Die Schlacht von Dyrrhachium am 10. Juli 48 v. Chr. war eine aus einer ganzen Reihe von Treffen zwischen Caesar und Pompeius, die mit Pompeius’ Niederlage in der Schlacht von Pharsalos einen Monat später endeten. In Dyrrhachium hingegen konnte Caesar nur knapp einer militärischen Katastrophe entgehen.
Vorgeschichte Ausbruch des Bürgerkriegs zwischen Caesar und Pompeius Am 10. Januar 49 v. Chr. überschritt Caesar den bis dahin unbedeutenden Grenzfluss Rubikon, der Italien von der Provinz Gallia cisalpina trennte, und begann den Bürgerkrieg.Caesar überschritt den bis dahin unbedeutenden Grenzfluss Rubikon In Eilmärschen rückte er nach Rom vor, das von Pompeius und dem größten Teil des Senats geräumt wurde, da es keine Aussichten auf Erfolg in Italien gab. Pompeius floh mit seinen Anhängern nach Griechenland, um dort den weiteren Widerstand gegen Caesar zu organisieren. Caesar eroberte, da er wegen fehlender Schiffe Pompeius nicht folgen konnte, Hispanien und Sizilien und organisierte den Bau einer Flotte, um Pompeius nach Griechenland zu folgen.
Caesar handelte schnell: Nachdem sich Pompeius und die gegnerischen Senatoren mit ihren Legionen nach Griechenland zurückgezogen hatten, besiegte er in den folgenden Monaten die beiden Legaten des Pompeius, Afranius und Petreius, in Spanien. Nachdem er die Verhältnisse in Italien und in Rom geordnet hatte, stand er Ende Dezember 49 v. Chr. wieder bei Brundisium. Dorthin hatte er 12 Legionen und seine gesamte Reiterei beordert, um mit ihnen über die Adria nach Griechenland zu setzen. Jedoch standen ihm für das Verschiffen seiner Truppen lediglich nicht für den Kampf ausgelegte Transportschiffe zur Verfügung. Allein dieser Umstand verhinderte letztlich eine schnelle Beendigung des Krieges.
Ein weiteres Problem bestand für Caesar darin, dass seine Legionen stark dezimiert und erschöpft waren. Die Klimawechsel zwischen Gallien, Spanien und Italien, der ungesunde und nasse Herbst und Winter in Italien und letztlich der lange und zügige Marsch von Spanien nach Brundisium forderten ihren Tribut.
Pompeius dagegen hatte über ein halbes Jahr Zeit, sich auf die Ankunft Caesars vorzubereiten, Truppen zu rekrutieren und diese auszubilden. Das einzige Manko bestand in der Unerfahrenheit der Truppen. Nur die beiden Legionen, die Caesar ihm 50 v. Chr. hatte zurückgeben bzw. abtreten müssen, eine Veteranenlegion aus Cilicien und die Überreste der spanischen Legionen, hatten Kampferfahrung.
Seine Rekrutierungen und die engen Beziehungen im Osten aus seinen früheren Feldzügen hatten ihm zusätzlich eine große Flotte eingebracht. Diese unterstand dem Befehl von Marcus Calpurnius Bibulus, dem alten Feind Caesars. Somit hatten die Republikaner die Seehoheit und blockierten Brundisium und die Adria.
Über die Adria
Es war die Wintersonnenwende und niemand erwartete, dass Caesar versuchen würde, den Ionischen Golf bei diesem schlechten Wetter zu kreuzen. Er jedoch wog die Vorteile von Geschwindigkeit und Überraschung gegen Besonnenheit und Sicherheit ab. Am 4. Januar 48 v. Chr. änderte sich der Wind, und seine kleine Flotte stach in See.
Da man keine Ahnung hatte, wie stark die Hafenstädte Westgriechenlands gesichert waren, steuerte man den kleinen Hafen Palaeste (Palissa) an, der nördlich des heutigen Dhërmi vermutet wird. Die sieben unterbemannten Legionen und die 500 Reiter schifften dort aus. Sofort schickte Caesar die Transportschiffe unter dem Befehl des Calenus zurück nach Brundisium, in der Hoffnung, dass Marcus Antonius mit den restlichen Truppen umgehend nachfolgen würde. Doch die Flotte geriet auf der Rückfahrt in schweres Wetter, und ungünstige Winde trieben einige der Schiffe in die Arme der Flotte des Bibulus, der ziemlich verärgert darüber war, dass Caesar ihm entkommen war. Seine Wut ließ er an der gegnerischen Flotte aus. So erreichte nur ein Teil der Schiffe Brundisium.
