300px|mini|Kastell Resculum (2011) 300px|mini|Verlauf der dakischen Limites
Resculum war der antike Name des römischen Hilfstruppenlagers Kastell Bologa auf dem Gebiet des Dorfes Bologa in der Gemeinde Poieni, Kreis Cluj in der rumänischen Region Siebenbürgen. Gemeinsam mit insgesamt 277 Stätten des Dakischen Limes wurde Resculum 2024 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben.
Lage
Im heutigen Siedlungsbild befindet sich das Bodendenkmal östlich des Dorfes Bologa in einer Flur mit dem Namen „Cetate“ oder „Gradiste“. Das Gelände liegt außerhalb der modernen Siedlung und ist nicht überbaut. Die ehemalige Kastellumwehrung ist als Erdwall noch auf allen Seiten als zwei Meter hoher Erdwall im Gelände sichtbar. Topographisch liegt das ehemalige Militärlager auf einer Hochterrasse, einem herausgehobenen Lehmplateau über der Mündung des Baches Secuieu in den Cris. Die Kastellbesatzung sicherte den strategisch bedeutsamen nordwestlichen Teil des Limes Porolissensis in der Provinz Dacia Porolissensis. Sie kontrollierte den Durchgangsverkehr am nordwestlichen Limesabschnitt gegenüber dem Ciuceampass und sollte die Grenze gegen die westlich der römischen Provinzen siedelten Barbarenstämme verteidigen.Nicolae Gudea: Der Dakische Limes. Materialien zu seiner Geschichte. In: Jahrbuch des Römisch Germanischen Zentralmuseums Mainz. 44, 2, 1997, S. 39f., (Digitalisat).Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 26–36, hier S. 26.
Archäologische Befunde Archäologische Ausgrabungen fanden 1936 unter Mihail Macrea und 1967 bis 1976 unter der Leitung von Eugen Chirila und Nicolae Gudea statt. Dabei konnten drei Bauphasen differenziert werden.Nicolae Gudea: Der Dakische Limes. Materialien zu seiner Geschichte. In: Jahrbuch des Römisch Germanischen Zentralmuseums Mainz. 44, 2, 1997, S. 40, (Digitalisat).
Kleines Holz-Erde-Lager Das so genannte Kleine Holz-Erde-Lager war die früheste Form des Kastells Resculum. Es hatte einen rechteckigen Grundriss mit Maßen von 130 m mal 152 m, was einer Kastellfläche von 1,98 Hektar entspricht. Mit seinen Längsseiten war es nach Osten beziehungsweise Westen hin ausgerichtet. Als Umwehrung diente eine Holz-Erde-Mauer mit einer Breite von rund neun und einer Höhe von etwa zwei Metern. Vor der Mauer verliefen als Annäherungshindernisse zwei Gräben, die etwa acht Meter breit und anderthalb Meter tief waren. Die Errichtung des Kastells kann nicht genau datiert werden. Vermutlich wurde es zur Zeit des Trajan, während oder unmittelbar nach der Eroberung Dakiens erbaut.Nicolae Gudea: Der Dakische Limes. Materialien zu seiner Geschichte. In: Jahrbuch des Römisch Germanischen Zentralmuseums Mainz. 44, 2, 1997, S. 41, (Digitalisat)
Großes Holz-Erde-Lager Bald nach dem Jahr 110 wurden die Längsseiten des kleinen Holz-Erde-Lagers um rund 60 Meter nach Süden hin erweitert, so dass ein neues, größeres Kastell mit Achsmaßen von 130 m von 209 m entstand, was einer bebauten Grundfläche von 2,7 Hektar entsprach. Hierzu wurden die alte Südmauer abgebrochen, die Südgräben mit dem alten Baumaterial verfüllt, eine neue Holz-Erde-Mauer errichtet und davor zwei neue Gräben ausgehoben. Im Kastellinneren konnten nur die Lagerhauptstraßen, die Via praetoria und die Viae principales zweifelsfrei identifiziert werden. Die Datierung ergab sich durch die Funde von Fibeln des frühen ersten Jahrhunderts sowie eines Sesterz des Trajan aus den Jahren 108/110 in und unterhalb der neu erbauten Holz-Erde-Mauer.Nicolae Gudea: Der Dakische Limes. Materialien zu seiner Geschichte. In: Jahrbuch des Römisch Germanischen Zentralmuseums Mainz. 44, 2, 1997, S. 41f., (Digitalisat)Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 26–36, hier S. 27.
