Die Liste von Programmfehlerbeispielen zeigt einige medial betrachtete Beispiele von Programmfehlern, ist nach Branchen (Anwendergruppen) geordnet und beschreibt deren Folgen.
Luft- und Raumfahrt Beim Kampfflugzeug F-16 brachte der Autopilot das Flugzeug in Rückenlage, wenn der Äquator überflogen wurde. Dies kam daher, dass man keine „negativen“ Breitengrade als Eingabedaten bedacht hatte. Dieser Fehler wurde sehr spät während der Entwicklung der F-16 mithilfe eines Simulators entdeckt und beseitigt. certitudo; abgerufen am 23. Februar 2024. Am 4. Juni 1996 sprengte sich die erste Ariane-5-Rakete (Startnummer V88) der Europäischen Raumfahrtbehörde 40 Sekunden nach dem Start in vier Kilometern Höhe automatisch. Der Programmcode für (unter anderem) die Vorstart-Ausrichtung war von der Ariane 4 übernommen worden, lief unnötigerweise auch nach dem Start weiter und funktioniert dabei nur in einem von der Ariane 4 nicht überschreitbaren Bereich der Horizontalgeschwindigkeit. Als dieser Bereich von der Ariane 5 verlassen wurde, da sie höhere Horizontalgeschwindigkeiten erreicht als die Ariane 4, schlug der Fehler auf die Trägheits-Steuersysteme durch und diese schalteten sich weitgehend ab. Bei der Programmierung war es zu einem Fehler bei der Typumwandlung gekommen. Als von Float nach Integer umgewandelt wurde und der Wert 32.768 erreichte, entstand ein Überlauf.I. Giese: GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung, unter anderem mit Ausschnitt des verursachenden Quellcodes; abgerufen am 23. Februar 2024. Dieser Überlauf hätte durch die verwendete Programmiersprache Ada eigentlich entdeckt und behandelt werden können. Diese Sicherheitsfunktionalität ließen die Verantwortlichen jedoch abschalten. Der Schaden betrug etwa 370 Millionen US-Dollar. 1999 verpasste die NASA-Sonde Mars Climate Orbiter den Landeanflug auf den Mars, weil die Programmierer unterschiedliche Maßsysteme verwendeten (ein Team verwendete das metrische und das andere das angloamerikanische) und beim Datenaustausch es so zu falschen Berechnungen kam. Eine Software wurde so programmiert, dass sie sich nicht an die vereinbarte Schnittstelle hielt, in der die metrische Einheit Newton × Sekunde festgelegt war. (PDF) S. 16 “MCO Root Cause”; abgerufen am 23. Februar 2024. Die NASA verlor dadurch die Sonde.Mars Climate Orbiter - Inch und Fuß statt Meter. astronews.com, 1. Oktober 1999; abgerufen am 23. November 2012 Beim Start der als Nachfolger der Delta 2 geplanten neuen Delta-3-Rakete 1998 geriet diese 75 Sekunden nach dem Start in Schräglage zur Flugrichtung und musste gesprengt werden. Die Steuersoftware war aus der Delta 2 übernommen worden, was aber zu einer falschen Interpretation bezüglich einer 4-Hz-Eigenschwingung in Rollrichtung innerhalb der hydraulischen Steuersysteme der Booster-Raketen führte. Das mehrere hundert Millionen Euro teure Weltraumteleskop Hitomi geriet Ende März 2016 nach einer Verkettung von Softwarefehlern in zu schnelle Rotation und ging verloren. Die Software war fälschlicherweise von einer unerwünschten langsamen Rotation des Satelliten ausgegangen und versuchte, die scheinbare Drehung durch Gegenmaßnahmen zu kompensieren. Die Signale der redundanten Kontrollsysteme wurden falsch gedeutet, und schließlich wurde der Satellit immer stärker in Rotation versetzt, bis er wegen der zu groß werdenden Fliehkräfte schließlich zerbrach.Matthias Delbrück: Röntgenauge verliert Flügel – Weltraumobservatorium Astro-H/Hitomi geht nach vermeidbaren Softwarefehlern verloren. In: Physik Journal. Nummer 6, Juni 2016, S. 13.
