Die Seefahrtschule Bremerhaven war eine Abteilung, später ein Institut der Seefahrtschule der Freien Hansestadt Bremen in Geestemünde.
Geschichte In der Bussestraße, auf der Deichkrone an der Einfahrt zum Handelshafen, entstand 1879 eine Navigationsschule. 1884 wurde sie zum Städtischen Technikum. Beim 1910 gebauten Anleger der Blexen-Fähre gelegen, hieß sie seit 1916 Seefahrtsschule Geestemünde. 1934 wurde daraus die Vereinigte Seefahrts- und Seemaschinistenschule Wesermünde und 1938 die Reichsseefahrtsschule Wesermünde-Cuxhaven. Bei den Luftangriffen auf Wesermünde brannte das Gebäude 1944 ab. 1952 wurde am selben Standort ein Neubau errichtet. Die Seefahrtschule war ab 1947 die Abteilung Bremerhaven der Seefahrtsschule Bremen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele nautische Offiziere in andere Berufe gegangen oder für die Seefahrt zu alt geworden. Zwischen 1952 und 1959 verdoppelte sich hingegen die Zahl der Schiffe unter deutscher Flagge. So ergab sich ein zunehmender Mangel an Nautikern der Großen Fahrt. In Bremerhaven und seiner Umgebung wollten noch manche Seeleute an einem nautischen Lehrgang teilnehmen; da sie sich aber den Besuch einer auswärtigen Schule nicht leisten konnten, ergab sich der Wunsch, an der Abteilung B der Seefahrtschule der Freien Hansestadt Bremen in Bremerhaven auch Lehrgänge für die Große Fahrt durchzuführen. Die Stadtverwaltung und die Industrie- und Handelskammer unterstützten den Wunsch nach Kräften. So begann am 8. April 1953 der erste Lehrgang zum Seesteuermann auf Großer Fahrt (A5) und am 5. Oktober 1953 ein solcher zum Kapitän auf Großer Fahrt (A6). 1954 liefen sechs Lehrgänge, davon zwei für A6. 1958 wurde ein zweisemestriger A5-Lehrgang für künftige Steuerleute eingerichtet. Das 3. Semester und der Erwerb des Befähigungszeugnisses zum Seesteuermann auf Großer Fahrt konnte nach zweijähriger Fahrenszeit nachgeholt werden. 1960 bot die Schule Ausbildungsgänge für die Patente A6, A5, A4, B5, A2, B2 und Lehrgänge zum Erwerb des Seefunksonderzeugnisses an.
Erweiterung Seefahrtschule Bremerhaven (1979)|mini Nachdem sechs weitere Lehrkräfte eingestellt worden waren, bezog die Schiffsingenieurschule am 1. August 1960 ihr neues Gebäude in der Columbusstraße 21.Aus der Schiffsingenieurschule entwickelte sich später der Fachbereich Schiffsbetriebstechnik Die dadurch frei gewordenen Räumlichkeiten konnte die Seefahrtschule nutzen. Im trotzdem nötigen Anbau von 1961 entstanden die Beobachtungsterrasse und das Planetarium, das auch allgemeinbildenden Schulen und der Volkshochschule zur Verfügung stand. Es wurde 2010 erneuert und steht der Allgemeinheit offen.
1965 folgten die Pausenhalle, der Raum für den Radarsimulator, neue Werkräume und eine Erweiterung der Beobachtungsterrasse. Die weserseitigen Räume im Untergeschoss wurden für den Unterricht in Chemie und Seemannschaft hergerichtet.
Der Weg zur Hochschule In den 1960er Jahren fühlten sich die Studenten der höheren Fachschulen gegenüber gleichartig Ausgebildeten in anderen EU-Staaten benachteiligt. Sie forderten eine sechssemestrige Ausbildung. Nach jahrelanger Vorbereitung und unter maßgeblicher Mitwirkung der beiden Abteilungen und des Bremer Oberseefahrtschuldirektors einigten sich die bundesdeutschen Seefahrtschulen im Herbst 1967 auf neue Unterrichtsziele und Lehrpläne. 1968 wurden die Seefahrtschule und alle anderen höheren Fachschulen im Bundesland Freie Hansestadt Bremen zu Akademien umgewandelt.
Das bremische Fachhochschulgesetz von 1970 führte zur Umbenennung der Seefahrtsakademie in Hochschule für Nautik Bremen mit dem Institut Bremerhaven. Noch im September 1970 konstituierten sich die Selbstverwaltungsgremien, die Vollversammlung und der Akademische Rat. Im Spätsommer 1970 verabschiedete der Deutsche Bundestag die neue Schiffsbesetzungs- und Ausbildungsverordnung (SBAO), die zunächst die Arbeit dieser Gremien bestimmte.BBS, Archivlink abgerufen am 25. September 2026 In heftigen Diskussionen über Lehrformen und Lehrinhalte wünschten die Studenten eine Ausbildung über die rein seefahrtsbezogenen Fächer hinaus, um ihre Berufsaussichten zu verbessern. Gleichzeitig wurde befürchtet, dass die Einführung des neuen Befähigungszeugnisses für die „Mittlere Fahrt“ nach der SBAO den Wirkungsbereich der A6-Kapitäne einengte. Schließlich einigte man sich auf 6 Semester für Kapitän auf Großer Fahrt (AG), 4 Semester für Kapitän auf Mittlerer Fahrt (AM), 3 Semester für Kapitän auf Kleiner Fahrt (AK) und 4 Semester für Kapitän in Großer Hochseefischerei (BG). Der erste sechssemestrige Studiengang verließ das Institut Bremerhaven im Juni 1973. Die Absolventen durften sich Diplom-Nautiker nennen. Um auch den AM-Kapitänen das Befähigungszeugnis AG und damit den Hochschulgrad zu ermöglichen, wurden mit dem Bundesministerium für Verkehr neue Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen. Mit ihnen machte sich das Institut Bremerhaven der Hochschule für Nautik Bremen zum Vorreiter für das Bundesgebiet. 1975 entließ es die ersten Absolventen.