Steinkastell Das Steinkastell folgte der Orientierung der Holz-Erde-Lager. Mit seinen Abmessungen 122 m mal 213,50 m nahm es eine Gesamtfläche von 2,65 Hektar ein und war damit nur geringfügig kleiner als das vorausgehende Holz-Erde-Kastell. Die Wehrmauer mit ihren abgerundeten Ecken besaß eine Mächtigkeit von 1,80 m und war in der Technik des Opus incertum konstruiert. Vor der Mauer verliefen als Annäherungshindernis zwei Gräben, die vor der Porta praetoria (Haupttor, Ausfalltor) und der Porta decumana (rückwärtiges Tor) unterbrochen waren. Vor der Porta principalis sinistra (linkes Seitentor) hingegen wurde durch Auffüllung der Gräben ein ebenerdiger Zugang zum Kastell geschaffen. Die Mauerecken waren mit trapezförmigen Türmen (3,75 m / 4,50 m / 4,50 m / 5,50 m) bewehrt, die vier im Mittel 5,50 m breiten Kastelltore waren von nach außen vorspringenden, halbrunden Tortürmen flankiert, die unterschiedlich und individuell gestaltet wurden. Im Kastellinneren konnten verschiedene Gebäude lokalisiert und identifiziert werden.Nicolae Gudea: Der Dakische Limes. Materialien zu seiner Geschichte. In: Jahrbuch des Römisch Germanischen Zentralmuseums Mainz. 44, 2, 1997, S. 42, (Digitalisat)Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 26–36, hier S. 27f.
Innere Aufteilung und Kastellstraßen Die Praetentura (Vorderer Lagerteil) steht zur Retentura (rückwärtiger Lagerteil) in einem annähernden Verhältnis von 1:2 oder, anders ausgedrückt, die Achse der Viae Principales (Lagerquerstraßen) waren von 70 Meter von der nördlichen Praetorialfront aber 135 Meter von der südlichen, rückwärtigen Mauer entfernt. Auffällig ist eine Asymmetrie bezüglich der linken und der rechten Lagerhälfte. Die Via praetoria ist um gut zehn Meter aus der gedachten Mittelachse des Kastells nach Westen versetzt. Felix Marcu führt dies auf die Stationierung zweier verschiedener militärischer Einheiten zurück (siehe weiter unten). Auch die ungewöhnliche Größe des Praetoriums (Kommandantenwohnhaus) würde für die Anwesenheit zweier Kommandeure sprechen. Die Lagerstraßen wiesen, abhängig von ihrer Bedeutung, unterschiedliche Breiten auf. Die repräsentativen Via principalis (Lagerquerstraße) und die Via praetoria (Lagerhauptstraße) waren zehn beziehungsweise acht Meter breit, die Via decumana (rückwärtige Lagerstraße) kam noch auf sieben Meter während die Via sagularis (Lagerringstraße) eine Breite von lediglich drei bis vier Metern erreichte.
Principia Die Principia (Stabsgebäude) bedeckten mit ihren Abmessungen von 32,5 m mal 29,00 m eine Fläche von 942,5 m², was einem Anteil von 3,3 % der gesamten Kastellfläche entspricht. Sie lagen nicht in der Achse der Via praetoria und der Via decumana, sondern waren sieben bis acht Meter aus dieser heraus nach Osten versetzt, womit sie sich aber annähernd in einer gedachten Mittelachse des Kastells befanden. Nach Marcu ist dieser Umstand möglicherweise darauf zurückzuführen, dass sich der Standort der Principia in allen Kastellbauphasen an ein und demselben Platz befand und dieser den Erweiterungsmaßnahmen nicht mehr angepasst wurde. Die Mauerstärke des Bauwerks bewegte sich zwischen 0,90 m und 1,00 m. Der Innenhof maß 13,00 m mal 21,00 m (= 273 m²), womit er rund 30 % der Gesamtfläche der Principia in Anspruch nahm. Auf der westlichen und der östlichen Seite war er vermutlich von 3,50 m breiten Räumen flankiert, die möglicherweise mit Stylobaten vom Innenhof abgetrennt waren. Daran schloss sich eine annähernd 30 m mal 9 m (= 270 m²) große Basilika an. An der Ostseite wurde ein mögliches Tribunal mit einem Durchmesser von 3,50 m identifiziert. Analog zu anderen Kastellbasiliken kann ein weiteres Tribunal an der Westseite angenommen werden. Die vier oder fünf rückwärtigen Räume waren durch neuzeitlichen Steinraub zerstört, das Fahnenheiligtum (Aedes oder Sacellum) befand sich nicht in der Mittelachse der Principia, sondern war um zwei bis drei Meter nach Westen versetzt.Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 28–30.
