mini|Präsentation zum Thema Jungsteinzeit im Fränkische Schweiz-Museum in Pottenstein
Die Jungsteinzeit oder Neusteinzeit, fachsprachlich Neolithikum (aus altgriechisch ‚neu, jung‘ und ‚Stein‘), ist eine Epoche der Menschheitsgeschichte, die als (erstmaliger) Übergang von Jäger- und Sammlerkulturen zu Hirten- und Bauernkulturen definiert wird.weswegen sie in Dänemark, aber auch in Bezug auf angrenzende Regionen Norddeutschlands auch als Bauernsteinzeit bezeichnet wird Das entscheidende Kriterium für den Beginn des Neolithikums ist der Nachweis domestizierter Nutzpflanzen.
Abweichend dazu wurde und wird das Neolithikum im Einflussbereich der ehemaligen Sowjetunion durch die Herstellung von Keramik und die Abwesenheit von Metallen definiert, was insbesondere bei Zitaten (zum Beispiel aus David W. Anthony, der dieser Praxis für die Osteuropa folgt) zu erheblichen Missverständnissen führen kann, da eine solche Definition im internationalen Sprachgebrauch sowohl Mesolithikum als auch keramisches Neolithikum bedeuten kann.David W. Anthony (2007): The horse, the wheel, and language. ISBN 978-0-691-05887-0, S. 126.
Nach derzeitigem Kenntnisstand begann das Neolithikum zuerst um 9500 v. Chr. im Fruchtbaren Halbmond Vorderasiens (vor allem an den Südrändern des Zagros- und Taurusgebirges). Das Beginndatum wird allerdings grundsätzlich auf die betrachtete Region bezogen, so dass die Jungsteinzeit etwa in Mittel-Hermann Parzinger: Die Kinder des Prometheus. Eine Geschichte der Menschheit vor der Erfindung der Schrift. C. H. Beck Verlag, München 2015, ISBN 978-3-406-66657-5, S. 113–122: „1 Spezialisierte Wildbeuter der Levante nach dem Ende der Eiszeit“, „2 Erste Schritte zu bäuerlichem Leben im Fruchtbaren Halbmond“, „Die ältere vorkeramische Periode A (PPN A)“; S. 232–235: „3 Die Anfänge bäuerlichen Lebens in Mitteleuropa“. und Nordwesteuropa erst zwischen 5800 und 4000 v. Chr.Nadja Podbregar: Großbritannien: Migranten schon in der Jungsteinzeit. Artikel in Wissenschaft.de vom 16. April 2019, Online-Version, abgerufen am 6. Dezember 2019. begann. In mindestens zwei anderen Gebieten der Erde kam es unabhängig von Vorderasien zu einer analogen Entwicklung.
Der Übergang zur neolithischen Landwirtschaft (fachsprachlich Neolithische Revolution oder Neolithisierung) vollzog sich weltweit in geeigneten Regionen (siehe: Ökumene) je nach den vorherrschenden klimatischen und ökologischen Bedingungen unterschiedlich. Die bereits im Proto-Neolithikum vollzogene Sesshaftigkeit der Wildbeuter wurde durch den Pflanzenbau gegen Nahrungsengpässe gesichert. Während sich bei den Bauern immer größere, ortsfeste Dorfgemeinschaften bildeten, blieb die Lebensweise der pastoralen Viehhirten vorerst nomadisch oder halbnomadisch. Insbesondere der Feldbau schuf die Grundlage zu einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Nahrungsproduktion und Vorratshaltung führten zu einer größeren Unabhängigkeit von unkontrollierbaren Bestandsschwankungen der Wildtiere und -pflanzen. Dies führte zu einem stark steigenden Bevölkerungswachstum in den neolithisierten Regionen, das seit 3400 v. Chr. jedoch zu einem Stillstand kam. Auch ein Rückgang der Getreideproduktion lässt sich seit dieser Zeit erkennen. Viele bestehende Siedlungen wurden dauerhaft aufgegeben, und es kam zur Einwanderung neuer Bevölkerungsgruppen aus dem Süden. Der Bau von Megalithgräbern endete etwa um 2600 v. Chr.Frederik V. Seersholm, A. Ramsøe, J. Cao u. a.: Population discontinuity in the Paris Basin linked to evidence of the Neolithic decline. Nat Ecol Evol 10, 677–688 (2026) DOI:10.1038/s41559-026-03027-z.
