mini|Die geographische Lage Karthagos mit dem Umland mini|hochkant|Zeichen der Göttin Tanit
Das Karthagische Reich war das Macht- und Einflussgebiet einer See- und Handelsmacht, deren Einwohner auch als Punier bezeichnet werden und deren Zentrum die Stadt Karthago bildete. Diese wurde im 9. oder 8. Jahrhundert v. Chr. als Tochterstadt von Tyros gegründet. Karthago war wohl von Beginn an eine städtische Seemacht und ging mit dem Anwachsen seiner Bevölkerung in ein selbstständiges Seereich über, das von der Mitte des 7. bis ins 2. Jahrhundert v. Chr. bestand. Gewissermaßen als Symbol für das Karthagische Reich kann das Zeichen der (Reichs-)Göttin Tanit gelten, das man auf vielen Stelen, zum Beispiel in Verbindung mit Topheten, gefunden hat.
Karthago hat die drei Punischen Kriege mit Rom geführt. Zwischen dem Ersten und Zweiten Punischen Krieg ereignete sich der Libysche Krieg, ein Bürgerkrieg, durch den Rom enorme Gebietsgewinne (Sardinien und Korsika, Festigung der ersten Provinz Roms, nämlich Sizilien) erhielt, ohne direkt beteiligt gewesen zu sein. Im Rahmen des Zweiten Punischen Krieges überquerte Hannibal mit einer Armee die Alpen und führte siebzehn Jahre lang auf der Apenninischen Halbinsel gegen das Römische Reich Krieg. Mit dem Ende des Dritten Punischen Krieges kam es zur Zerstörung Karthagos durch die Römer im Jahre 146 v. Chr. Danach wurde das Mutterland als Provinz Africa proconsularis dem Römischen Reich einverleibt. Dort wie auch in den anderen ehemals karthagischen Gebieten prägten aber auch in den folgenden Jahrhunderten noch Elemente der karthagischen Kultur das Leben.
Geographische Gliederung Neben den nordafrikanischen Gebieten gehörten auch südwesteuropäische Gebiete zum Gebiet des Karthagischen Reiches.
Geographisch gelten als östlichste Orte jene in der libyschen Syrte: Leptis, Oea und Sabratha, und als westlichste Cádiz und Huelva in Andalusien (Südspanien). Heute noch bedeutende Orte in Afrika sind Tanger, Agadir (Marokko) und Algier (Algerien). Weitere bekannte Gründungen sind Ibiza, Magon (Balearen), Palermo (Sizilien) und Cartagena (südöstliches Spanien). Der südlichste Ort an der westafrikanischen Küste, der auf die Phoiniker zurückgeht, ist Essaouira, das vorher Mogador genannt wurde. Der westsemitische Name für „Turm“ lautet Migdol und der für „Festung“ Adir, woraus sich Mogador gebildet haben dürfte.
Die Bedeutung der Karthagischen Kultur für Europa Die karthagische Kultur hat Bedeutung für die europäische Geschichte, da z. B. die Karthager das phoinikische Alphabet verbreiteten, das als Vorläufer des lateinischen Alphabets gilt. Der Name „Europa“ ist in der griechischen Mythologie der Name einer phoinikischen Prinzessin, die Zeus, sich selbst in einen Stier verwandelt, entführt hat. Daneben gibt es viele militärische und staatspolitische Elemente, die sehr ähnlich denen der Römer sind.
