mini|Großer Berlin 8: 16 Stolpersteine für ermordete Juden aus Halle (Saale) Die Liste der Stolpersteine in Halle (Saale) enthält alle Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Kunst-Projekts von Gunter Demnig in Halle (Saale) verlegt wurden. Mit ihnen soll Opfern des Nationalsozialismus gedacht werden, die in Halle lebten und wirkten. Bis April 2026 wurden insgesamt 330 Steine an 142 Adressen verlegt; weitere Steine sind in Planung.

Hintergrund Verlegungen Die Stadt Halle beteiligt sich seit 2003 an dem Stolperstein-Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Die Gesamtleitung liegt bei dem Verein „Zeit-Geschichte(n) e. V.“ Die Verlegung der Steine wird ausschließlich über Spenden finanziert.. Abgerufen am 7. Oktober 2013. Die ersten Verlegungen fanden am 6. und 7. Mai 2004 statt, seitdem folgten mindestens ein Mal pro Jahr weitere Steine.

Zu den mit Stolpersteinen geehrten Personen gehören Juden bzw. Personen jüdischer Abstammung, Sinti, Zeugen Jehovas, Reformadventisten, Opfer der Aktionen 14f13 und T4 sowie wegen ihrer politischen Überzeugung oder ihrer sexuellen Orientierung verfolgte Personen, die in Halle ihre Wohn- oder Wirkungsstätte hatten. Verfolgte Personen, die die Zeit des Nationalsozialismus überlebten, wurden nur in Ausnahmefällen berücksichtigt. Die Stolpersteine wurden größtenteils vor dem letzten aus freien Stücken gewählten Wohnhaus der betreffenden Personen verlegt.

Wiederholt wurden Stolpersteine gestohlen, zuletzt im Oktober 2024.

Begleitende Projekte Zwischen 2012 und 2013 entstanden auf Initiative der in Salzburg ansässigen Radiofabrik 107,5 die ersten Hörstolpersteine. Hieran beteiligten sich fünf weitere unabhängige Radiostationen in Erfurt, Hamburg, Nürnberg, Linz und Halle. Radio Corax produzierte dabei zehn Beiträge zu Stolpersteinen in Halle und Umgebung sowie zwei längere Sonderbeiträge. Alle Sendungen erschienen als Radiobeiträge und sind auch im Internet abrufbar.

Seit 2013 existiert das Projekt „Stolpersteine – Filme gegen das Vergessen“, eine Filmreihe des Masterstudiengangs MultiMedia & Autorschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Bis 2018 entstanden dabei 17 Beiträge unterschiedlicher Länge über die Stolpersteine in Halle und die damit geehrten Personen.. Abgerufen am 24. März 2018. Alle Beiträge sind über einen YouTube-Kanal abrufbar.„Stolpersteine – Filme gegen das Vergessen“. In: youbube.com. Abgerufen am 24. März 2018.

Jährlich finden zum Gedenken an die Novemberpogrome 1938 an ausgewählten Stolpersteinen Mahnwachen und Putzaktionen statt.

