Thais ist der Name einer artenreichen Gattung meist mittelgroßer Schnecken aus der Familie der Stachelschnecken, die weltweit in tropischen und subtropischen Meeren leben.

Merkmale Die mittelgroßen bis ziemlich großen, meist dickwandigen, doppelt kegelförmigen Gehäuse der Thais-Arten haben in der Regel eine ausgeprägte Skulpturierung, die aus Längsrippen, Furchen, Knoten oder stumpfen Stacheln an den Kreuzungen der Längs- und Querrippen bestehen kann. Anders als die Nucella-Arten haben sie keinen verdickten Mündungsrand und bilden dort auch keine Zähnchen, bei manchen Arten kann es hier aber einen einzelnen Stachel geben. Das Operculum ist hornig.G. Thomas Watters, Ohio State University: Digital Murex - .

Die Schnecken haben einen kleinen Fuß, der nicht über den Rand des Gehäuses ragt. Die Augen sitzen an der Außenseite der Fühler, etwa ein Drittel der Fühlerlänge von der Basis entfernt.K. S. Tan, J. B. Sigurdsson (1996): (PDF; 971 kB). The Raffles Bulletin of Zoology 44 (1), S. 77–107. Das Akzessorische Bohrorgan (ABO),Deutsche Übersetzung des Ausdrucks ABO (accessory boring organ) in: Cleveland P. Hickman, Larry S. Robert, Allan Larson, Helen l’Anson, David J. Eisenhour: Zoologie. Aus dem Englischen von Thomas Lazar. Deutsche Bearbeitung von Wolf-Michael Weber. Pearson Deutschland, München 2008. 1347 Seiten. S. 510. eine Säuredrüse zum Auflösen von Kalk, befindet sich bei Thais, anders als bei Nucella aber ebenso wie bei Purpura und Rapana, oberhalb der schleimproduzierenden Drüse am Fuß.Melbourne R. Carriker (1981): Shell penetration and feeding by naticacean and muricacean predatory gastropods: a synthesis (PDF; 7,3 MB). Malacologia 20 (2), S. 403–422.

Die Schnecken sind getrenntgeschlechtlich mit innerer Befruchtung. Die Eier werden in meist gelblichen, mehr oder weniger flaschenförmigen Eikapseln abgelegt, die jeweils mehrere hundert Eier enthalten. Diese entwickeln sich zu Veliger-Larven, die nach wenigen Wochen schlüpfen und eine mehrmonatige pelagische Phase durchmachen, während der sie sich von Plankton ernähren. Schließlich findet am Boden die Metamorphose zur Schnecke statt. Unter anderem anhand dieses Kriteriums wird die Gattung von Nucella abgegrenzt.J. H. Crothers (1985), S. 341f.

Vorkommen und Lebensweise Die Schnecken der Gattung Thais leben in tropischen Gewässern aller drei großen Ozeane, die meisten Arten im Indopazifik. Man findet die Schnecken meist auf felsigem Untergrund im Bereich direkt unterhalb der Gezeitenzone. Sie ernähren sich von Seepocken, Muscheln und Schnecken. In die Schale der Beute wird mit der Radula unter Einwirkung der Säure des ABO ein Loch gebohrt. Von Thais haemastoma ist bekannt, dass die Proboscis nicht durch das Loch passt, das deutlich kleiner als etwa bei Nucella ist. Vielmehr wird durch dieses ein Sekret der neben dem Mastdarm befindlichen Hypobranchialdrüse injiziert, das die Beute lähmt und den Schließmuskel entspannt. So öffnet sich die Schale des Opfers, das nun gefressen werden kann.K. S. Tan, J. B. Sigurdsson (1990): (PDF; 541 kB). The Raffles Bulletin of Zoology 38 (2), S. 205–211.