Medizin Zwischen 1985 und 1987 gab es mehrere UnfälleNancy G. Leveson, Clark S. Tyler: An Investigation of the Therac-25 Accidents. In: Computer. Band 26, Nr. 7, 1993, , S. 18–14. mit dem medizinischen Bestrahlungsgerät Therac-25. Infolge einer Überdosis, die durch fehlerhafte Programmierung und fehlende Sicherungsmaßnahmen verursacht wurde, mussten Organe entfernt werden, und es verstarben drei Patienten.
Handel Im Dezember 2014 arbeitete eine Software „fehlerhaft“, die Produktpreise abhängig vom Preis bei der Konkurrenz automatisch festlegt. Auf dem Marktplatz des Online-Versandhändlers Amazon wurden die Verkaufspreise vieler Händler für Hunderte Produkte auf 0,01 Englische Pfund gesetzt. Einigen Anbietern drohten mehrere Zehntausend Pfund Verlust, mitunter befürchteten einige, die Panne könne sie in den Konkurs treiben.Heise Newsticker Hunderte Waren für einen Penny verkauft. heise.de Verkehr Am 12. März 1995 kam es wegen eines um wenige Byte zu klein bemessenen Stapelspeichers in der Software eines Hamburger Stellwerks, bei dem auch das Ersatzsystem aus Sicherheitsgründen abgeschaltet wurde, zu massiven Verzögerungen im bundesweiten Zugverkehr. (PDF; 221 kB) Am 16. Dezember 2009 kam es zu einem ähnlichen Fehler im Stellwerk des Hauptbahnhofs Hannover.Software-Panne: Chaos am Hauptbahnhof Hannover Die Yorktown, ein weitgehend computerisiertes Schiff der Ticonderoga-Klasse, trieb nach Aussage der Navy bei einem Manöver im September 1997 knapp drei Stunden hilflos im Mittelmeer, nachdem ein Ingenieur 0 direkt in die Datenbank eingegeben hatte, um einen fehlerhaften Eintrag eines Sensors zu korrigieren. Die Software verwendete diesen Wert für Divisionen, die Folge waren „Division durch null“-Fehler, welche von der Software nicht korrekt abgefangen wurden. Es füllte sich im weiteren Verlauf der temporäre Speicher des Systems und als dieser voll war, wurde beim Überlauf der angrenzende Speicherbereich, der des Antriebssystems, überschrieben. Das Antriebssystem und das Rechnernetzwerk, das aus mehreren Windows-NT-Servern bestand, fielen aus, da sich der Fehler im Netzwerk ausgebreitet hatte. Es dauerte über drei Stunden, die Server zu reanimieren.René Lotz: Berühmt berüchtigte Softwarefehler - USS Yorktown. (PDF; 135 kB) Seminararbeit, Institut für Informatik, Universität Koblenz-Landau (2003) Bei Toll Collect kam es 2003 unter anderem wegen der fehlenden Kompatibilität von Softwaremodulen zu drastischen Verzögerungen mit Vertragsstrafen und Einnahmeausfällen in Milliardenhöhe. In den USA hatte ein Sicherheitsexperte „null“ als Kfz-Kennzeichen eintragen lassen. Dieser Begriff wird in vielen IT-Systemen als Kennzeichen für das Fehlen eines Wertes verwendet und konnte nur aufgrund eines Programmfehlers eingetragen werden. Dieses eigentlich unzulässige Kfz-Kennzeichen hat deshalb dazu geführt, dass der Besitzer Strafzettel erhielt, bei denen kein Kfz-Kennzeichen erfasst war.