Das Ende der Jungsteinzeit wird in der Alten Welt als Übergang zu den Epochen der frühen Metallverarbeitung definiert. So wird die Kupfersteinzeit in Europa und Vorderasien noch als letzte Epoche der Steinzeit betrachtet, während die anschließende Bronzezeit die Jungsteinzeit je nach Region zwischen 3300 und 1800 v. Chr. ablöste. In Afrika folgte auf die Jungsteinzeit direkt die Eisenzeit. Im präkolumbischen Amerika entwickelten sich unabhängig von eurasischen Verhältnissen diverse metallverarbeitende Kulturen, allerdings wurden Steinwerkzeuge auch in den metallurgisch fortschrittlichen Gesellschaften des andinen Raums im Alltag nie völlig durch Bronze ersetzt.Terence N. D’Altroy: The Incas. Second Edition. Blackwell, Malden 2015, ISBN 978-1-4443-3115-8, S. 318 f. In Australien und Ozeanien gab es hingegen vor der Kolonisierung durch Europäer keine Metallverarbeitung.
Definition mini|Rekonstruktion einer jungsteinzeitlichen Sichel aus Holz mit eingeklebten Feuersteinklingen
Der britische Anthropologe Sir John Lubbock teilte in seinem 1865 erschienenen Werk Prehistoric Times die Steinzeit in die „Periode des geschlagenen Steins“ (Old Stone Age ,Altsteinzeit‘) sowie die „Periode des geschliffenen Steins“, die er New Stone Age ,Jungsteinzeit‘ nannte.John Lubbock: Prehistoric Times, as Illustrated by Ancient Remains and the Manners and Customs of Modern Savages. Williams and Norgate, London 1865 (deutsche Ausgabe: Die vorgeschichtliche Zeit erläutert durch die Überreste des Alterthums und die Sitten und Gebräuche der jetzigen Wilden. Costenoble, Jena 1874, 2 Bände). Heute wird der Beginn der Jungsteinzeit mit dem Übergang von der aneignenden (Jagd, Sammelwirtschaft, Fischerei) zur produzierenden Wirtschaftsweise (Feldwirtschaft, Gartenbau, Viehwirtschaft) in Verbindung gebracht. Der damit verbundene Kulturwandel brachte einige weitere Merkmale mit sich, die heute auch als „Neolithisches Bündel“ () bezeichnet werden:
Sesshaftigkeit der Bauern (Nomadismus bleibt bei den auf Viehhaltung basierenden Kulturen bestehen. Etliche Mischformen wie etwa bei der Transhumanz) Domestizierung von Tieren und Pflanzen Verbreitung geschliffener Steingeräte (Steinbeile, Dechsel) Ausweitung des Gebrauchs von Gefäßen aus Keramik
Zeitliche Einteilung der neolithischen Kulturen Vorderasiens und Europas mini|hochkant=2|Die Ausbreitung der Neolithischen Kulturen ausgehend vom südöstlichen Mittelmeerraum in den Nordosten Europas. mini|hochkant=1.5|Karte der europäischen Jungsteinzeit,um 4500–4000 v. Chr.
12.000 bis 9500 v. Chr.: Proto-Neolithikum (Kulturen: Natufien, Harifien, Sultanien und Khiamien)
Einige Jäger-, Sammler- und Fischerkulturen, die in der Levante und am mittleren Euphrat existierten, waren aufgrund des fruchtbaren Klimas und eines entsprechend großen Nahrungsangebotes im Alleröd-Interstadial bereits im Epipaläolithikum weitgehend sesshaft. Ab etwa 10.700 v. Chr. kam es mit der jüngeren Dryaszeit zu einem scharfen Kälterückfall, der immer häufiger zu saisonalen Nahrungsengpässen führte. Um ihre sesshafte Lebensweise nicht wieder aufgeben zu müssen, nutzten die Menschen vermehrt Wildgetreide und es entstand ein erster, ungeregelter Getreideanbau. Da es nur bedingt möglich ist, die Ernte von Wildgetreiden ohne Wiedereinsaat vom gezielten Anbau zu unterscheiden, wird das Protoneolithikum noch nicht zur Jungsteinzeit gerechnet.Marion Benz: Die Neolithisierung im Vorderen Orient. Ex oriente e.V., 2., kaum veränderte Auflage, Berlin 2008. ISBN 3-9804241-6-2. (PDF), S. 18, 32–43, 90. Die Wohnplätze bestanden aus Rundhütten (Mallha/Eynan). Feuersteinwerkzeuge wurden noch nicht geschliffen, sondern in die gewünschte Form geschlagen.
Wichtige Fundorte: Jericho und Mureybet I A
9500 bis 8200 v. Chr.: Präkeramisches Neolithikum A (Pre-Pottery Neolithic A, PPNA), ältere Phase des Akeramikums
Älteste Nachweise für domestizierte Getreidepflanzen. In dieser Zeit gab es erste Siedlungen aus Rundhäusern (Trockenmauerwerk). Manche der Siedlungen liegen in der untersten Schicht späterer Tells. Die Kunst dieser Zeit beschränkte sich hauptsächlich auf Idole, kleine Steinskulpturen, die hauptsächlich Frauen, seltener Männer oder Tiere darstellten. Getreideanbau war zu dieser Zeit wohl schon bekannt, bildete aber noch nicht die Grundlage der Ernährung. Die Viehzucht lässt sich in diesem Frühstadium osteologisch noch nicht belegen, es wurden weiter Gazellen gejagt.
