mini|Chief Ignacio (1828–1913), Häuptling der Weeminuche Ute, 1904 Die Ute sind ein Volk amerikanischer Ureinwohner des Kulturareals des Großen Beckens (Great Basin) der Vereinigten Staaten, das sowohl durch das humide Klima in den hohen Bergen als auch durch die semiariden, oft wüstenähnlichen tiefen Täler geprägt ist. Alle Stämme und Völker des Great Basin (mit Ausnahme der Washoe im Westen) gehörten den Numic-sprachigen Völkern an.
Heute beschränkt sich ihr Siedlungsgebiet weitgehend auf die drei Ute-Reservate sowie ein Reservat der Südlichen Paiute: Uintah and Ouray Indian Reservation im Nordosten von Utah (3.500 Stammesmitglieder); Southern Ute Indian Reservation in Colorado (1.500 Stammesmitglieder); Ute Mountain Reservation größtenteils im Süden Colorados (jedoch reicht es nach Utah und New Mexico) (2.000 Stammesmitglieder) und die Reservation des Paiute Indian Tribe of Utah (ca. 1.000 Stammesmitglieder – größtenteils Paiute). Die Mehrheit der Ute lebt auf diesen vier Reservationen, manche jedoch auch außerhalb.
Name Die Herkunft und Bedeutung der heute allgemein gebräuchlichen Stammesbezeichnung Ute ist nicht geklärt, stammt nicht aus der Ute-Sprache und konnte bisher auch aus keiner anderen indigenen Sprache überzeugend abgeleitet werden. Die erste Erwähnung des Namens in Form von Yuta ist in spanischen Dokumenten zu finden. Es könnte sich jedoch um eine spanische Übernahme einer Bezeichnung der Westlichen Apache (in Ute: Ahvahch) für die nördlich lebenden Navajo als yutaháⁿ, yú·dàh („Jene, die weit oben [im Norden] leben“)The Social Organization of the Western Apache - Appendix B - Western Apache Names for Alien Pepoles, Groups, Bands, and Clans Used by Other Writers handelnChapter 12 - Ute Culture; eine fehlerhafte Übertragung von Ethnonymen auf ursprünglich nicht mit diesem bezeichnete Gruppen war nicht selten, da die Europäer oftmals nicht genau die einzelnen indigenen Ethnien voneinander unterscheiden konnten.
Wie viele indigene Völker bezeichneten sie sich selbst je nach Dialekt einfach als núuchi-u, noochew, nuciu oder nütci, nütciu („Volk“), die Pluralform von núuchi, nooch oder nü, nüni, nütc („Mensch“, „Person“).Talmy Givón: Ute Reference Grammar. John Benjamins Publishing Co, ISBN 978-90-272-0285-7. Heute bezeichnen sie sich manchmal auch als Numi Nuuchiyu („Wir sind das Volk der Ute“).Handbook of North American Indians, Band 11 Great Basin, S. 365
Die Shoshone (Surgurch) übernahmen wahrscheinlich die Fremdbezeichnung. Die Shoshone hatten mittels Handelsbeziehungen Kontakt zu Spaniern und vermutlich hierdurch deren Bezeichnung übernommen; es war durchaus nicht selten, dass ursprüngliche Ethnonyme fallengelassen wurden und durch andere ersetzt wurden. Diese „Volksbezeichnungen“ waren meist überregional für Völker verschiedener Sprachen verständlich und erleichterten die Kommunikation untereinander, Beispiele: Sioux, Cheyenne, Comanche und Apache. Ein Hinweis, dass es sich nicht um ein ursprünglich aus dem Shoshoni stammendes Ethnonym handelt ist, dass es „keine“ Bedeutung außer der Bezeichnung der Ute selbst hat, dies widerspricht jedoch der allgemein üblichen indigenen Praxis, benachbarte Völker entweder nach kulturellen, sozialen oder äußerlichen Eigenheiten (siehe „Rohrkolben“ für Navajo oder „Hundefleischesser“ für Arapaho, nach Landmarken bzw. Richtungen oder als „Feinde“ (für Comanche und Kiowa) zu bezeichnen. Die Ute-Bezeichnung für die Apache als „Ahvahch“ ist ein weiteres Beispiel für die Übernahme einer Stammesbezeichnung durch Indigene aus dem Spanischen (diese selbst hatten es vermutlich aus der Sprache der Zuñi mit