mini|400px|Kloster der Schwestern der Muttergottes von der Barmherzigkeit mit der St. Josef-Kapelle und dem Gnadenbild vom Barmherzigen Jesus
Das Sanktuarium der Barmherzigkeit Gottes (, ) in Krakau-Łagiewniki ist ein noch junges Internationales Heiligtum zur Verehrung der Barmherzigkeit Gottes im Gnadenbild vom Barmherzigen Jesus von Adolf Hyła nach den Beschreibungen der hl. Faustyna. Zentrum des Sanktuariums ist das Gnadenbild in der 1891 erbauten St.-Josef-Kapelle der Schwestern der Muttergottes von der Barmherzigkeit mit den darunter in einem kleinen Sarkophag aufbewahrten Reliquien von Schwester Maria Faustyna.
Etwa zwei Millionen Pilger aus aller Welt besuchen jährlich das Sanktuarium der Barmherzigkeit Gottes. Die St.-Josef-Kapelle erwies sich als zu klein für so viele Pilger. Deswegen wurde eine größere Kirche gebaut. Die Stiftung vom Sanktuarium der Barmherzigkeit Gottes, die 1996 ins Leben gerufen wurde, beauftragte Prof. Witold Cęckiewicz mit dem Bau, der am 17. August 2002 durch Papst Johannes Paul II. als Basilika der Barmherzigkeit Gottes geweiht wurde. Unweit südlich befindet sich die St.-Johannes-Paul-II.-Kirche.
Geschichte des Klosters Das Kloster der Schwestern der Muttergottes von der Barmherzigkeit in Krakau-Łagiewniki entstand auf Anregung von Fürst Alexander Lubomirski, auf dessen Kosten ein Ackerland bei Krakau gekauft wurde, auf dem man zunächst eine Anstalt für Mädchen, die moralischen Schutzes bedurften, errichtete, danach eine neugotische Klosterkapelle und schließlich ein großes Konventsgebäude für die Schwestern der Muttergottes von der Barmherzigkeit. Das ganze Anwesen wurde für Józefów genannt, weil die Schwestern glaubten, dem heiligen Josef die Gewährung dieser Stiftung zu verdanken. Die St.-Josef-Kapelle wurde von Kardinal Albin Dunajewski am 20. August 1891 geweiht. Ein Flügel des Klostergebäudes, der für das Haus der Barmherzigkeit bestimmt war, wurde zu einem Zufluchtsort für Mädchen und Frauen, die Hilfe und moralische Erneuerung bedurften. Schwester Faustyna Kowalska lebte hier während ihres Noviziats 1925–1930 sowie in den letzten Wochen bis zu ihrem Tod am 5. Oktober 1938.
Die Schwestern bereiteten ihre Zöglinge auf ein Leben in der Gesellschaft vor – unter ihrer Leitung wurden Werkstätten für Stickerei und Weberei, eine Wäscherei und eine Buchbinderei geführt, die Schwestern brachten ihnen Garten- und Landwirtschaftsarbeiten bei. Schwester Faustynas mystische Erfahrungen und das nach ihrer Beschreibung 1944 von Adolf Hyła für die Klosterkapelle gemalte Gnadenbild vom Barmherzigen Jesus wurden rasch populär. Das Haus der Barmherzigkeit bestand von der Entstehung des Klosters an bis zum Jahre 1962, als die staatlichen Behörden die Erziehungsanstalt und den größeren Teil des Anwesens konfiszierten. 1966 wurden die sterblichen Überreste der hl. Faustyna exhumiert und in der Klosterkapelle unter einer Steinplatte beigesetzt.Chronologische Daten, auf heiligefaustina.de Im Jahre 1969 gründeten die Schwestern źródło („Quelle“) – ein Zentrum der offenen Fürsorge für sozial schwierige Jugendliche, das bis 1991 bestand. Im Jahre 1989 gaben die staatlichen Behörden der Kongregation die Erziehungsanstalt zurück, in dem sich heute ein Internat, ein Gymnasium, eine Berufsschule für Gastronomie und Friseurhandwerk und eine Realschule für moralisch vernachlässigte Mädchen befinden.
Die Schwestern der Muttergottes von der Barmherzigkeit
mini|hochkant|Die Hl. Faustyna
Die hl. Faustyna
Papst Johannes Paul II. förderte das geistliche Vermächtnis und die Verehrung Sr. Faustynas. 1993 wurde sie seliggesprochen und konnte öffentlich verehrt werden. Ihre Reliquien befinden sich in einem Schrein, der auf dem linken Seitenaltar der Klosterkirche St. Josef unter dem Originalbild des Barmherzigen Jesus steht. Am 30. April 2000, dem ersten offiziellen Barmherzigkeitssonntag, wurde Sr. Faustyna heiliggesprochen. Inzwischen war die neue Basilika im Bau, und seit ihrer Vollendung im Jahr 2002 zählt das Heiligtum zu den meistbesuchten Wallfahrtsorten Europas.
