mini|Prinz Adalbert von Preußen (Stahlstich) mini|Denkmal des Prinzen Adalbert in Wilhelmshaven Heinrich Wilhelm Adalbert Prinz von Preußen (* 29. Oktober 1811 in Berlin; † 6. Juni 1873 in Karlsbad) war ein deutscher Admiral. Er galt als Experte für Marine-Angelegenheiten und trat in verschiedenen Marinen als Berater auf.

Leben bis 1848 Adalbert war ein Sohn der Prinzessin Marianne und des Prinzen Wilhelm, jüngster Bruders König Friedrich Wilhelms III.

Er trat in die Preußische Armee ein und diente bei der Artillerie. Mehrere Reisen führten ihn zwischen 1826 und 1842 in die Niederlande, nach Großbritannien, Russland, in die Türkei, nach Griechenland und nach Brasilien.

Prinz Adalbert entwickelte schon in jungen Jahren Interesse an Marinefragen und erkannte während seiner vielen Seereisen, welche Bedeutung Seestreitkräfte für eine moderne Handels- und Industrienation haben.Gerhard Wiechmann: Die preußisch-deutsche Marine in Lateinamerika 1866–1914, eine Studie deutscher Kanonenbootpolitik. Dissertation, Oldenburg, 2000. H.M. Hauschild, Bremen 2002, ISBN 3-89757-142-0, Kap. 2, S. 24 ff.; bis.uni-oldenburg.de Er befasste sich eingehend mit der Theorie des Seekriegs und schrieb 1835/36 einen ersten Plan zum Aufbau einer preußischen Flotte. Preußen besaß zu dieser Zeit als kontinental orientierte Landmacht praktisch keine eigene Marine, sondern verließ sich auf die verbündeten Mächte Großbritannien, Niederlande und Dänemark. Während des Schleswig-Holsteinischen Krieges (1848–1851) zeigte sich das Scheitern dieser Strategie, weil Großbritannien und die Niederlande neutral blieben und Dänemark Kriegsgegner wurde. Innerhalb weniger Tage brachte die dänische Marine den deutschen Seehandel in Nord- und Ostsee zum Erliegen.

Nach dem Tode des Prinzen August von Preußen im Juli 1843 wurde Prinz Adalbert als dessen Nachfolger Generalinspekteur der ArtillerieRang- und Quartierliste der Königlich Preußischen Armee für das Jahr 1844. und blieb in dieser Position bis 1854.Köhler: Aufstieg der Artillerie. München 1938.

Die Reichsflotte 1848 bis 1852 Die Frankfurter Nationalversammlung beschloss mit „einer an Stimmeneinhelligkeit grenzenden Majorität“, eine eigene deutsche Reichsflotte aufzustellen, und Prinz Adalbert die Leitung der „Technischen Marinekommission“ zu übertragen. Der legte seine Vorstellungen in einer „Denkschrift über die Bildung einer deutschen Flotte“ (Potsdam 1848) vor. In dieser bis heute beachteten seestrategischen Schrift unterscheidet er drei Arten von Flotten: Eine Kriegsmarine zur rein defensiven Küstenverteidigung, eine solche zur offensiven Verteidigung und zum notwendigsten Schutz des Handels oder eine selbstständige Seemacht

Adalbert selber trat für die mittlere Lösung ein, weil sie die großen Seemächte nicht provoziere, der deutschen Marine aber einen bedeutenden Bündniswert verschaffe. Im Februar 1849 legte Adalbert sein Amt bei der Reichsflotte nieder und verfolgte daraufhin aktiv den Aufbau einer Preußischen Marine.

Preußische Marine ab 1852 mini|Feierliche Übernahme des Jadegebiets durch den Prinzen Adalbert von Preußen Nach dem Scheitern der Revolution drängte er 1852 darauf, dass Preußen an der Nordsee einen Marinestützpunkt errichten müsse. Er veranlasste die im Jade-Vertrag vom 20. Juli 1853 zwischen Preußen und dem Großherzogtum Oldenburg vereinbarte Abtretung eines Gebiets am Westufer der Innenjade und am Nordwestufer des Jadebusens. Die feierliche Übernahme des Jadegebiets erfolgte in Anwesenheit des Prinzen Adalbert von Preußen am 23. November 1854. In den nachfolgenden Jahren entstanden der Marinestützpunkt und die Stadt Wilhelmshaven.

Am 30. März 1854 wurde Prinz Adalbert zum Admiral der preußischen Küsten und Oberbefehlshaber der Marine ernannt. Bei einer Ausbildungsreise preußischer Kriegsschiffe im Sommer 1856 wurde sein Schiff bei einer Besichtigung der Rif-Küste in Marokko von Piraten der Rifkabylen beschossen. Daraufhin befahl er ein Landungsunternehmen und leitete es selbst. Bei einem heftigen Gefecht fielen sieben seiner Männer, er selbst erhielt einen Oberschenkeldurchschuss. Dieses Unternehmen wurde unter der Bezeichnung Gefecht von Tres Forcas bekannt.

