mini|Birgit Kelle (2018) Birgit Heike Kelle, geborene Götsch (* 31. Januar 1975 in Heltau, Rumänien), ist eine deutsche Publizistin.

Leben Birgit Götsch siedelte 1984 als Rumäniendeutsche in die Bundesrepublik Deutschland über. Sie konvertierte vom evangelischen Glauben zum Katholizismus. Zunächst studierte sie Rechtswissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, brach das Studium allerdings ab. Mit Anfang zwanzig absolvierte sie ein Volontariat bei einem Anzeigenblatt des Badischen Verlags in Freiburg. Sie ist mit dem Journalisten, Medienunternehmer und Autor Klaus Kelle verheiratet. Das Ehepaar hat vier Kinder und wohnt in Kempen am Niederrhein.

Ab 2005 war Birgit Kelle Herausgeberin der christlich orientierten, insbesondere rechtskonservativen Vertretern der Lebensrechtsbewegung eine journalistische Plattform bietenden Monatszeitung VERS1VVN-BdA. Landesvereinigung NRW Nach den Rechten sehen. Antifaschistische Nachrichten 23/November 2006. Abgerufen am 19. November 2021. und führte diese als Chefredakteurin bis zur Einstellung des Blattes 2007. 2006 protestierte sie als Chefredakteurin gegen die Ausstrahlung der MTV-Serie „Popetown“. Die Proteste führten nach Aussage des Medienmagazins DWDL.de zu einer zunächst sehr hohen Einschaltquote, die schon eine Woche später stark absank, aber immer noch überdurchschnittlich war. Sie ist Autorin der Kolumne Volle Kelle bei The European. Das Debatten-Portal und schrieb für Die Welt, den Focus,Artikelliste von Birgit Kelle bei Focus Online. den Bayernkurier,Siehe u. a. Birgit Kelle: Klassische Familie im medialen Abseits. In: Bayernkurier, Nr. 8/2014, 22. Februar 2014. Die Weltwoche sowie für überwiegend im rechten Meinungsspektrum zu verortende Organe wie das Online-Portal kath.net, Die Freie Welt, das Online-Magazin des Kopp Verlags, die Achse des Guten,Kurzprofil und Gastbeiträge von Birgit Kelle bei der Achse des Guten. eigentümlich freiSiehe u. a. und die Junge Freiheit.Birgit Kelle: Freiheit statt Quote. In: Junge Freiheit, 18. März 2012. Seit 2011 war sie Gast verschiedener Fernsehsendungen.Glaubenskrieg um das Betreuungsgeld – was ist moderne Familienpolitik? In: Beckmann, 27. April 2012.Birgit Kelle bei Maybrit Illner. In: Maybrit Illner via YouTube, 2011 (Video).Das Erste, Sonntag, 15. April 2012, 12.03–12.45 Uhr Presseclub mit Jörg Schönenborn. presseportal.de, Pressemitteilung des WDR, 13. April 2012, abgerufen am 9. Februar 2019. Ebenso schreibt sie für die konservativ-katholische Zeitung Die Tagespost und für die Katholische Sonntagszeitung für Deutschland.

Kelle ist Vorsitzende des Vereins Frau Familie Freiheit e.V. (vormals Frau 2000plus). Seit Oktober 2010 ist sie Vorstandsmitglied von New Women For Europe (NWFE), einem seit der Gründung weitgehend inaktiven Verein, der sich als Dachverband von NGO-Frauenverbänden in den EU-Mitgliedsstaaten versteht und diesen eine Plattform bieten möchte, um Einfluss auf politische Prozesse im Rahmen der europäischen Institutionen nehmen zu können.LobbyFacts (LF) EU lobby transparency register (Stand vom 19. September 2021). Abgerufen am 20. November 2021 (englisch).

Standpunkte mini|hochkant|Birgit Kelle (2011) Kelle bezeichnet sich selbst als liberal. Das Börsenblatt ordnet sie als rechtskonservativ ein. Im Herbst 2020 gehörte sie zu den Erstunterzeichnern des Appells für freie Debattenräume.

Feminismus-Kritik Kelle engagiert sich nach eigener Aussage für einen „neuen Feminismus abseits von Gender-Mainstreaming und Quoten“. Sie vertritt die Auffassung, dass der traditionelle Feminismus ausgedient habe. Ihr Verein Frau 2000plus setzt sich nach eigener Definition für eine „neue Kultur der Frau“ ein.

Sie kritisiert feministische Aktivisten dafür, Opferkonstellationen von Frauen zu betonen. Selbsterklärte Zugehörigkeit zu einer bestimmten „Opfergruppe“ garantiere den betroffenen Frauen Aufmerksamkeit und Erfolg. Sie fordert vielmehr die Rückkehr zu traditionellen Rollenbildern in Form eines „femininen Feminismus“, durch den der Wunsch nach Familie besser verwirklicht werden könne, und tritt dafür ein, dass Frauen sich statt für ein Leben aus Karriere und Kindern auch für ein traditionelles Familienleben entscheiden dürfen, ohne deswegen benachteiligt zu werden.

Familienpolitik Birgit Kelle setzt sich für die Förderung der traditionell zweigeschlechtlichen Familien mit Kindern ein, da nur diese eine relevante Stütze der Gesellschaft seien.

In ihrer Funktion als Vorsitzende des Vereins Frau 2000plus war Birgit Kelle bei der öffentlichen Anhörung zum geplanten Betreuungsgeld und dem entsprechenden Gesetzentwurf der Fraktionen CDU/CSU und FDP im Familienausschuss des Deutschen Bundestages vom 14. September 2012 zugegen und vertrat die Position, dass das Betreuungsgeld gezahlt werden müsse, da der Staat in der Förderung von Erziehungsmodellen zur Neutralität verpflichtet sei und daher auch Eltern finanziell unterstützen müsse, die ihre Kinder nicht in einer Kindertagesstätte unterbringen wollten.Redaktion beck-aktuell Familienausschuss: Experten lehnen Betreuungsgeld mehrheitlich ab. Becklink 1022443. Abgerufen am 20. November 2021.

Kelle kritisiert Abtreibungen scharf. Auf Demonstrationen abtreibungskritischer Gruppierungen ist sie regelmäßig als Rednerin präsent.

mini|CPAC Ungarn 2022 Genderdiskussion Im Jahr 2014 organisierte sie gemeinsam mit der von der AfD-Politikerin Beatrix von Storch gegründeten Zivilen Allianz Kundgebungen gegen den baden-württembergischen Bildungsplan unter dem Motto „Demo für alle“, das man von der französischen Anti-Gender-Bewegung La Manif pour tous und deren Demonstrationen in Frankreich im Jahre 2013 übernahm.Andreas Kemper: Militante Feministin Gottes. In: die tageszeitung, 8. September 2014. 2016 wurde Kelle von Arnold Vaatz und Andreas Lämmel zu einer Veranstaltung der CDU Sachsen eingeladen und referierte dort über ihr Buch „Gendergaga“. Die „Dresdner Grünen, die Linkspartei sowie verschiedene Verbände und das CSD-Bündnis auf Facebook“ protestierten gegen die Einladung.

In einem Gastkommentar in der Neuen Zürcher Zeitung vom 28. Januar 2021 kritisiert Kelle Behandlungen von Kindern, die ihr Geschlecht wechseln wollen.

Kritik am Umweltaktivismus In verschiedenen Gastbeiträgen äußert die Journalistin sich kritisch zu der Fridays-for-Future-Bewegung und zu Greta Thunberg.Die unbändige Wut Erwachsener auf Jugendliche, die sich engagieren, Tweet von Birgit Kelle bei uebermedien.deBirgit Kelle auf Focus.de: Wenn Greta Thunberg ernst genommen werden will, kann es keinen Welpenschutz geben 28. Januar 2020

Rezeption Ihr Artikel Dann mach doch die Bluse zu! vom 29. Januar 2013 im The European, der sich mit der #Aufschrei-Debatte befasste, wurde aufgrund der großen Verbreitung in sozialen Netzwerken laut den Diensten Werben & Verkaufen und 10000 Flies das „Social-Media-Phänomen des Jahres“. Über die erweiterte Buchfassung Dann mach doch die Bluse zu schrieb Danuta Szarek auf Focus Online: Auch Alexander Wallasch befand in Die Tageszeitung, dass Kelles Buch das Zeug habe, „eine von Alice Schwarzer, Bascha Mika oder Élisabeth Badinter dominierte Debatte zu beleben – und tatsächlich zum Bestseller zu werden“, allerdings seien „Versuche, eine konservative Haltung zum neuen Modernen zu erklären, […] noch selten überzeugend gelungen“. Christian Geyer von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nannte sie 2012 „rhetorisch brillant“. Ein Jahr später führte dieselbe Zeitung in ihrer Sonntagsausgabe ein ganzseitiges Interview mit Kelle.„Eltern zweiter Klasse“, Interview von Antje Schmelcher mit Birgit Kelle in der F.A.S. vom 10. November 2013. Der Medienjournalist Stefan Niggemeier nannte sie in einer TV-Kritik eine „konservative Journalistin“.Stefan Niggemeier: Das Ende der Toleranz, FAZ.net vom 15. Februar 2014. https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/sexualitaet-und-gesellschaft-das-ende-der-toleranz-12803599.html

