mini|rechts Sister Rosetta Tharpe (* 20. März 1915 in Cotton Plant, Woodruff County (Arkansas) als Rosetta Nubin; † 9. Oktober 1973 in Philadelphia) war eine US-amerikanische Gospel-, Jazz- und Blues-Sängerin und Gitarristin.

Leben und Wirken Rosetta Tharpe wurde am 20. März 1915 in Cotton Plant (Woodruff County) als Tochter von Katie Bell Nubin Atkins – einer Evangelistin, Sängerin und Mandolinenspielerin der Church of God in Christ (COGIC) – und Willis Atkins, eines pfingstlerischen Pastors, geboren.

Sie war erst sechs Jahre alt, als sie mit ihrer Mutter nach Chicago zog, um dort zu singen. Sonntags war sie in Kirchen zu hören; nebenbei lernte sie Gitarre spielen. Bald wurde sie „Little Sister“ genannt. Ihr Gitarrenstil wurde vom Mandolinenspiel ihrer Mutter und von der Pianistin Arizona Dranes beeinflusst. 1931 zog die Familie nach Harlem, New York.

19-jährig heiratete sie 1934 in Chicago, von der Mutter arrangiert, den Prediger der Church of God in Christ, Reverend Thomas A. Thorpe, von dem sie sich 1938 wieder trennte und daraufhin mit ihrer Mutter zurück nach New York zog. Sie nutzte ihren Ehenamen in leicht veränderter Form aber weiterhin als Künstlernamen.

Am 31. Oktober 1938 unterzeichnete sie einen Vertrag mit Decca Records, die im folgenden Jahr unter dem Titel The Lonesome Road ein aus fünf Schellackplatten bestehendes Album mit ihr herausbrachten. Mit Unterstützung des Jazzorchesters von Lucky Millinder nahm Tharpe That's All, My Man and I, The Lonesome Road und Rock Me auf, die ersten Gospelsongs, die jemals von Decca Records aufgenommen wurden. Im selben Jahr wurde sie für Cab Calloways berühmte Cotton-Club-Revue in Harlem engagiert, mit dem sie auch Aufnahmen machte. Sie trat in Nachtclubs auf, entschied sich aber für den Gospel-Markt, tourte mit The Detroiters und nahm Duette mit Marie Knight wie auch mit ihrer Mutter Katie Bell Nubin auf.Katie Bell Nubin sollte später mit dem Quintett von Dizzy Gillespie ein Album aufnehmen; vgl. Brian Priestley, S. 636. Mit Marie Knight verband sie eine enge Freundschaft, ob es eine sexuelle Beziehung war, ist strittig.

Am 23. Dezember 1938 trat sie in John Hammonds berühmtem Konzert From Spirituals to Swing in der Carnegie Hall auf. Ihre Popularität war so groß, dass sie als einer von nur zwei Gospelacts während des Zweiten Weltkriegs V-Discs für die amerikanischen Überseetruppen aufnahm.

1943 heiratete sie in zweiter Ehe den Promoter Foch P. Allen. Im Jahr darauf legte sie sich den Namen „Sister Rosetta Tharpe“ zu und wurde fortan zu einer der herausragendsten Stimmen der Gospel-Musik. Die 1944 veröffentlichte Platte Strange Things Happen Everyday aus dieser Zeit gilt als die erste echte Rock-’n’-Roll-Platte aller Zeiten. Strange Things … wurde der erste Gospelsong, der es in die Top 10 der Billboard der „Harlem Hit Parade“ schaffte (die als „Race Records“ bis in die späten 1950er Jahre existierte, bis sie schließlich zu R&B wurde).

1947 ließ sie sich in Nevada von Allen scheiden.

1950 trat sie das erste Mal landesweit in einer Fernsehshow, der Perry Como Supper Show, auf.

Zu ihrer Hochzeit mit ihrem dritten Ehemann und späteren Manager Russell Morrison am 13. Juli 1951 im Griffith Baseball Stadium in Washington wurden über 26.000 Eintrittskarten verkauft. Schon ein Jahr vor der Hochzeit wurde das Stadion durch ihr Management gebucht, obwohl Tharpe zu diesem Zeitpunkt noch keinen potentiellen Bräutigam hatte. Die Zeremonie erschien im selben Jahr bei Decca auf vier Schellack-Platten.

