Anzing ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Ebersberg.
Geographie Lage Die Gemeinde befindet sich im Norden des Landkreises Ebersberg, rund 22 Kilometer östlich der Landeshauptstadt München, 18 Kilometer südlich von Erding und 14 Kilometer von Ebersberg entfernt.
Markt Schwaben liegt im Norden, im Westen die Gemeinden Poing und Vaterstetten, Forstinning liegt östlich. Im Südosten befindet sich der Ebersberger Forst, dessen nördlicher Teil wird als Anzinger Forst bezeichnet.
Gemeindegliederung Es gibt 19 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Mindestens bis 1970 war auch die Anzinger Sauschütt ein Gemeindeteil der Gemeinde. Sie war als Exklave vom gemeindefreien Gebiet Anzinger Forst umgeben. Danach wurde das Gebiet des inzwischen abgerissenen Forsthauses dem Anzinger Forst zugeschlagen. Seit 2011 sind Froschkern, Lindach, Unter- und Oberasbach im Flächennutzungsplan als Dorfgebiet und nicht mehr als Außenbereiche festgelegt. anzing.de; abgerufen am 4. Februar 2017. Im Mai 2025 wurde beantragt, den Gemeindeteilnamen Seeweber zu erteilen.
Natur Das folgende Schutzgebiet berührt das Gemeindegebiet: Landschaftsschutzgebiet Schutz des Ebersberger Forstes im Landkreis Ebersberg als LSG (LSG-00354.01)
Geschichte mini|links|Kirche von Anzing Ein Hammer aus der Jungsteinzeit ist einer der ältesten Funde auf dem Gebiet von Anzing, der auf eine Besiedlung schließen lässt. 2012 fand man ein Skelett, das auf die Zeit um 2000 vor Christus datiert wurde. Aus der Bronzezeit stammen ein Dolch und ein Armreif. Von den Römern stammt eine Statuette des Bacchus, die man in Obelfing fand.Irmgard Köhler, Josef Blasi: Markt Schwaben – Ortsgeschichte eingebunden in die bayerische Geschichte, S. 11 & 15, 2002.
Am 23. April 812 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung „in loco anzinga“. Die Urkunde ist das Testament des Kirchendieners Suuidhart, in dem er eine Schenkung an das Freisinger Hochstift tätigt:
Drei Adelsgeschlechter spielten in Anzing eine Rolle: Die Sonderndorfer, die Armansperger und die Höger. Erstmals wurden die Sonderndorfer/Sunderndorfer 1180 in einer Schenkungsurkunde an Ebersberg erwähnt. „Sunderndorf“ bedeutet in etwa „südliches Dorf“ und eben im südlichen Teil Anzings hatten sie vermutlich bis 1621 ihren Sitz. Entsprechend wird der Ortsteil noch heute teilweise als „Unterdorf“ bezeichnet, auch wenn die Bezeichnung als „Sunderndorf“ wohl um 1400 verschwand. Die Sunderndorfer gelten als die Bauherrn der ersten Marienkirche Anzings.
1322 war Anzing der Sammelpunkt des Heeres von Ludwig dem Bayern vor der Schlacht bei Mühldorf. Nach der Schlacht kehrte der siegreiche Kaiser nach Anzing zurück. Es ist nicht gesichert, dass der Anzinger Kaiserberg seinen Namen von Ludwig bekam.Köhler & Blasi 2002, S. 35.
1585 brachte Sarah von Sunderndorfer Anzing als Mitgift in ihre Ehe mit Hanns Sigmund von Armansperg. mini|Schloss Anzing auf einem Stich von Michael Wening (1701) 1631 wurde auf Erlass von Kurfürst Maximilian I. die Volksschule in Anzing gegründet. 1633 verkauften die Armansperger ihren Besitz in Anzing, inklusive des Schlosses, an den Münchner Kaufmann und Ratsherrn Leonhard Höger. Das Högerische Schloss mit Graben und Brücke stand am heutigen Westrand des Ortes. Daneben wurden ein Schlößl am Kaisersberg und von Anton Benno Höger 1692 die Högerkapelle errichtet. 1650 wurde erstmals der Gasthof „Alte Post“ urkundlich erwähnt.
Am 26. Oktober 1667 wurden Franz Benedikt und Hans Benno Höger vom Kurfürsten Ferdinand Maria in den Adelsstand erhoben. Die Höger hatten in Anzing die rechtsprechende Gewalt. Bis 1783 blieb Anzing der Sitz der Familie.
Die heutige katholische Pfarrkirche Mariä Geburt wurde von 1677 bis 1681 erbaut und beherbergt im Turm ein fünfstimmiges Bronzegeläute in Tonfolge cis1 – e1 – fis1 – gis1 – h1.
