mini|Herrenhaus Bernstorf (2023) miniatur|hochkant|Relief mit Reiterstandbild Heinrichs des Löwen Das Herrenhaus Bernstorf, auch als Schloss Bernstorf bezeichnet, ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in Bernstorf im Landkreis Nordwestmecklenburg (Mecklenburg-Vorpommern).
Geschichte Wo die Herren von Bernstorff ihren Ursprung hatten, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass sie im frühen 12. Jahrhundert nach Mecklenburg gelangt sind. 1237 wurde erstmals ein Ort Bernstorf bei Grevesmühlen urkundlich erwähnt. Da es sich um ein junges Dorf gehandelt hatte, darf daraus geschlossen werden, dass Bernhards Dorf um 1230 entstanden ist. So geht der Name auf die Familie von Bernstorff zurück, die seit dem 13. Jahrhundert das Gut Bernardestorp besaß. Es gehörte aber nicht zum Stammsitz der Bernstorff.Eckardt Opitz: Die Bernstorffs. Eine europäische Familie. Heide 2001, ISBN 3-8042-0992-0, S. 9–10.
Der letzte Eigentümer des Gutes bis 1945 war der Kammerherr Hermann von Bernsdorff (1867–1946) auf Wedendorf,Hospiz Schloss Bernstorf - Geschichte des Hauses Zu den Daten Hermanns http://www.vonbernstorff.net/ahnen-suche der das Herrenhaus Bernstorff von 1933 bis 1945 bewohnte. Danach wurde das Gut enteignet und hatte eine vielfältige Nutzung erfahren. Herrenhaus Der aufwändige zweigeschossige Neorenaissancebau wurde von 1877 bis 1880 nach Plänen von Georg Daniel in den Formen der niederländischen Renaissance, man könnte auch Weserrenaissance sagen, errichtet. Backstein für den Grundbau und Sandstein für alle architektonischen Details sorgen für ein höchst abwechslungsreiches Erscheinungsbild, das durch den hohen Turm, einst mit welscher Haube, und die Giebel besonders gekennzeichnet ist.Horst Ende: Georg Daniel als Architekt und Denkmalpfleger in Mecklenburg. Vortrag am 11. Februar 2004 zu seinem 175. Geburtstag im Landesamt für Denkmalpflege Schwerin.
An den Längsseiten wurde der rechteckige Mittelbau durch vorspringende Seitenrisalite verbreitert. Der flache Mittelrisalit und die Seitenrisalite sind mit hohen Volutengiebeln ausgestattet. Die Gliederung erfolgte mit gelben Backsteinen und in Sandstein.Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Mecklenburg-Vorpommern, Deutscher Kunstverlag, Neubearbeitung, München/Berlin 2000, ISBN 3-422-03081-6, S. 66–67. Der hellere Backstein wurde in diesem Jahrzehnt besonders bei Bauten in der Stadt und im Raum um Wismar angewendet. An der Nordostseite erhebt sich ein Turm über achteckigem Grundriss, von dem nur der Schaft und das Traufgesims erhalten sind. Die ehemalige Bekrönung wurde abgetragen. Die Fenstereinfassungen und architektonischen Gliederungen sind in gelbem Backstein gehalten. Im nordöstlichen Giebelaufsatz wird durch ein aufwendiges Relief mit einer Darstellung des Sachsenherzogs Heinrichs des Löwen die hochadelige Herkunft des Bauherren zusätzlich unterstrichen und weist auf familiengeschichtliche Zusammenhänge hin. Die Inschrift lautet: AD HENRICUS LEO 1167 Fürchte Gott, Scheue Niemand.
Das Bernstorfer Herrenhaus darf als künstlerisch hervorragendes Bauwerk angesehen werden, das es mit seiner Fassadengestaltung in Mecklenburg so nur noch im Kloster Dobbertin gibt. Den dortigen Fassadengiebel am Klausurgebäude hatte Georg Daniel 1885 als Verschönerungsauftrag beim Durchbau des sogenannten Dominahauses erhalten. Der dortige nördliche Schmuckgiebel wurde aufwändiger und mit filigranen Sandsteinelementen verziert. Zu dieser Zeit war im Kloster Dobbertin ein Christian Hugo Graf von Bernstorff der Klosterhauptmann.
Südwestlich des Herrenhauses steht der Sühnestein von Bernstorf aus dem Jahre 1359.
Weitere Nutzung Das ehemalige Herrenhaus wurde ab 2012 umfassend und denkmalgerecht saniert und Ende April 2014 mit neuer Nutzung als Hospiz eröffnet. , Meldung des Landkreises Nordwestmecklenburg vom 29. April 2014, abgerufen am 14. Juni 2014
Literatur Georg Dehio, bearbeitet von Hans-Christian Feldmann, Gerd Baier, Dietlinde Brugmann, Antje Heling, Barbara Rimpel: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Mecklenburg-Vorpommern. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2000, ISBN 3-422-03081-6, S. 66–67. Gerd Baier, Horst Ende, Brigitte Oltmanns, Gesamtredaktion Heinrich Trost: Die Bau- und Kunstdenkmale in der mecklenburgischen Küstenregion mit den Städten Rostock und Wismar. Henschel Verlag GmbH Berlin 1990, ISBN 3-362-00523-3. Werner Graf von Bernstorff: Die Herren und Grafen von Bernstorff. Eine Familiengeschichte (Privatdruck), Celle 1982. Eckart Conze: Von deutschem Adel. Die Grafen von Bernstorff im zwanzigsten Jahrhundert. Stuttgart, München 2000.
Weblinks
Beschreibung Website Hospiz Schloss Bernstorf
Quellen Ungedruckte Quellen Landeshauptarchiv Schwerin (LHAS) LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3.2 Geschäftsführung, Amtsprotokolle. LHAS 5.12-3/1 Mecklenburg-Schwerinsches Ministerium des Innern. Nr. 4669 Landgemeinde Bernstorf 1921–1948. LHAS 5.12-4/3 Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Abt. Siedlungsamt. Nr. 2001 Ritterschaftliches Landgut Bernstorf 1934–1949. LHAS 5.12-9/7 Landratsamt Schönberg. Nr. 3139 Beschwerde des Grafen von Bernstorff auf Bernstorf über Bezirksschornsteinfegermeister Heinrich Möller aus Rehna 1936–1937. Nr. 3191, 3192 Bauten auf dem Gut Bernstorf 1933–1949. LHAS 9.1-1 Reichskammergericht. Prozeßakten 1495–1806. LHAS 10.9 H/08 Personalnachlass Hildebrandt, Friedrich. Nr. 6 Reden von Friedrich Hildebrandt, Auseinandersetzungen mit dem Grafen von Bernstorff und Hardenberg am 9. Juli 1935.
Stadtarchiv Wismar Prozessakten des Tribunals 1653–1803. Nr. 459 Kammerjunker von Bernstorff auf Bernstorf 1765.
Einzelnachweise
Kategorie:Baudenkmal in Bernstorf Kategorie:Erbaut in den 1880er Jahren Kategorie:Backsteinrenaissance Bernstorf Kategorie:Backsteinbauwerk des Historismus in Mecklenburg-Vorpommern Kategorie:Hospiz in Deutschland Kategorie:Organisation (Landkreis Nordwestmecklenburg) Kategorie:Bauwerk in Bernstorf Kategorie:Bauwerk des Adelsgeschlechts Bernstorff