Mitte der 1950er Jahre ließ ihr Erfolg in den USA deutlich nach, doch sie hörte nicht auf, Platten aufzunehmen oder Konzerte zu geben. 1957 nahm sie ihr letztes Lied für Decca auf.

Im November 1957 ging sie als America's Sensational Gospel Singing Favourite mit Chris Barber auf eine dreiwöchige Tour nach Großbritannien. Hier wurde sie für ihre Auftritte gefeiert,Doug Jackson: Jazz Notes: Sister Rosetta Sets 4,000 Fett Tapping. In: Alderley & Wilmslow Advertiser vom 13. Dezember 1957, S. 4. sowie – wegen ihres religiösen Hintergrunds und ihres Stils mit ‚superbem‘ Gitarrenspiel – „Holy Roller“ genannt.The ‚Holy Roller‘ Sings with Artistry. In: Birmingham Daily Post vom 23. November 1957, S. 7. 1958 trat sie in Stuttgart auf, wo sie von dem Pianisten Horst Jankowski und seiner Band begleitet wurde.

1960 ließ sie sich schließlich in Philadelphia nieder. Am 7. Mai 1964 trat sie neben Muddy Waters, Sonny Terry & Brownie McGhee und anderen bei dem immer wieder „legendär“ genannten Gig Blues and Gospel Train in der seit 1958 aufgelassenen Wilbraham Road Railway Station von Manchester auf, die für die Fernsehaufzeichnung durch Granada Television als Chorltonville im Stile einer Bahnstation in den US-Südstaaten gestaltet worden war. Die Veranstaltung, zu der Musiker wie Eric Clapton, Jeff Beck, Keith Richards und Brian Jones aus London angereist waren, hatte in Tharpes Auftritt einen Höhepunkt. Ihr Beitrag Didn’t it Rain, Children? verdeutlicht, weshalb sie inzwischen als Godmother, vielen auch als Mother of Rock ’n’ Roll gilt. Die britische Musikjournalistin Maureen Cleave (1934–2021) notierte bereits 1964, man könne Tharpe, ohne zu übertreiben, die „erste Rock-’n’-Roll-Gitarristin“ nennen, ein Vorschlag, von dem diese amüsiert gewesen sei.Maureen Cleave: Sister Rosetta knows how to get them rolling. In: Belfast Telegraph. Ireland's Saturday Night vom 16. Mai 1964, S. 7: „In fact, without stretching the point, you might call Sister Rosetta the first rock 'n' roll guitarist. She is amused by the suggestion.“ Während der gesamten 1960er Jahre tourte sie intensiv durch Europa, ein weiteres Highlight war ihr Konzert 1966 in Limoges, das 2024 erneut auf Tonträger veröffentlicht wurde.

Nach einem Schlaganfall 1970 musste sie kürzertreten, betätigte sich aber weiterhin als Musikerin bis zu ihrem Tod am 9. Oktober 1973 in Philadelphia, wo sie auf dem Northwood Cemetery beigesetzt wurde.

In Tharpes Gospelstil stecken Jazz, Blues und Rock ’n’ Roll. Einzigartig war ihre Selbstbegleitung auf der Gitarre, teilweise im Slide-Guitar-Stil. 2007 wurde Sister Rosetta Tharpe in die Blues Hall of Fame aufgenommen. Tharpes Aufnahme des Songs This Train wurde 2015 in die Grammy Hall of Fame aufgenommen. JazzTimes Im Dezember 2017 wurde Tharpe mit der Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame in der Kategorie Frühe Einflüsse geehrt.Your official Rock Hall class of 2018 roster. Website der Hall of Fame, abgerufen am 14. Dezember 2017 (englisch)

Vermächtnis mini|Keramik von Anthony Natsoulas Rosetta Tharpes Hitsingle This Train verwendete Willie Dixon als Vorlage für den Song My Babe, der ein großer Hit für Little Walter wurde. Elvis Presley nahm Songs von ihr auf, und auch Eric Clapton, Little Richard Johnny Cash und Tina TurnerMark Bego: Tina Turner: Break Every Rule, 2003, S. 18 nannten sie als musikalischen Einfluss. Chuck Berry soll gesagt haben, dass seine Karriere auf der Interpretation von Tharpe fusst. 1998 gab die US-Post eine Briefmarke mit ihrem Bild heraus. 2003 wurde das Album Shout, Sister Shout: A Tribute to Sister Rosetta Tharpe veröffentlicht, auf dem unter anderem Maria Muldaur, Odetta und Marcia Ball Songs der Künstlerin interpretierten. Unter demselben Namen erschien 2008 die Biografie von Gayle F. Wald, die wiederum Grundlage für das gleichnamige Musical war, welches im Mai 2023 im Ford’s Theater in Washington Premiere feierte.

