Aftenposten () ist die führende norwegische Zeitung aus Oslo.

1860 von Christian Schibsted als Christiania Adresseblad gegründet, erscheint sie bis heute in Riksmål. Die Morgenausgabe wurde im Jahr 2014 in rund 222.000 Exemplaren gedruckt. Seit 2010 hat Aftenposten die seit 1981 auflagenstärkste norwegische Tageszeitung Verdens Gang (Auflage 2014: 138.188) klar überholt. Zusätzlich erscheinen mit Aften eine auf Oslo begrenzte Abendausgabe (Auflage 2010: 105.012 Exemplare) und seit 1990 eine Sonntagsausgabe mit 232.900 Exemplaren.

Die aktuelle Chefredakteurin ist Trine Eilertsen.

Aftenposten hat Korrespondenten in Berlin, London, Stockholm, Moskau und Washington, D.C.

Geschichte links|mini|Christian Schibsted, Zeitungsgründer Vor der Aftenposten erschien 1763 als erste gedruckte Zeitung Norwegens der Norske Intelligenz-Seddeler und als erste Tageszeitung Norwegens im Jahre 1819 das Morgenbladet. Die Zeitung hieß erst Christiania Adresseblad, ab Neujahr 1861 erschien sie dann als Aftenposten. War sie in den ersten Jahrzehnten ein eher unpolitisches Nachrichten- und Anzeigenblatt, bekam sie in den 1880er Jahren ein zunehmend konservatives Profil. Die journalistischen Fähigkeiten von Amandus Schibsted (Sohn von Christian Schibsted), der die Zeitung ab 1879 bis zu seinem Tod 1913 als Chefredakteur führte, steigerte ihre Beliebtheit weiter. Bekannte Norweger wie der Komponist Edvard Grieg wurden als Mitarbeiter gewonnen.

1885 hatte die Aftenposten eine Auflage von 6.500 Exemplaren und beschäftigte 56 Angestellte. Im stärker werdenden Konkurrenzkampf mit dem Morgenbladet wurde der Veröffentlichungsrhythmus im gleichen Jahr umgestellt. Nun erschien zusätzlich eine Morgenausgabe und eine Sonntagszeitung. Letztere wurde zwar 1919 eingestellt, aber 1990 wiederbelebt. Im Jahre 1889 wurde eine landesweite Ausgabe gestartet. Diese hieß erst „Aftenpostens ugeudgave“ und wurde 1904 in „Ukens Nytt“ umbenannt. Sie erschien bis 1989, zum Schluss im Tabloidformat. Seit 1927 erschien die Zeitung freitags mit der Wochenendbeilage „A-Magasinet“, diese wurde 1944 wegen Papiermangel eingestellt.

Obwohl in den 1930er Jahren in der Aftenposten immer wieder kritisch vor den Gefahren der Nazi-Bewegung in Deutschland gewarnt wurde, tendierte die Zeitung am Ende des Jahrzehnts eher zu nazifreundlichen Artikeln. Während der Besetzung durch das Deutsche Reich schließlich wurde Aftenposten zu einem Organ der kollaborierenden Partei Nasjonal Samling unter Vidkun Quisling umfunktioniert. Es bestand eine Zensur, alle Meinungsbeiträge mussten vorab vom norwegischen Reichskommissar Josef Terboven geprüft werden.

In den beiden Schlussjahren des Zweiten Weltkriegs schrieben sowohl Nazi-Sympathisanten wie der Literaturnobelpreisträger Knut Hamsun für den Aftenposten als auch Redakteure, die heimlich parallel für illegale Widerstandsblätter wie das London kl. 8 schrieben.

Nach dem Krieg gab es erbitterte Diskussionen um die Rolle der mit den Nazis kollaborierenden Zeitungen wie des Aftenposten und auch Prozesse gegen Redakteure wegen Landesverrat. Die Ausgleichszahlungen, die Zeitungen wie die Aftenposten oder die Morgenposten schließlich, teilweise erst nach Gerichtsverhandlungen Ende der 1940er Jahre, zahlen mussten, standen in keinem Verhältnis zu ihren Einnahmen während der Besatzungszeit. Die Historikerin Guri Hjeltnes sagte zu diesen damals geheimgehaltenen Gewinnen in einer späteren Studie über diese Zeit: „Die Hölle wäre losgebrochen, wären diese Zahlen schon Ende der vierziger Jahre bekannt geworden.“

Das damals verbotene sozialdemokratische Arbeiderbladet musste hingegen völlig neu starten. Diese Ungleichheit zum Neustart nach dem Krieg wirkte in Norwegens Zeitungslandschaft fort. Der Verlag der Aftenposten, Schipsted, kaufte 1962 günstig die vor dem Konkurs stehende, 1945 gegründete Boulevardzeitung Verdens Gang, die danach wesentlich zu seinem wirtschaftlichen Erfolg beitrug.