Geschichte der Systematik Der Gattungsname Thais wird erstmals 1798 von Peter Friedrich Röding im Katalog der Conchyliensammlung von Joachim Friedrich Bolten mit 10 Arten erwähnt.Peter Friedrich Röding (1798): Museum Boltenianum, sive, Catalogus cimeliorum e tribus regnis naturae quae olim collegerat Joa. Fried. Bolten: pars secunda continens conchylia sive testacea univalvia, bivalvia et multivalvia. Trappi, Hamburg, viii. + 199 S. Nachdruck durch British Museum, London 1906. Seite 130, Thais. 1. Clavicula depressa. Mir kurzer Spindel. 1681 1 T. Lena. Die Kuplerin. Gmel. Murex fucus. 1682 2 T. Meretricula. Das Freudenmädchen. Gmel. Murex fucus. 2. Clavicula elevata. Mit hervortretender Spindel. 1683 3 T. Parula. Der Weitemund. Gmel. Buccinum parulum. 1684 4 T. Persica. Die Schürbrust. Gmel. Buccinum persicum. 1685 5 T. Panama. Die Panama Gmel. Buccinum haemastoma. 1686 6 T. Grisea. Der blasgraue Weitemund. Gmel. Buccin. haemastoma. 1687 7 T Metallica. Das Metal-Horn. Gmel. Buccin. haemastoma. 1691 8 T. Stellata Das gezakte Metal-Horn. Gmel. Buccin. haemastoma. 1692 9 T. Nebulosa. Das dunkle Metal-Horn. Gmel. Buccin. haemastoma. 1693 10 T. Monoceros. Das Einhorn. Gmel. Buccin. monodon. Lange Zeit war dieser Gattungsname bedeutungslos, denn die Schnecken wurden von Jean-Baptiste de Lamarck 1822 in die Gattung mit dem älteren Namen Purpura Bruguière 1789 gestellt, die über 50 Arten umfasste. Erst als diese Mitte des 20. Jahrhunderts in mehrere Gattungen aufgespalten wurde, wurden die Namen von Röding – Thais, Drupa und Nucella – wieder wichtig. Für Verwirrung sorgte jedoch, dass die von Röding genannte Nucella lapillus nicht mit dem Typus der Nordischen Purpurschnecke Buccinum lapillus Linnaeus übereinstimmte, so dass von einigen Autoren der Name Thais an die entsprechende Gattung – circumboreale Purpurschnecken mit direkter Entwicklung – vergeben wurde, zu der die Nordische Purpurschnecke und mehrere Arten an der Pazifikküste Nordamerikas gehören und die so von ihnen den Namen Thais lapillus, Thais emarginata usw. erhielten. Bei der von Röding ebendort genannten Nucella theobroma handelt es sich aber tatsächlich um die Nordische Purpurschnecke, so dass deren Gattung den ältesten Gattungsnamen Nucella erhalten musste. Der Gattungsname Thais fällt dagegen auf Purpurschnecken warmer Meere mit Entwicklung über eine planktonfressende Veliger-Larve. Von den Artnamen von Röding ist jedoch keiner mehr gültig, vielmehr sind mehrere davon mit der Typusart Thais nodosa, deren Artepitheton auf Linnaeus zurückgeht (ursprünglicher Name Nerita nodosa), synonymisiert. Zwei Artnamen sind Synonyme von Purpura persica und ein weiterer ein zweifelhafter Name (nomen dubium).World Register of Marine Species, Thais Röding, 1798

Arten Zu der Gattung Thais gehören laut World Register of Marine Species folgende Arten: Thais aculeata Deshayes & Milne-Edwards, 1844 Thais ambustulatus Hedley, 1912 Thais bitubercularis (Lamarck, 1822) Thais blanfordi (Melvill, 1893) Thais cingulifera (Linnaeus, 1758) Thais echinulata (Lamarck, 1822) Thais intermedia (Kiener, 1835) Thais lacera (Born, 1778) Thais mancinella Linnaeus Thais sacellum (Gmelin, 1791) Thais savignyi (Deshayes, 1844) Thais tricolorata Bozzetti, 2010 Thais wutingi Tan, 1997 Subgenus Thais (Mancinella) Link, 1807 Thais alouina (Röding, 1798) Thais echinata (Blainville, 1832) Thais grossa Houart, 2001 Thais herberti Houart, 1998 Thais lata (Kuroda, 1931) Thais marmorata (Pease, 1865) Thais siro Kuroda, 1931 Subgenus Thais (Neorapana) Cooke, 1918

Subgenus Thais (Thais) Röding, 1798 Thais bimaculata (Jonas, 1845) Thais callaoensis (Gray, 1828) Thais nodosa (Linnaeus, 1758) Thais speciosa (Valenciennes, 1832) Thais triangularis (Blainville, 1832) Subgenus Thais (Thaisella) Clench, 1947 Thais callifera (Lamarck, 1822) Thais coronata (Lamarck, 1816) Thais dubia (Schepman, 1922) Thais gradata (Jonas, 1846) Thais javanica (Philippi, 1848) Thais jubilaea Tan & Sigurdsson, 1990 Thais keluo Tan & Liu, 2001 Thais kiosquiformis (Duclos, 1832) Thais langi Clench & Turner, 1948 Thais luteostoma Holton, 1803 Thais malayensis Tan & Sigurdsson, 1996 Thais mariae Morettes, 1954 Thais pinangensis Tan & Sigurdsson, 1996 Thais rufotincta Tan & Sigurdsson, 1996 Thais tissoti (Petit, 1852) Subgenus Thais (Thalessa) H. & A. Adams, 1853 Thais deltoidea (Lamarck, 1822) Thais tuberosa (Röding, 1798) Thais tumulosa (Reeve, 1846) Thais virgata (Dillwyn, 1817) Subgenus Thais (Vasula) Mörch, 1860 Thais melones (Duclos, 1832)

Weitere Arten laut ITIS, der Indopazifik-Molluskendatenbank OBIS OBIS : Thais und der Datenbank der marinen Mollusken des Westatlantik (Malacolog)Malacolog : Thais sind: Thais clavigera Köster, 1858 Thais chocolata (Duclos, 1832) Thais delessertiana (D’Orbigny, 1841) Thais lamellosa Thais orbita (Gmelin, 1791) Thais rustica (Lamarck, 1822) Thais savignyi (Deshayes, 1844) Thais trinitatensis (Guppy, 1869) Thais undata Lamarck Thais woodwardi (Roxo)

Einzelnachweise

Weblinks

Fischhaus Zepkow: Familie Muricidae - Stachelschnecken

Kategorie:Neuschnecken Kategorie:Neogastropoda