mini|Fabrikgelände der New-York Hamburger Gummi-Waaren-Fabrik vor 1914

Das Museum der Arbeit in Hamburg-Barmbek hat die Wandlung des Lebens und der Arbeit in den letzten 150 Jahren zu seinem Hauptthema gemacht. In den Ausstellungen werden Themen wie die Auswirkungen der Industrialisierung und die dadurch ausgelösten Veränderungen in sozialen, kulturellen und ökonomischen Bereichen vorgestellt. Das Museum ist ein Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH).

Geschichte Pläne für ein solches Museum existierten bereits seit Ende der 1970er Jahre und ein entsprechender Museumsverein wurde 1980 unter wesentlicher Mitwirkung von Achim Quaas gegründet. Leerstehende Fabrikgebäude waren Anlass die Geschichte der Industrialisierung und ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen zu dokumentieren. Etta Grotrian-Steinweg: Verein Museum der Arbeit in Hamburg - Museumsgründung von „Praxis- und Museumsexperten“, in Barfuß oder Lackschuh? Geschichtswerkstätten und „neue Geschichtsbewegung“ in den 1980er Jahren, Dissertation 2023, S. 202–272. Der Gründerverein trägt heute den Namen Freunde des Museums der Arbeit e. V. und ist ein Museums-Förderverein mit 1300 Mitgliedern (2018). Er unterstützt das Museum durch Geldmittel und viel ehrenamtliche Mitarbeit in der Druckwerkstatt und im Museumsladen und ist Herausgeber der Zeitschrift „mitarbeit“ und des „Infobrief“s. Einmal im Jahr wird seit 1991 eine Museumsreise organisiert. 1982 konnte das Gelände der 1871 gebauten ehemaligen Fabrik der New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie (NYH)Jürgen Ellermeyer: Von der ersten Kunststofffabrik des Kontinents zum mittelständischen Nischenbetrieb – Zur Geschichte der New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie (NYH) in Gudrun Wolfschmidt (Hrsg.): Wissen aus 400 Jahren Chemie in Hamburg, Hamburg 2016, S. 311–367, ISSN 1610-6164. in Barmbek angemietet werden. Mit provisorischen Ausstellungen und wachsenden Museumswerkstätten wurde im Laufe von zehn Jahren ein Konzept entwickelt. Die Gründer wollten eine andere Geschichte erzählen – nicht die der Herrschenden, der „oberen Schichten“, sondern eine Geschichte der Mehrheit der Bevölkerung, eine Geschichte „von unten – für unten“.Dr. Jürgen Bönig: Wenn die Arbeit ausgeht … - Zur Gründungsgeschichte des Museums der Arbeit Hamburg, in mitarbeit, Herausgegeben von den Freunden des Museums der Arbeit e. V., Hamburg 2010, S. 14/15, ISSN 1865-0406 Gegen das Projekt gab es viel Widerstand und der Kultursenator Ingo von Münch konnte seinen Gründungsbeschluss nur mit hauchdünner Mehrheit im Hamburger Senat durchsetzen.Nach 16 Jahren: Das Museum der Arbeit ist eröffnet, Hamburger Abendblatt vom 4./5.1997, S. 6 Der Umbau begann jedoch erst 1992. Die Bürgerschaft hatte für die Gebäudesanierung im Frühjahr 1992 13,4 Mill. DM und 4,4 Mill. DM für die Ausstellung bewilligt.Direktor Krankenhagen: Ein großer und bewegender Augenblick, in: Nach 16 Jahren: Das Museum der Arbeit ist eröffnet. Hamburger Abendblatt vom 4./5.1997, S. 6 Mit dem Kesselhaus (hier wurde früher der Dampf für den Maschinenantrieb produziert) wurde 1994 das erste Gebäude des Museums der Arbeit eingeweiht. Weitere Umgestaltungen folgten, so dass die Dauerausstellung im Haupthaus am 5. Januar 1997 eröffnet werden konnte.

Das Areal, auf dem heute das Museum der Arbeit steht, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Das einstige Industrie-Ensemble ist nicht nur ein Denkmal für Barmbeks Identität als Arbeiterviertel. Es öffnet auch eine andere Perspektive auf die oft einseitig als Handelsmetropole wahrgenommene Hansestadt.Ulrich Thiele: House of the working class, Hamburg History Live Magazin, Ausgabe 8 (2018), S. 51–64. Die NYH begann 1873 mit der Produktion von Hartgummi, dessen Rohstoff aus europäischen Kolonien stammte. Aus dem zu Hartgummi verarbeiteten Naturkautschuk wurden in großen Mengen technische Produkte und vor allem Haarkämme industriell hergestellt.Rita Müller: Ein neuer Anfang – Mit dem sanierten Torhaus blickt das Museum der Arbeit in die Zukunft, History Life, Das Magazin der Stiftung Historische Museen Hamburg, Frühjahr/Sommer 2025, S. 30–34

