mini|Werner Schroeter (2009) Werner Schroeter (* 7. April 1945 in Georgenthal; † 12. April 2010 in Kassel) war ein deutscher Film-, Opern- und Theater-Regisseur.
Leben mini|Werner Schroeter (2000) Werner Schroeter, Sohn eines Ingenieurs, wuchs in Bielefeld und Heidelberg auf.Werner Schroeter. In: Internationales Biographisches Archiv 37/2002 Im Alter von fünf Jahren äußerte er bereits den Wunsch, Filmregisseur zu werden.Interview mit Werner Schroeter in: Die Zeit 43/2008 Ein einschneidendes Erlebnis war für ihn im Alter von dreizehn Jahren die Radioübertragung einer Opernarie von Maria Callas, die ihn zum ersten Mal mit dem Thema Oper in Berührung brachte. Ihm zufolge wurde Callas für ihn zum einzigen Idol seines Lebens, er bezeichnete sie in Interviews als „Botin zwischen Gott und den Menschen“. Nach dem Abitur in Heidelberg studierte er drei Semester Psychologie in Mannheim und arbeitete nebenher als Journalist.Profil bei adk.de (aufgerufen am 15. August 2026) Ende der 1960er Jahre brachte sich Schroeter das Filmemachen mit ersten experimentellen Arbeiten auf 8-mm- und 16-mm-Film selbst bei. Im Jahr 1969 arbeitete er als Regieassistent und Darsteller an Rosa von Praunheims Film Schwestern der Revolution mit. Einige seiner ersten Kurzfilme widmeten sich Maria Callas.Ausführlich zu dieser Zeit Werner Schroeter. Reihe Film. Hanser, 1980. Ein begonnenes Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film München hatte er bereits nach wenigen Wochen abgebrochen. Ersten Erfolg brachte ihm der über zweistündige Experimentalfilm Eika Katappa ein, der von der Internationalen Filmwoche Mannheim 1969 mit dem Josef-von-Sternberg-Preis ausgezeichnet wurde., auf iffmh.de
Seit 1972 erarbeitete Schroeter regelmäßig Theater- und Operninszenierungen in Städten wie Berlin, Bochum, Hamburg, Düsseldorf und Bonn, aber auch an ausländischen Theatern in Paris, Brasilien und Italien. Schroeter gilt neben Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Alexander Kluge, Werner Herzog und Volker Schlöndorff als einer der wichtigen Filmregisseure der deutschen Nachkriegszeit. Mit Palermo oder Wolfsburg gewann er den Goldenen Bären der Berliner Filmfestspiele 1980. Er betätigte sich zudem als Produzent, Drehbuchautor, Kameramann und Schauspieler bei zahlreichen Filmen. Partner in seinem Filmschaffen waren unter anderem Magdalena Montezuma, Isabelle Huppert, Hermann Killmeyer, Produzent Paulo Branco, Kamerafrau Elfi Mikesch, Filmeditorin Juliane Lorenz und Standfotografin Digne Meller-Marcovicz. Schroeter war eine Zeit lang mit Rosa von Praunheim liiert, mit dem er 1968 den Kurzfilm Grotesk-Burlesk-Pittoresk mit Magdalena Montezuma in der Hauptrolle drehte.
Willow Springs entstand während einer Reise in die Vereinigten Staaten mit Magdalena Montezuma, Christine Kaufmann, Ila von Hasperg und Michael O’Daniel in den Hauptrollen. Das ZDF strahlte den Film im Frühjahr 1973 in der Reihe Kamerafilme in seinem Nachtstudio aus, nach Darstellung der Zeitschrift Sounds wegen einer freizügigen Szene zu so später Stunde, dass Kinder ihn nicht mehr sehen konnten. Nach der Rückkehr aus den Staaten inszenierte Schroeter mit seinen Filmdarstellern Salome an dem von Peter Zadek geleiteten Schauspielhaus Bochum.
Im Jahr 1972 war Schroeter mit dem Film Der Tod der Maria Malibran Teilnehmer der Documenta 5 in Kassel in der Abteilung Filmschau: Anderes Kino. 2008 erhielt er für Nuit de chien eine Einladung in den Wettbewerb der 65. Filmfestspiele von Venedig.Nick Vivarelli: 29. Juli 2008; abgerufen am 30. Juli 2008. Das Drama ist eine Umsetzung von Juan Carlos Onettis Roman Para esta noche mit unter anderem Pascal Greggory, Amira Casar, Elsa Zylberstein und Nathalie Delon in den Hauptrollen. Schroeter wurde mit dem Sonderpreis der Jury der Filmfestspiele von Venedig 2008 für sein „innovatives, kompromissloses und oft provokantes“ Werk ausgezeichnet. Er wurde bei der Berliner Filmfestspiele 2010 mit dem schwul-lesbischen Teddy Award geehrt, weil er als ein „radikaler Experimentierer und großer Außenseiter des Neuen Deutschen Films“ gelten könne. Mitte März desselben Jahres wurde ihm der Bielefelder Murnau-Filmpreis zuteil.Murnau-Filmpreis: Schroeter und Mikesch geehrt. n-tv.de/dpa, 14. März 2010; abgerufen am 15. März 2010.
