Wilm ten Haaf (* 24. Februar 1915 als Wilhelm Schweimer in Emmerich; † 30. Juni 1995 in MünchenFriedhof Daglfing: Genaue Lebensdaten, Beisetzungsdatum und -ort, Angaben zur Ehefrau) war ein deutscher Regisseur und Drehbuchautor, ein Pionier des deutschen Fernsehens.
Leben und Schaffen Schweimer hatte Literatur studiert, ehe er 1936 als Regieassistent an die Volksbühne Berlin ging. Bereits 1938 nahm er an Fernsehversuchsendungen teil, kehrte aber in den Kriegsjahren an die Bühne zurück. Dort arbeitete Schweimer unter seinem Geburtsnamen als Regisseur wie als Schauspieler an den Stadttheatern von Krefeld, Bunzlau und Schweidnitz. Gleich nach Kriegsende nahm Wilhelm Schweimer das Pseudonym Wilm ten Haaf an und inszenierte Stücke am Stadttheater von Ingolstadt. 1946 gründete er ein Theater für junge Leute in Kitzingen. 1948 verpflichtete ihn der Bayerische Rundfunk (BR) für den Schulfunk. In der Folgezeit inszenierte ten Haaf eine Fülle von Hörspielen, darunter im Jahre 1966 für den SR auch einen Paul-Temple-Mehrteiler von Francis Durbridge, nämlich Paul Temple und der Fall Genf, in dem Franz Schafheitlin eine der Hauptrollen sprach.
Bereits 1950 debütierte ten Haaf hinter der Kamera als Kurzfilmregisseur. 1952, mit Beginn des Fernsehzeitalters nach dem Krieg, wurde er vom BR als Oberspielleiter eingestellt.Susanne Dengel, Clemens Zimmermann, Rainer Hudemann, Michael Kuderna: Medienlandschaft Saar: von 1945 bis in die Gegenwart. Band 1: Medien zwischen Demokratisierung und Kontrolle … Inhalte, Programme und Region (1955–2005). S. 230 Seit 1954 konzentrierte sich der Rheinländer ganz auf die Fernsehregie. Ten Haafs Spezialität wurden anfangs Literaturadaptionen, mit Beginn der 60er Jahre – unterbrochen durch drei enttäuschend ausgefallene Abstecher zum Kinofilm – führte er auch Regie bei Serien. Für die Tatort-Reihe inszenierte ten Haaf insgesamt sieben Folgen in zwölf Jahren.
Ten Haaf arbeitete seit 1957 freischaffend. Zeitweise lehrte er auch als Dozent an der Hochschule für Fernsehen und Film.
Seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof Daglfing, Sektion 3-2-14, wo er am 6. Juli 1995 beigesetzt worden ist. Seine Ehefrau Gitta (* 1919, bekannt als Rundfunk-Pianistin Gitta Schneider) verstarb am 3. Februar 2005 und ist ebenfalls in der Gruft bestattet worden.
Filmografie
Regie bei Fernsehfilmen, wenn nicht anders angegeben 1954: Gärtnerin aus Liebe 1954: Fräulein Julie 1955: Madame Aurélie 1955: Marius 1955: Der Schwarzkünstler 1955: Ein Weihnachtslied in Prosa 1956: Der Mörder kommt um elf 1956: Die Tochter des Brunnenmachers 1956: Wo war David Preston? 1957: Ein Fremder kam ins Haus 1957: Der Herr im ersten Stock 1958: Schwester Bonaventura (auch Drehbuch) 1958: Du gehörst mir (Kinofilm) 1959: Sehnsucht hat mich verführt (Kinofilm) 1959: Lockvogel der Nacht (Kinofilm) 1960: Eine Geschichte aus Soho – Instinkt ist alles 1960: Bezaubernde Julia 1960: Gaslicht (auch Drehbuch) 1960: Es geschah an der Grenze (Serie) 1961: Schwarzwaldmädel 1961: Der Mann von draußen 1961: Der Mann von drüben 1962: Die Glocken von London 1963: Feuer lodern überall 1963: Dr. Joanna Marlowe 1964: Bis ans Ende 1964: Asmodée 1964: Der Aussichtsturm 1965: Der Parasit 1965: Im Schatten des Berges 1965: Mariana Pineda 1965: Das ist Stern schnuppe (Serie) 1966: Judith (auch Drehbuch) 1966: Spielplatz (auch Drehbuch) 1966: Der Mann aus Melbourne 1966: Ein Tag ohne Morgen 1967: Stine 