Die Liste der Stolpersteine in Berlin-Plänterwald enthält die Stolpersteine im Berliner Ortsteil Plänterwald im Bezirk Treptow-Köpenick, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Tabelle erfasst insgesamt 14 Stolpersteine und ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.
Bild Name Standort Koordinate (15px) Verlegedatum Leben 100px Defreggerstraße 10 Else Einhorn wurde am 25. Juni 1883 in Keßlern (Kotliszowice), Schlesien unter dem Familiennamen Brauer geboren. Am 19. November 1907 heiratete sie in Berlin den Kaufmann Hermann Einhorn, ihr Sohn Hans Werner Einhorn wurde am 13. August 1908 geboren. Else lebte zusammen mit ihrem Mann Hermann Einhorn bis 1942 in der Defreggerstraße 10 in Berlin-Treptow. Mit ihnen lebten die ältere Schwester Hermanns Blima Strenger und Familie (s. u.) und die jüngere Schwester Chane Emmerich zusammen mit ihrem Mann Robert. Für die Eheleute Emmerich wurden Stolpersteine in Berlin-Karlshorst verlegt. Die Nazis entzogen den Eheleuten Einhorn die deutsche Staatsbürgerschaft. Als „Staatenlose“ wurden Else und Hermann am 15. August 1942 ins Ghetto Riga deportiert und dort drei Tage später am 18. August 1942 erschossen. Ihr Sohn Hans Einhorn konnte 1939 nach England fliehen und kehrte 1946 nach Berlin zurück. Er heiratete 1947 die Studentin Marion Grau (1921–1998) und starb am 15. Dezember 1992.Traueranzeige von Marion Einhorn. In: Berliner Zeitung vom 19. Dezember 1992. 100px Defreggerstraße 10 Hermann Einhorn wurde am 11. August 1881 in Grybów geboren. Am 19. November 1907 heiratete er in Berlin Else Brauer, ihr Sohn Hans Werner Einhorn wurde am 13. August 1908 geboren. Hermann lebte mit seiner Frau Else Einhorn in Berlin-Treptow, wo er eine Holzhandlung führte. Die Nazis entzogen den Eheleuten die deutsche Staatsbürgerschaft. Als „Staatenlose“ wurden Hermann und seine Frau am 15. August 1942 ins Ghetto Riga deportiert und dort drei Tage später am 18. August 1942 erschossen. Sein Sohn Hans Einhorn konnte 1939 nach England fliehen und kehrte 1946 nach Berlin zurück. Er heiratete 1947 die Studentin Marion Grau (1921–1998) und starb am 15. Dezember 1992. 100px Moosdorfstraße 3 Karl Kurt Ernicke wurde am 17. September 1916 in Berlin geboren. Er wuchs in Treptow als Kind eines evangelischen Vaters und einer jüdischen Mutter auf. Seine Großmutter Bertha Samson lebte zusammen mit weiteren Familienmitgliedern im Nachbarhaus Moosdorfstraße 4. Am 3. Oktober 1942 deportierten die Nazis Bertha Samson nach Theresienstadt. Dort wurde sie am 24. April 1943 ermordet. Die Gestapo verhaftete 1942 auch Karl Kurt Ernicke, nachdem dieser sich geweigert hatte, die Kündigung seiner Wohnung in der Moosdorfstr. 3 hinzunehmen. Nach zweijähriger Gefängnishaft am Alexanderplatz und in Plötzensee kam er zunächst ins KZ Buchenwald und dann in dessen Außenlager Ohrdruf. Karl Kurt Ernicke wurde laut einem Augenzeugen Anfang April 1945 von der SS von hinten erschossen. Er war 28 Jahre alt. 100px Rethelstraße 6a Selma Gottfeld wurde am 15. Februar 1881 in Stargard/Saatzig/Pommern geboren. Am 15. August 1942 wurde sie aus Berlin nach Riga deportiert und dort nach der Ankunft am 18. August 1942 ermordet.Selma Gottfeld in: Gedenkorte Treptow-Köpenick auf berlin.de 100px Puderstraße 22 Arnold Graetz wurde am 13. Februar 1898 in Ritschenwalde geboren. Er war offensichtlich mit Jenny Graetz, die unter derselben Adresse wohnte, verwandt; der genaue Verwandtschaftsgrad kann heute jedoch nicht mehr ermittelt werden. Arnold Graetz wurde am 4. März 1943 mit dem 34. Osttransport nach Auschwitz deportiert worden, wo sein Tod für den 8. Mai 1943 vermerkt ist.Familie Graetz. In: Gedenkorte Treptow-Köpenick. berlin.de 100px Puderstraße 22 Jenny Graetz wurde am 11. April 1894 in Ritschenwalde geboren. Sie war offensichtlich mit Arnold Graetz, der unter derselben Adresse wohnte, verwandt; der genaue Verwandtschaftsgrad kann heute jedoch nicht mehr ermittelt werden. Außerdem findet sich in den Unterlagen zu Jenny Graetz auch ein Hinweis auf Erich Graetz (geboren am 22. Oktober 1892 in Ritschenwalde), zuletzt wohnhaft in Halensee Seesener Straße 50 mit seiner Frau Dorothea geborene Blumenthal, beide wurden am 26. Februar 1943 von dort deportiert und ermordet.Stolpersteine Seesener Straße 50. Initiative von Bewohnern und Freunden des Hauses Seesener Straße 50, berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf Erich wohnte im Mai 1939 zur Volkszählung in der Puderstraße 22 und auch Karl Graetz (geboren am 2. März 1896 in Ritschenwalde), der am 27. März 1943 in Berlin-Wedding im Jüdischen Krankenhaus an Tuberkulose und Kreislaufschwäche gestorben ist.Karl Graetz. mappingthelives.orgKarl Graetz. Arolsen Archives, DocID: 12655929. Die Eltern von Karl waren laut seiner Sterbeurkunde Wolf Graetz und Flora Graetz (geborene Ehrenfried), sehr wahrscheinlich waren alle vier Geschwister.Ein Stolperstein für die Geschwister Graetz. In: Berliner Woche am 16. April 2008 von Ralf Drescher Jenny Graetz arbeitete zuletzt bei der Firma Kurt Seidel in W 35 (Schöneberg). Sie wurde am 12. März 1943 mit dem 35. Osttransport nach Auschwitz deportiert, wo sie als verschollen gilt. 100px Am Treptower Park 49 Henriette Jacobson, genannt Henny, wurde am 5. August 1888 in Crivitz, Mecklemburg geboren, wo ihre Familie ein Kaufhaus für Bekleidung führte. Nach dem Tod ihrer Eltern Bertha und Eduard zog sie nach Berlin, zunächst nach Steglitz und 1936 nach Treptow in die Straße Am Treptower Park 49. Sie arbeitete als Schnittzeichnerin. 1941 wurde sie von den Nazis gezwungen, eine Vermögenserklärung abzugeben. Am 19. Januar 1942 vermerkte die Gestapo ihre Deportation ins Ghetto Riga mit dem „9. Osttransport“. Die genauen Umstände ihrer Ermordung sind nicht bekannt. 100px Rethelstraße 6a Hedwig Lustig wurde am 10. September 1885 in Stargard/Saatzig/Pommern mit dem Mädchennamen Gottfeld geboren, ihre Eltern waren Simon Gottfeld und Minna geborene Lichtenstein. Am 22. August 1919 hatte sie in Berlin den Kaufmann Leo Lustig geheiratet. Sie wurde als Zwangsarbeiterin bei einer Firma in Berlin-Weißensee als Schneiderin ausgebeutet. Hedwig wurde zusammen mit ihrem Mann Leo am 29. Januar 1943 aus Berlin in das KZ Auschwitz deportiert und ermordet.Familie Lustig. In: Gedenkorte Treptow-Köpenick. berlin.de 100px Rethelstraße 6a Leo Lustig wurde am 22. August 1886 in Ratibor/Schlesien geboren, seine Eltern waren Nathan Lustig und Henriette geborene Möller. Am 22. August 1919 hatte er in Berlin Hedwig Gottfeld geheiratet. Er wurde als Zwangsarbeiter in der Bouchéstraße 12 bei der Firma Gustav Genschow & Co Abteilung Waffenfabrik ausgebeutet. Leo wurde zusammen mit seiner Frau Hedwig am 29. Januar 1943 aus Berlin in das KZ Auschwitz deportiert und ermordet. 