Johann Richwin von Broich (von dem Bruch) oder Johannes Reichwein (* vermutlich in Fredeburg oder auf Haus BruchSpeyer als Geburtsort (so Robert Stupperich (Hrsg.): Martini Buceri Opera omnia, Bd. XI/2, Gütersloh: G. Mohn 1960, S. 329) scheidet aus, weil der Namensvetter Johannes (Hans) Reichwin aus Speyer zeitgleich an anderen Orten erwähnt wird.Hans Reichwin wurde 1542 in Speyer als „Nuntius“ des Reichskammergerichtes verpflichtet (vgl. Wolfgang Prange: Vom Reichskammergericht in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts (Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich 42), Köln / Weimar / Wien: Böhlau 2002, S. 79); 1546 war er kaiserlicher Bote in Weinsberg (vgl. Ludwig Friedrich Heyd: Ulrich, Herzog zu Württemberg, Bd. III, Tübingen: Ludwig Friedrich Fues 1844, S. 459). an der Wied;Vgl. Erwin Katzwinkel: Haus und Herrschaft Bruch. In: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen (Westerwald) und der angrenzenden Gemeinden (1974), S. 88–93 (online auf der Website der Arbeitsgemeinschaft Familienforschung Westerwald); die Namen der Verwandten in Prozessakten weisen in diesen Raum. † zwischen 1552 und 1556 vermutlich in Bonn) war ein deutscher Jurist, Diplomat und Rat mehrerer Kölner Bischöfe.
Leben Vogt des Erzbischofs Hermann V. von Wied in Bonn Johann Richwin stammte aus dem Adelsgeschlecht derer von dem Bruch, das Vögte von Hundem und im 15./16. Jahrhundert Kurkölner Drosten zu Fredeburg stellte.Vgl. Johann Suibert Seibertz: Geschichte der Edelherren von Grafschaft zu Norderna und ihrer Besitzungen in den Vogteien Grafschaft und Brunscappel. In: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde NF 2 = 12 (1851), S. 163–308, bes. S. 243 (Google-Books).Vgl. Anton Fahne: Die Dynasten, Freiherren und jetzigen Grafen von Bocholtz, Bd. I/1. J. M. Heberle / H. Lempertz, Köln, 1863, S. 107 (Google-Books). Er erwarb das Lizenziat der Rechtswissenschaft und wurde Kurkölner Vogt in Bonn. Der Vogt – mundartlich „de Vaedt“Briefe von Georg Cassander aus Köln an Adolph Bars genannt Olisleger († zwischen 1565 und 1575) in Duisburg, den einzigen Sohn des klevischen Rates und Kanzlers Heinrich Bars genannt Olisleger und der Margaretha Rinck, einer Tochter des Kölner Bürgermeisters Adolf Rinck, vom 24. Juli 1565 und an Cornelius Walter vom 5. August 1565. In: Georgii Cassandri … Opera quae reperiri potuerunt omnia. Epistolae CXVII. et colloquia II. cum Anabaptistis, nunc primum edita. H. Drouart, Paris 1616, ep. CI, S. 1203 (Google-Books), und ep. CIIII, S. 1208 (Google-Books). – führte die Oberaufsicht über die Bonner Marktsiedlung.
Im November 1542 bat Richwin im Auftrag des Kölner Erzbischofs Hermann V. von Wied (reg. 1515–1547) beim Straßburger Stadtrat um Urlaub für Martin Bucer nach Kurköln. Es gelang ihm bei dieser Mission nicht, auch Kaspar Hedio für die Mitarbeit bei der Kölner Reformation zu gewinnen.Vgl. Otto Winckelmann: Die politische Korrespondenz der Stadt Straßburg im Zeitalter der Reformation, Bd. III 1540-1545. Karl J. Trübner, Straßburg 1898, S. 315 Anm. 3. Nach der Ankunft Bucers in Bonn am 14. Dezember 1542 wurde dieser schon am nächsten Tag zu Hermann von Wied in das Jagdschloss Buschhoven gerufen. Am folgenden Tag begleitete Richwin Bucer zurück nach Bonn und überbrachte dem Kapitel bzw. dem Dechanten Adam Richardi († 1551) des Stiftes St. Cassius und Florentius Anweisungen des Erzbischofs.Vgl. Josef Niessen, Edith Ennen: Geschichte der Stadt Bonn, Bd. I, F. Dümmler, Bonn 1956, S. 206. Am 17. Dezember predigte Bucer das erste Mal im Bonner Münster.
Philipp Melanchthon erwähnt Richwin während seines Bonner Aufenthaltes 1543 in Briefen an Petrus Medmann und Hieronymus Schreiber.Brief Melanchthons vom 7. Mai 1543 aus Bonn an Petrus Medmann in Köln (CR V, 102 [ed.: „Richvicio“]; MBW Nr. 3237); Brief Melanchthons vom 21. Juli 1543 aus Bonn an Hieronymus Schreiber in Köln (CR V, 148; MBW Nr. 3281); vgl. Brief Melanchthons vom 4. November 1543 aus Wittenberg an Joachim Camerarius in Leipzig (MBW Nr. 3365).