Die Botschaft der Barmherzigkeit mini|Vereinfachte Kopie des Gnadenbildes vom Barmherzigen Jesus von Adolf Hyła über einem Seitenaltar in Łódź; Beschriftung: JEZU UFAM TOBIE („Jesus, ich vertraue auf dich“) Schwester Faustyna berichtete von einer Botschaft Jesu Christi, die sie erhalten habe: Im Alten Testament habe ich zu meinem Volk Propheten mit Blitz und Donner gesandt, heute sende ich dich mit meiner Barmherzigkeit zur ganzen Menschheit.TB 1588 Schwester Faustyna rief zum Erbitten der Barmherzigkeit Gottes für die Welt auf, u. a. durch Ausübung neuer Kultformen: das Bild mit der Unterschrift JEZU, UFAM TOBIE („Jesus, ich vertraue auf dich“), das Fest der Barmherzigkeit, der Rosenkranz zur Barmherzigkeit Gottes und die Stunde der Barmherzigkeit.
Neben dem Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes und die Gebete sei, so Schwester Faustyna, die Barmherzigkeit wichtig, die jeder Mensch mit Taten erweisen solle. Jesus soll zu Schwester Faustyna gesagt haben: Ich verlange von dir Taten der Barmherzigkeit, die aus deiner Liebe zu mir hervor gehen sollen. Barmherzigkeit sollst du immer und überall deinen Nächsten erweisen, du kannst dich davor weder drücken, noch ausreden oder entschuldigen.TB 742 Eine visuelle Zusammenfassung der Sendung der hl. Faustyna und besonders der Andacht zur Barmherzigkeit Gottes ist das Gnadenbild vom Barmherzigen Jesus, das Fausdtyna auf eine Vision zurückführt; sie schrieb in ihrem Tagebuch: „Am Abend [22. Februar 1931], als ich in der Zelle war, erblickte ich Jesus, den Herrn, in einem weißen Gewand. Eine Hand war zum Segnen erhoben, die andere berührte das Gewand auf der Brust. Von der Öffnung des Gewandes an der Brust gingen zwei große Strahlen aus, ein roter und ein blasser. (…) Nach einer Weile sagte Jesus zu mir: ‚Male ein Bild nach dem, was du siehst, mit der Unterschrift: JEZU, UFAM TOBIE.‘“TB 47
Der Kult der Barmherzigkeit Gottes Anfangs blühte der Kult der Barmherzigkeit Gottes an den Orten, wo die hl. Faustyna lebte. Später wurde er von den Polen, die nach Sibirien oder Kasachstan umgesiedelt wurden, weiter verkündet. Ihre Aufgaben übernahmen polnische Soldaten, die überall in der Welt während des Zweiten Weltkrieges zu finden waren. Der Kult der Barmherzigkeit Gottes und die Informationen über das Werk der hl. Faustyna wurden darüber hinaus auch von den anderen Kongregationen (Klosterverbänden) verbreitet. 1959 wurde jedoch die Verbreitung der Andacht zur Barmherzigkeit Gottes in der Form, die Schwester Faustyna überlieferte, vom Heiligen Stuhl verboten. In dieser Zeit vertieften die Theologen ihr Wissen über das Geheimnis der Barmherzigkeit Gottes und über das Leben und die Botschaft der Hl. Schwester Faustyna. Sie gaben der Kirche eine theologische Bearbeitung der Werke der Apostelin der Barmherzigkeit Gottes und der Andachtsformen. 1978 nahm der Heilige Stuhl das Verbot zurück, und der Kult der Barmherzigkeit Gottes bekam eine neue Entwicklungskraft. Der größte Befürworter in Polen war der Krakauer Erzbischof Karol Wojtyła, der später als Papst Schwester Faustyna selig und heiliggesprochen hat.