Wichtige Fundorte: Mureybet I B, II, III, Tell es-Sultan (Jericho), Göbekli Tepe III
8200 bis 6800/6500 v. Chr.: Präkeramisches Neolithikum B (Pre-Pottery Neolithic B, PPNB)
Die Häuser waren rechteckig oder quadratisch. Die Domestikation von Tieren ist festgestellt, eine Ausbreitung nach Westen fand statt, mit Floß und Einbaum auch übers Meer (Zypern). Meist weibliche Idole aus Stein oder Ton mit nur angedeuteten Gesichtern, aber deutlich ausgeprägten Geschlechtsteilen traten nun auf. Werkzeugherstellung durch geschliffene Steinindustrie und erste ungebrannte Keramik ist bekannt.
Wichtige Fundorte: Nevalı Çori, Göbekli Tepe II, ʿAin Ghazal
6500 bis 5500 v. Chr.: Keramisches Neolithikum im Vorderen Orient (Pottery Neolithic, PN), genannt auch Jüngeres Neolithikum, ab etwa 6200 v. Chr. auch im östlichen Mittelmeergebiet
Totenbestattungen erfolgten nun außerhalb der Siedlung. Neben dem Getreideanbau waren auch Nutztiere bekannt, die Jagd war nicht mehr der Hauptfleischlieferant. Die Keramikherstellung verbreitete sich weiter. Archäologisch wird das Keramische Neolithikum in drei Phasen unterteilt: monochrome Phase bemalte Phase klassische Phase
Die Grabungen in Jericho und Mureybet wurden von Jacques Cauvin, Kathleen Kenyon und John Garstang durchgeführt. Auf sie geht die wissenschaftliche Systematik zurück.
5500 bis 2200 v. Chr.: Neolithikum in Mitteleuropa Die Unterstufen Frühneolithikum, Mittelneolithikum, Jungneolithikum, Spätneolithikum, Endneolithikum sind in einzelnen Regionen unterschiedlich definiert. Im südlichen Mitteleuropa werden die Stufen Jung-, Spät- und Endneolithikum synonym auch als Kupfersteinzeit (kurz auch genannt: Kupferzeit) bezeichnet. In einigen Regionen (zum Beispiel Mähren, Ungarn, Italien) wird das Neolithikum enger gefasst und die Kupferzeit als „Äneolithikum“ oder „Chalkolithikum“ bezeichnet.
Es handelte sich um eine Phase bäuerlicher Kulturen: Metall spielte noch keine große wirtschaftliche Rolle.
5500 bis 3300 v. Chr.: Kupfersteinzeit (auch genannt: Kupferzeit, Chalkolithikum oder Äneolithikum) im Vorderen Orient
Hier liegt der Beginn der Metallverarbeitung im Schmelzverfahren. Nun bildeten sich auch gesellschaftliche Oberschichten, Fernhandel und stärker befestigte Siedlungen heraus.
4500/4000–2200 v. Chr.: Kupfersteinzeit in Mitteleuropa Im südlichen Mitteleuropa wird zwischen Jungneolithikum, Spätneolithikum und Endneolithikum unterschieden. Früheste Kupferverarbeitung in Mitteleuropa fand statt (Jordansmühler Kultur, Lengyel-Kultur). Nachgewiesen ist eigener Erzabbau und Verhüttung (Mondseekultur) erst im Verlaufe mehrerer Jahrhunderte. Es bestand ein Einfluss westlicher Megalithkultur (zum Beispiel Michelsberger Kultur, nordische Trichterbecherkultur).
Neolithische Revolution In der Levante entstanden einige dauerhafte Siedlungen bereits vor der Entwicklung der Landwirtschaft. Die Umgebung dieser Siedlungen bot den Bewohnern in der Allerödzeit genügend Ressourcen (Fisch, Fleisch oder Pflanzen). Der Kultivierung und dem Anbau von Getreide ging eine jahrtausendelange Nutzung entsprechender Wildvorkommen voraus, am See Genezareth seit 21.000 v. Chr. nachweisbar (Ohalo II). Diese Vorstufe zur produzierenden Landwirtschaft wird von einigen Autoren als proto-neolithisch bezeichnet; kulturhistorisch jedoch noch dem Epipaläolithikum (Mittelsteinzeit im Vorderen Orient) zugerechnet.
Entstehung der Landwirtschaft mini|Jungsteinzeitliche Essensreste und Geschirr (Schweiz): Mahlsteine, verkohltes Brot, verkohlte Getreidekörner und Äpfelchen, Kochtopf aus Ton, Trinkgefäße aus Hirschgeweih und Holz