Ein solches Element, das die Römer von den Karthagern übernommen haben könnten, ist die Kriegstaktik zu Land und zur See. Die Schlacht von Cannae ist heute noch ein Lehrbeispiel für europäische Offiziere, das Rammen von Galeeren war bis ins 15. Jahrhundert und bis zur Einführung der Feuerwaffen übliche Taktik. Einige Elemente liegen in der Navigation. Von Wichtigkeit sind hier die Leistungen in der Astronomie, der Mathematik und der Navigation mittels der Sterne, zu der anfangs die Hellenen noch nicht in der Lage waren. Viele astronomische Begriffe wie „Beteigeuze“, „Fomalhaut“ oder „Sirius“ wurden aus der Mesopotamischen Kultur übernommen. Auch die Einteilung der Zeitrechnung in Glieder, die sich durch drei, oder besser durch 60, teilen lassen (60 Sekunden, 60 Minuten, 24 Stunden, 30 Tage, 12 Monate), beruht auf einer Übertragung aus dem phoinikisch-mesopotamischen Raum. Frühe Seefahrten, wie zum Beispiel die der Hellenen, benutzten eine Navigation, bei der sich die Seefahrenden an markanten Landmarken orientierten, womit Überseefahrten ohne Sicht zum Ufer und Fahrten bei Nacht nahezu unmöglich waren. Seefahrt außerhalb des Küstenbereiches war eine Zeit lang nur Karthagern möglich, die eine Navigation mit Hilfe der Sterne benutzten. So war der Kleine Bär mit dem Polarstern den Karthagern sehr wohl als Navigationspunkt bekannt. Außerdem war das Karthagische Reich lange vor dem Römischen Reich (SPQR) eine Oligarchie, Thalassokratie und Plutokratie.
Geschichte Einleitung Erstes See- und Handelsgebiet der Phoiniker war das östliche Gebiet des Mittelmeeres, das Levantinische Meer. mini|Das Levantinische Meer: Erstes See- und Handelsgebiet der Phoiniker Die Phoiniker bauten ein Handelsimperium auf, das zunächst das Levantinische Meer, die Südküste Kleinasiens und vielleicht die südöstliche Ägäis mit Kreta und Rhodos umfasste, das aber auf Handelsbeziehungen und nicht auf militärischen Bestrebungen beruhte. Jene Handelsbeziehungen wurden ab dem Beginn des 12. Jh. v. Chr. von Sidon dominiert, das ab dem 10. Jh. v. Chr. von Tyros abgelöst wurde. Daher könnten geschäftstüchtige Phoiniker Wanderungszüge angestrengt haben, was aber nicht ausschließt, dass auch andere Städte der Levante ebenso Schiffe aussendeten. Vom Levantinischen Meer aus entwickelten sich die Handelswege in Richtung Westen, bis die phoinikischen Städte zu mächtigen See- und Handelszentren heranwuchsen. mini|hochkant=1.35|Handelsrouten und wichtige Städte der Phoiniker; das Stammland rot unterlegt Man beachte aber, dass es bei dem phoinikischen Bestreben nie eine Art „Staat“ gab. Jede Stadt war ähnlich organisiert wie eine griechische Polis.
Allerdings erfolgte die Stadtgründung Karthagos während einer Epoche, in der es immer wieder Kriegszüge aus östlicher Richtung, aus der Richtung Mesopotamien, gab, die die Küste der Levante erreichten, so beispielsweise von Salmanassar III., der 841 v. Chr. das Nurgebirge an der levantinischen Küste bekriegte. Einige Kriegsherren aus Mesopotamien, die Züge in Richtung Westen unternahmen, deren Beschreibung sehr umfangreich ist und die Gegenstand der Forschung sind, sollen trotzdem im Folgenden genannt sein: Tiglat-Pileser III. (745 bis 720) Salmanassar V. (725 bis 720) Sanherib (705 bis 681) Asurbanipal (669 bis 631) (Assyrien ging 612 v. Chr. unter) Nebukadnezar II. (der Feldzug von 605 konnte durch eine Allianz zurückgeschlagen werden, ab 586 erfolgte eine 13-jährige Belagerung von Tyros)
Solche Kriegszüge lösten auch Wanderungswellen aus. Die Geschichte des Karthagischen Reiches lässt sich nicht genau von der Geschichte der phoinikischen Städte abgrenzen, weil die Gründung Karthagos in eine jener Wanderungswellen fällt und dessen Geschichte als tyrische Kolonie begann. Erst mit den Jahrhunderten weitete sich das Streben der Stadt in Richtung eines Reiches aus, bis das Karthagische Reich mehr und mehr den militärischen Schutz und den Handel im westlichen Mittelmeer übernahm, bis es, ab spätestens 539 v. Chr. völlig unabhängig von Tyros, die Macht über alle westlichen phoinikischen Gründungen übernahm.