Der 11. Januar 2008 wurde vom Gouverneur von Pennsylvania zum Sister-Rosetta-Tharpe-Day erklärt, um die Gospelsängerin zu ehren.Rosetta Tharpe Day Des Weiteren widmete ihr der britische Singer- und Songwriter Frank Turner den Song Sister Rosetta, welcher auf dem am 16. August 2019 veröffentlichten Album No Man’s Land erschien. Unter dem Titel Strange Things Happening: A Tribute to Sister Rosetta Tharpe veranstaltete Gitarrenhersteller Gibson 2023 ein Tribute-Konzert in der texanischen Hauptstadt Austin.

Da’Vine Joy Randolph gab im Februar 2024 bekannt, das Leben von Tharpe, mit sich in der Hauptrolle, verfilmen zu wollen.

Sonstiges In dem Spielfilm Die fabelhafte Welt der Amélie wird ein Auftritt von ihr kurz gezeigt.

Diskografie 1939: 1956: Gospel Train – Universal Distribution 1958: Sister Rosetta Tharpe/The Sam Price Trio – Decca 1960: Gospel Train, Vol. 2 – Lection Records 1960: Live in 1960 – Southland 1962: Sister on Tour (live) – Verve 1966: Live at the Hot Club de France – Milan 1990: ‚Queen of Sex‘ Sings Sultry Songs – Rosetta Records 1995: In Concert (live) – Nesak International

Zwischen 1996 und 1998 erschienen auf Document Records drei Alben mit sämtlichen Aufnahmen von 1938 bis 1947.All Music Guide

Tributealbum 2003: A Tribute to Sister Rosetta Tharpe: Shout, Sister, Shout! – M.C. Records

Bühne Es gibt verschiedene Musicals über Rosetta Tharpe: Marie and Rosetta, von Rosetta Tharpe (Musik) und George Brant (Buch)Uraufführung: 24. August 2016, Atlantic Theater Company, New York City Shout Sister Shout! Von Cheryl L. WestUraufführung: 19. September 2017, Pasadena Playhouse, Pasadena, Kalifornien Shout Sister Shout! Von Cheryl L. West (überarbeitete und erweiterte Version)Premiere: 15. März 2023 an Ford’s Theatre in Washington, D.C. Glory – The Story of Sister Rosetta Tharpe. Von Carol Pemberton (Musik) und Carol Russell (Buch)Uraufführung: 22. Dezember 2024, Royal Birmingham Conservatoire, Birmingham

Literatur Brian Priestley: Sister Rosetta Tharpe. In: Ian Carr, Digby Fairweather, Brian Priestley: Rough Guide Jazz. Der ultimative Führer zum Jazz. 1800 Bands und Künstler von den Anfängen bis heute. 2., erweiterte und aktualisierte Auflage. Metzler, Stuttgart / Weimar 2004, ISBN 3-476-01892-X (englische Ausgabe: Rough Guides 2007, ISBN 1-84353-256-5). Gayle F. Wald: Shout, Sister, Shout!: The Untold Story of Rock-and-Roll Trailblazer Sister Rosetta Tharpe. Beacon Press, Boston 2007. Sister Rosetta Tharpe: Remembering Rosetta. In: Living Blues 34. November/Dezember 2003, S. 106–113.

Weblinks

’Sister Rosetta’ Tharpe (1915-1973) bei Encyclopedia of Arkansas History & Culture Die 250 besten Gitarristen aller Zeiten – Platz 6: Sister Rosetta Tharpe bei Rolling Stone vom 19. September 2025 The Godmother of Rock & Roll, Dokumentarfilm von Mick Csáky, Antelope Films 2014 (englisch) Musikbeispiele

Einzelnachweise

Kategorie:Gospel-Sänger Kategorie:R&B-Sänger Kategorie:Gitarrist Kategorie:Mitglied der Blues Hall of Fame Kategorie:Mitglied der Rock and Roll Hall of Fame Kategorie:Musiker (Vereinigte Staaten) Kategorie:Pseudonym Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1915 Kategorie:Gestorben 1973 Kategorie:Frau