Caesar selbst schickte einen gefangenen Reiterpräfekten, Vibullius Rufus, mit einem Friedensangebot zu Pompeius. Der Inhalt lautete sinngemäß, dass beide Seiten in den vergangenen Monaten genug Verluste römischer Soldaten hatten hinnehmen müssen – Pompeius hatte ca. 130 Kohorten in Spanien und Italien verloren, und Caesar hatte Curio und dessen Legionen in Africa und Gaius Antonius in Illyrien verloren – und man die Waffen niederlegen solle, um friedlich eine Einigung zu finden.
Dieser Schritt ist jedoch mehr als ein taktischer Zug anzusehen. Es sieht nach Verlegenheit aus, mit einem zahlenmäßig weit unterlegenen Heer, von seinem Nachschub und den Verstärkungen abgeschnitten, einen solchen Vorschlag zu unterbreiten. Doch ist der politische Nutzen für Caesar unbestreitbar. Denn bei einem Übereinkommen hätte er als der Friedensstifter gegolten, und bei einer Absage hatte wiederum er einen Schritt zur Verständigung versucht.
Eroberung von Epirus
Trotz dieses diplomatischen Versuches blieb Caesar nicht in Epirus, um auf Antonius zu warten, sondern marschierte Richtung Apollonia und zu dem noch weiter nördlich liegenden Dyrrhachium, dem größten Depot und Arsenal der pompeianischen Truppen in Westgriechenland. Pompeius, nun von Caesars Landung informiert und überrascht, trieb seine Truppen ebenfalls in Gewaltmärschen nach Dyrrhachium.
Die erste Stadt auf Caesars Weg, Oricum, öffnete Caesar die Tore. Diesem Beispiel folgten dann auch Apollonia und anschließend ganz Epirus. Pompeius, der Tag und Nacht marschieren ließ, erreichte Dyrrhachium als erster. Doch glich sein Gewaltmarsch schon einer panischen Flucht, es kam zu Desertionen, und viele erschöpfte Soldaten blieben zurück. Titus Labienus übernahm es mit seiner bekannten Härte und Grausamkeit, die Disziplin im Heer wiederherzustellen.
Caesar zog sich nach Apollonia zurück und errichtete an den Ufern des Flusses Apsus sein Lager. So konnte er die epirischen Städte schützen, die zu ihm übergelaufen waren, und die Ankunft seiner restlichen Truppen abwarten. Pompeius marschierte ihm nach und errichtete am gegenüberliegenden Ufer sein Lager. Aufgrund der Nähe der beiden Lager kam es in den folgenden Wochen zu gruppenweisen Verständigungen und Verbrüderungen, und die Hoffnungen auf Friedensverhandlungen stiegen bei den Soldaten auf beiden Seiten. Doch wieder einmal Labienus provozierte einen blutigen Zwischenfall und sorgte für eine Abschirmung der republikanischen Truppen.
Seeblockade
Der erste Versuch von Antonius und Calenus, die Truppen überzusetzen, schlug fehl, doch hatten sie keinerlei Verluste zu verzeichnen.
Bibulus hatte das Problem, zwar Caesar und seine Verstärkungen vom Meer fernzuhalten, aber selbst keine Anlaufpunkte in dieser Region zu haben, an denen er Wasser und Holz nachladen konnte. Die Wochen waren für seine Flotte ziemlich hart, denn nicht immer konnte Nachschub per Schiff herangeschafft werden, und die Vorräte waren aufgebraucht. Bibulus, der sich während der Prätur und dem Konsulat als Caesars Partner immer durch Unfähigkeit ausgezeichnet hatte – hier schien er seine Bestimmung gefunden zu haben. Doch wieder einmal kam Caesar das Glück zu Hilfe. Bibulus erkrankte und starb.
Sein Nachfolger Libo gab es auf, die verschiedenen Anlaufpunkte an der griechischen Küste zu überwachen, und blockierte stattdessen Brundisium direkt. Er wurde von Antonius aber in einen Hinterhalt gelockt und verlor einen großen Teil seiner Flotte. So musste er sich zurückziehen, und der Weg für Calenus und Antonius war frei.
Antonius’ Flotte geriet aber in ungünstige Winde und trieb an Apollonia und Dyrrhachium vorbei. Da man Sturm und die feindliche Flotte fürchtete, steuerte man den nächstmöglich erreichbaren Hafen an: Nymphaeum, bei Lissus nördlich von Dyrrhachium.
