Paul Sailer-Wlasits (* 24. April 1964 in Wien) ist ein österreichischer Philosoph und Politikwissenschaftler.

Leben Sailer-Wlasits studierte Philosophie, Politikwissenschaft, Theaterwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft in Wien. Parallel zu seinen begleitenden wirtschaftswissenschaftlichen Studien absolvierte er ein geisteswissenschaftliches Doppelstudium aus Politik- und Theaterwissenschaft sowie Philosophie. Er promovierte in Philosophie mit Schwerpunkt Sprachphilosophie und Ästhetik (Dr. phil.) an der Universität Wien. Er ist Verfasser mehrerer sprachphilosophischer und philosophisch-historischer Monografien, zahlreicher politischer Essays und Theaterkritiken sowie Autor von Texten zur Ästhetik und zu zeitgenössischer bildender Kunst.Rezension zu Hermeneutik des Mythos. Philosophie der Mythologie zwischen Lógos und Léxis, von Thomas G. Casey S. J., pp. 905–906. Gregorianum 2008, n. 89/4Rezension zu Hermeneutik des Mythos, von Norbert Leser, Wiener Zeitung, 18. April 2008.

In seinen Publikationen, Vorträgen und Stellungnahmen prägte er Begriffe wie Hybrider PopulismusWas ist „hybrider Populismus“? In: The European, 16. Mai 2017.Der Populismus wird hybrid Interview in: ORF Science, 12. Oktober 2017. sowie Neue Normalität“La nueva normalidad”, la frase mediática que seduce o espanta, El País, 17. Mai 2020.. Die Bezeichnung des Neuen Normalen entstand im Zuge seiner Vorarbeiten zur Studie Uneigentlichkeit. Philosophische Besichtigungen zwischen Metapher, Zeugenschaft und Wahrsprechen. 2018 kontextualisierte er das Neue Normal kritisch mit der 45. US-Administration unter Donald Trump als neuer globaler Normalität.The New Normal: Woran wir uns gewöhnen müssen. In: Der Standard, 7. September 2018.Folgen der Pandemie: Wie Corona die deutsche Sprache beeinflusst. In: Deutschlandfunk, 30. Juli 2020. Im Zuge der Corona-Pandemie 2020 warnte er davor, dass aus einer deskriptiven Feststellung, d. h. aus einem „Sein“ wie der Covid-19-Krise, keine präskriptive Norm, kein „Sollen“, im Sinne der politischen Aufforderung „Gewöhnt Euch daran!“ abgeleitet werden dürfe, da diese Sein-Sollen-Barriere weder ethisch noch rechtsphilosophisch überwunden werden könne.Corona Sprache: Wie verrückt ist das Normale? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Mai 2020.

Forschung Seit über 30 Jahren forscht Sailer-Wlasits zu sprachphilosophischen Phänomenen im Kontext von Sprache und Gewalt, Hassrede, Gegenrede und Verbalradikalismus sowie zur Sozialphilosophie von Populismus und Demagogie.Tondokument Vom Wort zur Tat - Zur Geschichte des politischen Verbalradikalismus, ORF, Ö1, Betrifft: Geschichte, 12.–16. November 2007. In zahlreichen Publikationen widmet er sich der kritischen Auseinandersetzung mit Rhetorik, Metaphorik und der Sprache in der Politik.Die Wegbereiter rechter Herren. In: Der Standard, 17. April 2018.Politische Sprache und Verantwortung. Zur gesellschaftlichen Relevanz eines (digitalen) Topos, Impulsreferat anlässlich der parlamentarischen Enquete gegen Hass im Netz, Parlament der Republik Österreich, 16. November 2016. Seine Untersuchungen zur Geschichte von Sprache und Gewalt mündeten in sein 2012 vorgelegtes Werk Verbalradikalismus. Kritische Geistesgeschichte eines soziopolitisch-sprachphilosophischen Phänomens (2. Auflage 2021).Verbalradikalismus: Kritische Geistesgeschichte eines soziopolitisch-sprachphilosophischen Phänomens. 1. Aufl. Wien 2012; 2. Aufl. Würzburg (Königshausen & Neumann) 2021 Darin analysiert er die Geschichte von Sprache, Macht und Gewalt. Er beschreibt u. a. die innergesellschaftlichen Bruchlinien, an denen das Wort zur Tat wird und betont die „Vorbereiter-Funktion“ von Sprache. Diese Studie beleuchtet die vielfältigen Wege von der Sprachgewalt zur Gewalt durch Sprache. Von den frühesten Texten des Alten Testaments über die Antike, die christlichen Kreuzzüge und die Französische Revolution, bis zur totalitären Sprachpraxis des 20. und 21. Jahrhunderts. Sailer-Wlasits argumentiert u. a., dass bestimmte Formen der Sprache, vor allem aggressive, feindselige oder extremistische Äußerungen, den Boden für spätere Gewalttaten bereiten können. In dieser ersten Globalgeschichte der Hassrede werden insbesondere jene sprachlichen Übergangspunkte herausgestellt und verdeutlicht, an denen die Tat das Wort überschreitet.Was ist Hatespeech – Begriffserklärung, LMZ Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, abgerufen am 30. Dezember 2020.

Sein Buch Lüge, Hass, Krieg. Traktat zur Diskursgeschichte eines PaktesPhilosoph Sailer-Wlasits: Warum Krieg und Lüge Geschwister sind, Rezension, Der Standard, 1. März 2023. entstand im Sommer 2022, wenige Monate nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine. Die als Diskursgeschichte angelegte Abhandlung zählt zu den wenigen philosophischen Analysen zum Thema Krieg in der jüngeren Geistesgeschichte.

In der zweiten, 2023 erweiterten Auflage seines Buches Minimale Moral. Streitschrift zu Politik, Gesellschaft und SpracheMinimale Moral: Die erweiterte Streitschrift zu einer Gesellschaft im Sprachverlust, Rezension, Leipziger Zeitung, 7. Oktober 2023. analysiert Sailer-Wlasits u. a. die Sprachmodelle der Künstlichen Intelligenz, die Large Language Models, im Kontext von Verbalradikalismus und Hasssprache. Dabei warnt er vor den Gefahren des potenziellen Missbrauchs ihrer algorithmenbasierten Ergebnisse und plädiert für einen zu erarbeitenden ethischen KI-Kodex.Forscher plädiert für KI-Ethikregeln, ORF, 5. Oktober 2023. Dieser hätte die Funktion einer die KI-Gesetze kontinuierlich begleitenden Ergänzung. Als einer der ersten Philosophen fordert Sailer-Wlasits damit die Bewertung von KI-Entwicklungen im Sinne der Grundsätze normativer und angewandter Ethik.

In seiner 2025 vorgelegten Studie Demagogie. Sozialphilosophie des sprachlich RadikalbösenDemagogie: Die lange Geschichte einer Kunst, mit der man Demokratien zerstören kann, (Rezension), Leipziger Zeitung, 11. Dezember 2025, abgerufen am 20. Dezember 2025. beschreibt Sailer-Wlasits Demagogie als strukturelles Phänomen politischer Sprache, das demokratische Diskurse unterminiert. Er spricht in diesem Zusammenhang vom „sprachlich Radikalbösen“, um zu verdeutlichen, dass Demagogie nicht bloß falsche oder aggressive Rede, sondern eine systematische Verzerrung von Wirklichkeit durch Sprache darstellt. Demagogie untergräbt demokratische Prozesse, indem politische Gegner delegitimiert, Fakten und komplexe Sachverhalte systematisch aufgelöst, manipuliert und vereinfacht werden; des Weiteren wird rationale Kritik als feindliche Gesinnung diskreditiert und emotionale Loyalität machtpolitisch eingefordert. Historisch zeichnet das Buch die Entwicklung des Demagogiebegriffes von der Antike bis zum Autoritarismus und Totalitarismus der Gegenwart nach. Sailer-Wlasits betont, dass das Demagogische insbesondere in Krisenzeiten eine permanente Gefahr für die Meinungsfreiheit in der demokratischen Öffentlichkeit darstellt.

Seine weiteren Forschungsschwerpunkte liegen auf den Gebieten: Sprachphilosophie Hermeneutik Philosophie der Mythologie Metaphorologie Sozialphilosophie Demagogieforschung Diskursanalyse Ästhetik vorsokratische Philosophie

Werke (Auswahl) Monographien Demagogie. Sozialphilosophie des sprachlich Radikalbösen. Ein Brevier. Königshausen & Neumann, Würzburg 2025, ISBN 978-3-8260-8777-6. Lüge, Hass, Krieg. Traktat zur Diskursgeschichte eines Paktes. Königshausen & Neumann, Würzburg 2022, ISBN 978-3-8260-7691-6. Uneigentlichkeit. Philosophische Besichtigungen zwischen Metapher, Zeugenschaft und Wahrsprechen. Ein Essay. Königshausen & Neumann, Würzburg 2020, ISBN 978-3-8260-6733-4. Minimale Moral. Streitschrift zu Politik, Gesellschaft und Sprache. 1. Aufl. Wien 2016; 2. erw. Aufl. Königshausen & Neumann, Würzburg 2023, ISBN 978-3-8260-7908-5. Verbalradikalismus: Kritische Geistesgeschichte eines soziopolitisch-sprachphilosophischen Phänomens. 1. Aufl. Wien 2012; 2. Aufl. Königshausen & Neumann, Würzburg 2021, ISBN 978-3-8260-7436-3. Hermeneutik des Mythos. Philosophie der Mythologie zwischen Lógos und Léxis. Edition Va Bene, Wien-Klosterneuburg 2007, ISBN 978-3-85167-190-2. Die Rückseite der Sprache. Philosophie der Metapher. Edition Va Bene, Wien-Klosterneuburg 2003, ISBN 978-3-85167-144-5. Herausgeberschaft Zeitzeuge an Kreuzwegen. Autobiographische Bekenntnisse. Holzhausen, Wien 2003, ISBN 978-3-85493-075-4. 1927 – Als die Republik brannte. Von Schattendorf bis Wien. Edition Va Bene, Wien-Klosterneuburg 2002, ISBN 978-3-85167-128-5.

Weblinks

Offizielle Website Hate Speech: Die Metastasen des Hasses, Die Zeit, 31. Dezember 2019 Was ist „hybrider Populismus“?, The European, 15. Mai 2017 Hass-Rede. Zur Geschichte von Sprache als Mittel der Gewalt, ORF, Ö1, Betrifft: Geschichte, 29. August–2. September 2016 Wahlkampfphrasen im Test, Interview zum Thema Sprache in der Politik, ORF Science, 20. Mai 2016 Hinhalten und Täuschen - Die Geschichte von Wahrheit und Lüge in der Politik, ORF, Ö1, Betrifft: Geschichte, 22.–26. Juni 2015 Verschmutzte Sprache, verschmutztes Denken, Der Standard, 24. April 2015 Zwischen Wort und Tat - Zur Bestandsaufnahme von Sprache und Gewalt, ORF Science, 15. Januar 2015 Missbrauch der Worte: Neue, alte Sprache des Hasses, Die Presse, 1. August 2014 Politiker radikalisieren unsere Sprache, Interview zum Thema Verbalradikalismus, Salzburger Nachrichten, 18. Januar 2013

Einzelnachweise

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