100px Moosdorfstraße 4 Bertha Samson wurde am 11. Oktober 1876 unter dem Namen Herzberg in Sachsenhagen geboren. Sie wohnte viele Jahre in der Berliner Moosdorfstraße 4. Im Januar 1942 wurde sie gezwungen, in ein Nachbarhaus und später mit der gesamten Familie in eine sogenannte „Judenwohnung“ in der Kaminerstr. 2 in Charlottenburg zu ziehen. Am 3. Oktober 1942 deportierten die Nazis Bertha Samson nach Theresienstadt. Dort wurde sie am 24. April 1943 ermordet. Sie wurde 66 Jahre alt. 100px Rethelstraße 6a Ingeborg Seelig wurde am 11. Februar 1924 mit dem Mädchennamen Lustig in Berlin geboren, ihre Eltern waren Leo Lustig und Hedwig Lustig geborene Gottfeld. 1942 hatte sie im Alter von 18 Jahren Max Seelig geheiratet, sehr wahrscheinlich um nicht durch eine Deportation von ihm getrennt zu werden. Am 15. August 1942 wurde sie mit ihrem Mann Max aus Berlin nach Riga deportiert und dort nach der Ankunft am 18. August 1942 ermordet.Familie Seelig. In: Gedenkorte Treptow-Köpenick. berlin.de 100px Rethelstraße 6a Max Seelig wurde am 26. April 1921 Berlin geboren, seine Eltern waren Siegmund SeeligSiegmund Seelig auf mappingthelives.org und die nichtjüdische Hedwig geborene Ebeling.Hedwig Seelig geborene Ebeling auf mappingthelives.org Max war dadurch ein sogenannter Halbjude und nach den Nürnberger Gesetzen ein „Jüdischer Mischling ersten Grades“, im Mai 1939 gab er zur Volkszählung als Adresse die Nansenstraße 36 in Neukölln an und das Hachschara-Lager am Damlacker Weg in Havelberg/Brandenburg.Max Seelig auf mappingthelives.org Sein Vater starb am 17. August 1939 durch Herztod, seine Frau erklärte laut ihrer Heiratsurkunde am 18. August 1939 den Austritt aus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Auf der Heiratsurkunde seiner Eltern findet sich auch der Eintrag, dass Max 1942 in Berlin-Treptow geheiratet hatte. Am 15. August 1942 wurde Max Seelig mit seiner Frau Ingeborg aus Berlin nach Riga deportiert und dort nach der Ankunft am 18. August 1942 ermordet. 100px Defreggerstraße 10 Blima Strenger, geborene Einhorn, kam am 17. Oktober 1878 in Grybów zur Welt. Zusammen mit ihrem Mann Jacob Strenger wohnte sie zeitweise in der Wohnung ihres Bruders Hermann Einhorn und seiner Frau Else Einhorn in der Defreggerstraße 10. Ihr Ehemann Jakob Strenger war als polnischer Staatsbürger bereits im Zuge der sogenannten „Polenaktion“ im Oktober 1938 nach Polen ausgewiesen worden.Jakob Strenger auf mappingthelives.org Im Internierungslager Bentschen (heute Zbaszyn) verliert sich 1939 seine Spur. Auf der Suche nach ihrem Ehemann kehrte Blima im Juli 1939 in ihre Heimatstadt Grybów im Süden Polens zurück, wo sie bei ihrer jüngeren Schwester Sara Unterschlupf fand. Dort wurde sie am 20. August 1942, zwei Tage nach dem Mord an ihrem Bruder und ihrer Schwägerin, erschossen und in einem Massengrab in Biała Niżna verscharrt. Die Söhne des Ehepaars Strenger konnten fliehen: Max Strenger lebte nach einem Aufenthalt in Argentinien in São Paulo. Abraham Strenger floh nach Palästina. 100px Defreggerstraße 10 Jacob, oder Jakob, Strenger wurde am 4. Mai 1886 in Zagórze, Galizien geboren. Er lebte mit seiner Frau Blima Strenger und der Familie Einhorn in einer Wohnung in der Defreggerstraße 10. Schon 1938 wurde er nach Polen abgeschoben und in Bentschen (Zbaszyn) interniert. Seine genauen Todesumstände im Jahr 1939 bleiben ungeklärt. Die Söhne des Ehepaars Strenger konnten fliehen: Max Strenger lebte nach einem Aufenthalt in Argentinien in São Paulo. Abraham Strenger floh nach Palästina.
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