mini|Britannien im 7. Jahrhundert, Deira an der Ostküste gelegen Deira (altenglisch Dere oder Dera rice)Joseph Bosworth, T. Northcote Toller: An Anglo-Saxon Dictionary. Clarendon Press, Oxford 1898, S. 203. war ein kleines anglisches Königreich in England, das im 6. Jahrhundert historisch fassbar wurde. Im Laufe dieses Jahrhunderts wurde das britannische Königreich Ebrauc absorbiert und im frühen 7. Jahrhundert das ebenfalls britannische Königreich Elmet. Zusammen mit dem nördlich gelegenen Bernicia bildete Deira das spätere Northumbria.
Geschichte Es erstreckte sich vom Humber bis zum Tyne. Jedoch war die Gegend nördlich des Tees unbewohnt. Der Name Deira ist britannischen, das heißt keltischen, Ursprungs und ist entweder von dem Wort deifr (Wasser) oder daru (Eiche) abgeleitet.Nicholas J. Higham: The Kingdom of Northumbria AD 350-1100. Sutton Publ., Stroud 1993, ISBN 0-86299-730-5, S. 80–81.
Über die Errichtung der ersten anglischen Siedlungen ist wenig bekannt. Deira war seit der Mitte des 5. Jahrhunderts von Angeln besiedelt.Philip Holdsworth: Deira. In: Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 0-631-22492-0, S. 139. Soemel (um 450), ein Vorfahre des späteren Königs Ælle (560–588/590), soll nach der Historia Brittonum Deira aus dem britannischen Königreich Bryneich herausgelöst haben und möglicherweise das anglische Königtum in Deira begründet haben. Anglische Eroberer besiedelten wohl im dritten Viertel des 5. Jahrhunderts das Tal des Flusses Derwent und legten den Grundstein für das spätere Deira. Dass sich das anglische Deira aber aus einer schon bestehenden politischen Einheit britannischen Charakters entwickelt hat, wird gemeinhin angenommen. Das britannische Ebrauc (das heutige York, damals die Hauptstadt des gleichnamigen Königreichs der Britannier) scheint in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts durch das anglische Königreich Deira eingenommen worden zu sein.F. M. Stenton: Anglo-Saxon England. S. 74.
Der erste überlieferte König war Ælle, der der Angelsächsischen Chronik zufolge im Jahr 560 anglischer König von Deira wurde.ASC, s. a. 560. Vermutlich unternahm Ælle Vorstöße in das von Britanniern besiedelte Tal des Flusses Wharfe.Charles Arnold-Baker: The Companion to British History. Routledge, 2001, ISBN 978-0-415-18583-7, S. 943. Nach seinem Tod um 588 fiel Deira zunächst an Æthelric und dann an Æthelfrith vom anglischen Königreich Bernicia, der beide Königreiche vereinte und so die Voraussetzung für den Aufstieg des anglischen Northumbria schuf. Deira war unter König Edwin ein Bestandteil Northumbrias. Auch nach der Vereinigung behielt Deira jedoch vorläufig seine eigene Identität. Einzelne, eigene Könige von Deira nach der Vereinigung mit Bernicia zu Northumbria sind belegt.J. Campbell, The Anglo-Saxons. S. 53 In Zeiten der Schwäche Bernicias konnten sich in Deira in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts immer wieder eigene Könige etablieren. Dies geschah, nachdem König Edwin im Jahr 633 gefallen und Northumbria in zwei Teile geteilt worden war, wobei Deira unter König Osric kurzzeitig wieder selbständig wurde.HE, III, 1 Nach dem Tod des northumbrischen Königs Oswald in der Schlacht von Maserfeld im Jahr 642 erlangte Deira ein gewisses Maß an Unabhängigkeit unter seinem eigenen König Oswine.HE, III, 14 Selbst nachdem Deira unter der Herrschaft Oswius endgültig in das Königreich Northumbria absorbiert worden war, bestand diese Tendenz zur Eigenständigkeit fort, da Deira für mehrere Jahrzehnte nicht direkt von der Zentralgewalt regiert wurde, sondern seine eigenen Unterkönige hatte, die dem König von Northumbria untergeordnet waren. Erst im Laufe der Herrschaftszeit König Ecgfriths wurde diese Sonderrolle Deiras endgültig beendet.
Könige von Deira Die JahresangabenSimon Keynes: Kings of the Northumbrians. In: Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 0-631-22492-0, S. 502–505. sind ungefähre Werte und können von den korrekten Angaben leicht abweichen.