Auf dem Museumshof steht ein Menck-Bagger, der für Vorführungen betriebsbereit ist, und eine Straßenwalze. Der Universal-Seilbagger wurde 1937 von der Maschinenfabrik Menck & Hambrock gebaut, die von 1868 bis 1974 in Hamburg-Ottensen ansässig war.Menck-Bagger in Betrieb, Zeitschrift Industrie-Kultur 3/2006, Klartext-Verlag, Essen, S. 46. Die Straßenwalze MW 21 „Emil“, 1964 von der Firma Henschel Werke AG in Kassel hergestellt, wiegt 10 Tonnen und hat 40 PS. „Emil“ ist betriebsfähig eingerichtet. Die Walze verfügt über ein dreistufiges Hydraulikgetriebe und eine hydraulisch unterstützte Lenkung. Direkt am Ufer des Osterbekkanals befindet sich ein 1915 von den Werkstätten der HHLA gebauter und sanierter Rolldrehkran.Museumsflyer Museum der Arbeit, Januar 2022.

Die Bibliothek im Museum hat Bücher und Zeitschriften zur Alltags- und Sozialgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert, Geschichte der Arbeit und der Arbeiter Hamburg, Technik und Wirtschaft sowie Geschlechtergeschichte. Im Bestand sind 30.000 Bände. Seit Gründung des Museum sind Mitarbeiter der Elbe-Werkstätten in verschiedenen Funktionen tätig.Marta Ozwos: Eine fast unbekannte Erfolgsgeschichte - 20 Jahre Elbe-Werkstätten im Museum der Arbeit. S. 72–74 in: Herausgeber: Vorstand der Freunde des Museums der Arbeit e. V.: mitarbeit Nr. 23/2017.

Der Hamburger Fotograf und Bildreporter Gerd Mingram (Germin) hat sein Archiv von 80.000 Bildern aus der Sozialgeschichte, davon viele aus der Arbeitswelt, dem Museum der Arbeit übergeben.taz vom 6. Oktober 1989, S. 27

Am 1. Januar 2008 wurde das Museum in die Trägerschaft der Stiftung Historische Museen Hamburg überführt.

Direktoren des Museums Gernot Krankenhagen (1997–2004) Lisa Kosok (2004–2008) Kirsten Baumann (2009–2013) Rita Müller seit dem 1. Januar 2014http://www.museum-der-arbeit.de/de/das-museum-der-arbeit/mitarbeiter/team.htm

Ausstellungen Ständige Ausstellung Neben einer Sammlung zur Firmengeschichte der New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie werden unter dem Titel „Alltag im Industriezeitalter“ anhand von Gegenständen und Dokumenten Alltagsveränderungen dargestellt. Mit einer Originalaufstellung der ehemaligen Metallwarenfabrik Carl Wild, die emaillierte Anstecknadeln, Medaillen und Abzeichen hergestellt hat, wird exemplarisch ein Arbeitsort in einem Kleinbetrieb vorgestellt. Eine weitere Abteilung stellt die Entwicklung typischer hanseatischer Kontore aus der Zeit des Überseehandels am Beispiel Kautschuk und Kakao im 19. Jahrhundert bis in die 1950er Jahre mit sich verändernden Büromaschinen aus.

Der Ausstellungsbereich „ABC der Arbeit – Vielfalt Leben Innovationen“ vermittelt anhand von Arbeitsprodukten, Kleidung, Werkzeugen, Maschinen, mündlichen und schriftlichen Erinnerungen und Fotografien unterschiedlichste Aspekte der Geschichte der Arbeit in Hamburg seit der Industrialisierung. Der Ausstellungsbereich zeigt mit einer Vielzahl an Exponaten und Arbeitsbiografien aus dem Sammlungsbestand des Hauses Facetten handwerklicher und industrieller Arbeit, des Dienstleistungsgewerbes, des Handels und der sozialen Berufe. Die Ausstellung bilanziert technische Innovationen und soziale Konflikte und reflektiert zugleich die Sammlungsstrategien des Museums mit Einblicken in die Inventardatenbank. Die Ausstellungsbesucher haben in einem „Sitzforum“ die Möglichkeit, sich mit Telefonhörern etwa 20 Lebensgeschichten von Arbeitern, Angestellten etc. aus verschiedenen Berufen und Branchen anzuhören und dabei Ausstellungsstücke aus diesem Leben zu betrachten; u. a.: Kesselschmied, Schlossermeisterin, Zimmermann, Hochschullehrerin, Erzieher, U-Bahnfahrerin, Paketzusteller, Friseurmeisterin, Elektro-Schlosser, Ingenieurin, Universalschleifer, Damenschneiderin, Betriebsrat, Berufsschullehrerin, Konditormeister, Hausfrau, Textilkaufmann, Drogistin, Gärtner und Herrenschneider.