Die Apostolische Bewegung der Barmherzigkeit Gottes Dank der mystischen Erfahrung und dem Charisma der Schwester Faustyna entstand in der Römisch-katholischen Kirche die Apostolische Bewegung der Barmherzigkeit Gottes, die das Werk der Schwester übernahm. Die apostolische Bewegung verkündet das Geheimnis der Barmherzigkeit Gottes, erbittet sie für die Welt, sie strebt nach der Vereinigung mit Gott auf dem Weg des Vertrauens gegenüber ihm und der Barmherzigkeit gegenüber Mitmenschen. Im Jahre 1935 sprach Jesus zur Schwester Faustyna: Du wirst die Welt auf meine endgültige Wiederkunft vorbereiten und Du wirst gemeinsam mit deinen Mitschwestern Barmherzigkeit für euch selbst und für die Welt erbitten. Anfangs dachte Schwester Faustyna, dass ihre Aufgabe darin bestehe, ein kontemplatives Kloster zu gründen, das die Aufgabe hätte, die Barmherzigkeit für die Welt zu erbitten. Erst später begriff sie klar, dass es nicht nur um irgendeine Kongregation geht, sondern um alle Kongregationen (Klosterverbände) und um Laien, die ihr Werk der Barmherzigkeit übernehmen sollen. Sie hatte keine Ahnung, dass das Werk der Verkündigung der Barmherzigkeit schon mit der ersten Andacht zur Barmherzigkeit Gottes angefangen hat; sie hatte Angst vor der großen Aufgabe.
Verein der Apostel der Barmherzigkeit Gottes mini|Kirche der Göttlichen Barmherzigkeit, Vogelperspektive Eine dieser Gemeinschaften ist der Verein der Apostel der Barmherzigkeit Gottes Faustinum. Er wurde vom Kardinal Franciszek Macharski am 6. März 1996 gegründet, mit dem Sitz im Sanktuarium der Barmherzigkeit Gottes in Krakau-Łagiewniki. Im Verein scharen sich Volontäre und Mitglieder aus 61 Nationen zusammen (2004). Dem Verein kann jeder angehören, der das Geheimnis der Barmherzigkeit Gottes ergründen will, eine Haltung des Vertrauens erwerben möchte, der am Tag mindestens einen Akt der Barmherzigkeit gegenüber den Nächsten durch eine Tat, ein Wort oder ein Gebet aus Liebe zu Jesus vollbringen will, und der den Rosenkranz zur Barmherzigkeit Gottes beten will. Nur die Personen, welche die polnische, englische, deutsche, französische, slowakische oder tschechische Sprache verstehen, können Mitglieder werden, da die Schwestern der Muttergottes von der Barmherzigkeit ihre geistige und apostolische Ausbildung in diesen Sprachen gewährleisten können. Die Mitglieder, die das Charisma der Schwester Faustyna entdecken, leben nach ihrer Spiritualität und engagieren sich bei ihrer Sendung der Verkündigung der Barmherzigkeit durch Tat, Wort und Gebet, und so werden sie zu den nächsten Mitarbeitern der Schwestern der Muttergottes von der Barmherzigkeit. Sie verpflichten sich nicht nur, im christlichen Leben ständig zu wachsen, sondern auch zu einer geistigen und apostolischen Ausbildung, die vom Faustinum in sechs Sprachen durchgeführt wird. Die Ausbildung wird mit einem Test abgeschlossen. Ab jetzt darf das Mitglied das Abzeichen des Vereins tragen. Mitglieder des Vereins Faustinum haben die Möglichkeit das Versprechen abzugeben, sich voll der Barmherzigkeit Gottes für eine bestimmte Zeit hinzugeben, später auch für ihr ganzes Leben. Die Grundausbildung dauert vier Jahre. Sie besteht aus drei Themenreihen: aus dem biblischen Zyklus, aus dem ABC des inneren Lebens und aus der Themenreihe von der Spiritualität und der Sendung der Hl. Faustyna. Das erste Ausbildungsjahr – Fundamente; das zweite Ausbildungsjahr – die Schule des Vertrauens; das dritte – die Schule der Barmherzigkeit; das vierte – das Zusammenwirken des Menschen mit der Barmherzigkeit Gottes. Außer der monatlichen Konferenzen bekommt man noch eine Praxisanleitung, die zur Entdeckung Gottes führen sollte, der in der Seele, die sich im Stande der Gnade befindet, lebt. Man soll die Fähigkeit erwerben, das eigene Leben mit Gott zu erfahren. Die Ausbildung wird gemeinschaftlich in den Pfarreien durchgeführt (wenn es dort eine Gruppe von Personen gibt, die im Verein Faustinum zusammengeschlossen sind, sowie einen Priester, der die Ausbildung gemäß dem im Verein verpflichtenden Programm durchführen kann) oder auch individuell – man bestellt Ausbildungsmaterialien im Sekretariat des Vereins Faustinum. Zu einer offiziellen Gründung einer Faustinum-Gruppe in der Pfarrei kommt es dann, wenn es mindestens zehn Mitglieder des Vereins gibt (nicht Volontäre), und wenn der Diözesanbischof seine Genehmigung erteilt, um die der Pfarrer bittet.
Basilika der Barmherzigkeit Gottes und dazugehörende Begegnungsstätten