mini|250px|Oskar Lenz (um 1885) mini|250px|Das Stromgebiet des Ogowe vom Okandeland bis zur Mündung des Schebe aufgenommen in den Jahren 1874–1877 von Dr. Oskar Lenz in Wien (Karte: 1877) mini|250px|Expeditionsroute nach Timbuktu, 1879/80, im Verhältnis zu Routen anderer Forscher (Karte: 1881) Heinrich Oskar Lenz (* 13. April 1848 in Leipzig; † 2. März 1925 in Sooß) war ein deutsch-österreichischer Afrikaforscher, Mineraloge und Geologe.

Leben und Wirken Lenz, Sohn eines Schuhmachers, absolvierte das Leipziger Nicolaigymnasium. Ab 1866 studierte er an der Universität Leipzig Mineralogie und Geologie und wurde dort 1870 zum Dr. phil. promoviert.Ueber das Auftreten jurassischer Gebilde in Böhmen. Dissertation, Universität Leipzig. Gebauer-Schwetschke, Halle an der Saale 1870. – (Digitalisat). 1870 ging er nach Wien als Lehrer an ein Privatinstitut; 1872 trat er als Volontär in die k.k. Geologische Reichsanstalt ein, wo er noch im selben Jahr, verbunden mit der österreichischen Staatsbürgerschaft, definitiv angestellt wurde.Dr. Oskar Lenz, Afrikareisender, S. LXI. Er mappierte südliche und östliche Gebiete von Österreich-Ungarn. 1874–77 war er, in Wien beurlaubt, als Forschungsreisender im Dienste der in Berlin ansässigen Deutschen Gesellschaft zur Erforschung Äquatorial-Afrikas in der französischen Kolonie Gabun, wo er hauptsächlich in der Umgebung des Flusses Ogowe arbeitete. Lenz musste jedoch die Expedition wegen Krankheit sowie der Weigerung seiner schwarzen Begleiter, noch weiter zu gehen, abbrechen. Auf dem Rückweg begegnete er Pierre Savorgnan de Brazza, der die Untersuchung des Ogowebeckens vollendete.

Von 1877 bis 1879 beteiligte er sich im Dienstauftrag der Reichsanstalt als Sections-Geologe an den Landesaufnahmen in Ostgalizien (Gebiet Stryj, Bolechiw, Halytsch) mit denen auch mehrfach prähistorische Ausgrabungen verbunden waren.Dr. Oskar Lenz, Afrikareisender, S. LXII.

Größere Erfolge brachte seine zweite Reise, 1879–80. Eine von Lenz angeführte ExpeditionAbfahrt von Marseille am 6. November 1879. – Behm: Dr. A. Petermann’s Mitteilungen. 26. Band, Jahrgang 1880, S. 319 unten links, online. durchquerte erstmals die Sahara von Marokko an den SenegalAnkunft in Médine (), Mali (siehe: Französisch-Sudan), am 2. November 1880. – Behm: Dr. A. Petermann’s Mitteilungen. 26. Band, Jahrgang 1880, S. 469 Mitte links, online;Endpunkt der Expedition, St.-Louis-de-Sénégal, erreicht am 20. November 1880. – Behm: Dr. A. Petermann’s Mitteilungen. 27. Band, Jahrgang 1881, S. 189 oben links, online; Hauptaugenmerk der Reise waren geologische Studien, vor allem die in Nordwestafrika vermuteten Eisenerzvorkommen. In Timbuktu wurde Lenz, der für den Sohn des Afrikaforschers Heinrich Barth gehalten wurde, am 1. Juli 1880Dr. Oskar Lenz, Afrikareisender, S. LXIII. freundlich empfangen, obwohl die allgemeine Stimmung in der Karawanenstadt wegen der französischen Vorstöße vom Senegal und von Algerien aus in Richtung Niger aufgeheizt und latent fremdenfeindlich war. Lenz, der sich, entsprechend gekleidet, als (muslimischer) türkischer Arzt ausgab, und seine Begleiter hatten weitgehend unbehelligt reisen können, doch beteiligte sich der Forscher nach seiner Rückkehr nach Europa besonders aggressiv an der anti-islamischen Agitation, die eine koloniale Inbesitznahme Nord- und Westafrikas ideologisch rechtfertigen sollte. Aus dem Islam könne „nur Intoleranz, Gier, Morde, Raub und systematische Ermordungen resultieren“ – so Lenz, der in seinem Buch über Timbuktu zugleich behauptete, der Islam sei „der Feind jeglichen Fortschritts“ und existiere „nur durch die Kraft seiner eigenen Trägheit, die ihn unangreifbar“ mache. Indem er dem Islam als eine Verneinung der Kultur (Orig.: „négation de la civilisation“) wahrnahm, wurde ihm der Status einer Kultur abgesprochen. In diesem islamophoben Weltbild stellt Islam eine Antikultur dar. Entsprechend dieser Wahrnehmung wurden Muslime als unzivilisierbar betrachtet.Armin Muftić: Islamophobieforschung im Fadenkreuz der Islamkritiker. Dissertation. Alpen-Adria-Universität Klagenfurt 2019, S. 148 (online). Lenz war der erste Europäer, der von Norden kommend über Timbuktu den Senegal erreichte (Eintreffen in der Hafenstadt Saint-Louis am 22. November 1880). Eine vergleichbare Route war in umgekehrter Richtung von René Caillié (1799–1838) ein halbes Jahrhundert zuvor zurückgelegt worden. mini|250px|Route der von Oskar Lenz geführten Österreichischen Kongo-Expedition, 1885–87 (Karte: 1890)

