mini|Hilde Coppi mini|Gedenktafel in Berlin-Tegel, Seidelstraße 20, Parzelle 107. mini|Stolperstein, Seidelstraße 23, in Berlin-Tegel Betti Gertrud Käthe Hilde Coppi, geborene RakeSterberegister Charlottenburg von Berlin, Nr. 5666/1943 (* 30. Mai 1909 in Berlin; † 5. August 1943 in Berlin-Plötzensee) war eine deutsche Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus. Sie gehörte zur Roten Kapelle.
Leben Hilde Rake wuchs in Berlin-Mitte auf; ihre Mutter Hedwig, geborene Grube, betrieb in der Invalidenstraße einen Lederwarenladen. Ihr Vater Max war bereits 1914 verstorben. Sie besuchte eine Höhere Schule für Mädchen und ab 1925 die Handelsschule. Als ihre Mutter den Laden aufgeben musste, brach Hilde ihre Ausbildung ab und arbeitete ab 1927 als Sprechstundenhilfe und Sekretärin in verschiedenen Arztpraxen. Ab September 1939 arbeitete Hilde Rake in Berlin-Wilmersdorf als Sachbearbeiterin in der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte, als sie 1940 Hans Coppi kennenlernte. Bereits vor 1933 knüpfte sie Kontakt zu Mitgliedern der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).
Hilde und Hans Coppi heirateten am 14. Juni 1941 und lebten in Berlin-Borsigwalde in der Kleingartenkolonie Am Waldessaum. Nach dem Beginn des Deutsch-Sowjetischen Kriegs hörte Hilde Coppi den Sender Radio Moskau ab, notierte Adressen deutscher Kriegsgefangener und informierte deren Angehörige, dass die Gefangenen am Leben waren. Sie beteiligte sich mit ihrem Mann an der Zettelklebeaktion gegen die antisowjetische Propagandaausstellung „Das Sowjet-Paradies“, half beim damals illegalen Transport eines defekten Funkgeräts und besorgte für Flugblätter Papier aus der Reichsversicherungsanstalt.
Das Ehepaar Coppi wurde am 12. September 1942 verhaftet. Hilde war schwanger und brachte ihren Sohn Hans am 27. November 1942 im Berliner Frauengefängnis Barnimstraße zur Welt. Am 22. Dezember 1942 wurde ihr Mann in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Auch Hilde Coppi wurde am 20. Januar 1943 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat in Tateinheit mit Feindbegünstigung, Spionage und Rundfunkverbrechen“ zum Tode verurteilt. Nach der Verkündung des Todesurteils brachte sie ihre Verzweiflung in einem Brief an ihre Mutter zum Ausdruck:
Ein Gnadengesuch wurde im Juli 1943 von Adolf Hitler abgelehnt. Die Hinrichtung wurde bis in den August aufgeschoben, damit sie ihr Kind stillen konnte. Am 5. August 1943 wurde Hilde Coppi in Berlin-Plötzensee zusammen mit zwölf weiteren angeklagten Frauen der Roten Kapelle durch das Fallbeil enthauptet. Die Angehörigen durften die Toten nicht bestatten, sie kamen in die Anatomie der Berliner Universität.
Ehrungen Gedenken Berlin-Tegel: Stolpersteine vor ihrem ehemaligen Wohnort, der Kleingartenanlage „Am Waldessaum“ (Seidelstraße 20, am Eingang Weg 5), eine Gedenktafel kennzeichnet das ehemalige Wohnhaus (Weg 5, Parzelle 107)Zukunft der Berliner Kleingärten mit Schutzfrist 2020, hrsg. vom Landesverband Berlin der Gartenfreunde e. V., Berlin 2015, S. 139.Ehrungsverzeichnis des Luisenstädtischen Bildungsvereins
Benennungen Coppistraße in Berlin-Lichtenberg, Eberswalde, Gera, Korschenbroich (Ortsteil Kleinenbroich), Leipzig-Gohlis, Sindelfingen (Ortsteil Maichingen), Wehrheim, Wernigerode, Zeitz Coppiplatz in Leipzig-Gohlis Hilde-Coppi-Weg in Oranienburg (Ortsteil Lehnitz) Berlin-Karlshorst: Hans-und-Hilde-Coppi-Gymnasium Berlin-Lichtenberg: Wohnheim „Hans und Hilde Coppi“ des Studierendenwerks Berlin Freiberg: Hort „Hilde Coppi“
Benennungen in der DDR Brandenburg an der Havel: Kinderheim „Hilde Coppi“ Holzhau und Jonsdorf: Jugendherberge „Hilde Coppi“ Schleusingen: Kinderheim „Hilde Coppi“
Orden Orden des Vaterländischen Krieges II. Klasse, vom Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR am 6. Oktober 1969 postum verliehenHohe sowjetische Ehrungen für antifaschistische Widerstandskämpfer. In: Neues Deutschland, 23. Dezember 1969, S. 5; online.
Film In Liebe, Eure Hilde, Spielfilm von Andreas Dresen (2024), Liv Lisa Fries spielt darin die Rolle der Hilde Coppi
Literatur Elfriede Brüning: … damit Du weiterlebst. Neues Leben, Berlin 1949 (über die Geburt von Hans Coppi junior) Peter Weiss: Die Ästhetik des Widerstands, Henschelverlag, Berlin 1983. Gert Rosiejka: Die Rote Kapelle. „Landesverrat“ als antifaschistischer Widerstand. ergebnisse, Hamburg 1986, ISBN 3-925622-16-0. Heinrich Scheel: Vor den Schranken des Reichskriegsgerichts. Mein Weg in den Widerstand. edition q, Berlin 1993, ISBN 3-86124-147-1. Claudia von Gélieu: Frauen in Haft – Gefängnis Barnimstraße. Elefanten-Press, Berlin 1994, ISBN 3-88520-530-0; überarbeitete Neuausgabe: Barnimstraße 10 – Das Berliner Frauengefängnis 1868–1974, Metropol-Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-86331-224-4 Gilles Perrault: Auf den Spuren der Roten Kapelle. Europaverlag, Wien/München 1994, ISBN 978-3-203-51232-7. Stefan Roloff: Die Rote Kapelle. Die Widerstandsgruppe im Dritten Reich und die Geschichte Helmut Roloffs. Ullstein-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-548-36669-4. Hans Coppi junior, Annäherung an meine Eltern Hans und Hilde Coppi. Wedding-Bücher, Verlag Walter Frey, Berlin 2026, ISBN 978-3-946327-45-5.
Siehe auch Aufhebung von NS-Unrechtsurteilen Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege Ungesühnte Nazijustiz Opfer der NS-Militärjustiz
Weblinks
Ablehnung der Gnadengesuche durch Hitler Gedenkstätte Plötzensee Beate Schräpel: Auch sie waren Widerstandskämpfer. (PDF; 0,1 MB) Hans Coppi erinnert an seine Eltern. Sendung des SWR2, 13. Dezember 2019. Hilde Coppi. Antifaschistinnen aus Anstand.
Einzelnachweise
Kategorie:Widerstandskämpfer (Rote Kapelle Berlin) Kategorie:Opfer der NS-Militärjustiz Kategorie:Hingerichtete Person (NS-Opfer) Kategorie:Hingerichtete Person (Berlin-Plötzensee) Kategorie:Träger des Ordens des Vaterländischen Krieges II. Klasse Kategorie:Person, für die im Bezirk Reinickendorf ein Stolperstein verlegt wurde Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1909 Kategorie:Gestorben 1943 Kategorie:Frau