Wiesendangen ist eine politische Gemeinde im Bezirk Winterthur des Kantons Zürich in der Schweiz. Wiesendangen fusionierte auf den 1. Januar 2014 mit Bertschikon.Florian Sorg: Erste Zürcher Gemeindefusion seit 1934 steht. In: Neue Zürcher Zeitung. 28. Dezember 2013.
Name Der Name Wiesendangen stammt aus dem germanischen Wisuntwangas (die Weide der Wisente). Das Wappen zeigt allerdings kein Gehörn des Wisent, sondern ein Steinbocksgehörn. Der Mundartname ist Wisidange.
Wappen Blasonierung: In Silber ein schwarzes Bocksgehörn
Das Wappen wird auf die Herren von Wiesendangen zurückgeführt, die bereits ein Steinbocksgehörn als Motiv ihres Siegels verwendeten. Im 19. Jahrhundert fand ein Gemskopf als Wappenmotiv Verwendung. Mitte 1928 beschloss der Gemeinderat, wieder das ältere Motiv als offizielles Wappen zu verwenden.
Geographie Wiesendangen liegt angrenzend nordöstlich der Stadt Winterthur. Im Gemeindegebiet liegen ebene Landwirtschaftsflächen, wo früher ein Riet (Sumpfgebiet) war, und kleinere, bewaldete Hügel, an deren Südhängen Weinbau betrieben wird. Das Dorfzentrum wird vom Wiesenbach, wie der Riedbach an seinem Oberlauf heisst, durchflossen und entwässert etwa die Hälfte des Gemeindegebiets.
Zum Gemeindegebiet gehören auch die Aussenwachten Attikon, Buch, Menzengrüt, Bertschikon, Oberbertschikon, Gundetswil, Meisberg, Liebensberg, Gündlikon, Zünikon, Stegen, Bewangen, Sammelsgrüt und Kefikon.
Geschichte mini|Luftbild von Walter Mittelholzer (1934) Besiedlung zur Römerzeit siehe unter Bertschikon.
Der Ort wurde 804 erstmals urkundlich erwähnt. Dabei ging es um die Schenkung der Wiesendanger Güter des früheren Thurgau-Grafen Isanbard, Sohn von Graf Warin, am 29. Februar 804 an das Galluskloster. Wiesendangen gehörte damals wie auch Winterthur noch zum Thurgau und noch nicht zum Zürichgau, das durch Abtrennung aus dem Thurgau entstanden war.Kläui, Mietlich: Geschichte der Gemeinde Wiesendangen. 1970, S. 21. Wiesendangen wird wieder erwähnt, als am 27. November 1155 Kaiser Friedrich Barbarossa Bischof Hermann von Konstanz ein Diplom ausstellte. Darin sind die grundherrschaftlichen Besitzungen des Bistums aufgezählt, darunter auch Hof und Kirche von Winterthur und Wiesendangen.Kläui, Mietlich: Geschichte der Gemeinde Wiesendangen. 1970, S. 29. 1217 wurde erstmals ein Pfarrer erwähnt, der Leutpriester Gerung.Kläui, Mietlich: Geschichte der Gemeinde Wiesendangen. 1970, S. 95. Die Dorfgemeinde mit eigenen Organen und Dorfbürgerrecht festigte sich im 14. und 15. Jahrhundert.Kläui, Mietlich: Geschichte der Gemeinde Wiesendangen. 1970, S. 111. Mindestens seit 1465 waren die Schlossherrn von Hegi Inhaber der Vogtei Wiesendangen.Kläui, Mietlich: Geschichte der Gemeinde Wiesendangen. 1970, S. 83. Der erste evangelische Prediger von Wiesendangen hiess Ulrich Peter. Er stammte aus Elgg.Kläui, Mietlich: Geschichte der Gemeinde Wiesendangen. 1970, S. 107. Für 1748 zählte der Pfarrer 646 Personen zur Kirchhöri Wiesendangen, wovon 31 in fremden Kriegsdiensten und 37 auswärts arbeiteten.Kläui, Mietlich: Geschichte der Gemeinde Wiesendangen. 1970, S. 179. 1914 gab es eine grosse Kirchenrenovation.Kläui, Mietlich: Geschichte der Gemeinde Wiesendangen. 1970, S. 203.
Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Wiesendangen vom Bauerndorf zur Wohngemeinde in der Agglomeration Winterthur.
Bevölkerung Am 30. September 2023 lebten 6641 Menschen in Wiesendangen, davon waren 7,8 % (517 Personen) Ausländer (Stand 30. September 2023).Gemeinde in Zahlen. Website der Gemeinde Wiesendangen.
+ BevölkerungsentwicklungQuellen: 1792: HLS, 1850–1950: Eidgenössische Volkszählungen, danach: Gemeindeporträts. Wiesendangen. Bevölkerung (Personen). Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2000–2022. Jahr Einwohner 1792 612 1850 833 1900 957 1950 1379 2000 5028 2005 5277 2010 5853 2015 6226 2020 6636 2022 6699
Politik Der 7-köpfige Gemeinderat setzt sich aus 5 Männern und 2 Frauen zusammen, mit folgender Parteizusammensetzung: 2 SVP, 2 FDP, 1 glp, 1 Mitte, 1 Parteiloser.Erneuerungswahl des Gemeinderates. Amtsdauer 2022–2026. Website der Gemeinde Wiesendangen (PDF; 2,9 MB). Gemeindepräsident ist Urs Borer (FDP; Stand 2025).
Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Wiesendangen: SVP 38,16 % (−0,79), FDP 12,95 % (−1,89), glp 11,86 % (−0,80), SP 11,56 % (+1,91), Mitte 9,94 % (+2,87), Grüne 5,93 % (−2,17), EVP 4,83 % (−1,42), EDU 1,14 (−0,35).
Anfang 2021 berichtete der Zürcher Tages-Anzeiger über offenen Antisemitismus in der Sekundarschule und kritisierte das Schweigen der Dorfbewohner und das Verhalten von Schulleitung und Schulbehörde zu den Vorkommnissen.
Öffentlicher Verkehr Der Bahnhof Wiesendangen liegt an der Thurtallinie und wird von der und der der S-Bahn Zürich bedient. Im Nachtnetz am Wochenende verkehrt die .
Ab Wiesendangen, Bahnhof verkehren tagsüber zwei Buslinien von Stadtbus Winterthur:
Bahnhof Oberwinterthur – Wiesendangen, Bahnhof – Wiesendangen, Hinterdorf
Wiesendangen – Bertschikon bei Attikon – Gundetswil
In den Nächten von Freitag bis Sonntag verkehrt zwischen 02:00 und 05:00 folgende Buslinie in beide Richtungen:
Oberwinterthur, Bahnhof – Wiesendangen, Bahnhof – Elsau, Melcher – Winterthur, Hauptbahnhof
Kirchen Auf dem Gemeindegebiet von Wiesendangen befinden sich zwei Kirchen: Die evangelisch-reformierte Kirche befindet sich an der Kirchstrasse 6 im Ortszentrum und besitzt spätmittelalterliche Fresken von überregionaler Bedeutung.Website der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Wiesendangen. Abgerufen am 29. April 2014.Walter Hugelshofer: Die Kirche von Wiesendangen und ihre Wandbilder (= Schweizerische Kunstführer. Nr. 109). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK). Bern 1995, ISBN 978-3-85782-109-7. Die römisch-katholische Kirche St. Stefan befindet sich an der Wannenstrasse 4. Sie wurde in den Jahren 1980 bis 1981 erbaut und heisst wie die dazugehörige Pfarrei.
Am 30. September 2023 waren 42,2 % der Bevölkerung evangelisch-reformiert, 19,4 % römisch-katholisch, und 38,4 % hatten eine andere oder keine Konfessionszugehörigkeit.Gemeinde in Zahlen. Website der Gemeinde Wiesendangen.
Sehenswürdigkeiten
Sonstiges mini|Dorfstrasse in Wiesendangen mini|Coop und Drogerie in Wiesendangen ZH (2021) mini|Gasthaus Löwen in Wiesendangen Das gut erhaltene Dorfzentrum entlang des Wiesenbachs wird dominiert von Häusern, die teils im 17. Jahrhundert gebaut wurden, der reformierten Kirche, die 1155 erstmals erwähnt wurde, und dem im 12. Jahrhundert erbauten Schlossturm. Der Dorfplatz mit seinen vielen Brunnen wurde 2004 neu gestaltet.
Wiesendangen verfügt über ein breites Angebot für Jugendliche. So gibt es zwei Jugendtreffpunkte, einen Fussballclub mit diversen Jugendmannschaften, einen Turnverein mit einer Jugendriege für Mädchen und Knaben, eine Cevi-Jungscharabteilung sowie einen ca. 800 Quadratmeter grossen Skate- und BMX-Platz, welcher von einem ortsansässigen Verein (OnWheels) unterhalten und ausgebaut wird. Beliebt ist auch der jährlich durchgeführte Wiesendanger Maskenball, welcher von der örtlichen Feuerwehr organisiert wird.
Damit in der Gemeinde die Grenzwerte von Rückständen des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil im Trinkwasser eingehalten werden können, wurde mit der Stadt Winterthur per 1. Januar 2021 ein neuer Wasserliefervertrag ausgehandelt.
Persönlichkeiten Markus Griesser, Leiter der Sternwarte Eschenberg in Winterthur Martin Hübscher, Politiker (SVP) Arnold Kübler, Schriftsteller und Gründer der Kulturzeitschrift du, ist in Wiesendangen geboren und aufgewachsen Walter Kupper, Botaniker Stefan Peter, Präsident der Schulpflege, Vize-Präsident der lokalen SVP Manuel Akanji, Fussballnationalspieler, ist in Wiesendangen aufgewachsen. Spielte unter anderem beim FC Wiesendangen im Nachwuchs, FC Winterthur, FC Basel. Momentan aktiv bei Manchester City. Sonja Rueff-Frenkel, Zürcher Politikerin (FDP)
Literatur Hans Martin Gubler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band VIII: Der Bezirk Winterthur. Nördlicher Teil. Wiesendangen (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 79). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK). Bern 1986, ISBN 978-3-7643-1812-3, S. 287–333 (Digitalisat). Hans Kläui, Karl Mietlich: Geschichte der Gemeinde Wiesendangen (= Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur. Band 300). Stadtbibliothek Winterthur, Winterthur 1970, S. 21.
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde Wiesendangen
Statistische Daten der Gemeinde Wiesendangen Gemeinde in Zahlen. Website der Gemeinde Wiesendangen Geschichte. Website der Gemeinde Wiesendangen
Burg Wiesendangen. In: Burgenwelt
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Kanton Zürich Kategorie:Schweizer Gemeinde Kategorie:Ortsbild von nationaler Bedeutung im Kanton Zürich
Kategorie:Ort als Namensgeber für einen Asteroiden Kategorie:Ersterwähnung 804