Chefredakteure Elling Kristoffersen, 1860–1863 Zacharias Schlytter, 1863–1867 Johan Magelssen, 1867–1879 Amandus Schibsted, 1879–1913 Ola Christofersen, 1913–1919 Thorstein Diesen, 1913–1925 Frøis Frøisland, 1919–1930 Johs. Nesse, 1930–1941 Haakon Øverland, 1936–1943 Henry E. Endsjø, 1941–1945 Johs. Nesse, 1945–1948 Henrik J. S. Huitfeldt, 1945–1973 Einar Diesen, 1948–1968 Herman Smitt Ingebretsen, 1949–1961 Torolv Kandahl, 1961–1970 Reidar Lunde, 1970–1978 Hans Vatne, 1970–1984 Trygve Ramberg, 1978–1986 Egil Sundar, 1984–1990 Andreas Norland, 1989–1993 Einar Hanseid, 1994–2003 Hans Erik Matre, 2004–2009 Hilde Haugsgjerd, 2009–2013 (konstituiert 2008) Espen Egil Hansen, 2013–2019 Trine Eilertsen, 2020–

Verlag links|mini|Bürogebäude der Zeitung Aftenposten in Akersgata 55, 0180 Oslo Seit ihrer Gründung wird Aftenposten im Verlagshaus Schibsted publiziert. Die heutige Aktiengesellschaft Schibsted ASA ist alleiniger Eigentümer der Zeitung. Der Verlag befindet sich im Familienbesitz und ist seit 1992 an der Osloer Börse gelistet. Seit 2009 ist Rolf Erik Ryssdal Konzernchef, davor führte Kjell Aamot seit 1989 die Geschäfte.

Neben Aftenposten gehört die Zeitungsgruppe Harstad Tidende und die eher liberale Verdens Gang zum Schibsted Verlag. Ebenso befinden sich Besitzanteile verschiedener Regionalzeitungen im Publikationsbestand des Verlages. Dies sind Adresseavisen aus Trondheim, Bergens Tidende aus Bergen, Stavanger Aftenblad aus Stavanger sowie Fædrelandsvennen aus Kristiansand. Von 1999 bis 2005 gehörte die dann eingestellte Osloer Gratiszeitung Avis 1 auch zu Schibsted.

Neben einigen gescheiterten Engagements in der privatwirtschaftlichen Fernsehbranche (2006 wurden die Anteile am norwegischen TV 2 und am schwedischen TV 4 abgestoßen), konzentriert sich das Geschäft auf Printpublikationen. So gehören dem Verlag ebenso die sozialdemokratisch ausgerichtete schwedische Aftonbladet und die konservativ orientierte Stockholmer Svenska Dagbladet. Neben den größeren Engagements im Norden Europas, zu denen auch noch die estländische Mediengesellschaft Eesti Media (Herausgeber der Tageszeitungen „Postimees“ und „SL Õhtuleht“ sowie verschiedene Lokalzeitungen) gehören, investierte man in Gratiszeitungen in Frankreich, Spanien, Schweiz, Russland und anderen europäischen Ländern meist unter dem Titel 20 Minuten (20 Minutter).

Weitere Beteiligungen an Medienunternehmen bestehen in Lateinamerika und Südostasien. Auch online hat Schibsteds Aftenposten seine Kompetenz im Annoncengeschäft (Rubrikgeschäft, Jobanzeigen, Gebrauchtwagenhandel, Suchdienste) in Europa, Lateinamerika und Südostasien ausgebaut und etabliert.

2009 arbeiteten weltweit 8100 Beschäftigte in 22 Ländern für den Verlag. 2015 gab der Verlag 6800 Mitarbeiter in 30 Ländern an.

Auflage Aftenposten (Morgenausgabe) 1980: 223925 1981: 227122 1982: 230205 1983: 232459 1984: 233998 1985: 240600 1986: 252093 1987: 260915 1988: 264469 1989: 267278 1990: 265558 1991: 269278 1992: 274870 1993: 278669 1994: 279965 1995: 282018 1996: 283915 1997: 286163 1998: 288078 1999: 284251 2000: 276429 2001: 262632 2002: 263026 2003: 256639 2004: 249861 2005: 252716 2006: 248503 2007: 250179 2008: 247556 2009: 243188 2010: 239831 2011: 235795 2012: 225981 2013: 214026 Aftenposten (morgen) – Auflage 1980 – 2013

Aften (Abendausgabe)

1989: 193932 1990: 192896 1991: 195022 1992: 197738 1993: 198647 1994: 188544 1995: 186003 1996: 188635 1997: 191269 1998: 186417 1999: 180497 2000: 175783 2001: 167671 2002: 163924 2003: 155366 2004: 148067 2005: 141612 2006: 137141 2007: 131089 2008: 124807 2009: 111566 Aften (abend) – Auflage 1989 – 2009

Siehe auch Aftenposten-Goldmedaille Liste norwegischer Zeitungen

Literatur

Weblinks Offizielle Webpräsenz (norwegisch) Aftenposten beim Nordicom - Nordiskt informationscenter för Medie- och Kommunikationsforskning – Informationszentrum der Nordischen Länder für Medien- und Kommunikationswissenschaft (mehrsprachig) Medienorge – Fakta om Norske Massemedier – Fakten zu norwegischen Medien (norwegisch) Mediebedriftenes Landsforening (MBL) – Verband der norwegischen Medien & Verlage (norwegisch/englisch)

Einzelnachweise Mediebedriftenes Opplagstall: , abgerufen am 7. Dezember 2014 (norwegisch) Jan Gunnar Furuly: , veröffentlicht in der Aftenposten am 12. November 2010, abgerufen am 12. September 2011 (norwegisch)

Kategorie:Zeitung (Norwegen) Kategorie:Ersterscheinen 1860 Kategorie:Überregionale Tageszeitung Kategorie:Norwegischsprachige Tageszeitung