Liste der Stolpersteine

Verlegte Stolpersteine Navigation Straßennamen: A – B – C – D – E – F – G – H – K – L – M – N – P – R – S – T – U – W Adresse Verlege- datum Person Inschrift Bild Bild des Hauses Adolf-von-Harnack-Straße 9 (ehemals Blumenthalstraße) (1862–1942) Elise Salomon und ihre beiden Schwestern Franziska und Margarethe stammten aus Halle. Ihre beiden Brüder Oskar und Paul besuchten als erste Juden das hallische Stadtgymnasium. Oskar Salomon wurde später Facharzt, Paul Salomon Direktor der Dresdner Bank in Hamburg.Salomon, Franziska. Gedenkbuch Halle; abgerufen am 7. Oktober 2013.Stolpersteine in Hamburg – Paul Salomon. Abgerufen am 7. Oktober 2013. Elise Salomon blieb unverheiratet und bezog mit ihren Schwestern eine gemeinsame Wohnung in der damaligen Blumenthalstraße 9. Nach dem Erlass der Nürnberger Gesetze war es ihnen nicht mehr gestattet, mit „Ariern“ unter einem Dach zu wohnen. Sie zogen daraufhin zwangsweise in ein „Judenhaus“ in der Hindenburgstraße 13 (heute Magdeburger Straße). Am 1. Dezember 1941 mussten sie in ein vermeintliches Altersheim in der Boelckestraße 24 (heute Dessauer Straße) umziehen. Am 19. September 1942 sollten sie ins KZ Theresienstadt deportiert werden. Dem versuchten sie durch gemeinsamen Suizid zuvorzukommen. Elise Salomon starb am 17. September. Hier wohnte ELISE SALOMON Jg. 1862 vor Deportation Flucht in den Tod 16.9.1942 120px|Elise Salomon 120px|Adolf-von-Harnack-Straße 9 (1861–1944) Franziska Salomon war unverheiratet und lebte mit ihren Schwestern zunächst in der gemeinsamen Wohnung in der Blumenthalstraße 9, später zwangsweise im „Judenhaus“ in der Hindenburgstraße 13 (heute Magdeburger Straße). Der angeordneten Deportation ins Ghetto Theresienstadt am 19. September 1942 versuchten die Schwestern durch gemeinsamen Suizid zuvorzukommen. Franziska Salomon überlebte aber ihren Suizidversuch und starb am 31. März 1944 in Theresienstadt. Hier wohnte FRANZISKA SALOMON Jg. 1861 deportiert 27.2.1937 Theresienstadt tot 31.3.1944 120px|Franziska Salomon (1870–1942) Auch Margarethe Salomon, die jüngste der drei Schwestern blieb unverheiratet. Sie lebte mit ihren Schwestern zunächst in der gemeinsamen Wohnung und später zwangsweise im „Judenhaus“ in der Hindenburgstraße 13 (heute Magdeburger Straße). Der Deportation ins Ghetto Theresienstadt entzog sie sich am 16. September 1942 durch Suizid. Hier wohnte MARGARETHE SALOMON Jg. 1870 vor Deportation Flucht in den Tod 17.9.1942 120px|Margarethe Salomon Adolf-von-Harnack-Straße 13 (ehemals Blumenthalstraße) (1883–1942) Martin Sachs war gebürtiger Hallenser und arbeitete in seiner Heimatstadt als Einzelkaufmann in einer Hemdenfabrik. Im Ersten Weltkrieg diente er als Soldat. Er war verheiratet mit Paula Sachs geb. Marcus. 1922 kam der gemeinsame Sohn Rudolf zur Welt. Im November 1938 wurden Martin und Rudolf Sachs im KZ Buchenwald interniert, später aber wieder entlassen. Rudolf Sachs konnte mit einem Kindertransport nach England auswandern und übersiedelte später in die Vereinigten Staaten. Seinen Eltern gelang die Flucht aus Deutschland hingegen nicht. Martin Sachs wurde am 1. Juni 1942 deportiert und zwei Tage später im Vernichtungslager Sobibor ermordet.Sachs, Martin. Gedenkbuch Halle; abgerufen am 7. November 2015. Hier wohnte MARTIN SACHS Jg. 1883 deportiert 1.6.1942 Sobibor ermordet 3.6.1942120px|Martin Sachs 120px|Adolf-von-Harnack-Straße 13 geb. Marcus (1894–1942) Paula Sachs stammte aus Allenstein. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Martin wurde sie am 1. Juni 1942 deportiert und zwei Tage später im Vernichtungslager Sobibor ermordet.Sachs, Paula. Gedenkbuch Halle; abgerufen am 7. November 2015. Hier wohnte PAULA SACHS geb. Marcus Jg. 1894 deportiert 1.6.1942 Sobibor ermordet 3.6.1942120px|Paula Sachs geb. Marcus Adolf-von-Harnack-Straße 18 (ehemals Blumenthalstraße) /26. Okt. 2004 (1876–1942) Paul Bauchwitz stammte aus SangerhausenBauchwitz, Paul. Gedenkbuch Halle; abgerufen am 7. Oktober 2013. und leitete in Halle einen Textilwaren-Großhandel am Hansering 9/10. Er wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten enteignet und zur Zwangsarbeit verpflichtet. Am 1. Juni 1942 wurden er und seine Frau deportiert und am 3. Juni im Vernichtungslager Sobibor ermordet. Ihre beiden Kinder Peter und Rita emigrierten in die Vereinigten Staaten. Pauls Bruder Kurt (siehe Große Ulrichstraße 2) wurde ebenfalls ermordet, seine Ehefrau beging Suizid. Hier wohnte PAUL BAUCHWITZ Jg. 1876 deportiert 1942 Sobibor ermordet 3.6.1942 120px|Paul Bauchwitz 120px|Adolph-von-Harnack-Straße 