Ælle 560–588/590 Æthelric 588–593 Æthelfrith 593–616 Edwin 616–633 Osric 633–634 Oswald 634–642 (Deira unter Kontrolle Bernicias) Oswine 642/643–651 Oswiu 651–670 (endgültige Vereinigung zum Königreich Northumbria) Æthelwald c.651–655 (Unterkönig in Deira) Ealhfrith c.655–664 (Unterkönig in Deira) Ecgfrith c. 664–670 (Unterkönig in Deira, ab 670 König von Northumbria) Ælfwine 670–679 (letzter Unterkönig in Deira)
Genealogie der Könige Deiras Im Stammbaum der Dynastie sind Könige durch Fettschrift hervorgehoben.Einzelnachweise zu Verwandtschaftsverhältnissen und Regierungs- bzw. Lebensdaten sind in den Biografien enthalten.
Mythische Herkunft Mythische Vorfahren nach der Angelsächsischen Chronik:Angelsächsische Chronik zum Jahr 560 und der Anglian Collection: Frithowulf Woden Waddy (Wegdæg) Seagar (Siggar) Swaddy (Suebdæg) Sigeat (Siggeot) Sebbald (Sæbald) Sæfugul („Meeres-Vogel“) (Seomel)nur in der Anglian Collection Westorualcna („West-Falke“) Wilgis (Wilgils) Uscfrea (Wuscfrea) Yffi Ælle
Mythische Vorfahren nach der Historia Brittonum:Historia Brittonum, 61 Woden Beldeg Brond Siggar (Siggar) Sibald (Sæbald) Zegulf Soemil (Soemel) Sguerthing Giulglis (Wilgis, Wilgils) Ulfrea (Wuscfrea) Iffi (Yffi) Ælle ÆlfricJohn Cannon, Anne Hargreaves: The Kings and Queens of Britain. 2. überarb. Auflage. Oxford University Press, 2009, ISBN 978-0-19-955922-0, S. 34. Eadwine 2 Söhne Osfrith Eanfrith
Historische Dynastie ÆlleD.P. Kirby, Alfred Smyth, Ann Williams (Hrsg.): A Biographical Dictionary of Dark Age Britain. Routledge, 1991, ISBN 978-1-85264-047-7, S. xxvii. Acha ⚭ Æthelfrith (593–616) Edwin (616–633) ⚭I. Cwenburh, Tochter des Königs Ceorl von Mercia ⚭II. Æthelburg (605–647), Tochter des Königs Æthelberht I. von Kent (siehe Oiscingas) (I) Osfrith Yffi (I) Eadfrith (II) Eanflæd (* um 625) ⚭ Oswiu (642–670) (II) Uscfrea (II) Æthelhun (II) Æthelthryth NN Hereric (Eltern unbekannt, Neffe von Edwin) ⚭ Breguswith Hilda von Whitby, Heilige Hereswitha ⚭ Æthelhere (siehe Wuffinger) Æthelric (589–604) Ælfric (Bruder Ælles) Osric (633–634) Oswine (642–651)
Siehe auch Angelsachsen Geschichte Englands
Quellen Janet Bately (Hrsg.): The Anglo-Saxon Chronicle: MS A v. 3. Brewer, Rochester NY 1986, ISBN 0-85991-103-9. B. Colgrave, R.A.B. Mynors (Hrsg.): Bede’s Ecclesiastical History of the English People. Clarendon, Oxford 1969, ISBN 0-19-822202-5.
Literatur Steven Basset (Hrsg.): The Origins of Anglo-Saxon Kingdoms. Leicester University Press, Leicester 1989, ISBN 0-7185-1317-7. John Blair et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Blackwell, Oxford 1999, ISBN 0-631-15565-1. James Campbell (Hrsg.): The Anglo-Saxons. Phaidon, London 1982, ISBN 0-7148-2149-7. Nicholas J. Higham: The Kingdom of Northumbria. AD 350–1100. Sutton, Stroud 1993, ISBN 0-86299-730-5. D. P. Kirby: The Earliest English Kings. Unwin Hyman, London 1991, ISBN 0-04-445691-3. Frank M. Stenton: Anglo-Saxon England. 3. Auflage. Oxford University Press, Oxford 1971, ISBN 0-19-280139-2. Barbara Yorke: Kings and Kingdoms of Early Anglo-Saxon England. Routledge, London / New York 2002, ISBN 0-415-16639-X; cultorweb.com (PDF 6,2 MB).
Weblinks Königsliste und zusätzliche Informationen. historyfiles.co.uk (englisch).
Einzelnachweise
Kategorie:Geschichte Englands im Mittelalter Kategorie:Historisches Territorium (England) Kategorie:Stammliste