Nach Vorträgen bei geographischen Gesellschaften in Spanien, Frankreich und Deutschland war Lenz ab Mitte 1881 wieder an der Geologischen Reichsanstalt, befasste sich nun zuvörderst mit geografischen Arbeiten und übernahm die Redaktion der Monatsschrift Aus allen WelttheilenAus allen Welttheilen. Illustriertes Familienblatt für Länder- und Völkerkunde. Erscheinungsverlauf: 1.1869/70(1870) – 29.1898. Paetel, Berlin, ., wurde in der Folge Generalsekretär der k.k. geographischen Gesellschaft und, mit 7. März 1885, ordentlicher Professor der Geographie an der k.k. Universität Czernowitz.Dionýs Štúr: Jahresbericht des Directors D. Stur. In: Verhandlungen der k.k. geologischen Reichsanstalt. Nr. 1/1886. Hölder, Wien 1886, , S. 2 ().

Er kam jedoch nicht dazu, diese Stellung anzutreten, da er von der k.k. geographischen Gesellschaft mit der Leitung einer in den neu errichteten Congo-Staat führenden Expedition beauftragt wurde. Deren Ziel sollte im Weiteren der Versuch sein, vom oberen Kongo aus, in nordöstlicher Richtung, die oberen Nilgebiete zu erreichen und dabei Erkenntnisse über die zwischen beiden Gewässern bestehende Wasserscheide zu erlangen.

Hauptbestreben dieser bis 1887 dauernden Forschungsreise war die Feststellung der tatsächlichen Handelsverhältnisse im 1885 gegründeten Kongo-Freistaat sowie die Kartografierung des Kongo-Stroms. Am 1. Juli 1885 reiste die Expedition auf dem (1881 fertiggestellten, 1908 verschrotteten) Dampfer Carl Woermann von Brunswik (Kiel) ab. Ziel war die an der Kongomündung gelegene Hafenstadt Banana. Die Schiffsroute berücksichtigte Handelsplätze, an denen sich deutsche, britische und französische Faktoreien befanden. Die Ankunft in Banana erfolgte am 14. August 1885.

Lenz konzentrierte sich vor allem auf die geologischen und ethnographischen Studien, während seine Begleiter, zunächst, bis zu dessen Erkrankung an Diphtherie, Oskar Baumann (1864–1899), dann Friedrich Bohndorff (1848–1921), für die Kartografierung des Gebietes zuständig waren. Widrige Umstände, vor allem auch der Mangel einer genügend großen militärischen Macht, ließen den Plan, die Gebiete nördlich vom Kongo zu erreichen, scheitern – jedoch gelang dem Unternehmen die einheitliche Durchquerung des afrikanischen Kontinents von der Mündung des Kongo bis zur Mündung des Zambesi.Dr. Oskar Lenz, Afrikareisender, S. LXIII.

Für etwa 1.600 Flusskilometer, von Pool Malebo (beim heutigen Kinshasa) stromaufwärts bis Kisangani (), benötigte die Forschergruppe, seit 29. Dezember 1885 an Bord des neuen, von der Regierung des Kongo-Staates zur Verfügung gestellten Dampfers H. M. Stanley(…) Nach langem Aufenthalt am untern Kongo (…). In: A. Supan (Hrsg.): Dr. A. Petermanns Mitteilungen, Band 32.1886, S. 60, oben links. — Text online., 48 Tage.Vom Congo zum Zambesi, S. 98. In Kisangani traf Lenz den (europäischen Forschern gut gesinnten) Sklaven- und Elfenbeinhändler Tippo Tip (1837/38–1905), die einflussreichste Persönlichkeit Ostafrikas jener Zeit, der ihm von einer Expedition in die höchst unsicheren Gebiete nördlich des Kongo abriet, ihm jedoch für die kommende Weiterfahrt auf dem stark strömenden Kongo (jenseits der Stanleyfälle) drei schwere Kanus (à 6–8 Ruderer) für so gut wie umsonst gabVom Congo zum Zambesi, S. 100 f. sowie ihm einige seiner arabischen Gefolgsleute zum Schutz gegen Angriffe (anthropophager) Einheimischer zur Seite stellte.