Seefahrerei, Tauschhandel und Waren Für den Fernhandel und da, wo anfangs aus sprachlichen oder kulturellen Gründen eine Verständigung nicht möglich war, kam es durch Tauschhandel, sogenannten stummen Handel, zu Kontakten mit Einheimischen. Herodot berichtet (Historien 4):
Etwa zur Mitte des 12. Jhs. v. Chr. wurde das phoinikische Alphabet entwickelt und durch die Seefahrerei der Phoiniker und der Karthager verbreitet. Es gilt als Vorläufer des griechischen und lateinischen Alphabets und erleichterte den Handel wesentlich, denn damit wurden Preisvergleiche und eine einfache Buchhaltung ermöglicht, die den Tauschhandel erleichterten. Zu Beginn war nur stummer Handel möglich, während es zu Münzprägungen vor allem durch die Karthager erst im 5. Jh. v. Chr. kam. Die Expansion entwickelte sich allem Anschein nach in verschiedenen Etappen und in regionalen Zonen unterschiedlich, je nachdem, in welchem Gebiet der stumme Handel sich mit den angebotenen Waren anschickte. Zunächst nutzten die Phoiniker die Randgebiete bestehender fremder Siedlungen, um sich anzufreunden; teils in von der Natur geschützten Lagen und Nischen entwickelten sie sich dann zu Kontoren in den Häfen fremder Völker als Stützpunkte weiter und gründeten schließlich geschlossene Wohnsiedlungen.Werner Huß: Die Karthager. Kap. 2: Die Phoinikische Expansion. Seite 6, 3. überarb. Aufl. 2004, C. H. Beck, ISBN 3-406-37912-5. Daher ist es nicht erstaunlich, dass sich von den Zeiten des stummen Handels keine robusten Hinweise finden lassen. Bedenkt man, dass es zunächst keine festen Gebäude gab und dass auch keine bleibenden Waren, wie Gefäße, Münzen, Schmuck oder Waffen, gehandelt wurden, sondern zunächst Dinge vergänglicher Art gefragt waren wie Lebensmittel, Wein, Stoffe und Salben, ist dies einsichtig. Nach dem stummen Handel wurde die Installation dann wieder abgebaut oder umgestaltet. Erst in der letzten Phase, der Kolonisation, als auch die politische Kommunikation mit den Gastvölkern sich entsprechend entwickelt hatte, ergaben sich robuste Gebäude oder Nekropolen (Friedhöfe, die wie Städte angelegt wurden) und man lagerte nun auch Waren und brachte Artefakte mit.Werner Huß: Die Karthager. Kap. 2: Die Phoinikische Expansion. Seite 6, 3. überarb. Aufl. 2004, C. H. Beck, ISBN 3-406-37912-5. Wesentlich trug dazu bei, dass sich im Kreuzpunkt zwischen Ägypten, Mesopotamien und dem ägäisch-kleinasiatischen Raum seit langer Zeit Kenntnisse vom Wert bestimmter Handelswaren und vom Verlauf bestimmter Handelswege ergeben hatten. Für die karthagischen Händler jedoch galt schon längst: Die bisherigen Seewege waren sehr einträglich geworden. Erst später erlangte man mit dem Handel von Metallen auch noch höhere Erträge durch Seefahrerei in die entferntesten Gebiete (Iberien, Atlantik, vielleicht Scilly-Inseln in Britannien), dann eben eher als Seefahrer und weniger als Ackerbauern. Mehr und mehr spielte dann auch das Handwerk eine Rolle. Berühmtheit erlangte der Purpur, der durch die aufwändige Herstellung aus SchneckenMarianne Guckelsberger: Purple mutet dye in Antiquity. University of Iceland 2013, Seite 8 bis 12. sogar die Römer beeindruckte und sehr teuer war, wie auch die Herstellung des Gewürzes namens Garum. Ebenso die Verarbeitung von Zedernholz (vgl. den Dialog des biblischen Salomo mit tyrrhenischen Königen für den Bau des Tempels in Jerusalem) war eine Domäne der Phoiniker und Karthager. Es war also keineswegs nur der militärische Druck aus Richtung Mesopotamien, aus dem hethitischen Reich oder aus Ägypten, der zur Expansion führte. Tyros beispielsweise hat seine Unabhängigkeit bis zur Zeit Tiglatpilesars III. (725–727) nicht verloren, im Gegenteil: „Die Feinde“ wussten die Geschicke der Phoiniker durchaus auch zu schätzen.
Phoinikische Expansion