18 geb. Meyer (1888–1942) Regina Bauchwitz geb. Meyer stammte aus LabesBauchwitz, Regina. Gedenkbuch Halle; abgerufen am 7. Oktober 2013. und arbeitete im Geschäft ihres Mannes. Am 1. Juni 1942 wurde sie gemeinsam mit ihm deportiert und am 3. Juni im Vernichtungslager Sobibor ermordet. Hier wohnte REGINA BAUCHWITZ geb. Meyer Jg. 1888 deportiert 1942 Sobibor ermordet 3.6.1942 120px|Regina Bauchwitz geb. Meyer (1891–1938) Willy Katz war ein aus Halle stammender Kaufmann.Katz, Willy. Gedenkbuch Halle; abgerufen am 7. Oktober 2013. Nach der Reichspogromnacht wurde er am 10. November 1938 verhaftet und ins KZ Sachsenhausen verbracht. Nach vier Wochen konnte er nach Halle zurückkehren, erlag jedoch am 25. Dezember seinen Misshandlungen. Seine Kinder Ruth und Manfred überlebten ihre Gefangenschaft im Ghetto Theresienstadt und emigrierten später nach Israel. Hier wohnte WILLI KATZ Jg. 1891 verhaftet 1938 Sachsenhausen tot nach Haft 25.12.1938 120px|Willy Katz geb. Ellefsen (1892–1982) Hier wohnte GERTRUD KATZ geb. Ellefsen Jg. 1892 ausgegrenzt/drangsaliert 120px|Gertrud Katz (1922–1989) Hier wohnte RUTH KATZ verh. Rottenberg Jg. 1922 Zwangsarbeit Alten- und Siechenheim deportiert 1945 Theresienstadt befreit 120px|Ruth Katz (1928–2018) Hier wohnte MANFRED KATZ Jg. 1928 Zwangsarbeit Jüdischer Friedhof deportiert 1945 Theresienstadt befreit 120px|Manfred Katz Albert-Schweitzer-Straße 54 (ehemals Zeppelinstraße) (1878–1942) Albert Müller stammte aus Halle und arbeitete hier als Rechtsanwalt und Notar. Im Ersten Weltkrieg hatte er ein Bein verloren. Im November 1911 heiratete er Else geb. Baer. Aus der Ehe gingen ein Sohn und eine Tochter hervor. Das Ehepaar besaß eine Wohnung in der Zeppelinstraße 54 (heute Albert-Schweitzer-Straße). Albert Müller wurde 1939 zur Zwangsarbeit verpflichtet. Am 1. Juni 1942 wurden er und seine Frau deportiert und zwei Tage später im Vernichtungslager Sobibor ermordet. Ihr Sohn Hans-Joachim Müller wanderte 1934 nach Panama aus. Ihre Tochter Irmgard Müller überlebte die Gefangenschaft in Auschwitz, Ravensbrück und Malchow. 1947 wanderte sie in die Vereinigten Staaten aus.Müller (jur.), Alfred. Gedenkbuch Halle; abgerufen am 7. Oktober 2013. Hier wohnte ALBERT MÜLLER Jg. 1878 deportiert 1.6.1942 Sobibor ermordet 3.6.1942 120px|Albert Müller 120px|Albert-Schweitzer-Straße 54 (1880–1938) Der unverheiratete Emil Müller wurde nach dem Tod der Eltern von seinem Bruder Albert und dessen Ehefrau aufgenommen. Emil Müller besaß eine Lederwarenfabrik in der Hindenburgstraße 34. Er wurde nach der Reichspogromnacht 1938 verhaftet und ins KZ Sachsenhausen gebracht. Am 20. Dezember 1938 kam er dort zu Tode. Als offizielle Todesursache wurde Schlaganfall angegeben.Müller, Emil. Gedenkbuch Halle; abgerufen am 7. Oktober 2013. Hier wohnte EMIL MÜLLER Jg. 1880 ‘Schutzhaft’ 1938 Sachsenhausen tot 20.12.1938 120px|Emil Müller geb. Baer (1887–1942) Albert Müllers Ehefrau Else geb. Baer stammte aus Hamm (Sieg).Müller, Else. Gedenkbuch Halle; abgerufen am 7. Oktober 2013. Am 1. Juni 1942 wurde sie mit ihrem Mann deportiert und zwei Tage später im Vernichtungslager Sobibor ermordet.Müller, Else. Gedenkbuch Halle; abgerufen am 7. Oktober 2013. Hier wohnte ELSA MÜLLER geb. Baer Jg. 1887 deportiert 1.6.1942 Sobibor ermordet 3.6.1942 120px|Else Müller geb. Baer geb. Heinemann gesch. Stern (1897–1942) Lucie Helft stammte aus Hannover und in zweiter Ehe mit Cuno Helft (siehe Universitätsring 19–20) verheiratet war. Die Ehe war kurz vor der Deportation geschlossen worden. Am 1. Juni 1942 wurde Lucie Helft gemeinsam mit ihren Nachbarn deportiert und zwei Tage später im Vernichtungslager Sobibor ermordet.Helft, Lucie. Gedenkbuch Halle; abgerufen am 7. Oktober 2013. Hier wohnte LUCIE HELFT geb. Heinemann Jg. 1897 deportiert 1.6.1942 Sobibor ermordet 3.6.1942 120px|Lucie Helft Alter Markt 12 (1927–1941) Wolfgang Brühl litt an anfallartigen Zuständen und hatte starke Lernschwierigkeiten. Gegen den mütterlichen Willen wurde er zunächst in ein Erziehungsheim nach Nordhausen und später in die Neinstedter Anstalten gebracht. Am 24. April 1941 wurde er in die Landesheilanstalt Altscherbitz und am 16. Juni weiter in die Tötungsanstalt Bernburg verlegt, wo er im Rahmen der Aktion T4 noch am selben Tag ermordet wurde. Als offizielle Todesursache wurde Diphtherie angegeben. Hier wohnte WOLFGANG BRÜHL Jg. 1927 aus Landesheilanstalt Altscherbitz am 16.6.1941 nach ‘Heilanstalt’ Bernburg ermordet 16.6.1941 120px|Wolfgang Brühl 120px|Alter Markt 12 Am Güterbahnhof 1 geb. Lewin (1883–1942)