der Bedeutung „Fremder, Feind“ entliehen), die Ute-Bezeichnung für die Cheyenne als „Seeyehnah“ ist wiederum eine Entlehnung der aus den verschiedenen Sioux-Sprachen entlehnten Bezeichnung Šahíyena/Šahíyela als „kleine Šahíya“. Die Shoshonen nannten die Ute ebenfalls einfach yuuta, yuuta'(-a)Shoshoni Dictionary bzw. iyuta, iyutaanee oder yuta, yuta', yoo-tahEastern Shoshone Working DictionaryEastern Shoshone Language - Tribes & Nationalities, die Algonkin-sprachigen Arapaho (Sadteetuhkuh – „Hundefleischesser“) bezeichneten die Ute als woo'teeneiht („schwarze [dunkelhäutige] Person“) oder wenn sie alle Ute meinten als wo'teeniiteen („schwarzer [dunkelhäutiger] Stamm“), die Cheyenne (Seeyehnah) ebenfalls als Mo'ȯhtávėhetaneo'o („schwarz[häutiges] Volk“)Arapaho Lexical DictionaryCheyenne Dictionary. Die Navajo kannten sie einfach als Nóódaʼí („Feinde“), die Ute hingegen betrachteten diese nicht als gefürchteten Nachbarstamm, sondern machten sich mehr über deren Erscheinungsbild lustig. Sie bezeichneten die Navajo als pua'w'its, pao'wits oder pahgahweech (Rohrkolben, Süßgräser), da für Ute-Verhältnisse die Navajo lächerlich groß und dünn waren.In den Ute-Erzählungen über Navajo wird immer erwähnt, dass diese wie „Rohrkolben“ oder „Schilf“ in großer Zahl dicht gedrängt entlang der Wasserwege siedelten, Najavo-Lager waren immer groß und umfassten viele Personen. Während des Ute-Jicarilla-Krieges gegen Navajo gab es laut Ute bei Navajo keine Eile, diese in ihren Lagern anzugreifen, sobald sie gesichtet wurden, diese würden später immer noch dort sein, anscheinend an der gleichen Stelle entlang des Flussufers. Als Einzelpersonen werden (wurden) auch heute noch Navajo, die das Reservat der Südlichen Ute (Southern Ute Indian Tribe) besuchen, verspottet, weil sie übermäßig groß und dünn sind, „wie Pao'wits“.
Stammesgebiet Ihr Stammesgebiet, das sie Nootuvweep („Land des Volks“, d. h. „Land der Ute“) nannten, umfasste den Osten des heutigen Utah, den Westen und die Mitte Colorados sowie den Norden New Mexicos bis zum San Juan River (und dessen Nebenflüssen) und Oberlauf des Canadian Rivers. Die ursprünglichen Jagd- und Sammelgründe der UteTraditional Ute Lands reichten jedoch weit darüber hinaus bis in den Südwesten Wyomings, auf die Plains im Osten Colorados und Westen von Kansas, dem Oklahoma und Texas Panhandle sowie den Nordosten von Arizona und Osten Nevadas. Als 1726/1728 die Ute-Comanche-Allianz zerbrach (da die nach Südwesten vertriebenen Jicarilla Apache nicht mehr als Puffer zwischen beiden Völkern dienten), brachen die Ute-Comanche-Kriege (1727–1786) aus, in denen die Ute und Jicarilla Apache den Spaniern oftmals als Scouts gegen die Comanche (und deren Verbündete) dienten. Große Teile der Südlichen Plains wurden nun zur Comancheria, dem Herrschaftsgebiet der Comanche (und ab 1790 zudem der Kiowa und Plains Apache), ab 1820 wurden die Plainsgebiete im Osten Colorados und Westen Kansas Stammesgebiete der feindlichen Südlichen Cheyenne und Südlichen Arapaho (die wiederum 1840 sich mit den Comanche-Kiowa-Plains Apache verbündeten). Seitdem konnten die Ute nur noch unter der Gefahr von eventuellen Konflikten mit den verbündeten Stämmen der Südlichen Plains, den Ko.ma’ntcia, Kɨmantsi, Kohmáhts, Koomahch („Jene, die mich immer bekämpfen möchten“), zur Bisonjagd die Plains nutzen.THE ORIGINS OF COMANCHE AND UTE
Sprache Die Sprache der Ute zählt zusammen mit den Sprachen der benachbarten und verwandten Bannock, Comanche, Chemehuevi, Gosiute, Paiute und Shoshone zu den Numic-Sprachen, die alle zum Nördlichen Zweig der uto-aztekischen Sprachfamilie zählen.