Aufgrund seiner in Preußen als zu ehrgeizig empfundenen Marinepläne wurde Adalbert ab 1858 Schritt für Schritt entmachtet, und die Marine kam 1861 unter die Kontrolle des vom Heer dominierten Kriegsministeriums.

Während des Deutsch-Dänischen Krieges 1864 befehligte Adalbert das Ostseegeschwader, ohne damit aktiv in den Krieg eingreifen zu können. Danach übernahm er den Oberbefehl über die Marine des Norddeutschen Bundes.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) zog sich der oft als Prinz-Admiral titulierte Adalbert aus der Leitung der nunmehr Kaiserlichen Marine zurück und starb zwei Jahre später an einem Leberleiden. Die Beisetzungsfeier fand im Berliner Dom statt.

Familie Adalbert war seit dem 20. April 1850 mit der Tänzerin Therese Elßler in morganatischer Ehe verheiratet, die am 2. Juni 1857 durch König Friedrich Wilhelm IV. als „Freifrau von Barnim“ in den preußischen Adelsstand erhoben wurde. Sein einziger Sohn Adalbert von Barnim (1841–1860) starb bei einer Nilexpedition.

Ehrungen Orden 1823: Ritter des Schwarzen Adlerordens.Rudolf von Stillfried-Rattonitz (Hrsg.): Liste der Ritter des Königlich Preußischen hohen Ordens vom Schwarzen Adler. Decker, Berlin 1851, S. 18, Nr. 161 (Digitalisat). 1832: Guelphen-Orden des Königreichs Hannover.Hof- und Staats-Handbuch für das Königreich Hannover auf das Jahr 1845. Berenberg, Hannover , S. 57 (Digitalisat). 1842: Ritter des Ordens vom Kreuz des Südens 1846: Königlicher Hausorden von Hohenzollern.Louis Schneider: Die preussischen Orden, Ehrenzeichen und Auszeichnungen. Geschichtlich, Bildlich, Statistisch. Band 7: Der unter die Königlich Preußischen Orden aufgenommene Fürstliche Haus-Orden von Hohenzollern. Duncker, Berlin 1869, S. 5 (Digitalisat). 1850: Großkreuz des Hausordens vom Goldenen Löwen des Kurfürstentums Hessen.Allgemeine Zeitung. (Augsburg), 8. Juni 1850, Nr. 159, S. 2542, unter Personal-Nachrichten; . 1856: Schwerter zum Roten Adlerorden.Trauer in dem Königlichen Hause. In: Provinzial-Correspondenz. 11. Juni 1873, Jg. 11, Nr. 24, S. (1) f., S. (2) (Digitalisat). 1866: Pour le Mérite. 1871: Eisernes Kreuz I. Klasse.

mini|Wassertor der Marineschule Mürwik mit dem hölzernen Standbild des Prinzen Adalbert von Preußen im Torbogen (2007)

Schiffe Nach Prinz Adalbert waren drei Kriegsschiffe benannt: Das Widderschiff Prinz Adalbert der preußischen Marine von 1864, die Kreuzerfregatte der Kaiserlichen Marine Prinz Adalbert von 1876, der Große Kreuzer der Kaiserlichen Marine Prinz Adalbert von 1901.

Straßen und Plätze Seit dem 21. Januar 1847 ist in den Berliner Bezirken Mitte und Kreuzberg die Adalbertstraße nach ihm benannt. (siehe auch: Adalbertbrücke) In Wilhelmshaven sind die Adalbertstraße und der Adalbertplatz nach ihm benannt. Im Stadtteil Wik der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel ist die Adalbertstraße im sogenannten Marinequartier nach ihm benannt.

Denkmäler Bronzestandbild nach dem Entwurf des Bildhauers Karl Schuler auf dem Adalbertplatz in Wilhelmshaven, enthüllt am 16. September 1882. Hölzernes Denkmal im Wassertor beim Bootshafen der Marineschule Mürwik stehend, mit Blickrichtung zur Flensburger Förde.

Literatur Jann M. Witt: Gründer der deutschen Marine – Prinz Adalbert von Preußen. In: Schiff Classic. Magazin für Schifffahrts- und Marinegeschichte e. V. der DGSM, Ausgabe: 3/2021, S. 36–41. Frank Ganseuer: Prinz Adalbert von Preußen – Erfinder der deutschen Marine. In: Schiff & Zeit. Herausgeber der DGSM, Ausgabe: 118-20201, S. 9–17.

Adolph Kohut: Prinz-Admiral Adalbert von Preußen und die deutsche Flotte. Bilder aus dem Leben und Wirken des ersten deutschen Admirals. Volks- u. Jugendschriften-Verlag, Leipzig 1913. (=Neue illustrierte Volks- und Jugendschriften-Sammlung hrsg. von der Zentral-Prüfungskommission des Neuen Preußischen Lehrervereins 3)

Deutsches Marine-Institut (Hrsg.), Jörg Duppler: Prinz Adalbert von Preussen. Gründer der deutschen Marine. Mittler, Herford u. a. 1986, ISBN 3-8132-0249-6.

Weblinks

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