Finanzwesen Eine im Jahr 1999 in der britischen Royal Mail eingeführte fehlerhafte Abrechnungssoftware des Unternehmens Fujitsu führte zu Anklagen gegen Leiter von Postfilialen wegen Unterschlagung und etwa 900 Verurteilungen. Nach Ausstrahlung der vierteiligen Serie Unschuldig – Mr. Bates gegen die Post (Mr Bates vs the Post Office) im Januar 2024 durch den britischen Sender ITV erlangte dieser Skandal eine breite Aufmerksamkeit. Anfang November 2005 konnte an der Tokioter Börse wegen eines Systemfehlers stundenlang kein Handel betrieben werden. Auch in den nachfolgenden Wochen gab es viele fehlerhafte Wertpapierorders; in einem Fall entstand sogar ein finanzieller Schaden von über 300 Millionen Dollar. Der Präsident der Börse, Takuo Tsurushima, trat daraufhin von seinem Amt zurück.Tokioter Börse - Der Chef tritt ab. In: Manager Magazin, 20. Dezember 2005 Im August 2012 verlor die Firma Knight Capital innerhalb von 45 Minuten mehr als 440 Millionen US-Dollar (359 Millionen Euro) durch einen Fehler in ihrer Aktienhandels-Software. Ein neues Handelsprogramm überflutete den Markt mit fehlerhaften Handelsaufträgen und häufte einen Berg zu teuer gekaufter Aktien an. Die folgende Rettung der Firma durch Investoren kostete die Alteigentümer 70 bis 75 Prozent ihrer Anteile am Unternehmen.Aktienhandel-Software verzockt 440 Millionen Dollar in 45 Minuten. heise.de; abgerufen am 9. August 2012 Im Oktober und November 2012 kam es auf Grund von Schwierigkeiten bei der Migration auf ein neues Kernbankensystem in den Online-Bankingsystemen der Bank Austria zu massiven Problemen.Die Hintergründe des Online-Chaos bei der Bank Austria Das System war nach der 2-tägigen Umstellungsphase noch einen weiteren Tag nicht erreichbar, musste mehrmals neugestartet werden und war noch Tage nach der Umstellung teilweise nicht erreichbar, oft überlastet und dadurch langsam. Geldausgabeautomaten funktionierten nicht, Überweisungen wurden fehlerhaft durchgeführt und die neue Benutzeroberfläche wurde als zu unübersichtlich und kompliziert kritisiert.derstandard.at Neben der Zusicherung, etwaige Mahnspesen zu übernehmen, bot die Bank Austria ihren OnlineBanking- und BusinessNet-Kunden Gutscheine im Wert von jeweils 30 € an, in Summe 21 Millionen €.
Kommunikation 2007 kam es in Österreich bei der Umstellung auf digitales Satellitenfernsehen zu Problemen in rund 30.000 Haushalten, weil Software im Digitalreceiver fehlerhaft war.Fehlerhafte Software verhindert Empfang der ORF-Programme. ORF, 22. August 2007 In der Nacht vom 29. zum 30. Oktober 2007 kam es bei der Deutschen Telekom zu bundesweiten Ausfällen und Fehlverbindungen bei Sprachdiensten im Kommunikationssystem, weil eine aktualisierte Server-Software fehlerhaft war. Das System konnte erst nach mehreren Stunden durch die Installation der alten Software wieder zum Laufen gebracht werden.Online FOCUS - Hunderttausendfach „falsch verbunden“
Militär Im Oktober 2007 kamen zehn Angehörige der südafrikanischen Armee durch ein vollautomatisiertes 35-mm-Flakgeschütz ums Leben. Als Ursache wurde ein defektes Computersystem vermutet.heise online - Defektes Computersystem für den Tod von zehn Soldaten verantwortlich?
Informationstechnik Der sogenannte Box-Model-Bug im Internet Explorer sorgte dafür, dass viele Webdesigner für diesen Browser spezielle Anweisungen schreiben mussten, da das Programm Maßangaben für Webseiten-Elemente fehlerhaft interpretierte. Durch den Heartbleed-Bug in OpenSSL konnten über TLS- und DTLS-Verbindungen Teile des Arbeitsspeichers der Gegenseite ausgelesen werden. Manche Malware testet vor dem Ausführen des Schadcodes die Erreichbarkeit von zufällig generierten Internet-Adressen (Ping). In Testumgebungen wird häufig die Erreichbarkeit sämtlicher Internet-Adressen simuliert, unabhängig von deren realer Existenz. In diesem Fall soll sich die Malware selbstständig deaktivieren, um in einer Testumgebung keine nachvollziehbaren Aktionen durchzuführen. Bei der sich am 12. Mai 2017 weltweit verbreitenden Ransomware WannaCry wurde diese (vermutliche) Anti-Analyse-Maßnahme jedoch falsch umgesetzt: die getestete Internet-Adresse wurde in das Programm hartkodiert und war somit immer gleich. Daher konnte die tatsächliche Registrierung dieser Domain die weltweite Verbreitungswelle stoppen – obwohl dies ursprünglich nicht die Intention war.Heise Newsticker Ransomware WannaCry: Sicherheitsexperte findet „Kill-Switch“ – durch Zufall heise.de Standard-Vorgehen des Malware-Analysten:
Es wurde also davon ausgegangen, dass die Domain ein „malware control server“ sei, der bisher jedoch (noch) nicht registriert wurde.
Fehler bei Jahreswechseln