1705 war der Posthalter Kaspar Hirner (Hörner) während des Spanischen Erbfolgekrieges Verbindungsmann zwischen den Bauern im Unterland und im Oberland. Die Unterländer wollten sich am Aufstand gegen die Österreicher beteiligen, erreichten aber zu spät Oberbayern. Als sie von den Geschehnissen bei der Sendlinger Mordweihnacht erfuhren, machten sie kehrt. Der österreichische General Georg Friedrich von Kriechbaum erfuhr von der Arbeit Hirners und erließ Haftbefehl gegen ihn. In einer Nacht wurde er gefangen und sollte abgeführt werden. Er behauptete, sein Pferd sei gestürzt, so dass er sich verletzte und nicht laufen könne. Er hinkte tatsächlich und die mit Branntwein sorglos gemachten Husaren glaubten ihm. Hirner gab vor, er müsse sein ebenfalls hinkendes Pferd kontrollieren und stieg ab. Hirner hatte vorab aber sein Pferd absichtlich zu fest bandagiert. Jetzt löste er die Bandagen, sprang aufs Pferd und gab ihm die Sporen. Die überraschten Husaren verloren ihn, als Hirner in den Wald mit den Worten flüchtete: „An schöna Gruass an General Kriechbam!“ Hirners Flucht war erfolgreich, denn 1720 wird er als Besitzer der Wolfmühle genannt.Köhler & Blasi 2002, S. 148 & 209. Franz von Kobell verfasste mit „Der Posthalter von Anzing“ ein Gedicht über Kaspar Hirner.
1791 wurde die Kirche St. Veit abgebrochen. Ein Denkmal vor dem Benefiziatenhaus erinnert an das ehemalige Gotteshaus.
Der Ort gehörte zum Rentamt München und zum Landgericht Schwaben. Im Zuge der Verwaltungsreformen wurde Anzing 1818 eine selbständige politische Gemeinde im Königreich Bayern. 1840 hatte Anzing bei der ersten amtlichen Bevölkerungszählung vom 1. Dezember 1840 839 Einwohner. 1886 entstand das Musterschulhaus, in dem sich heute das Rathaus befindet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen auch nach Anzing zahlreiche Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Ihre Unterbringung gestaltete sich als schwierig. Die alliierten Besatzungskräfte organisierten die Verteilung der Flüchtlinge auf die einheimischen Familien.
1963 wurde die heutige Grundschule und 1967 ihre Turnhalle gebaut. 1984 wurde das Pfarrzentrum im Marienhof eröffnet und 1997 der evangelische Kindergarten „Arche Noah“. 2011 wurde das Rathaus zu seiner heutigen Form umgebaut.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 3102 auf 4429 um 1327 Einwohner bzw. um 42,8 %.
Politik
Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus der ersten Bürgermeisterin und 16 Gemeinderatsmitgliedern. Die Gemeinderatswahl am 15. März 2020 führte zu folgendem Stimmenergebnis und der daraus folgenden Sitzverteilung: mini|Rathaus Anzing Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Christlich-Soziale Union (CSU) 39,17 % 6 Bündnis 90/Die Grünen 22,30 % 4 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 15,21 % 2 Unabhängige Bürgergemeinschaft Anzing (UBA) 23,32 % 4 Wahlbeteiligung: 62,67 %
Bürgermeisterin Erste Bürgermeisterin ist Kathrin Alte (CSU). Bei der Kommunalwahl 2020 erhielt sie 66,65 % der gültigen Stimmen. Sie ist zusätzliches Mitglied des Gemeinderats.
Wappen und Gemeindefahne Die Gemeindefahne ist blau/gelb.
Baudenkmäler
Verkehr Die A 94 führt seit 1989 durch den Norden des Gemeindegebiets mit der Anschlussstelle AS10 Anzing. Die Kreisstraße EBE 5 (ehemals Bundesstraße 12) führt als Münchener Straße nach Westen über den Neufarner Berg zum Vaterstettener Ortsteil Neufarn. Der Flughafen München liegt etwa 34 Kilometer nördlich.
Religion In Anzing befindet sich die katholische Kirche Mariä Geburt, die zum Pfarrverband Anzing-Forstinning gehört. Außerdem gibt es im Gemeindegebiet die Hofkapelle in Heilig Kreuz, die Högerkapelle in Anzing, die Kapelle in Froschkern, die Lindseekapelle in Anzing (in der Nähe zu Purfing) und die Lourdeskapelle in Garkofen. Die St.-Laurentius-Kirche in Purfing ist eine Filialkirche der Mariä Geburt in Anzing.
Die evangelische Gemeinde in Anzing ist zur Philippuskirche in Markt Schwaben zugehörig.
Persönlichkeiten Ernst Klinger (1900–1962), Maler von Porträts, Stillleben und Landschaften, in den 1930er Jahren im Stil der Neuen Sachlichkeit Joseph Loher (1907–2002) und Gretel Loher-Schmeck (1907–2003), Künstlerpaar, das viele Jahre in Frotzhofen lebte Sepp Maier (* 1944), ehemaliger Torwart und Torwarttrainer des FC Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft, lebte früher in Anzing und bekam deswegen den Spitznamen die Katze von Anzing. Bärbel Narnhammer (* 1948), ehemalige bayerische Landtagsabgeordnete (SPD) Sabine Saphörster-Heimbach (* 1962), Journalistin und Ministerialbeamtin, war Mitglied des Gemeinderats von Anzing Katja Wildermuth (* 1965), Intendantin des Bayerischen Rundfunks, aufgewachsen in Anzing
Weblinks
anzing.de
Anzing: Darstellung in amtl. topogr. Karte 1:25.000 von 1937 Anzing: Darstellung in amtl. topogr. Karte 1:25.000 von 1971
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Ebersberg Kategorie:Ersterwähnung 812 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)