Zatoichi – Der blinde Samurai ist ein japanischer Jidai-geki-Film des Regisseurs und Schauspielers Takeshi Kitano aus dem Jahr 2003, der eine in den 1960er-Jahren begonnene Filmreihe um die japanische Kultfigur Zatōichi fortsetzt. Die Rolle des Zatōichi wird von Kitano selbst gespielt. Der Film hatte seine Uraufführung am 2. September auf den Internationalen Filmfestspielen von Venedig und kam am 24. Juni 2004 in die deutschen Kinos.
Handlung Im Japan des 19. Jahrhunderts kommt der blinde Wandermasseur Zatōichi, hinter dessen harmlosem Äußerem sich ein präziser und gnadenloser Schwertkämpfer verbirgt, in ein Bergdorf. Dort herrscht der Ginzo-Klan mit brutaler Hand. Zatōichi stellt sich auf die Seite der Unterdrückten, insbesondere zweier junger Geishas, deren Eltern einst den skrupellosen Gangstern zum Opfer fielen und die auf Rache aus sind. Zatoichi verdient sich seine Brötchen im Würfelspiellokal des Dorfes, denn seine scharfen Ohren hören, ob gerade oder ungerade Zahlen geworfen wurden. Als er immer nur gewinnt, wird der Lokalbesitzer unruhig und veranlasst den Croupier zu tricksen. Der Blinde bemerkt es, metzelt die ganze Lokalbelegschaft nieder und macht sich damit den Ginzo-Klan zum Feind. Der junge, überaus kampfstarke Rōnin Hattori, der zur Versorgung seiner kranken Frau für den Klan als Killer arbeitet, wird auf ihn angesetzt und es kommt zum Entscheidungskampf am Strand: Zatoichi entscheidet den Kampf mit einem einzigen Hieb für sich. Danach führt er die Anführer ihrer gerechten Strafe zu und gibt zu erkennen, dass er gar nicht blind ist. Das Happy End bildet ein Fest mit einem Stepptanz. Schließlich sieht man Zatōichi, wie er über einen Stein stolpert, und hört ihn sagen: „Selbst mit weit geöffneten Augen sehe ich nicht das Geringste.“
Hintergründe zum Film Chieko Saito, eine gute Freundin des verstorbenen Original-Zatōichi-Darstellers Shintarō Katsu und Besitzerin der Filmrechte, wandte sich an Takeshi Kitano mit der Bitte, die in den 1960er-Jahren begonnene Zatōichi-Filmreihe fortzuführen, deren bis dahin letzter Teil 1989 gedreht worden war.
Kitano behielt einige Grundzüge der Kultfigur bei, fügte aber auch moderne Elemente hinzu: So erhielt Zatōichi platinblonde Haare und ein rot angemaltes Stockschwert, um seinen Außenseiterstatus noch zu unterstreichen. Außerdem wurden einige Gewaltszenen mit Computeranimation absichtlich übertrieben oder verfremdet dargestellt. Trotz der Anwesenheit eines Choreographen zog Kitano es vor, die Kämpfe selbst zu inszenieren. Da er dabei seine Augen geschlossen halten musste, kam es bereits während der Proben beinahe zu einer schweren Augenverletzung.
Die Tochter Akira Kurosawas, Kazuko Kurosawa, war für die Kostüme zuständig.
Die Stepptanztruppe „The Stripes“, die im Finale einen zehnminütigen Auftritt absolviert, ist Kitanos persönliche Lieblingsgruppe. In ihrer westlich-afrikanischen Art des Tanzes erinnert die Sequenz allerdings mehr an „Stomp“ oder an Hip-Hop als an Kabuki.film-dienst 13/04, S. 20 f.David Rooney auf Variety
Interessant ist der rhythmische Einsatz von Geräuschen der Bauern, die mit ihren Harken das Feld pflügen, oder von Handwerkern, die mit ihren Werkzeugen die Holzbalken für ein neues Haus bearbeiten. Diese Rhythmen, die im Stepptanz am Ende des Films wieder aufgenommen werden, stehen meistens im Gegensatz zur eigentlichen Filmmusik und erzeugen dadurch einen spannenden Kontrast.David Rooney auf Variety
Laut einem InterviewJörg Stodolka: Eyes Wide Open – Gespräch mit Takeshi Kitano, a. a. O., S. 10 f. sieht Kitano in der Homosexualität in der japanischen Geschichte und Kultur ein unterschwelliges Thema. Der Film enthält daher recht deutliche Bezüge.
Kritiken
Auf den Werdegang des Filmemachers bezogen sah der Lumière Reader damals voraus: „but the signs are that the whole Harry Callahan-slash-sensitive machismo schtick has exhausted itself.“
Erfolg Zatoichi – Der blinde Samurai wurde mit einem weltweiten Einspielergebnis von über 30 Millionen US-Dollar Takeshi Kitanos kommerziell bisher erfolgreichster Film. Die Kinoauswertung in Deutschland spielte 489.809 € ein.Einspielergebnis laut Mediabiz.de
Auszeichnungen Internationale Filmfestspiele von Venedig 2003 Open Prize Zuschauerpreis Special Director’s Award Future Film Festival Digital Award
Toronto International Film Festival 2003 Zuschauerpreis
Sitges Festival Internacional de Cinema de Catalunya 2003 Bester Film
Japanese Academy Awards 2004 Beste Kamera: Katsumi Yanagishima Bester Schnitt: Takeshi Kitano, Yoshinori Oota Beste Beleuchtung: Hitoshi Takya Beste Musik: Keiichi Suzuki Bester Ton: Senji Horiuchi Außerdem nominiert in den Kategorien Bester Film Beste Ausstattung: Norihiro Isoda Bester Nebendarsteller: Tadanobu Asano Beste Nebendarstellerin: Michiyo Ookusu
Weblinks
The Blind Swordsman: Zatoichi Besprechung von Roger Ebert (englisch) Zatoichi Besprechung von Jasper Sharp bei www.midnighteye.com (englisch) Artikel über Genre-Motive in Zatoichi auf g-wie-gorilla.de
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2003 Kategorie:Japanischer Film Kategorie:Martial-Arts-Film Kategorie:Blindheit im Film