1544 vertrat Johann Richwin Kurköln auf dem Reichstag zu Speyer.Vgl. Peter Arnold Heuser, Prosopographie der kurkölnischen Zentralbehörden I. Die gelehrten rheinischen Räte 1550-1600. Studien und Karriereverläufe, soziale Verflechtungen. In: Rheinische Vierteljahrsblätter 66 (2002), S. 264–319, bes. S. 276. Neben dem Erzbischof selbst gehörten dort noch u. a. Jakob Omphal und Johannes Gropper zur Kurkölner Delegation.Vgl. Woldemar Harleß (Hrsg.): Bericht des kurkölnischen Rats Jakob Omphalius vom Reichstag zu Speyer (1544). In: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 30 (1894), S. 172–179. Richwin schrieb aus Speyer an Melanchthon. Melanchthon bat Albert Hardenberg 1545, Richwin einen seiner Briefe zu zeigen.Brief Melanchthons vom 31. März 1545 an Albert Hardenberg (vermutlich in Linz am Rhein): „Richwino des hanc pagellam“.
Diplomatische Missionen nach der Kölner Reformation Nach dem Ende der Kölner Reformation und dem Rücktritt von Erzbischof Hermann V. blieb Johann Richwin im Dienst von dessen Nachfolger Adolf von Schaumburg (reg. 1547–1556). 1547/48 gehörte er zur Kurkölner Gesandtschaft zum Reichstag in Augsburg, dort war er zugleich als Gesandter des Abtes Hermann von Holten von Werden und Helmstedt.Vgl. Nikolaus Mameranus: Catalogvs familiae totivs avlae Caesareae … vsq[ue] Augustam Rhetica[m], omniumq[ue] … Anno 1547. & 1548. praesentium. Heinrich Mameranus, Köln 1550, S. 66 und S. 112 (Google-Books). Die Kölner Delegation zu diesem Reichstag bestand noch aus Eberhard Billick, Dr. Degenhard Haas, Dr. Anton Hausmann von Namedy († wohl 1562), Lic. legum Caspar Koch genannt Obsopaeus (1513–1555)Aus Bielefeld, Pseudonym Julian Magenhorst, Offizial zu Werl, ab 1548 Kurkölner Richter am Reichskammergericht in Speyer.Vgl. Bengt Christian Fuchs: Die Sollicitatur am Reichskammergericht (Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich 40), Köln u. a.: Böhlau 2002, S. 121 Anm. 629. und Dr. Hieronymus Einkürn († 1560).Auch Aichorn, Ainkhurn, Eychorn, Unicornus u. ä.; aus Nördlingen, 1539 bis 1560 Dechant von St. Andreas und Kanoniker am Kölner Dom.
1549 wurde Johann Richwin an den kaiserlichen Hof nach Brüssel gesandt, um Beschwerden des Erzstiftes gegen die Stadt Köln vorzutragen.Instruktion Erzbischof Adolfs von 1549; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (101.04.01-04 Kurköln II, Akten, 3436).Vgl. Brief von Gerlach Herbst, dem deutschen Sekretär in der Kanzlei von Nassau-Oranien in Breda, an Wilhelm Knüttel vom 19. August 1549 aus Brüssel; Otto Meinardus (Bearb.): Der katzenelnbogische Erbfolgestreit, Bd. II/1. (Veröffentlichungen der Historischen Commission für Nassau 4). Bergmann / Ritter, Wiesbaden 1902, S. 194f (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). Erzbischof Adolf bevollmächtigte 1550 als Vormund des Prinzen Wilhelm I. von Nassau-Dillenburg-Oranien den Grafen Hermann von Neuenahr und Moers, Hofmeister Claude de Bouton, Herr von Corbaron († 1556), Gottfried Gropper (1507–1571) und Johann Richwein sowie den Siegener Rat Wilhelm Knüttel (1510–1566), sein Mündel im Katzenelnbogener Erbfolgestreit zu vertreten.Urkunde vom 23. Februar 1550; Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 170 I Urkunden, Nr. 3933).