Um die Jahrtausendwende führte Werner Schroeter Übungen zur Regie- und Schauspielerführung an der Münchener Hochschule für Fernsehen und Film durch. Titel seiner Lehrveranstaltungen waren: Abschied im Bett – Übung zum postorgasmischen Abschiednehmen und im Folgejahr Krieg – Deine Männer, Deine Frauen – Ohne Frauen kein Krieg.
mini|Bild der Grabstelle von Werner Schroeter in Berlin Schroeter starb im Alter von 65 Jahren in einer Kasseler Klinik an den Folgen einer Krebserkrankung. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Kirchhof IV der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde in der Abt. J 010-008-015 (GPS-Daten 52.48774, 13.40301). Seit 2015 befindet sich auf seiner Grabstelle der Grabstein von Magdalena Montezuma, die von Schroeter gelegentlich als „meine Muse“ bezeichnet wurde.
Die Akademie der Künste ehrte 2018 Schröters Künstlerfreunde Elfi Mikesch und Rosa von Praunheim mit der Ausstellung Abfallprodukte der Liebe in ihren Räumen. Der Titel der Ausstellung ist der von Schroeters gleichnamigem Film.Website zu Abfallprodukte der Liebe, abgerufen am 19. September 2018.
Ausdrucksformen im Film Schroeters Schaffen wird dem Neuen Deutschen Film zugerechnet. Oftmals bedient Schroeter sich in seinen Filmen opulenter expressiver Mittel, in denen seine Verbundenheit zu Oper und Theater offensichtlich wird. Auch in seinen Dokumentarfilmen setzt er solche Mittel ein, beispielsweise in Form von Montage inszenierter expressiver Sequenzen neben den dokumentierenden Passagen des Films. So gesetzte Kommentare geben der Dokumentation einen vordergründig subjektiven Charakter, veranschaulichen letztlich jedoch auf künstlerische Weise zentrale Aspekte des jeweiligen Themas. Als Beispiel für diese Herangehensweise lässt sich der Film Abfallprodukte der Liebe nennen, in dem verschiedene Opernsänger und Ausschnitte ihrer Arbeit porträtiert werden. Hier ist es u. a. die geschickte Montage von persönlichen Interviews und inszenierten Dialogen und Arien, die den Film dazu bringen, die Künstlichkeit des Opernmilieus zu durchbrechen und die Menschen dahinter nahbar zu machen.
Werk Filmografie 1967: Verona 1968: Aggressionen 1968: Callas Walking Lucia 1968: Callas-Text mit Doppelbeleuchtung 1968: Faces 1968: Grotesk – Burlesk – Pittoresk (Co-Regie mit Rosa von Praunheim) 1968: Himmel hoch 1968: La morte d’Isotta 1968: Maria Callas Porträt 1968: Mona Lisa 1968: Paula – Je reviens 1968: Übungen mit Darstellern 1968: Virginia’s Death 1969: Argila 1969: Eika Katappa. Eine Kollage aus Spielszenen und Musik 1969: Neurasia 1969: Nicaragua 1970: Anglia 1970: Der Bomberpilot 1971: Macbeth 1971: Salome 1972: Der Tod der Maria Malibran 1973: Willow Springs 1975: Der schwarze Engel 1975: Johannas Traum 1976: Goldflocken 1978: Neapolitanische Geschwister / Nel regno di Napoli 1979: Armee der Liebenden oder Aufstand der Perversen 1980: Palermo oder Wolfsburg 1980: Die Generalprobe 1980: Weiße Reise 1981: Tag der Idioten 1982: Liebeskonzil 1983: Der lachende Stern 1986: Auf der Suche nach der Sonne 1986: Der Rosenkönig 1986: Zum Beispiel Argentinien 1991: Malina 1996: Poussières d’amour – Abfallprodukte der Liebe 2000: Die Königin – Marianne Hoppe 2002: Deux 2008: Nuit de chien – Diese Nacht
Fotografische Arbeiten Anfang 2009 wurden zum ersten Mal Photographien Schroeters in einer Ausstellung unter dem Namen autrefois et toujours in München öffentlich ausgestellt. Seit 1973 bildete der Regisseur die Gefährten seines Kunst- und Lebenswegs ab, wie zum Beispiel Magdalena Montezuma, Christine Kaufmann und Antonio Orlando. Die Arbeiten sind mit Polaroid-, Minox- und Einwegkameras entstanden und ohne digitale Manipulation vergrößert worden.