Praetorium Das Praetorium, das Wohnhaus des Kommandanten befand sich vier Meter östlich der Principia und nahm mit seinen Maßen von 28,5 m mal 20;0 m eine Fläche von 570 m² in Anspruch, was zwei Prozent der gesamten Lagerfläche entspricht. Ursprünglich war das Gebäude in vier längliche Räume unterteilt, zu Beginn des dritten Jahrhunderts wurde es vermutlich nach Osten hin um einen Annex erweitert, der die Via sagularis (Lagerringstraße) auf der östlichen Kastellseite überdeckte. Zwei der vier Räume waren hypokaustiert und an ihrem südlichen Ende mit Apsiden versehen. Gudea vermutete aufgrund eines Inschriftenfundes zu Ehren der Nimphae Augustae (Nymphen der Kaiserin)Nicht in der Epigraphik-Datenbank Clauss-Slaby aufgeführt., dass sich eine kleine Thermenanlage im Praetorium befunden haben muss.Nicolae Gudea: Das Römergrenzkastell von Bologa-Resculum. Castruł roman de la Bologa-Resculum. In: Führer zu archäologischen Denkmälern in Dacia Porolissensis 1 / Ghid al monumentelor arheologice din Dacia Porolissensis , Zalau 1997, S. 39. Marcu hielt dem entgegen, dass die Nimphae Augustae nicht zwingend auf eine Badeanlage hinweisen müssten. Es könnte sich dabei auch um ein kleines Nymphäum oder einen einfachen Brunnen gehandelt haben.Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 30f.
Horrea Westlich der Principia wurden zwei Horrea (Speichergebäude) identifiziert. Das erste befand sich vier Meter neben den Principia und hatte eine Größe von 10 m mal 28,50 m (= 285 m²). Das Gebäude war in zwei Hälften geteilt und mit Stützpfeilern versehen, so dass sich das Gewicht des eingelagerten Getreides gleichmäßiger verteilen konnte. Auch bei dem zweiten Gebäude, noch einmal weitere vier Meter westlich in der Nähe der Porta principalis sinistra gelegen, handelt es sich um ein Doppelhorreum von 20,5 m Breite und 28,5 m Länge, das einem Bautyp entsprach, wie ihn Geoffrey Rickman in Caerhun (Canovium) und Ambleside dokumentiert hat.Geoffrey Rickman: Roman Granaries and Store Buildings. Cambridge University Press, Cambridge 1971, S. 226f. Bei diesem Typ von Horreum befindet sich ein Innenhof zwischen den Speicherkammern.Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 31f.
Mannschaftsbaracken und Pferdeställe Folgt man dem Übersichtsplan und der Beschreibung bei Nicolae Gudea, so hat das Kastell Resculum insgesamt 18 verschiedene Mannschaftsbaracken und Pferdeställe beherbergt, wobei anzumerken ist, dass bei einer solchen Belegung kein Platz mehr für beispielsweise eine Fabrica oder ein Valetudinarium geblieben wäre. Die als Baracken angesprochenen Gebäude im Latus sinistrum (linke Kastellhälfte) waren durchgängig nur 40/50 Meter lang, während die im Latus dextrum (rechte Kastellhälfte) eine Länge von 50/60 Metern aufwiesen. Die unterschiedlichen Längen sind der asymmetrischen Aufteilung des Kastellinneren geschuldet (siehe weiter oben). Hinsichtlich der Breiten und Aufteilungen gab es in den Dokumentationen von Nicolae Gudea jedoch einige Widersprüchlichkeiten, auf die Felix Marcu aufmerksam machte.Felix Marcu: The Internal Planning of Roman Forts of Dacia. (= Bibliotheca Mvsei Napocensis XXX), Mega Publishing House, Cluj-Napoca 2009, ISBN 978-606-543-058-7, S. 32f.
Truppen