Der damalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, kritisierte Kelle als Beispiel für Menschen, die mit dem Begriff „Gender“ wenig anfangen könnten. Kelles „Aufschrei“ gegen einen „vermeintlichen Genderwahn“ verstehe er als eine „populistische Anbiederei an veränderungsunwillige konservative Kreise“.Von Intersexualität und queerer Theologie. In: pro, 8. April 2014. In der taz schrieb Simone Schmollack, Kelle propagiere „das Mutterdasein als ein heiliges Frauenideal“.Simone Schmollack: Schlichte Welterklärungen und Mutterideal. In: die tageszeitung, 8. Juni 2011. Andreas Kemper kritisierte in der taz, Kelle stelle sich als moderne Feministin dar, doch sie unterstütze die erzkonservativen Legionäre Christi. Ihr Antifeminismus sei so „alt und erstickend wie der missionarische Eifer der Legionäre Christi“. Der Autor Wolfgang Brosche widmete der „Methode Kelle“ in seinem Buch Panoptikum des Grauens. Üble Zeitgenossen, Zombies und andere neue Rechte. (2019)Wolfgang Brosche: Panoptikum des Grauens. Üble Zeitgenossen, Zombies und andere neue Rechte. Edition Critic, Berlin 2019, ISBN 978-3-946193-25-8. ein eigenes Kapitel.

Gastautor Giuseppe Gracia schrieb am 2. November 2021 auf Focus Online: „Die Bestsellerautorin Birgit Kelle gehört seit Jahren zu den mutigsten Frauenstimmen im deutschsprachigen Raum. Trotzdem bleibt ihr die breite Anerkennung bislang verwehrt, weil sie sich die Frechheit leistet, keine Linke zu sein. (...) An der Oberfläche kämpft diese Frau gegen die Propagandamaschine der Identitäts-Politik. Unter der Oberfläche aber ist Kelle eine Feministin – eine ganzheitliche Feministin. Das ist etwas Anderes als der Mainstream-Feminismus.“

Auszeichnungen Im November 2013 erhielt Kelle den Gerhard-Löwenthal-Preis für Journalisten, der von der Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung in Berlin in Zusammenarbeit mit der Jungen Freiheit vergeben wird. Die Laudatio hielt Andreas Unterberger. 2016 erhielt sie den „für politischen Journalismus, welcher herausragende Zeichen für Zivilcourage und Demokratieerhalt in Deutschland und Europa setzt“ ausgelobten und mit 5000 Euro dotierten Dr.-Jörg-Mutschler-Preis. 2017 wurde Kelle von der zur evangelikalen Offensive Junger Christen gehörenden OJCOS-Stiftung für ihre „Verdienste um die Förderung von christlichen Werten, Ehe und Familie“ mit dem Stiftungspreis ausgezeichnet., ojcos-stiftung.de, abgerufen am 11. Juni 2017.

Veröffentlichungen Der alte Feminismus hat uns nichts mehr zu sagen. In: Eckhard Kuhla (Hrsg.): Schlagseite – MannFrau kontrovers. Klotz, Magdeburg 2012, ISBN 978-3-88074-031-0, S. 211–229. Keine Familienpolitik an den Interessen der Mütter vorbei! In: Klaus Hurrelmann, Tanjev Schultz (Hrsg.): Staatshilfe für Eltern. Brauchen wir das Betreuungsgeld? Beltz-Juventa, Weinheim 2013, ISBN 978-3-7799-2752-5, S. 72–85. Dann mach doch die Bluse zu: Ein Aufschrei gegen den Gleichheitswahn, adeo, Asslar 2013, ISBN 978-3-942208-09-3.

Muttertier: Eine Ansage, Fontis-Verlag, Basel 2017, ISBN 978-3-03848-124-9 (). Noch Normal? Das lässt sich gendern! Gender-Politik ist das Problem, nicht die Lösung, FBV, München 2020, ISBN 978-3-95972-364-0. Gender Gaga: wie eine absurde Ideologie unseren Alltag erobern will, FBV, München 2020, ISBN 978-3-95972-422-7. Camino. Mit dem Herzen gehen: Pilgern auf dem Jakobsweg, Fontis-Verlag, Basel 2021, ISBN 978-3-03848-230-7. Die Seele geht zu Fuß, Fontis-Verlag, Basel 2022, ISBN 978-3-03848-231-4. Ich kauf mir ein Kind : das unwürdige Geschäft mit der Leihmutterschaft, FBV, München 2024, ISBN 978-3-95972-770-9. Die Corona-Generation: Wie unsere Kinder um ihre Zukunft gebracht wurden. Von Schulschließungen, Lockdowns, überzogenen Maßnahmen und warum sich die Politik den Folgen verweigert, Deutscher Wirtschaftsbuch Verlag, 2025, ISBN 978-3-69066-072-3.

Literatur Wolfgang Brosche: Die Methode Kelle. In: Panoptikum des Grauens. Üble Zeitgenossen, Zombies und andere neue Rechte. Edition Critic, Berlin 2019, ISBN 978-3-946193-25-8, S. 63–96.

Weblinks

Birgit Kelles Website