1967: Die Rolle seines Lebens (auch Drehbuch) 1967: Der Kaktusgarten 1968: Napoleon in New Orleans 1968: Ostern 1968: Die Benachrichtigung 1969: Vom Teufel geholt 1969: In einem Monat, in einem Jahr (auch Drehbuch) 1970: Die vierzig Irrtümer des Herodes 1970: Der Bettelstudent (auch Drehbuch) 1971: Wölfe und Schafe 1973: Die Kriminalerzählung 1973–86: Tatort (sieben Folgen der Krimireihe) 1974: Die Fälle des Herrn Konstantin (Serie) 1974: Strategen der Liebe 1975: Ein Fall für Männdli – (Serie, 7 Folgen) 1975: Das Haus der Krokodile (Kinderserie) (auch Drehbuch) 1976: Der G’wissenswurm (auch Drehbuch) 1977: Brennendes Geheimnis (auch Drehbuch) 1977: Mr. Carlis und seine abenteuerlichen Geschichten (Fernsehserie) 1978: Eisbären 1978: Eine seltsame Bescherung 1979: Die wilde Flamme (auch Drehbuch) 1979: Die Geisterbehörde 1979: Der Wald (auch Drehbuch) 1981: Alberta und Alice oder Die Unterwerfung 1981: Tatort: Usambaraveilchen 1983: Der Tunnel 1984: Kornelia (auch Drehbuch)nach dem Schauspiel Clic-clac von Jaroslav Abramov-Newerly. Produziert für ARD durch Bayerischer Rundfunk 1986: Tatort: Automord 1987: Drohung bei Mondlicht 1987: Robert Bosch 1987: Der Mann aus dem Gästezimmer 1990: „...die Post ist da!“ 1991: Deutschlands Weg zur Industrienation – Franz Josef Popp 1991: Bilder machen Leute 1993: Die Kartenlegerin
Theater Cornelia, UA, 15. August 1972, Dienstag, 20:00, Theater Augsburg, Oper von Rafael KubelíkKulturreferat der Stadt Augsburg (Hrsg.): Augsburger Kulturnachrichten, August 1972, S. 4
Hörspiele (Auswahl) 1949: Bracke; BR 1950: Das Zauberbett; HR/BR 1950: Günter Eich: Geh nicht nach El Kuwehd oder Der zweifache Tod des Kaufmann Mohallab; BR/Radio Saarbrücken 1950: Der schlecht gefesselte Prometheus; RB 1950: Ein Weihnachtslied (Christmas Carol); Radio Saarbrücken 1951: Romeo und Jeanette; Radio Saarbrücken 1951: Aschenputtel; Radio Saarbrücken 1951: Don Quijote; Radio Saarbrücken 1951: Geschiedene Leute; Radio Saarbrücken 1951: Züge ans Meer; SDR 1951: Der Nachmittag eines Fauns; BR 1951: Die geliebte Stimme; Radio Saarbrücken 1951: Die Erzählung des letzten Hirten; Radio Saarbrücken 1952: Ich will einen Roman schreiben; Radio Saarbrücken 1952: Leonce und Lena; Radio Saarbrücken 1952: Die Dämonen; Radio Saarbrücken 1952: Flammen unter Montclair; Radio Saarbrücken 1952: Oberst Chabert; Radio Saarbrücken 1952: Das Spiel von den Heiligen Drei Königen – Autor: Felix Timmermans; Radio Saarbrücken 1953: Ich bin kein Casanova; Radio Saarbrücken 1955: Leonce und Lena; Radio Saarbrücken 1959: Praterveilchen; HR 1962: Philip Levene: Terra Incognita; BR 1962: Die Dame Don Juan; SWF 1964: Francis Durbridge: Nur über meine Leiche (Kriminalhörspiel – SR) 1966: Der Mazarin Stein; SR 1966: Das Geheimabkommen; SR 1966: Paul Temple und der Fall Genf; SR 1978: Sie werden nichts von mir hören; BR 1981: Wovon man nicht sprechen kann; SR 1981: Clic-Clac; SR 1988: Vier linke Hände; BR
Literatur Egon Netenjakob: TV-Filmlexikon. Regisseure, Autoren, Dramaturgen 1952-1992. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1994. S. 154 ff., ISBN 3-596-11947-2 Susanne Dengel, Clemens Zimmermann, Rainer Hudemann, Michael Kuderna: Medienlandschaft Saar: von 1945 bis in die Gegenwart. Band 1: Medien zwischen Demokratisierung und Kontrolle (1945-1955). Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2010, ISBN 978-3-486-59170-5
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