Nach weiteren 48 Tagen erreichten die Kanus Nynagwe () (Provinz Maniema), einen Handelsort, dessen Bedeutung zugunsten von Kasongo (), dem Hauptquartier Tippo Tips, im Schwinden begriffen war. Am 23. Mai 1886 kam die Expedition in das 15 Kilometer landeinwärts gelegene KasongoVom Congo zum Zambesi, S. 104.  – und gelangte später von dort über Landpassagen vom Tanganjika- zum Nyassasee und über Shire und Sambesi am 13. Dezember 1886Vom Congo zum Zambesi, S. 120. an den Indischen Ozean. Die Heimreise führte über Mosambik (das er am 14. Januar 1887 erreichte), SansibarDie Meldung von der sicheren Ankunft in Sansibar führte in einschlägigen Kreisen zunächst zur (abschätzig kommentierten) Annahme, Lenz habe, wie zu jener Zeit bereits üblich, Äquatorialafrika durchquert; ein Erfolg, der das vollständige Scheitern der von Lenz ursprünglich geplanten Entdeckungsreise bedeute. – Siehe: (…) Am 14. Januar ist Prof. Dr. O. Lenz wohlbehalten in Sansibar eingetroffen (…). In: Supan (Hrsg.): Dr. A. Petermanns Mitteilungen, Band 33.1887, S. 57, unten rechts. — Text online.Auch nach Bekanntwerden der tatsächlich gewählten Route hielt sich die Anerkennung für Lenz’ Leistung in Grenzen. – Siehe: (…) Prof. Dr. O. Lenz hat seine Rückreise nach der Ostküste (…). In: Supan (Hrsg.): Dr. A. Petermanns Mitteilungen, Band 33.1887, S. 124, unten links. — Text online. und Aden.

Im März 1887 war Lenz wieder in Wien, und bereits im Juni darauf wurde er ordentlicher Professor an der Deutschen Universität Prag, wo er an der 1875 geschaffenen Lehrkanzel für Geographie Dionys von Grün (1819–1896) nachfolgteDionys Grün: „Die Geographie als selbständige Wissenschaft“, bei der Inaugurirung der neucreirten Lehrkanzel für Geographie an der k.k. Universität zu Prag am 1. Mai 1875 als Antritts-Vortrag gehalten. Calve, Prag 1875, OBV., ein geografisches Institut einrichtete und eine Lehrtradition begründete. Lenz war 1892/93 Dekan, 1902/03 Rektor; 1909 trat er freiwilligEugen Oberhummer: Oskar Lenz †. In: Paul Langhans (Hrsg.): Dr. A. Petermanns Mitteilungen, Band 71.1925, S. 119, oben links. in den Ruhestand.Ein Jahr später wurde die Lehrkanzel für Geographie mit Alfred Grund (1875–1914) besetzt. – Siehe: mini|250px|Wohn- und Sterbehaus (Sooß, Hauptstraße 48) mini|250px|Grabmal auf dem Ortsfriedhof von Sooß Oskar Lenz, der 1894 in der Gemeinde Sooß eine Liegenschaft erworben hatte,Damals: Sooß Nr. 28; heute: Hauptstraße 48. Das nunmehr als Rathaus genutzte Gebäude ist lokal als Paulahof bekannt. – Aus: Viktor Wallner: Der niederösterreichische Bezirk Baden und seine Gemeinden. Eine Publikation der Gemeinden des Verwaltungsbezirkes Baden. Historisches, Aktuelles, Wissenswertes, Statistisches. Niederösterreichische Verlagsgesellschaft, Wiener Neustadt 1995, OBV, S. 214. erlag (ein Jahr nach dem Tode seiner aus Wien stammenden Ehefrau, Paula, geborener Ridolfi) einem Schlaganfall. Er wurde am 5. März 1925 auf dem Ortsfriedhof von Sooß zur letzten Ruhe bestattet.

Lenz war bereits im 70. Lebensjahr nach Georg Schweinfurth (1836–1925) und Gustav Theodor Fritsch (1838–1927) der älteste noch lebende deutsche Afrikaforscher.

Schriften Notizen über den alten Gletscher des Rheinthales. In: Jahrbuch der Kaiserlich-Königlichen Geologischen Reichsanstalt. Band 24.1874, . Braumüller, Wien 1874, S. 325–332. – Volltext online. Reise auf dem Ogowe in West-Afrika. Berichte von Dr. Oskar Lenz an den Vorstand der Deutschen Afrikanischen Gesellschaft. In: Petermann: Mittheilungen aus Justus Perthes’ Geographischer Anstalt. Band 21, Jahrgang 1875, , S. 121–130. — Volltext online. Reise auf dem Okande in Westafrika. Bericht an den Vorstand der deutschen afrikanischen Gesellschaft in Berlin. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Band 10.1875, . Gesellschaft für Erdkunde, Berlin 1875, S. 236–265. — Volltext online sowie Karte einer Reise in die Bajaka-Länder online.

Skizzen aus Westafrika. Selbsterlebnisse von Oskar Lenz. Hofmann, Berlin 1878. — Volltext online.

Lenz’ erste Arbeit für die Neue Freie Presse. – Siehe: