohorte der Spanier. Cohors I Flavia Ulpia Hispanorum, die 1. flavische Kohorte der Spanier.Epigraphik-Datenbank Clauss-Slaby.Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 52f.

Vicus und Kastellthermen Nordöstlich des Kastells erstreckte sich der Auxiliarvicus, dessen Bauwerke zum Teil mittels Bodenwiderstandsmessungen identifiziert werden konnten. Der Vicus war eine zivile Siedlung, die bei nahezu jedem römischen Militärlager anzutreffen ist und in der sich die Wohnquartiere der Angehörigen von Soldaten, der Veteranen, Handwerker, Händler, Schankwirte, Prostituierten und anderer Dienstleister befanden. Etwa 150 m ostsüdöstlich des Kastells, in der Flur „Fântânita Bentii“ wurden ebenfalls mittels geophysikalischer Methoden die Kastellthermen entdeckt.Nicolae Gudea: Der Dakische Limes. Materialien zu seiner Geschichte. In: Jahrbuch des Römisch Germanischen Zentralmuseums Mainz. 44, 2, 1997, S. 43, (Digitalisat).Ovidiu Ţentea und Britta Burkhardt: Baths on the Frontiers of Roman Dacia / Băile de pe frontierele Daciei romane. Bukarest 2017, S. 27f.

Limesverlauf