Kampf um die Selbständigkeit Als seit 1972 immer mehr Schiffe ausgeflaggt wurden, sank in ganz Westdeutschland die Zahl der AG-Bewerber und bald auch der Interessenten an den anderen Studiengängen. Deshalb wurde erwogen, die nautische und maschinentechnische Ausbildung nach Bremen zu verlegen. Dem konnte man sich vonseiten der Schule und der Stadt erfolgreich widersetzen; denn inzwischen waren zwei völlig neue Studiengänge entwickelt worden, nämlich Transportwesen und Betriebs- und Versorgungstechnik. Die beiden Fachbereiche (Nautik und Schiffsbetriebstechnik) wollten deshalb die organisatorische Selbständigkeit wiederherstellen, die sie vor dem Zweiten Weltkrieg gehabt hatten. Mit der Gründung der Hochschule Bremerhaven am 1. September 1975 waren die Bemühungen erfolgreich.
Leitung
Direktoren und Leiter 1879–1903: Adolf Jungclaus, Kapitän 1904–1910: Joachim Prahm 1910–1916: Franz Kornmehl 1918–1921: Leopold Fellmer 1921–1922: Otto Steppes, danach Direktor in HamburgOtto Steppes in der DNB 1922–1925: Berthold Soeken, danach Direktor in AltonaBerthold Soeken in der DNB und als Archivlink abgerufen am 25. September 2026 1925–1933: Wilhelm Reuter, Kapitän, vorher Apenrade und Leer, danach erster Leiter der Seefahrtsschule in Altona 1933–1934: Gerhard Zwiebler, danach Direktor in Leer und Stettin 1934–1939: Carl Dittmer, danach Direktor in Leer 1939–1945: August Fleschner, Korvettenkapitän d. R. in der Kriegsmarine 1946–1951: Julius Preuss 1951–1963: Martin Berger 1963–1971: Karl Terheyden 1971–1975: Erwin Mücke
Ständige Vertreter des Oberseefahrtschuldirektors in Bremen 1947–1948: Karl Heidtmann 1948–1950: August Fleschner 1950–1956: Seefahrtoberlehrer Wilhelm Ahrenholz (1888–1956) 1957–1963: Oberstudienrat Dr.-Ing. Karl Terheyden, danach Oberseefahrtschuldirektor in Bremen 1963–1965: Oberstudienrat Georg Kuester 1965–1971: Oberstudienrat Friedrich-Wilhelm Krieger 1971–1975: Prof. Frerich van DiekenHochschule Bremerhaven, Archivlink abgerufen am 25. September 2026
Direktoren und Leiter der Schiffsingenieurs- und Seemaschinisten-Schule 1884–1887: Direktor Benedix 1887–1921: Direktor Brockshus 1921–1926: Direktor Prof. Schneider 1903–1926: Marine-Oberingenieur Eckhard, Leiter der Maschinistenschule 1926–1927: Marine-Oberingenieur Dietrich, Leiter der Maschinistenschule 1927–1930: Direktor Reuter 1930–1932: Direktor Dittmer 1932–1938: Schiffsingenieur Storck 1938–1946: Oberbaurat Starke 1946–1952: Oberbaurat Fehsenfeld 1952–1956: Baurat Kehdenburg 1956–1964: Baurat Schliekau 1964–1972: Diplom-Ingenieur Rabien 1972–1975: Diplom-Ingenieur Schaffer
Quellen Festschrift zum 100jährigen Jubiläum der Seefahrtsausbildung in Bremerhaven. 14. Oktober 1979Bibliothek der Hochschule Bremen, Inhalte nicht mehr abrufbar, kein Archivlink auffindbar am 25. September 2026 Harry Gabcke u. a.: Bremerhaven in zwei Jahrhunderten. I. Bd.: 1827–1918, S. 120; II. Bd.: 1919–1947; III. Bd.: 1948–1991, S. 133, 177, 181, Nwd-Verlag, Bremerhaven 1989–1992.
Einzelnachweise
Kategorie:Schule in Bremerhaven Kategorie:Schulgebäude in Bremerhaven Kategorie:Verkehrsgeschichte (Bremerhaven) Kategorie:Erbaut in den 1960er Jahren Kategorie:Geestemünde Kategorie:Bildungseinrichtung (Schifffahrt) Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 1879 Kategorie:Aufgelöst 1975