Einen wesentlichen Teil der Ausstellung nimmt die Druckwerkstatt ein. Neben den ausgestellten historischen Pressen, Maschinen und Rotationen zur Dokumentation der technischen Entwicklung im Graphischen Gewerbe, werden auch einige funktionstüchtige Maschinen betrieben, an denen die Besucher vom Handsatz bis zum Maschinensatz, über die Schnellpresse bis hin zur Heidelberger Zylindermaschine selbst aktiv werden kann. Ein historischer Rückblick thematisiert die grundlegenden Umwälzungen im Graphischen Gewerbe und deren Folgen für die Beschäftigten.Museumsflyer des Museums der Arbeit, Hamburg 2022

Im Hof des Museums wurde am 4. April 2000 das Schneiderad der Schildvortriebsmaschine (380 Tonnen schwer, 14,2 m Durchmesser) TRUDE (Tief Runter Unter Die Elbe) von der Firma Herrenknecht aufgestellt, die für den Bau des neuen Elbtunnels eingesetzt wurde.

Das Torhaus mini|Das sanierte Torhaus mit dem Cafe Das Torhaus von 1910 war der Eingang zum einstigen Werksgelände. Das Gebäude wurde im Krieg stark beschädigt. Das ehemalige Walmdach fehlte und wurde durch ein provisorisches Flachdach ersetzt. Im April 2025 konnte die Sanierung und inhaltliche Modernisierung des Torhauses mit Mitteln des Bundes abgeschlossen werden. Im Erdgeschoss wurden die Zukunftswerkstatt sowie eine die Torhauskantine, eine Gastronomie unabhängig von den Öffnungszeiten eingerichtet. Im Obergeschoss befinden sich die Kompetenz-Werkstätten sowie der Gruppenraum. Das bisherige Bildungs- und Vermittlungsprogramm des Museums kann mit innovativen und partizipativen Angeboten ausgebaut werden. Ein wichtiges Anliegen ist es, mit den Angeboten die Kreativität zu fordern. Mit der Eröffnung des Torhauses ist die denkmalgerechte Sanierung des Barmbeker Fabrikensembles abgeschlossen. Es ist gleichzeitig der erste Schritt einer inhaltlichen Modernisierung des Museums der Arbeit.Rita Müller: Ein neuer Anfang – Mit dem sanierten Torhaus blickt das Museum der Arbeit in die Zukunft, History Life, Das Magazin der Stiftung Historische Museen Hamburg, Frühjahr/Sommer 2025, S. 30–34

Sonderausstellungen (auszugsweise) 2006/07: Gib Gummi! Kautschukindustrie und Hamburg In den Jahren 2010 bis 2011 war im Museum die Ausstellung Werbewelten Made in Hamburg – 100 Jahre Reemtsma zu sehen.FAZ vom 21. Oktober 2010, S. 25: Der Duft grenzenloser Freiheit Anlässlich des einhundertsten Bestehens des Alten Elbtunnels in Hamburg zeigte das Museum in der Ausstellung Tunnel. Hamburg und seine Unterwelt, die Bedeutung und die Entwicklung der Tunnelbauten der Stadt 2013/2014: Fotoausstellung Wanderarbeiter 5. November 2015 bis 3. April 2016: Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg 6. September 2017 bis 4. März 2018: Das Kapital von Karl Marx, der Druck des 1. Bandes in Hamburg vor 150 Jahren 30. September bis 18. Juli 2021: Grenzenlos – Kolonialismus, Industrie und Widerstand 2021/22: Konflikte. Die Ausstellung 26. Oktober 2022 bis 7. Mai 2023: Wie alles Begann. Von Galaxien, Quarks und Kollisionen 31. Juli 2024 bis 1. September 2024: III. Biennale Angewandter Kunst der ADK und GEDOK

Ursula-Schneider-Preis Der Verein der Freunde des Museums der Arbeit vergibt seit 2020 den „Ursula-Schneider-Preis“ für studentische Abschlussarbeiten, die sich mit der Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Arbeitswelten befassen. Ursula Schneider (1943–2019) war Gründungsmitglied des Vereins der Freunde des Museums der Arbeit und langjährige Kuratorin am Museum der Arbeit. Eine Fachjury prämiert je zwei Bachelor- und Masterarbeiten mit Preisen zwischen 500 und 2000 Euro.

Außenstelle Speicherstadtmuseum