Antonius landete drei Veteranenlegionen und eine Rekrutenlegion sowie 800 Reiter an. Die Pompeianer setzten bei der Verfolgung 16 Schiffe gegen die Felsen, bei Antonius kamen nur zwei Schiffe vom Kurs ab und strandeten in der Nähe von Lissus, eines mit etwa 220 Rekruten und das zweite mit etwa 200 Veteranen. Die Rekruten ergaben sich der Garnison und wurden trotzdem hingerichtet, worauf die Veteranen sich erfolgreich verteidigten und zu Antonius aufschlossen. Lissus wurde Antonius von der römischen Bürgerschaft übergeben, welche die Hinrichtung verurteilte und Caesar aus der Vergangenheit zu Dank verpflichtet war.
Vereinigung mit Antonius
Caesar und Pompeius erfuhren etwa zur selben Zeit von der Landung des Antonius. Nun begann der Wettlauf von neuem. Zwar hatten sie die Schiffe vorbeisegeln sehen, doch wussten sie beide nicht, ob und wo sie gelandet waren.
Nun hatten sie beide ihren Plan: Caesar wollte und musste sich mit Antonius vereinigen, und Pompeius wollte ebendieses verhindern und die Verstärkung angreifen und vernichten.
Pompeius, der den Apsus nicht überqueren musste, war wieder schneller und lauerte mit seinem Heer dem Antonius auf. Doch war dieser durch die Griechen gewarnt worden und ging ihm nicht in die Falle. Stattdessen nahm er Kontakt zu dem heranrückenden Caesar auf, der am folgenden Tag eintraf. Pompeius rückte sofort ab, da er befürchtete, dass ihn diese beiden Heere in seiner Position einschließen und von allem Nachschub abschneiden würden.
Bemerkenswert ist, dass Pompeius mit einer zahlenmäßig weit überlegenen Armee keinen Angriff auf den ihm nachfolgenden Caesar oder direkt auf Antonius wagte, bevor diese sich vereinigen konnten. Auch danach behielt er diesen Trumpf weiter, zusätzlich zu der dramatischen Versorgungsknappheit bei Caesar. Sein Sohn Gaius Pompeius hatte bei einem Angriff auf Oricum alle Schiffe Caesars zerstört, so dass dieser keinen Nachschub mehr über das Meer zu erwarten hatte.
Daraufhin schickte er Calvinus mit der XI. und XII. Legion und einem Teil der Reiterei Richtung Thessalien, um dort den aus Syrien erwarteten Metellus Scipio aufzuhalten und selbst seine Versorgungslage zu entspannen. Pompeius war weit überlegen, setzte aber auf eine Strategie des Aussitzens und wollte Caesar aushungern.
Die Schlacht
Pompeius zögert – Wettlauf nach Dyrrhachium
Caesar folgte ihm, und bei Asparagium (in der Nähe Dyrrhachiums) traf er auf das gegnerische Lager. Am nächsten Tag ließ er seine Truppen Aufstellung nehmen und bot Pompeius somit erstmals eine Schlacht an. Pompeius blieb in seinem Lager und nahm die Schlacht nicht an.
Als Caesar feststellen musste, dass Pompeius in seinen Stellungen sitzen blieb, umging er am nächsten Tag das Lager auf Umwegen und schwer begehbaren Straßen und versuchte Dyrrhachium zu erreichen. So wollte er Pompeius entweder zum Rückzug hierher bringen oder sogar ihn von dieser Stadt abschneiden, die ja sein größtes Nachschublager bedeutete.
Da Caesar in entgegengesetzte Richtung abgezogen war, vermutete Pompeius zuerst Nachschubmangel. Doch als ihm seine Späher berichteten, welchen Weg er nun doch eingeschlagen hatte, marschierte er wieder einmal in Eilmärschen nach Dyrrhachium. Diesmal gewann Caesar. Am frühen Morgen erreichte er die Stadt, gerade als Pompeius’ Vorhut in der Ferne ebenfalls anrückte, und schlug sein Lager auf.
Blockade bei Petra mini|Der Felsen Shkëmbi i Kavajës heute Pompeius war somit von Dyrrhachium abgeschnitten und schlug auf einer Anhöhe namens Petra (heute Shkëmbi i Kavajës genannt) sein Lager auf. Diese Position ermöglichte es ihm wenigstens, einen leidlichen Ankerplatz für Schiffe zu haben und sich so über das Meer versorgen zu können. Beide richteten sich auf eine Belagerung ein. Während Pompeius seinen Nachschub über die Flotte organisierte, schaffte Caesar Nachschub aus Epirus und aus dem Norden heran. Doch er stand unter Zugzwang, nachdem der Nachschub nicht ausreichend war.
Die Anhöhe Petra war von einer Hügelkette umgeben, die Caesar nun mit befestigten Stellungen sicherte. Dann begann er, diese Stellungen untereinander zu verbinden. Langsam wurde Pompeius eingeschlossen.