Obwohl die genannten Numic-Sprachen derselben Sprachfamilie entstammen, decken sich die Ethnonyme (Bezeichnungen der Ethnien) nicht immer mit den Einzelsprachen oder Dialekten und diese sind untereinander nicht so eng verwandt, wie der Name vermuten lässt, da sie jeweils verschiedenen Zweigen oder geographischen Dialektkontinua der Numic-Sprachen angehören – so gehört die traditionelle Sprache der Nördlichen Paiute, das „Numu“ oder „Paviotso“ – zum Westlichen Zweig der Numic-Sprachen, während die der Südlichen Paiute als Colorado-River-Numic-Dialekt zum Südlichen Zweigs der Numic-Sprachen zählen.
Die Sprache der Ute – das Núu-'apaghapi („Sprache des Volkes“) – selbst ist ein Dialekt des zum Südlichen Numic-Zweig zählenden Colorado River Numic oder Chemehuevi-Ute-Südliches Paiute (auch: Ute, Südliches Paiute, Ute-Südliches Paiute, Ute-Südliches Paiute) Dialektkontinuums; zu diesem gehören noch die verwandten regionalen Dialekte: Chemehuevi (Ampagapü – „Sprache“) der Chemehuevi sowie das Südliche Paiute der Südlichen Paiute. Die Sprache der Kawaiisu (Nuwa oder Nuooah) – das Nïwï-'abigi-dï, Nïwï-'abigi-pï (oder Tehachapi) – zählt ebenfalls zum Südlichen Numic-Zweig.
Wie oben bereits erwähnt stehen die Südlichen Numic-Sprachen oder Dialekte sich untereinander näher als das zum Westlichen Numic-Zweig zählende Nördliche Paiute (Numa oder Paviotso) (mehrere regionale Dialekte, inklusive des Bannock) der Nördlichen Paiute und Bannock sowie der östliche Dialekt des Mono (Nim) der Owens Valley Paiute (Östliche Mono) und der westliche Dialekt des Mono der Mono (Monache, Mono Lake Paiute oder Westliche Mono).Northern Paiute – Orientation – Linguistic Affiliation
Gelegentlich werden daher auch auf Grund regionaler und teilweise kultureller Ähnlichkeiten die Nördlichen Paiute (Paviotso), Bannock, die Mono (Monache, Mono Lake Paiute, Westlichen Mono) und Owens Valley Paiute (Östliche Mono) (Westlicher Numic-Zweig), Timbisha Shoshone (Panamint, auch Northern Death Valley Shoshone), Westlichen Shoshone, die Gosiute (Goshute) (Zentraler Numic-Zweig), Kawaiisu (Nuwa oder Nuooah) (auch Southern Death Valley Shoshone), Chemehuevi einschließlich westlicher Gruppen der Ute (Südlicher Numic-Zweig) kollektiv als Paiute bezeichnet. Östliche Gruppen der Ute (Südlicher Numic-Zweig) sowie die Nördlichen und Östliche Shoshone und Comanche (Zentraler Numic-Zweig) wurden hingegen oftmals als Shoshone bezeichnet.
Heute sprechen allerdings die meisten Stammesmitglieder der Ute American English.
Geschichte mini|Ute im Jahre 1878 Vor Ankunft der Europäer in Nordamerika lebten die Ute als Nomaden. Es gibt keine Hinweise auf eine Immigration des Volkes aus einer anderen Region, sie bewohnten das Land wahrscheinlich über 1000 Jahre lang.[Quelle?]
Sie lebten in den weiten Landschaften des Großen Beckens (engl.: Great Basin) und lebten fast ausschließlich von der Großwildjagd. Dazu gehörten auch Jagdzüge in die Great Plainsim Deutschen oft fälschlich auch als Prärien bezeichnet, die allerdings nur die östliche Hälfte der Großen Ebenen (Great Plains) bildeten des heutigen Colorados und New Mexicos, um Amerikanische Bisons (Büffel) zu erlegen. Sie betrieben keinerlei Ackerbau. Die Ute gelangten als einer der ersten Plainsstämme in den Besitz von Pferden, die sie im Handel mit den spanischen Entdeckern ab etwa 1630 eintauschten oder stahlen. Die durch die Pferde völlig veränderte Mobilität führte auch zu einer Veränderung der Gesellschaft der Ute. Es entstanden sowohl Konflikte als auch Bündnisse mit benachbarten Stämmen sowie erweiterte Handelsbeziehungen. Im Osten und Nordosten hatten die Ute meist feindliche Auseinandersetzungen mit den Anfang des 19. Jahrhunderts dort eingedrungenen Plainsstämmen der Arapaho (Sadteetuhkuh – "Hundefleischesser") und Cheyenne (Seeyehnah),