Die Liste der Stolpersteine in Berlin-Baumschulenweg enthält die Stolpersteine im Berliner Ortsteil Baumschulenweg im Bezirk Treptow-Köpenick, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Spalten der Tabelle sind selbsterklärend. Die Tabelle erfasst insgesamt 27 Stolpersteine und ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.
Bild Name Standort Verlegedatum Leben 100px Ernststraße 3 100px Ernststraße 3 100px Köpenicker Landstraße 262 Arthur Baude wurde am 13. Mai 1888 in Berlin geboren, seine Eltern waren der Arbeiter Max Baude (1866–1943) und die Arbeiterin Minna Bernstein (1867–1942), die am 19. Mai 1888 geheiratet hatten. 1889 wurde seine Schwester Martha geboren und 1890 sein Bruder Leopold, beide starben aber kurz nach ihrer Geburt. Am 21. August 1914 heiratete Arthur in Berlin-Treptow Maly Hirschfeld, mit der er im gleichen Jahr eine Wohnung in der späteren Köpenicker Landstraße 262 in Berlin-Baumschulenweg bezog. Ihre Tochter Vera Röschen wurde am 1. September 1917 dort geboren. Gemeinsam mit seiner Ehefrau wurde er am 19. Januar 1942 mit dem 9. Osttransport nach Riga deportiert und ist dort auch ermordet worden. 100px Köpenicker Landstraße 262 Maly Baude geb. Hirschfeld wurde am 9. Mai 1888 als drittes Kind von Moritz Hirschfeld und Marie Loerzer in New York geboren. Über ihre Kindheit und Schule, über die beiden Schwestern Adele und Margarethe sowie dem Zeitpunkt und die Zusammenhänge des Umzuges nach Deutschland ist nichts bekannt. Als Beruf bzw. Tätigkeit gab sie in den Unterlagen Kontoristin an. Ihr Arbeitgeber war seit dem Jahre 1913 die Fa. Wessel, Schulte und Co. in der Poststraße 5 in Berlin. Am 21. August 1914 heiratete sie in Berlin-Treptow Arthur Baude, mit dem sie im gleichen Jahr eine Wohnung in der späteren Köpenicker Landstraße 262 in Berlin-Baumschulenweg bezog. Nach Geburt ihrer Tochter Vera am 1. September 1917 widmete sie sich der Erziehung ihres Kindes, gab dann als Tätigkeit „Ehefrau“ an. Die „Vermögenserklärung“ in Vorbereitung der wenige Wochen später erfolgten Deportation schrieb sie am 16. Dezember 1941. Gemeinsam mit ihrem Ehemann wurde sie einen Monat später am 19. Januar 1942 mit dem 9. Osttransport nach Riga deportiert und ist dort auch ermordet worden. Die Heirat ihrer Tochter Vera am 19. Februar 1942 mit Fritz Julius Fürst erlebte sie schon nicht mehr. Und gleichfalls nicht deren Deportation nach Auschwitz am 4. März 1943. Maly Baude wurde 54 Jahre alt. 100px Rodelbergweg 12 Emma Bry, geborene Jacoby, wurde am 3. Februar 1871 in Schöneck in Westpreußen (heute Skarszewy in Polen) geboren, ihre Eltern waren der Kaufmann Menzel Jacoby und Rosalie geborene Schwarz. Am 27. Juni 1904 hatte sie in Lötzen in Ostpreußen (heute Giżycko in Polen) den Kaufmann Hermann Bry geheiratet, die Ehe blieb kinderlos. Nach dem Tode des Mannes im Jahr 1935 übernahm Emma Bry das Geschäft in der Baumschulenstraße 12, der Name „Kaufhaus Hermann Bry“ wurde jedoch beibehalten.Kaufhaus Hermann Bry Jüdische Gewerbebetriebe in Berlin 1930–1945 Die Pogromnacht am 9. November 1938 betraf auch ihr Geschäft. Es wurde zerstört und geplündert und anschließend „arisiert“. Am 14. September 1942 wurde sie mit dem „2. großen Alterstransport“ (Zugnummer „Da 514“) vom Güterbahnhof Berlin-Moabit (Putlitzstraße) nach Theresienstadt deportiert. Vorher wurde sie genötigt, einen „Heimeinkaufsvertrag“ zu unterzeichnen, ihr gesamtes Vermögen wurde eingezogen. Am 19. April 1944 wurde sie in Theresienstadt ermordet. 100px Rodelbergweg 12 Hermann Bry wurde am 23. August 1872 in Schrimm (heute Śrem in Polen) geboren, seine Eltern waren Samuel Bry und Hannchen geborene Jaffe. Am 27. Juni 1904 hatte er in Lötzen in Ostpreußen (heute Giżycko in Polen) die Geschäftsinhaberin Emma Jacoby geheiratet, die Ehe blieb kinderlos. 1926 wurde er erstmals als Inhaber des „Kaufhaus Hermann Bry“ in der Baumschulenstraße 12 genannt, seine Wohnadresse war der Rodelbergweg 12. Sein Geschäft war Ziel des Boykotts jüdischer Geschäfte am 1. April 1933. Hermann Bry verstarb im Jahre 1935 im Alter von 63 Jahren an einem Schlaganfall und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee in der Abteilung N7 begraben. Ab 1935 übernahm seine Ehefrau Emma Bry das Geschäft in der Baumschulenstraße. 100px Kiefholzstraße 181 Albert Byck wurde am 5. Juni 1865 in Bentschen als Kind von Abraham Byck (1830–1917) und Tiene Graetz (1833–1912) geboren. In Berlin-Moabit führte er ein zoologisches Geschäft in der Paulstraße 40, dann eröffnete er 1932/33 seine Zoohandlung in Baumschulenweg in der Baumschulenstraße 88. Seit 1891 war er verheiratet mit der Verkäuferin Fanny geb. Rosenbund (1868–1940). Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. Die Wohnung des Ehepaares Byck war zuerst in der Paulstraße 25, und ab Mitte der 1930er Jahre in der Kiefholzstraße 181 in Baumschulenweg. Die zoologische Handlung in der Baumschulenstraße 88 ist eines der jüdischen Geschäfte in Baumschulenweg, welches in einer NSDAP-Liste von Treptow/Neukölln für die Vorbereitung des landesweiten Boykotts am 1. April 1933 aufgeführt ist. Während des Novemberpogroms 1938 wurde die Handlung verwüstet, wenige Tage später erfolgte die Enteignung. Das Ehepaar Byck zog dann ca. 1939 in die Dragonerstraße 32 (Bezirk Mitte – jetzt Max-Beer-Straße). Am 17. November 1940 verstarb Fanny Byck. Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee begraben. Die Inschrift ihres Grabsteins ist nur zum Teil lesbar. Im August 1942 erhielt Albert Byck die Aufforderung, sich in der Sammelstelle in der Großen Hamburger Straße 26 einzufinden. Am 17. August 1942 wurde er vom Bahnhof Berlin-Moabit nach Theresienstadt deportiert. Es war ein Personenzug, von den ca. 1.000 Transportierten haben nur 16 dieses Ghetto überlebt. Albert Byck verstarb dort im Alter von 77 Jahren. Auch seine Schwester Selma überlebte die Deportation nicht, sie wurde kurz vorher im Ghetto Litzmannstadt ermordet. 100px Kiefholzstraße 177 100px Baumschulenstraße 90 Georg Heinsius wurde am 23. Oktober 1882 als Sohn des Kaufmannes Alexander Heinsius und seiner Ehefrau Rosa geb. Zadeck in Berlin geboren. Nach Absolvierung des Königstädtischen Gymnasiums studierte er an den Universitäten Berlin, Heidelberg und München Medizin. Zwischendurch diente er beim 4. Garderegiment in Berlin. Seine erste ärztliche Niederlassung war am Nollendorfplatz in Berlin. Im September 1914 meldete er sich freiwillig für einen Einsatz an der Front und war bis zum Ende des Ersten Weltkrieges im Osten und Westen als Arzt tätig. Nach seiner Entlassung praktizierte er vorübergehend im Rheinland. Im Juni 1919 heiratete er Gertrude Eger. Kurze Zeit später kehrte er wieder nach Berlin zurück, wo er zunächst in Berlin-Rudow in der Rudower Straße 75 arbeitete. 1922 wurde in Berlin-Neukölln ihr Sohn Fritz Werner geboren. Ca. 1928 siedelte er nach Berlin-Baumschulenweg in die Baumschulenstraße 90/91. In diesem Haus hatte er auch seine Praxis. Patienten waren die damals zahlreich in diesem Ortsteil wohnenden Beamten. Ende März 1933 wurde seine Adresse in einem Verzeichnis der NSDAP des Bezirkes Treptow/Neukölln in Vorbereitung des landesweiten Boykotts von jüdischen Ärzten und Geschäften vom 1. April 1933 mit aufgeführt. Aufgrund des allgemeinen nazistischen Druck auf die Klienten seiner Praxis zog er bereits Anfang 1938 in die Wrangelstraße 49 in Berlin-Kreuzberg. Im Oktober 1938, noch vor dem Novemberpogrom, erfolgte die vollständige Enteignung seiner Praxis. Anschließend war Dr. Heinsius mehrfach Denunziationen und polizeilichen Vernehmungen ausgesetzt, sodass sich das Ehepaar Heinsius wenige Wochen später zu einer Ausreise in die USA entschloss. Seine Umzugsgüter wurden jedoch wie viele andere auch durch die Gestapo beschlagnahmt und später versteigert. Am 29. Juni 1939 wanderte er gemeinsam mit seiner Ehefrau in die USA aus. Noch auf dem Schiff (der „Hansa“) erfolgte eine diskriminierende Leibesvisitation. Ein erhoffter beruflicher Neuanfang in New York war ihm jedoch nicht möglich. Völlig mittellos und nach vielen Enttäuschungen nahm er sich in einem Anfall seelischer Depression am 23. Dezember 1941 das Leben. Erschütternd ist die Aufzählung der vielen Verletzungen im amtlichen Totenschein. Begraben wurde er auf dem Fresh Pond Cemetery im Stadtbezirk Queens. 100px Baumschulenstraße 90 Gertrude Heinsius wurde am 18. Oktober 1885 in Berlin geboren. Ihr Vater, Paul Philipp Eger stammt aus Breslau; er verstarb im Jahre 1918 in einer Anstalt in Berlin-Buch. 1919 erfolgte in Frankfurt am Main die Heirat mit Georg Heinsius. Sie erlernte als den Beruf einer Lehrerin. 1922 wurde in Berlin-Neukölln ihr Sohn Fritz Werner geboren. Ca. 1928 siedelte die Familie Heinsius nach Berlin-Baumschulenweg in die Baumschulenstraße 90/91. In diesem Haus hatte ihr Ehemann auch seine Arzt-Praxis, es ist anzunehmen, dass sie dabei die verwaltungstechnischen Tätigkeiten wahrnahm. 1933 und in den folgenden Jahren wurde das Ehepaar Heinsius hinsichtlich ihres jüdischen Glaubens in Baumschulenweg boykottiert und bedrängt. Anschließend war ihr Ehemann mehrfach Denunziationen und polizeilichen Vernehmungen ausgesetzt, so dass sich das Ehepaar Heinsius wenige Wochen später zu einer Ausreise in die USA entschloss. Dazu buchten sie die noch heute existierende Umzugsfirma Kopania & Co. aus Berlin-Steglitz. Die Umzugsgüter wurden jedoch wie bei vielen anderen auch durch die Gestapo beschlagnahmt und später versteigert. Am 29. Juni 1939 erfolgte gemeinsam mit ihrem Ehemann die Auswanderung in die USA. Ein erhoffter beruflicher Neuanfang war ihm jedoch nicht möglich. Ohne seine ärztlichen Praxisgegenstände und ohne Barvermögen nahm er sich nach vielen Enttäuschungen in einem Akt der Verzweiflung am 23. Dezember 1941 das Leben. Gertrude Heinsius hielt sich in den USA als Sekretärin in verschiedenen Arztpraxen in New York über Wasser. Zunehmend verschlechterte sich altersbedingt ihr Zustand. Am 7. August 1965 verstarb Gertrude Heinsius im Alter von 80 Jahren in New York. 100px Rodelbergweg 12 Anna Sophie Jacobi geb. Hirschberg, geboren am 14. Juni 1875 in Berlin, ihre Eltern waren Wilhelm Hirschberg (ca. 1833–1910) und Pauline geborene Altmann (ca. 1838–1911). Am 21. März 1904 hatte sie in Berlin den Kaufmann Salomon geheiratet, ihre Kinder Käte Hilde (1904) und Heinz (1906) wurden geboren. Salomon Jacobi starb am 4. Januar 1913 im Alter von 43 Jahren in Berlin-Schöneberg. Anna Sophie Jacobi wurde am 7. September 1942 mit dem 58. Alterstransport nach Theresienstadt deportiert und am 29. September 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet. 100px Rodelbergweg 12 Käte Hilde Jacobi, geboren am 23. Dezember 1904 in Berlin, Tochter von Salomon und Anna Sophie Jacobi. Sie musste Zwangsarbeit bei Siemens-Halske in Berlin-Jungfernheide leisten. Vom Arbeitsplatz wurde sie am 1. März 1943 verhaftet und mit dem 31. Osttransport nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Das Todesdatum ist unbekannt. Ihr Bruder Heinz wurde ebenfalls am 1. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort am 3. Mai 1943 ermordet. 100px Scheiblerstraße 17 100px Eschenbachstraße 1 Über Lerners Kindheit und Jugend ist nichts bekannt. Fest steht lediglich, dass er am 23. August 1897 in Szczakowa geboren wurde. Diese im Kreis Krakau gelegene Kleinstadt gehörte zu Westgalizien, einem bis 1918 unter österreichischer Herrschaft stehenden Gebiet im heutigen Polen. Wie, wann und warum Albert Lerner nach Berlin gekommen ist, ob allein oder mit seiner Familie, wo er vor 1925 gewohnt hat – auf all diese Fragen gibt es bislang keine Antwort.