1550/51 nahm Johann Richwin als Gesandter Erzbischof Adolfs am Augsburger Reichstag teil. Wiederum vertrat er zugleich Abt Hermann von Holten. Zur Kölner Gesandtschaft gehörten bei diesem Reichstag außerdem Dr. Hieronymus Einkürn, Wilhelm von Breidtbach, Herr zu Boritzheim (Bürresheim) († 1570).1552 Amtmann zu Linz, 1555 Amtmann zu Bonn. und Dr. leg. Heinrich Saltzburg (1522–1553).Auch Salzberg, Saltzburger u. ä. aus einer Hamburger Familie; sein Großvater Hinrik Salsborch (* um 1470/75–1534) war 1504 bis 1523 Rat von Karl von Egmond, des Herzogs von Geldern, wurde 1524 vom dänischen König Friedrich I. zum Ritter geschlagen und war 1524 bis 1531 Bürgermeister von Hamburg, sein Vater Hinrik Salsborch (* um 1495) immatrikulierte sich 1516 in Köln und heiratete dort.Vgl. Hans Nirrheim: Bürgermeister Hinrik Salsborch. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 12 (1908), S. 261–342, bes. S. 299 und 335.Vgl. Decreta Caesareae Majestatis, Ordinumque Imperij in Comitijs Augustanis, Anni Domini 1551. Martin Rotarius, Löwen 1551, Bl. 25 (Google-Books). Im Mai 1551 unterzeichneten Richwin und Breidtbach für Kurköln den Nürnberger Abschied über die Ergänzung des Reichsvorrats zur Fortsetzung der Magdeburger Belagerung.Vgl. Johannes Herrmann (Bearb.): Politische Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen, Bd. V 9. Januar 1551-1. Mai 1552, Berlin: Akademie Verlag 1998, S. 177–179 (Nr. 80).
Zum 13. Mai 1552 wurden Johann Richwin und Wilhelm von Breidtbach für Kurköln als Mitglieder einer Gesandtschaft der rheinischen Fürsten zu König Heinrich II. von Frankreich, die am 9. Mai auf einem Fürstentag in Worms zusammengestellt wurde, nach Weissenburg im Elsass gesandt, um sich gegen Angriffe zu verwahren, nachdem dieser Metz besetzt hatte.Vgl. Anton Joseph Weidenbach: Die Freiherren von Breidbach zu Bürresheim. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere die alte Erzdiöcese Köln 24 (1872), S. 70–125, bes. S. 99 (Google-Books). Das Reichskammergericht bestellte Lic. Johann Reichwein, Lic. Christian von Herschbach († 1562)Aus Gut Heresbach bei Mettmann, Sohn von Peter Heresbach und Drutgin I. Weinsberg, Cousin von Hermann von Weinsberg, Offizial des Hochgerichts des Kölner Erzbischofs, Kanoniker an St. Severin zu Köln und an St. Cassius und Florentius zu Bonn. und Dietrich Schnehagen d. Ä.1544/45 Keller des Vestes Recklinghausen, 1548, 1552, 1554–1558, 1562 Zöllner in Bonn. 1552 zu Kommissaren in einer Lehensstreitigkeit zwischen Franz Spies von Büllesheim (1490–1553) zu Mozenborn und Burg-Schweinheim und Dietrich von Monreal († 1557) zu Bolheim um einen Hof in Arnoldsweiler bei Düren.Prozessakten, 1548–1592; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Reichskammergericht, Nr. 5354 - Az. S 2045/7042; vgl. Nr. 2025 - Az. G 581/1806).
1552 wird Wilhelm von Breidtbach-Bürresheim in einer Bürgschaftserklärung als „Amtmann zu Bonn“ bezeichnet.Prozessakten, 1551–1553; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Reichskammergericht, Nr. 926, Az. C 418/1205); vgl. Abschied der Röm. Königl. Majestät und gemeiner Stände auff dem Reichs-Tag zu Augspurg auffgericht, im Jahr 1555 vom 25. September 1555. In: Heinrich Christian von Senckenberg, Johann Jacob Schmauß (Hrsg.): Reichs-Abschiede von dem Jahr 1552. bis 1654. inclusive, Bd. III. Koch, Frankfurt am Main 1747, S. 14–43, bes. S. 40 (Google-Books), u. a. Er scheint als Untervogt fungiert oder die Funktion von Johann Richwin als Bonner Vogt übernommen zu haben, der gelegentlich ebenfalls als „Amtmann“ (praefectus) bezeichnet worden war.
Zeitgenössische Namensvettern waren der „Nuntius“ des Reichskammergerichtes Hans Reichwin aus Speyer, Johann Richwin († nach 1546), Markvogt zu Diekirch,Vgl. Joseph Kalbersch: Gebrauch und Misbrauch geistiger Getränke, Bd. I. Joseph Anton Schröll, Diekirch 1854, S. 8; Mathias Hardt: Luxemburger Weisthümer als Nachlese zu Jacob Grimm's Weisthümern, V. Bück, Luxemburg 1870, S. 222; François Decker (Hrsg.): Regesten des Archivs der Herren von Bourscheid, Bd. IV 1626-1657. Mit einem Nachtrag zu den Teilen 1 und 2. (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz 61). Luxemburg 1993, S. 22 (Nr. 691a). sowie Lic. jur. Johann Richwin († 1560), Geistlicher und ab 1557 Offizial des Bistums Münster.Vgl. Ludwig Schmitz-Kallenberg: Zur Geschichte des friesischen Offizialats und Archidiakonats der münsterischen Diözese im 16. Jahrhundert. In: Westfälische Zeitschrift 75 (1917), S. 281–296, bes. S. 282f, 285 und 288; Wilhelm Kohl: Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster 7,4 Die Diözese. (Germania sacra.NF 37,4). Walter de Gruyter, Berlin / New York 2004, S. 115f.
Täuferprozess gegen die Witwe Clara von Witzelbach