mini|hochkant|Karel Švenk Karel Švenk, gebürtig Karel Schwenk (* 17. März 1917 in Prag, Österreich-Ungarn; † 1. April 1945 bei KarlsbergKay Weniger: Zwischen Bühne und Baracke. S. 334. ) war ein tschechischer Komiker und Kabarettist. Er gehörte politisch dem linken Spektrum an und war als Autor, Komponist, Regisseur und Schauspieler aktiv und nahm bei der Gestaltung des kulturellen Lebens im Ghetto Theresienstadt eine führende Rolle ein.
Leben Švenk war eines von fünf Kindern des Schneidermeisters Rudolf Schwenk und dessen Frau Klara Schwenk (geborene Koralek) und hatte drei Schwestern und einen Bruder. Von seiner Familie überlebte lediglich eine Schwester den Holocaust. Seine Eltern staben in Auschwitz.The Last Cyclist – Part 1 rickontheater.blogspot.com. Er war ein talentierter Musiker und Schriftsteller und gehörte zu den Begründern des Avantgarde-Theaters. Bereits in den 1930er Jahren trat er als Pianist im Klub der verlorenen Talente () auf oder hatte bei Auftritten auf politischen Veranstaltungen Bühnenerfahrungen gesammelt. Er komponierte Lieder und schrieb die Texte dazu oder eigenständige Gedichte, Sketche und Episoden und führte aus Regie. Zum Ende der Unabhängigkeit des tschechoslowakischen Staatsverbandes und zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war er in Prag und in der tschechischen Provinz ein gefeierter Komiker.
Švenk wurde im November 1941 mit dem ersten Transport nach Theresienstadt deportiert, wo er auch Komponisten Rafael Schächter traf. Im Ghetto Theresienstadt gehörten sie zu den führenden Persönlichkeiten. Gemeinsam realisierten sie seit 1942 Kabarettprogramme mit Musik für die sogenannten „Kameradschaftsabende“, die sich an der Lagerrealität orientierten. Švenk war zudem der Autor des „Theresienstädter Marsches“, der, ähnlich wie das Dachau-Lied Arbeit macht frei von Jura Soyfer und Herbert Zipper, zur „inoffiziellen Lagerhymne“ wurde, mit der er unter den Mithäftlingen berühmt wurde. Im Herbst 1942 wurde die Pseudodokumentation Theresienstadt 1942 aufgeführt, in der er neben dem Puppenspieler Otto Neumann und der Tänzerin Kamila Rosenbaumová vor der Kamera stand. Švenks satirische, antinazistische Kabarettrevue Der letzte Radfahrer wurde bereits nach der Kostümprobe von der Lagerleitung zensiert und kam dort nicht zur Aufführung.
Zu seinen letzten Rollen als Darsteller zählte sein Auftritt als Diener Vespone in der Premiere der Oper La serva padrona des italienischen Komponisten Giovanni Battista Pergolesi, in der Karel Berman die Regie führte. Rafael Schächter begleitete die Aufführung am Klavier und Hans Krása am Cembalo. Weitere Rollen übernahmen die Sopranistin Marion Podolier (1906–1976)Podolier, Marion ghetto-theresienstadt.de. und der Sänger Bedřich Wolfgang Borges (1909–1993). Karel Berman schrieb dazu in seinen später verfassten Memoiren:
Anfang Oktober 1944 wurde Švenk nach Auschwitz deportiert und kam einem Monat später in eine Fabrik nach Meuselwitz bei Leipzig. Dort litt er unter der schweren körperlichen Arbeit und der mangelhaften Ernährung. Das Lager wurde im April 1945 aufgrund der heranrückenden Alliierten evakuiert. Švenk wurde in einen Deportationszug mit dem Zielort Mauthausen Mauthausen in einen Viehwaggon gesteckt und starb während der Fahrt dorthin. Er soll von Mitgefangenen bei Karlsberg neben den Bahngleisen beigesetzt worden sein.E. Offenthaler: Švenk (Schwenk), Karel (Karl) (1917–1945), Kabarettist, Schauspieler und Komponist. In: Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2003, ISBN 978-3-7001-3213-4, doi:10.1553/0x0031ae11.
Werke (Auswahl) 1942: Ztratila se menážkarta (‚Die verlorene Essensmarke‘) Das Lied Všechno jde (‚Alles geht‘) entwickelte sich als „Theresienstädter Marsch“ zur inoffiziellen Lagerhymne und wurde auch ins Deutsche übersetzt. 1943: Revue Ať žije život (‚Es lebe das Leben‘), in der er auch selbst auftrat. Všechno jde aneb Totéž, ale jinak (‚Alles geht oder Dasselbe in Grün‘) 1944: Poslední cyklista aneb Bořivoj a Mánička (‚Der letzte Radfahrer oder Bořivoj und Mánička‘) Arrangement der Musik für die Kinderoper Broučci (‚Glühwürmchen‘) nach Buch von Jan Karafiát. Er begleitete die Aufführung am Klavier.
Der letzte Radfahrer Das Stück Der letzte Radfahrer (), ein Stück über „die Radfahrer, die die Schuld an allem tragen“, entstand in Theresienstadt wurde jedoch nach der Generalprobe durch den Jüdischen Ältestenrat wegen seines zu deutlichen antinazistischen Inhalts verboten.
Das Stück handelt von einem Diktator, der die Radfahrer für alle Probleme seines Landes verantwortlich macht. Er verbannt alle, die nicht beweisen können, dass ihre Vorfahren seit mindestens sechs Generationen zu Fuß unterwegs waren. Als ein unerschrockener Radfahrer rebelliert, wird in einen Käfig gesperrt, und von der Bevölkerung verspottet. Nach notwendigen Bearbeitungen wurde es 1961 im Theater Rokoko in Prag uraufgeführt und gehörte über ein Jahr lang zum dortigen Repertoire. In den frühen 2000er Jahren rekonstruierte die Dramatikerin Naomi Patz das Stück, das auf unterschiedlichen Bühnen in den Vereinigten Staaten aufgeführt wurde.The Last Cyclist thelastcyclist.com (englisch).
Film 1942: Theresienstadt 1942 (repozytorium.fn.org.pl – über die Dreharbeiten) 1997: Diese Tage in Terezín, Regie: Sibylle Schönemann 2022: The Last Cyclist, Regie: Edward Einhorn, nach der Version von Naomi Patz
Literatur
Kay Weniger: Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945. Mit einem Geleitwort von Paul Spiegel. Metropol, Berlin 2008, ISBN 978-3-938690-10-9, S. 334.
Weblinks
in lexhamarts.org (englisch) Karel Švenk in holocaust.cz (tschechisch) Karel Švenk – „Der Chaplin von Theresienstadt“ zeitgeschichte-online.de
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Kabarettist (Tschechien) Kategorie:Komiker Kategorie:Opfer des Holocaust Kategorie:Häftling im KZ Auschwitz Kategorie:Häftling im Ghetto Theresienstadt Kategorie:Tschechoslowake Kategorie:Tscheche Kategorie:Geboren 1917 Kategorie:Gestorben 1945 Kategorie:Mann