Autobiografie Tage im Dämmer, Nächte im Rausch. Autobiographie (mit Claudia Lenssen; Vorwort: Elfriede Jelinek). Aufbau Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-351-02732-2
Literatur Heinz-Norbert Jocks: Ästhetik des Widerstands. Von der Schönheit der Hoffnung und der Schönheit der Verzweiflung. Ein Gespräch. In: Lettre International, No. 89, 2010, S. 94–100.
Auszeichnungen mini|Schroeter auf dem Boulevard der Stars (2011)
1969: Josef-von-Sternberg-Preis des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg für Eika Katappa 1978: Preis des Fernsehfilm-Festivals Baden-Baden für Neapolitanische Geschwister 1979: Filmband in Gold (Beste Regie) für Neapolitanische Geschwister 1979: Adolf-Grimme-Preis mit Gold für Neapolitanische Geschwister 1980: Goldener Bär der Internationalen Filmfestspiele Berlin für Palermo oder Wolfsburg 1981: Filmband in Silber für seinen im Auftrag des ZDF gedrehten Dokumentarfilm Die Generalprobe über das Theaterfestival Nancy 1982: Filmband in Gold (Beste Regie) für Tag der Idioten 1983: Kritikerpreis des São Paulo International Film Festival für Liebeskonzil 1987: Rotterdam Preis („Works Award“) des International Film Festival Rotterdam 1988: Sonderpreis des Kultusministers von Nordrhein-Westfalen beim Adolf-Grimme-Preis für Auf der Suche nach der Sonne 1991: Filmband in Gold (Beste Regie) für Malina 1996: Preis der Stadt Hof auf den Internationalen Hofer Filmtagen 1996: Ehrenleopard des Internationalen Filmfestivals von Locarno 1997: Preis der deutschen Filmkritik für Poussières d’amour – Abfallprodukte der Liebe 2000: Dokumentarfilmpreis der Duisburger Filmwoche für Die Königin – Marianne Hoppe 2000: Arte-Preis für Die Königin – Marianne Hoppe 2008: Goldener Löwe (Leone d’Oro) der Internationalen Filmfestspiele von Venedig für das Gesamtwerk 2009: Besondere Auszeichnung des Festival des deutschen Films in Ludwigshafen für Nuit de chien 2010: Spezial-Teddy 2010: Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreis 2011: Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin
Filme über Schroeter 2011: Mondo Lux – Die Bilderwelten des Werner Schroeter – Dokumentarfilm, Deutschland, 97 Min., Buch und Regie: Elfi Mikesch.Bert Rebhandl: Ein Gespräch mit Elfi Mikesch. Im Mittelpunkt eines ganz kleinen Feldes. In: FAZ, 5. Februar 2011, Seite Z 6. Joachim Kurz bespricht: kino-zeit.de 2012: Rosas Welt – Regie: Rosa von Praunheim
Literatur Roy Grundmann (Hrsg.): Werner Schroeter. FilmmuseumSynemaPublikationen, Wien 2018, ISBN 978-3-901644-74-0. Beiträge von Christine N. Brinckmann, Ed Dimendberg, Caryl Flinn, Gerd Gemünden, Roy Grundmann, Gertrud Koch, Michelle Langford, Fatima Naqvi und Marc Siegel u. a. Peter W. Jansen, Wolfram Schütte (Hrsg.): Werner Schroeter. Stiftung Deutsche Kinemathek, Reihe: Film. Nr. 20, Carl Hanser Verlag, München / Wien 1980, ISBN 3-446-12855-7. Beiträge v. Sebastian Feldmann (Kommentierte Filmographie), Hans Jansen (Theater), Dietrich Kuhlbrodt, Daniel Schmid (Interview mit W. S.), Walter Schobert (Daten), W. Schütte. Peter Berling (Hrsg.), Oskar Panizza und Werner Schroeter: Liebeskonzil-Filmbuch. Schirmer-Mosel, München 1982, ISBN 3-921375-93-2. Gérard Courant: Werner Schroeter. Goethe-Institut / La Cinémathèque Française, Paris 1982. Sabina Dhein: Werner Schroeter. Reihe: Regie im Theater. Fischer, Frankfurt a. M. 1991, ISBN 3-596-10543-9. Sieghart Döhring: Amore e morte: Die Idee der Oper in Filmen Werner Schroeters. In: Stephanie Schroedter (Hrsg.): Bewegungen zwischen Hören und Sehen. Denkbewegungen über Bewegungskünste. Königshausen & Neumann, Würzburg 2012, ISBN 3-8260-4744-3, S. 491–500. Elfriede Jelinek: Malina-Filmbuch. Nach dem Roman von Ingeborg Bachmann. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1991, ISBN 3-518-40285-4. Michelle Langford: Allegorical Images: Tableau, Time and Gesture in the Cinema of Werner Schroeter, Intellect, Bristol 2005. ISBN 978-1-84150-138-3.